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März 2008

 

März 2008

31.03.08

Diese Woche haben wir ausnahmsweise eine Tageszeitung. Am Telefon ließen wir uns ein Probeabo aufschwatzen, die erste von 6 Ausgaben kam schon am Samstag. Eine Tageszeitung fest zu abonnieren, kommt für mich nicht in Frage. Inhaltlich ist eine solche Nachrichtenquelle durch Radio und Internet ersetzbar, bzw. sind viele Meldungen darin nicht unbedingt wichtig.

Heute steht nur das gewohnte Hickhack zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber, diesmal die kommunalen, zwischen Ypsilanti in Hessen und der Suche nach der Regierungsform zu lesen, muss man nicht wirklich wissen und kann auf ein Ergebnis warten.
Bush ist mit dem deutschen Afghanistaneinsatz lediglich im Norden, nun doch zufrieden, -wahrscheinlich hat er eingesehen, dass hierzulande die Gegner eines Kampfs im Süden nicht einfach übergangen werden können-.
Die Gegner einer Rentenerhöhung in Deutschland machen lautstarken Druck in der Öffentlichkeit, während der Arbeitsminister Scholz die 20 Millionen Ruheständler doch gerne mit ein paar Euro mehr beglücken möchte. Keiner der Kontrahenten hat hierzu aber einen realistischen und zukunftsfähigen Vorschlag zu machen, keiner spricht über die notwendige radikale Umstellung des Rentensystems.
Aus Simbabwe wird schwerer Wahlbetrug gemeldet, aus China die Aussperrung von Reportern von der Zeremonie mit der Ankunft des olympischen Feuers und neue Proteste in Tibet.
In Paris sind über 35.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die schlechten Bezüge für Behinderte und deren Ausgrenzung aus dem Arbeitsleben zu protestieren. Auch diese Leute fühlen sich von Präsident Sarkozy verschaukelt.

Interessant ist heute vielleicht eine Grafik über die Bruttowerbeaufwendungen der einzelnen deutschen Sparten in 2007.
Spitzenreiter sind hier die Handelorganisationen mit fast 2 Milliarden Euro Werbeaufwand. Die PKW-Sparte folgt mit gut 1,5 Milliarden, dann kommen die deutschen Zeitungen mit mehr als 1,25 Milliarden Euro, - eine von diesen Zeitungen habe ich vor mir liegen und das Probeabo wird wohl auch in diesen Werbungskosten enthalten sein -.
Knapp unter der Milliarde liegen die Werbeausgaben der Publikumszeitschriften, die Telekommunikationsbranche steht mit gut 850 Millionen und Verlage und Medien mit 625 Millionen.
Es folgen noch einige andere Sparten, ist aber nicht so interessant.
Eine ganzseitige Anzeige von Lidl stemmt sich gegen die neuesten Vorwürfe über die Bespitzelung von Mitarbeitern, - ist oben im ersten Posten bei Handelsorganisationen enthalten -, ebenso die ganzseitige Anzeige von Aldi. Ryanair bietet Flüge für 10 Euro an.

Auf der Lokalseite wurde über die dritte Messe zum Werkstoff Holz berichtet, die am Wochenende hier in einem Nachbarort statt fand: "Staatssekretärin schwärmt vom Rohstoff Holz und seiner umweltfreundlichen Nachhaltigkeit".
Nunja, die Staatssekretärin wurde lächelnd in die Kamera blickend abgelichtet, wie sie eine Bohrmaschine auf ein dickes Brett hält und dabei von einem Handwerker, einem Kreisbeigeordneten und dem Messeveranstalter assistiert wurde. Eventuell weiß die Staatssekretärin jetzt etwas mehr über den Werkstoff der, wie sie sagte, wegen seiner "umweltfreundlichen Nachhaltigkeit und dem ausstrahlenden Wohlfühlcharakter bei vielen Menschen mehr und mehr ins Zentrum gerückt wird." Umweltfreundliche Nachhaltigkeit? Doppelt gemoppelt hält besser, sagt man bei uns. Bei Ahnungslosen kann man damit vielleicht Eindruck schinden.

Immerhin führt das Probeabo bei mir schon mit dem ersten Exemplar zur Beantwortung der Frage, wieso es den Zeitungen in Deutschland schlecht geht, und sie mit enormen Werbeausgaben und Probeabos an der Front kämpfen müssen. Wer braucht einen solchen Inhalt?
Immerhin lässt sich die Zeitung für uns noch als Anmachpapier für den Holzofen verwenden, besser als nichts.

 

30.03.08

Eine ehrenamtliche Aufgabe, die ich in unserer Gemeinde übernommen habe, besteht darin, die jungen Bäume auf den öffentlichen Flächen im Ort zu pflegen.
Hauptsächlich müssen diese aufgeastet, d.h. die unteren Äste müssen nach und nach entfernt werden, damit die endgültige Baumkrone sich über dem Lichtraumprofil entfaltet. Der Verkehr, besonders hohe LKWs, müssen unter dem Baum durchfahren können, ohne an einem tiefen Ast hängen zu bleiben.
Vor allem der Baum könnte einen schweren Schaden bekommen, würde einmal das Fahrzeug der Müllabfuhr beispielsweise einen Ast abreißen.
Wenn man die Äste abschneidet so lange sie noch recht dünn sind, kann der Baum diese kleinen Wunden schnell verheilen. Deshalb ist es ratsam, dieses In-Form-Bringen eines Dorfbaums regelmäßig jedes Jahr zu betreiben und nachfolgend seinem jährlichen Wachstum.

Nächste Woche werde ich mit der Arbeit beginnen und hier darüber berichten, allerdings habe ich mich gestern schon um einen der Bäume gekümmert und dabei ein sehr lästiges Erlebnis gehabt.

Dieses Erlebnis begegnet mir in jedem Jahr wieder, und es ist sicher in ganz Deutschland das Gleiche, immer gibt es einzelne Leute, meist Anwohner, die ihre abfälligen Kommentare über den Baum abgeben müssen.
Gestern war es eine alte Frau, sie beschwerte sich lautstark über die "Gefahr" des Laubfalls, die von dem Baum ausgeht, und dies umso stärker, je größer der Baum wird. Das Laub würde ihnen in den frisch gepflasterten Hof wehen und sie hätten viel Arbeit mit dem Aufkehren, etc.
Bei solchen Leuten habe ich es auch aufgegeben, die Vorteile eines Baumes im Ort herauszustellen und zu appellieren, dass das Laub doch nun wirklich kaum Arbeit bereitet. Diese Leute wollen am liebsten einen völlig kahlen Ort um sich herum ohne das geringste Gehölz, von dem sich Blätter lösen könnten.
In gigantischen Mengen werden im Land täglich Giftstoffe und andere schädliche Dinge über das Land verteilt, aber Menschen mit dieser Art von Bewusstsein beschweren sich nur über die Bäume in ihrer Nachbarschaft.
Ich sage dann immer nur, ich sei ja nur für die Pflege verantwortlich, sie solle sich doch mit der grundsätzlichen Kritik an die Gemeinde wenden. Natürlich ist mir auch die Gefahr daraus sofort bewusst, denn der Sohn der alten Frau ist Mitglied im Gemeinderat, und als einer der lautesten Betonköpfe im Ort, kann er natürlich beantragen, dass der Baum ganz entfernt wird.
Also heißt es mit dem Bürgermeister reden, den Hinweis geben, dass nur rückständige Gemeinden eine Durchgrünung des Ortes ablehnen, dass Bäume ein Mittel gegen den Klimawandel sind, vor einem ärmlichen Ortsbild ohne Bäume warnen, und notfalls, den Frevel am Gehölz an die große Glocke hängen, Presse einschalten, im Internet die Schuldigen veröffentlichen, usw.
Es reicht also nicht nur aus, die Bäume zu beschneiden, ich muss sie auch noch gegen Feinde in Schutz nehmen.

Gestern, um noch zwei Bilder zu zeigen, ging es also um einen jungen, vielleicht zehnjährigen Bergahorn, der sich auf einer Fläche mit Cotoneastergestrüpp einmal selbst gepflanzt hatte, aber einen guten Platz besetzt.

Die gesamte Krone halte ich erst mal etwas niedrig, um ein Kräftigerwerden des Stammes abzuwarten. Ohnehin ragt die Krone nur auf einer Seite auf eine Parkfläche. Hier sollten später einmal unten drunter gut 4 Meter Platz sein.
Eine Besonderheit hat der Baum:
In seiner Anfangsphase muss er einmal umgedrückt worden sein und hat sich dann einen halben Meter weiter aber wieder aufgerichtet. So liegt der untere Stammteil wie der Körper einer Riesenschlange ein Stück weit auf dem Boden, bis sich dann der senkrechte Stamm erhebt. Dadurch ist die Statik des Baums beeinträchtigt, was später einmal Probleme bereiten könnte.

Deshalb habe ich im letzten Jahr vor dem Stamm zwei weitere Bergahornpflanzen eingesetzt, die ich mit dem Stamm verwachsen lassen will. Die Technik dazu habe ich des öfteren schon ausprobiert.
Später ruht der Baum dann gewissermaßen auf einem Dreibein, und steht besser als normal gewachsen. Zum Schutz des Baumes vor den Unkrautbeauftragten aus den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die wohl in den nächsten Wochen auch hierher zum Jäten geschickt werden, habe ich dem Stamm eine Einfassung aus vier Pfählen spendiert, die noch mit einem Drahtgitter ergänzt werden kann.
Hoffen wir nur, dass die Baumgegner nicht doch mal Gelegenheit finden, sich an dem Ahorn zu vergreifen bevor er ein stattlicher Dorfbaum geworden ist.

 

29.03.08

Der Transrapid ist in Deutschland endgültig gescheitert. Die letzte noch erwägte Strecke in München, als Zubringer zum Flughafen, ist endlich als viel zu teuer erkannt worden und zu den Akten gelegt.
Viele Milliarden sind hier versenkt worden, Geld das an anderer Stelle viel nötiger gebraucht worden wäre. Die Verantwortlichen schieben sich nun gegenseitig die Schuld in die Schuhe.
War nun das Industriekonsortium schuld, das von Anfang an keinen endgültigen Gesamtpreis nennen wollte oder konnte und damit eine vollständige Kosten-Nutzen-Berechnung unmöglich machte? Oder war es die Bundesregierung, die nur zur Finanzierung eines kleinen Teils der Strecke bereit war? Oder war es die Bayrische Landesregierung von Edmund Stoiber, die mit Modernitätsscheuklappen und völlig technologiebetrunken nicht mehr klar denken konnte, als sie sich in dieses Abenteuer begab? Edmund Stoiber, dieser Laptop- und Lederhosenhallodri ist ja fein raus, mit seinem Job als Antikorruptionsstatue bei der EU in Brüssel. Seine Nachfolger sind jetzt die Blamierten und müssen mit ansehen, wie die Sache auch ihre Partei belastet.

Weil keine Aussicht mehr auf eine weitere Chance für die Magnetschwebebahn in Europa besteht, soll jetzt das ganze Paket, all die entwickelte Technik nach China verkauft werden. Für China ist die Sache allerdings viel zu teuer. Einmal hat sich auch die chinesische Teststrecke bei Shanghai nicht gelohnt, zum anderen haben die Chinesen die Technik längst selbst kopiert und die Möglichkeiten zu einem eigenen System ausgelotet. Warum sollten sie kaufen, was sie selbst fast schon haben?

Denken wir aber positiv. Lassen wir den Ausklang dieses Hirngespinsts doch als Sieg für die Gesellschaft stehen, wenn er auch gigantische Summen verschlungen hat.
Gut war es an diesem Beispiel zu sehen, dass die Industriepolitik der Bundesregierung nicht anderes ist, als hoffnungsvolles Stochern im Nebel. Geleitet wird diese Politik nicht von der Suche nach dem langfristig Besten für die Gesellschaft, sondern von Industriehörigkeit, Wahn nach rein quantitativem Fortschritt und mangelhafter Gabe, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen.
All die so scheinbar wichtigen Herren in den ach so wichtigen Treffen und Gesprächen, all die vielen Milliarden aus dem Staatssäckel und Schwärmereien der Säckelverwalter mit dem süßen Brett aus üppigem Prestige vor ihrem Kopf. Wie konnte man nur bereitwillig solche Beträge über viele Jahre zum Fenster hinaus werfen? Antwort: Weil wir von einer Clique aus ignoranten Dilettanten regiert werden.
Vielleicht trägt die Transrapidschlappe ja zu einer neuen Sicht über die wahren Fähigkeiten und Absichten der "Volksvertreter" bei.
Außerdem:
Denken wir doch auch an die vielen befreiten Menschen in Deutschland, die nun nicht mehr befürchten müssen, solch ein Projekt hinters Haus gestellt zu bekommen, deren Grundstück jetzt nicht mehr eventuell enteignet werden muss, weil sie nicht bereit sind, für solch einen Quatsch zu verkaufen.
Und denken wir an den Vorteil für die Umwelt, an die ersparten Schäden aus dem nicht stattfindenden Bau der Technik und aus ihrem vermiedenen Betrieb und Unterhalt.
Und schließlich, denken wir an den heilsamen Effekt der Ernüchterung für die Gesellschaft. Wie mit einer Schüssel kalten Wassers übergossen in einer Zeit der ungesunden Überhitzung sind einige Leute wieder auf dem Boden angekommen und verspüren die Notwendigkeit der Haftung auf ihm.
Die Menschen haben einen Sieg errungen zumindest in der Hinsicht, dass sich die in deutschen Parteien weit verbreitete Selbstherrlichkeit und Großmannssucht der Fortschrittsagitatoren selbst zu Fall gebracht hat. Auch wenn sie wieder aufsteht, wird sie doch merklich hinken.

 

28.03.08

In Hamburg findet derzeit (26. bis 28. März) der Extremwetterkongress statt.
Der Kongress ist der dritte seiner Art. Auf einer eigenen Website richten sich die Organisatoren an die Öffentlichkeit.
Auf der Startseite heißt es: "Extreme Wetterereignisse nehmen in Folge des Klimawandels zu. Sie stellen die größte Herausforderung und das größte volkswirtschaftliche Risiko durch den Klimawandel dar. Dieser Kongress bündelt einmal im Jahr den wissenschaftlichen Stand der Dinge. Die hochkarätigen Vorträge zeigen auf verständliche Weise die Ursachen extremen Wetters, dessen Vorhersage und die Erwartungen für die Zukunft auf Basis der Klimamodelle.
Der ExtremWetterKongress richtet sich an ein breites Publikum. Journalisten, Interessierte Laien, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter der Wirtschaft finden sich hier ebenso ein, wie die Vertreter staatlicher und nichtstaatlicher Wetterdienste und die bekannten Radio- und Fernsehmeteorologen. Mit über 700 Teilnehmern ist der ExtremWetterKongress der größte jährliche in Europa stattfindende Kongress zu diesem Themenkomplex."

Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Bundesländer sind unterschiedlich. Wahrscheinlich sind die ärmeren Länder stärker betroffen als die reicheren. Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin werden offenbar am glimpflichsten davon kommen.
Während die deutschen Skigebiete wegen durchgehender Schneefreiheit komplett ausfallen werden, bringt die Erwärmung für die Bereiche an Nord- und Ostsee Vorteile. Die Erwärmung lädt hier öfter zum Baden und zum Sitzen in Straßencafes ein.

In Sudwestdeutschland und auch in Ostdeutschland wird es öfters heiße Sommer mit Trockenperioden geben. Die Waldbrandgefahr steigt dabei rapide ebenso wie die Wahrscheinlichkeit deutlicher Ernteausfälle durch Wassermangel.
Man wird sich auf ein vermehrtes Auftreten von Schädlingen einstellen müssen, was auch die Ernten schmälern wird.
Die Gefahr von Überflutungen steigt ebenfalls, weil Regenfälle zunehmend eher große Wassermassen über das Land bringen. Besonders an den Flüssen werden die Schäden in Siedlungsgebieten und an Agrarflächen empfindliche Schadkosten verursachen.
Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), werden in den nächsten 50 Jahren Schäden in allen volkswirtschaftlichen Sektoren in Höhe von 800 Milliarden Euro auf die Bundesländer zukommen.
Große Kraftwerke werden im Sommer Probleme bekommen, genug Kühlwasser zur Anlagenbetreibung aus den Flüssen zu entnehmen. Damit werden auch die Energiekosten steigen.

Wissenschaftler der Universität Frankfurt beschreiben in ihrem neuen Klima-Trend-Atlas Europa (im Internet ab Anfang April) die dramatischen Temperatursteigerungen an etlichen Orten. Durch die zunehmende Veränderung der Polargebiete sind laut Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) dramatische Veränderungen auf den Energiehaushalt der Erde, die Gaszusammensetzung der Atmosphäre, Ozeanströmungen, Windsysteme und den Meeresspiegel zu erwarten.

Es kommt einiges auf uns zu, auch in Deutschland und direkt vor unserer Haustür. Die Zukunft beginnt schneller und einschneidender als erwartet, in welche die herrschende Ökonomie die verursachten Schadkosten Jahrzehnte lang abzuwälzen gewohnt war.
Für den Wohlstand der letzten Jahre werden wir alle in den nächsten Jahren bezahlen müssen. Viele werden sich noch wünschen, wir hätten diese ökologischen Schäden gar nicht verursacht und sind dann vielleicht bereit, über ein Wirtschaftssystem nachzudenken, welches ohne die Erzeugung dieser Schäden auskommt.
Würden wir heute auf ein solch nachhaltiges Wirtschaftssystem umstellen, etwa die Kategorische Marktwirtschaft einführen, wären wir trotzdem zu einem immens langen Bremsweg verdonnert, bevor in einigen Jahrzehnten eine Verbesserung spürbar sein könnte.
Wichtig ist aber, jetzt auf die Bremse zu treten, denn: Je länger wir schlafen, desto böser das Erwachen!

 

27.03.08

Am letzten Sonntag gab es in der Süddeutschen Zeitung einen wichtigen Artikel von Jeremey Rifkin, dem amerikanischen Ökonomen, und Gründer und Präsident der "'Foundation on Economic Trends" in Washington.
Im Jahr 2007 lebten zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte, mehr Menschen in den großen Ballungsgebieten, als auf dem Land. Die Tendenz ist stark steigend, und Rifkin beschreibt die Probleme, die mit dem neuen Siedlungsverhalten auf den "Homo Urbanus", den verstädterten Menschen, zukommen.

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war das alte Rom die einzige Stadt in der Menschheitsgeschichte, mit einer Bevölkerungszahl von mehr als einer Million Einwohnern. 1820 hatte dann London als moderne Stadt über eine Million.
Heute gibt es fast 420 Städte auf der Erde, deren Einwohnerzahl über der Million liegen und diese werden immer noch größer.
Im Jahr 2042 wird die gesamte Erdbevölkerung auf neun Milliarden angestiegen sein. Mehr als 1000 Städte haben dann über eine Million Einwohner.
Rifkin zählt Fakten auf:
"Der Sears Tower in Chicago verbraucht an einem einzigen Tag mehr Elektrizität als eine Stadt mit 35.000 Einwohnern... Wachsende Bevölkerung, immer mehr Verbrauch an Nahrung, Wasser, Baumaterial, erweiterte Straßen- und Schienennutzung und die zunehmende Urbanisierung dringen weiterhin in die verbliebene Wildnis vor und beschleunigen ihre Vernichtung... Wir müssen überlegen, wie wir die Bevölkerungszahl verringern und beständige urbane Umfelder gestalten können, die Energie und Ressourcen wirksamer nutzen, weniger giftig und besser dazu geeignet sind, einen menschengerechten Lebensstil zu fördern..."

Momentan sieht es eher danach aus, als sagten die gegenwärtigen Menschengenerationen: Nach uns das Licht aus! - ?
Was liegt näher, als den Naturverbrauch in die Preise der Produkte und Dienstleistungen einzurechnen, ebenso wie andere ökologische und soziale Schadkosten für die Menschheit. Das Problem des Flächenverbrauchs ließe sich damit auf marktwirtschaftliche Weise eindämmen. Im Gegenzug würden regionale Lösungen bevorzugt.
Gegen das Anwachsen der Weltbevölkerung gibt es kein einfaches Rezept. Eine Ökonomie, die die Bedeutung der Regionen wieder herstellt, - Stichworte: Produktion in den Regionen, wohnen außerhalb der Städte, Möglichkeiten zu dezentraler Erwerbsarbeit, neues Selbstbewusstsein der ländlichen Gegenden durch menschengerechtere Lebensbedingungen als in den Städten, bessere soziale Perspektiven, usw.-, und andererseits einen qualitativen Mindestwohlstand für die armen Bevölkerungsschichten begünstigt, ist obere Voraussetzung gegen die Übervölkerung des Planeten.

 

26.03.08

Wenn FDP-Chef Westerwelle sich, wie heute wieder geschehen, in der Bild-Zeitung äußert, kommt wenig vernünftiges dabei heraus. Er fordert eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Energiepreisen. Diese seien die "Brotpreise des 21ten Jahrhunderts".
Westerwelle dokumentiert mal wieder seine haarsträubende Unkenntnis der Zusammenhänge zwischen Energieverbrauch und Umweltschädigung. Er nimmt für sich doch in Anspruch, ein Marktwirtschaftler zu sein, dann kann er aber doch nicht die marktwirtschaftlichen Auswirkungen seines Vorschlags ignorieren, nämlich, dass mit einer Verbilligung auch die Energieverschwendung gefördert wird.
Es kann natürlich auch sein, dass er die Bedingungen wohl weiß, dass er sie aber wegschiebt, weil er Wahlkampf machen will. Dafür spricht der Ort, wo er seine Absurdität hat veröffentlichen lassen. Die Leser der Bild-Zeitung sind ja wohl am wenigsten mit der Auffassungsgabe ausgestattet, die fatalen Wirkungen von hohem Energieverbrauch und den direkten Bezug zum Zustand ihrer eigenen Lebensgrundlagen zu überblicken.
Hier kann Westerwelle am ehesten dieses Raunen am Stammtisch oder in der Frühstückspause am Arbeitsplatz auslösen, von dem er sich einen Zuspruch zu seiner Partei erhofft.
Will Westerwelle sein Wählerpotential nun auf die Werktätigen und gar auf die unteren Schichten der Bevölkerung ausweiten? Schon erstaunlich, welch breites Spektrum er bedienen zu können glaubt.

Michael Gloß, der deutsche Wirtschaftsminister, hat ebenfalls eine neue Merkwürdigkeit präsentiert. Er will nun von den Grundzügen des EU-Vorhabens Emissionshandel abrücken.
Um die Produktion von Klimagasen zu vermindern, sollte die Industrie erst Emissionsrechte umsonst bekommen. Dann sollten diese nach und nach bis 2013 ersteigert und bezahlt werden, um so einen Anreiz zu geschaffen, weniger klimaschädliche Gase zu produzieren.

Gegen Kritik an diesem Vorhaben ist ja nichts zu sagen, denn der Emissionshandel wird eine rein aktionistische Maßnahme bleiben, die keinerlei Wurzeln des Übels angreift, also ohnehin nahezu wirkungslos verpufft.
Die deutsche Politik hält nur daran fest, weil einerseits eine wirklich grundlegende Lösung des Problems, nämlich eine radikale Senkung des Energieverbrauchs im Land, die herrschende Ideologie vom stetigen Wirtschaftswachstum verbieten würde und andererseits die Emissionsgeschichte ja von Bundeskanzlerin Merkel international verhandelt wurde, sie also als ein wichtiges Abzeichen auf der stolzen deutschen Brust funkelt.
Gloß, bzw. sein Ministerium allerdings, prescht nun mit einem Referentenentwurf in die andere Richtung.
Er setzt der Absurdität eine noch größere darüber. Er will jetzt nicht mehr von der Industrie die Einsparungen verlangen, sondern von den Verbrauchern und den Autofahrern. An das produzierende Gewerbe sollen die Emissionsrechte über 2013 hinaus weiterhin verschenkt werden, womit der eigentliche Anreiz zu Einsparungen wegfallen würde.

Gloß will, ebenso wie Westerwelle, seine Wählerschaft kurzfristig finanziell entlasten. Dass damit keinerlei Klimaziele mehr erreichbar sind, dass sich die Lebensbedingungen auf diesem Planeten, für die Bild-Leser ebenso wie für die Leute in den Führungsetagen von Industrieunternehmen, spürbar und dramatisch verschlimmern werden, dieses ist den beiden wohl schnuppe.
Kurzfristige Wahlerfolge und persönlicher Machtgewinn ist diesen beiden, für den heutigen Tag herausragenden, Böcken im Garten unseres Landes wichtiger, als einigermaßen erträgliche Lebensbedingungen in der Zukunft.
Der eigentliche Skandal ist, dass solche Leute wie Gloß oder Westerwelle, in Zeiten, wo wir doch wissen was auf uns zu kommt, wo die Auswirkungen eines Weiterso im Energie- und Rohstoffverbrauch doch auf dem Tisch liegen, immer noch ihre absurde Meinung als machbare Alternative darstellen können.

 

25.03.08

China erhöht seinen Druck auf die Aufständigen. Offiziell werden 20 Tote seit Beginn des Konflikts zugegeben, während die tibetische Opposition von über 160 Toten spricht. China muss peinlich darauf achten, die Zahl der Todesopfer gering zu halten. Seine diktatorische Fratze könnte das einstudierte Lächeln verlieren.
Die Weltöffentlichkeit ist gespalten. Menschenrechtsorganisationen und andere NGOs beklagen die mangelnde Bereitschaft der westlichen Staaten, Druck auf China zu machen. Westliche Politiker dagegen beschwichtigen und zerreden die Möglichkeit von Sanktionen.
Der momentan naheliegendste Ansatzpunkt wären die Olympischen Spiele in China. Allerorten haben Sportfunktionäre und Politiker nichts besseres im Kopf, als vor einem Boykott zu warnen. Man hätte mit dem Fernbleiben bei den Spielen in Moskau 1980 überhaupt nichts erreicht. Damals waren die Sowjets in Afghanistan einmarschiert.

Die Heuchelei ist grenzenlos. Zur Sowjetunion hatte man 1980 nur untergeordnete wirtschaftliche Beziehungen, der Boykott damals beeinträchtigte die großen Geschäfte nur wenig. Im Falle von China sieht es schon anders aus. Der Westen ist direkt abhängig von der "Werkbank der Welt", von den billigen Gütern, die von dort die alten Industriestaaten wie mit Dopingmittel am Laufen halten.
Ein weiteres Scheinargument ist, man könne seine Einflussmöglichkeiten beim Thema Menschenrechte schmälern, wenn man die "Türen zuwerfe". So ein Blödsinn, wann soll man die Menschenrechte denn einfordern, wenn nicht jetzt? China hat ja gerade gezeigt, dass es selbst bestimmen kann, welchen Einfluss man dem Westen belassen will.
Das Sportargument schließlich, also das öffentlich zur Schau gestellte Argument lautet: Die Sportler hätten sich so lange vorbereitet und dürften die Gelegenheit zum Wettkampf jetzt nicht kaputt gemacht bekommen. In Wahrheit geht es auch hier nur um das Geld, um millionenschwere Werbeverträge, um Sponsorengelder, um bereits getätigte Investitionen in das Spektakel in Peking.

Man muss einen Boykott aber nicht so gestalten, wie 1980. Vorstellbar und sehr viel wirkungsvoller wäre eine Teilverlegung der Spiele. Es gibt so viele verwaiste Olympiaanlagen in der Welt, vornehmlich dort, wo die Spiele vor nicht allzu langer Zeit stattfanden etwa in Athen, Sydney oder Barcelona. Hier ließen sich doch für einen Teil der olympischen Sportler in drei Monaten die Anlagen wieder nutzbar machen und entsprechend andere Vorbereitungen treffen.
Alleine die Ankündigung einer solchen Teilauslagerung von Wettkämpfen aus China, würde die Staatsführung dort in Bedrängnis bringen. Die Ankündigung der herrschenden Partei, mit äußerster Härte gegen jede Art von Aufstand vorgehen zu wollen, müsste fallengelassen und Gespräche mit der tibetischen Exilregierung aufgenommen werden. Für diejenigen Sportler, die wegen der in China herrschenden Luftverschmutzung um ihre Gesundheit fürchten, wäre ein Ersatzwettkampf in Griechenland etwa eine Alternative.

Nur, wer sollte so etwas organisieren? Die Staats- und Regierungschefs des Westens sind alle in den gleichen Sachzwängen gefangen. Auch wenn sie dieses nie zugeben würden:
Sie sind zu feige, um einer Diktatur die Stirn zu bieten, von deren Wohlwollen die Funktion der Wirtschaft und der Konsumbereitschaft im eigenen Land abhängt. Zwar werden die Menschenrechte als Ideal noch hoch gehalten, doch die Bereitschaft, sie dem Profit zu opfern, wird immer deutlicher.
Im Prinzip haben wir es also in der subtilen Abhängigkeit zu China, also mit einem gewissermaßen ökonomischen Maulkorb, mit einer eigenen Facette von Schadenspotential der herrschenden Ökonomie zu tun.
Weil die wirtschaftlichen Bedingungen uns ein Einschreiten gegen Unrecht verbieten, wird deutlich, dass auch die so heilig erachteten Menschenrechte auf dem Altar der Kapitalistischen Subventionswirtschaft geopfert werden, ebenso wie, schon offensichtlich, die Intaktheit der natürlichen Lebensgrundlagen.

 

24.03.08

Wikipedia zu "Ökologischer Fußabdruck":
"Unter dem Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z. B. auch zum Abbau des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden."
Und:
"Die weltweit verfügbare Fläche zur Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse wird nach Daten des Global Footprint Network und der European Environment Agency insgesamt um 23 % überschritten. Danach werden bei gegenwärtigem Verbrauch pro Person 2,2 ha (Hektar) beansprucht, es stehen allerdings lediglich 1,8 ha zur Verfügung. Dabei verteilt sich die Inanspruchnahme der Fläche sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Regionen. Europa (EU25 und Schweiz) beispielsweise benötigt 4,7 ha pro Person, kann aber nur 2,3 ha selber zur Verfügung stellen. Dies bedeutet eine Überbeanspruchung der europäischen Biokapazität um über 100 %. Frankreich beansprucht demnach annähernd das Doppelte, Deutschland etwa das Zweieinhalbfache und Großbritannien das Dreifache der verfügbaren Biokapazität. Ähnliche Ungleichgewichte finden sich auch zwischen Stadt und Land.
Die USA brauchen etwa 9,7 ha, Großbritannien 5,6 ha, Brasilien 2,1 ha, die Volksrepublik China 1,6 ha und Indien 0,7 ha für eine Person (2002)"

Im Netz gibt es ein paar Kalkulatoren, mit denen man seinen eigenen oder den ökologischen Fußabdruck seines Haushalts errechnen kann.
Den des WWF Schweiz (http://www.footprint.ch/)konnte ich wegen Fehlermeldung nicht erreichen.
In Österreich gibts den nur fürs Inland geeigneten http://www.fussabdruck.at/.
Nicht auf Österreich beschränkt ist der unter http://www.mein-fussabdruck.at/. Hier habe ich den Test gemacht und kam auf einen Wert von 2,8 global Hektar.
Dies bedeutet: Wenn alle so leben wie ich oder unser Haushalt, bräuchten wir 1,6 mal die Fläche des Planeten Erde.
Den gleichen Wert, 2,8 global Hektar, bekam ich bei http://www.latschlatsch.de/ einer Initiative der BUND-Jugend.

Allerdings sind die Fragen viel zu allgemein. Fast keine der vielen ökologischen Besonderheiten unserer Lebensweise, unseres Hauses oder unseres Konsums konnten wirkungsvoll eingebracht werden. Auf Latschlatsch musste ich gar schummeln, um weitergeleitet zu werden, gab Fernwärme als Heizungsart ein, weil unsere beiden Holzöfen nicht vorgesehen waren.
Etwas besser war der Rechner auf http://www.myfootprint.org/ . Dort kam ich auf einen Wert von 1,9 global Hektar und einen Verbrauch, wenn alle so lebten, von 1,1 Planeten des Typs Erde.

Wenn es möglich wäre, die individuellen Besonderheiten meiner eigenen Art ökologisch konform zu leben in die Waagschale zu legen, sähe das Ergebnis sicher etwas anders aus. Dafür müsste man allerdings ein ausführlicheres Footprint-Rechenprogramm entwickeln.
Mein Konsum ist mehr als sparsam, gekauft wird nur, was wir unbedingt brauchen und nicht selbst herstellen können. Meine Kleider werden oft gebraucht gekauft und aufgetragen, bis sie nicht mehr geflickt werden können. Meine Unterhemden und Arbeitspullover haben zum Teil arge Löcher.
Fleisch gibts nur an Festtagen, wie heute an Ostern. Wir vermeiden sämtlichen Restmüll und prangern öffentlich die Abfallflut an. Wir verbrauchen pro Nase 20 cbm Wasser im Jahr und ein Viertel des durchschnittlichen Stroms. Unsere beiden Autos werden nicht gleichzeitig genutzt, sondern entweder oder, je nach Zweck der Fahrt. Wichtigster Zweck ist die Fahrt zum Einkaufen drei Mal die Woche in die 4 km entfernte Stadt. Wir machen Urlaub zu Hause und einmal im Jahr bei Verwandten.
Unseren Arbeitsplatz haben wir zuhause geschaffen und müssen nur selten dafür weg. Wir machen beim Bauen fast alles selbst, verwenden meist regionale oder recycelte Ökobaustoffe und achten streng auf die Langlebigkeit der Konstruktion. Wir kochen auf dem Holzherd während 8 Monate im Jahr, ansonsten mit Gasherd. Wir duschen mit solar erwärmtem Wasser sehr sparsam während 6 Monate im Jahr, ansonsten Wassererwärmung mit Flüssiggas. Im Winter dusche ich einmal die Woche, ansonsten: Waschbecken, Waschlappen, Kernseife und kaltes Wasser. Wir heizen nur mit selbst gemachtem Holz aus dem Gemeindeforst und mit drei Einzelfeuerstellen im ganzen Haus. Im harten Winter ist es im Schlafzimmer auch schon mal nur 12 Grad warm. Usw., usw.

Könnte ich alles in einem Footprintrechner geltend machen, käme ich sicher auf einen Wert von unter 1,8 Hektar, also von weniger als einem Planeten. Da die Weltbevölkerung weiter wächst, sinkt der Wert der erlaubten Flächenbeanspruchung natürlich stetig ab. Nächstes Jahr sind es womöglich nur noch 1,7 Hektar.
Von einigen Leuten bin ich schon für meinen etwas kargen Konsum, für meine abgetragene Kleidung und verschiedene andere Sparsamkeiten belächelt und kritisiert worden. Dass mich so etwas kümmert, habe ich mir längst abgewöhnt.
Jeder der mehr als die 1,8 Hektar beansprucht, nimmt sich von dieser Welt mehr, als ihm zusteht. Er stiehlt seine Bequemlichkeit von den nachfolgenden Generationen, also im Prinzip von seinen eigenen Kindern. Kann dies ein beruhigender Lebensinhalt sein?

 

23.03.08

Von Colsky:
Heute gibts ein etwas merkwürdiges Osterei.

Die FAZ hat Joseph Ackermann interviewt.
Wie immer waren seine Antworten im Bankerslang gehalten und für die Normalbevölkerung kaum verständlich. Doch auch die fragenden Journalisten Gerald Braunberger, Benedikt Fehr und Holger Steltzner, haben den Chef der Deutschen Bank offenbar nicht richtig verstanden, sonst hätten sie wohl schärfer nachgehakt.

Hier liefern wir die Übersetzung von Ackermanns Antworten nach.
So kann man besser begreifen, was für ein Ei der Gesellschaft mit den Banken ins Nest gelegt ist, bzw. was Leute wie Ackermann doch im Grunde für kostspielige Eierköpfe sind, oder aber auch, wie leicht Zeitungen wie die FAZ von Langohren in Nadelstreifen verkackeiert werden können.
(In Klammern und klein gedruckt, sieht man die ursprüngliche Antwort Ackermanns. Darunter die Übersetzung.)


FAZ: Herr Ackermann, Sie haben gesagt, Sie glaubten nicht mehr allein an die Selbstheilungskräfte der Marktwirtschaft. Soll jetzt der Staat und damit der Steuerzahler für Verluste der Banken einstehen, die auf Renditejagd zu große Risiken eingegangen sind?
(In der von Ihnen angesprochenen Podiumsdiskussion ging es um die Stabilisierung des amerikanischen Immobilienmarkts. Die Frage war, ob die Finanzmärkte geduldig genug sind, ob es genügend Zeit für eine Stabilisierung über die Märkte gibt. Meine Meinung ist, dass es relativ lange dauert, bis Amerikas Häusermarkt zu einem neuen Gleichgewicht findet. In diesen schwierigen Zeiten ist dort eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmern notwendig.)
Ackermann, übersetzt:
Aber selbstverständlich. Meinen Sie etwa, wir würden abwarten, bis sich das von selbst regelt? Je früher die Immobiliensparte in den USA wieder fit wird, um Geld daran zu verdienen, desto besser für uns. Deshalb müssen US-Regierung und Steuerzahler, sowie Unternehmen und Verbraucher ran.



FAZ: Was verstehen Sie darunter?
(Dass, was die Amerikaner in den letzten Wochen pragmatisch erkannt und hervorragend gemacht haben. Sie haben Konjunkturprogramme über 170 Milliarden Dollar verabschiedet, steuern einen expansiven Kurs in der Geldpolitik und nehmen nun auch zusätzliche Wertpapiere als Sicherheit an. Für das Konjunkturprogramm werden auch Steuergelder eingesetzt. Alles ist vorbereitet, so dass sich die Märkte wieder stabilisieren können.)
Ackermann, übersetzt:
Na das, was sie ohne Zögern gemacht haben, neue Schulden aufnehmen, Klopapier als Sicherheit annehmen und Steuergelder den glücklosen unserer Branche in die Tasche schieben. Nur so kann das Gezocke wieder weiter gehen.


FAZ: Doch Ihre Äußerungen haben die Aufregung eher gesteigert.
Nicht im Ausland. Leider führen wir hierzulande eine Systemdiskussion zur Rolle des Staates. Doch es geht nicht um den Ruf nach dem Staat und die Rettung von Investoren.
Ackermann, übersetzt:
Ja in Deutschland ist man eben etwas empfindlich, wenn der Staat den Banken Geld schenken soll.



FAZ: Verstehen Sie, dass viele Bürger meinen: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert?
(Darum geht es überhaupt nicht. Es geht jetzt primär um die Frage der Stabilisierung, damit die sozialen Kosten nicht noch größer werden. Das ist der entscheidende Punkt. Die Banken haben und werden natürlich ihren Beitrag leisten.)
Ackermann, übersetzt:
Papperlapapp, die Bürger sind dumm. Außerdem bewirken Geldgeschenke an die Banken, dass die Krise nicht noch schlimmere soziale Auswirkungen zeigt. Wollen das die Bürger? Na also, dann sollen sie sich nicht so anstellen. Wir werden dabei auch einen Teil der Spesen übernehmen.


FAZ: Bei der Rettungsaktion von Bear Stearns hat Amerikas Notenbank Fed und damit letztlich der Steuerzahler eine Garantie über 30 Milliarden Dollar gegeben. Wenn Sie die bisherigen Maßnahmen der amerikanischen Politik gutheißen, befürworten Sie doch, dass Investoren, die sich verspekuliert haben, herausgehauen werden?
(Überhaupt nicht, vielmehr geht es jetzt darum, zu vermeiden, dass diese Verwerfungen auf den Finanzmärkten auf die reale Wirtschaft übergreifen. Es geht nicht um einzelne Banken und Investoren, die Fehler gemacht haben. Die sollen die Folgen tragen und tun es auch. Die Aktionäre von Bear Stearns haben über 90 Prozent ihres Investments verloren sowie das Management und die Mitarbeiter, die Aktien gehalten haben. Um einen Dominoeffekt zu verhindern, müssen jetzt die Anstrengungen auf die Stabilisierung der Finanzmärkte ausgerichtet werden.)
Ackermann, übersetzt:
Klar, es darf natürlich nicht so aussehen. Deshalb schüren wir ja die Horrorvorstellung, dass das Alltagsleben der Menschen angesteckt wird und zerbricht und rücken das ganze System in den Vordergrund. Dass dieses aus einzelnen Instituten und Investoren besteht und dass eine Stabilisierung der Finanzmärkte im Grunde nichts anderes ist, als die Subventionierung der einzelnen Glieder also eben der Investoren, muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Gut für uns ist, dass man glaubt, dass die gesamte Wirtschaft stürzt, wenn man uns, den Banken nicht finanziell unter die Arme greift.



FAZ: Bundesbankpräsident Axel Weber hat gesagt, dass bei der Lösung der Schwierigkeiten zunächst die Banken selbst gefordert seien. Können die Banken die Schwierigkeiten meistern?
(Ich habe mit Herrn Weber heute gesprochen, wir sind in der Beurteilung der Lage der gleichen Meinung. Natürlich liegt bei den Banken eine wichtige Aufgabe. Erstens einmal gilt es, Transparenz herzustellen. Die jüngsten Abschlüsse haben gezeigt, dass die Banken stark genug sind, Wertberichtigungen aufzufangen. Die Frage ist: Reicht das in einer Zeit, in der es einen großen Vertrauensverlust gibt, in der die Zurückhaltung der Investoren dazu führt, dass die Preise immer weiter nach unten korrigieren, was die Kapitalstärke der Banken und ihre Kreditangebotsfähigkeit beeinträchtigen könnte? Übrigens haben wir auch in Deutschland eine vorbildliche Zusammenarbeit mit der Bundesbank, mit der EZB und auch mit dem Finanzministerium.)
Ackermann, übersetzt:
Herr Weber meint wie ich, dass es schlimm aussieht. Wieso aber sollen die Banken ihre Probleme allein lösen? Wir müssen erst mal schauen, was überhaupt passiert ist. Bisher hatten wir genug Flüssiges im Geldspeicher um die Verluste bezahlen zu können. Aber die Leute sehen momentan, dass wir mit Geld nicht umgehen können, und das muss schnell überdeckt werden. Glücklicherweise hat der Staat auch keine Wahl, entweder er subventioniert die Folgen unseres kleinen Abenteuers, oder die Preise verfallen, die Banken werden arm und geben den Leuten keine Möglichkeit mehr, sich zu verschulden. Glücklicherweise schieben uns die Leute bei der Bundesbank, bei der EZB und im Finanzministerium die Milliarden noch bereitwillig in die Taschen.



FAZ: Warum können eigentlich Banken wie die IKB und die Sachsen LB, die kein Einlagengeschäft mit Privatkunden haben und für das System gar nicht so groß sind, nicht einfach abgewickelt werden?
(Wenn Sie unter abwickeln verstehen, dass man die Aktiva liquidiert und auf den Markt bringt: Das hat ja zum Teil jetzt bei Fonds und auch zum Teil bei Banken stattgefunden. Das führt aber dazu, dass der Druck auf die Märkte noch größer wird, und damit eben diese Spirale nach unten, die ich schon angesprochen habe, nicht gestoppt werden kann. Deshalb ist es in einer schwierigen Situation auch das Gebot der Stunde zu schauen, dass Aktiva nicht in großer Zahl auf die Märkte kommen. Da gibt es aus Gründen der Finanzmarktstabilität die Notwendigkeit, gewisse Aktiva einmal zu halten und für Stabilität zu sorgen.)
Ackermann, übersetzt:
Sie meinen, mit eventuell noch vorhandenem Geld möglichst viele Schulden begleichen und die Bank dann zumachen. Das ist zwar in der normalen Wirtschaft bei Konkursen so, aber doch nicht bei Banken. Die müssen ihr Geld behalten dürfen, wir nennen das Stabilität, bluten soll der Steuerzahler. Wenn die Banken für ihre Fehler auch noch selbst aufkommen müssen, können die Betroffenen ja gleich dicht machen.


FAZ: Aber wenn man die Aktiva hält, gibt es keinen Handel und auch keine Preise.
(Das ist ein entscheidender Punkt. Heute gibt es nur Angebotspreise und die entsprechen nicht dem eigentlichen Wert. Es muss eben ein Gleichgewichtspreis gefunden werden, und dazu bedarf es auch einer ausreichenden Nachfrage. Sonst haben sie eine Entwicklung der Preise, die weit unter das geht, was eigentlich vom inneren Wert des Produktes her als Preis erwartet werden könnte.)
Ackermann, übersetzt:
Handel lohnt sich gegenwärtig doch gar nicht. Die Preise sind zu niedrig, weil die Leute zu wenig kaufen. Wenn die Konsumenten wieder mehr Zeugs haben wollen, kann man daran wieder mehr verdienen und wir werden unsere Geldspeicher wieder öffnen.


FAZ: Es ist immer die Rede davon, dass die Banken sich misstrauen. Gibt es Banken, mit denen die Deutsche Bank heute keine Geschäfte mehr macht?
(Wir sind uns der Verantwortung gegenüber dem Gesamtsystem sehr bewusst. Aber wenn Sie Produkte ansprechen, die wir selbst kaufen können, dann sind wir genauso wie andere natürlich auch in einer Situation, wo man sich fragt: Ist jetzt der Tiefpunkt erreicht? Ich sage immer, auf mittlere Sicht sind viele Produkte bereits heute außerordentlich attraktiv bewertet. Auch wenn wir kurzfristig noch Korrekturen sehen sollten. Und deshalb noch einmal mein Aufruf, dass wir alle, auch die Banken, Mut zeigen bei ihren Engagements und der Zusammenarbeit untereinander. Erforderlich ist das Zusammenwirken aller Akteure zum Wohle des Ganzen in einer ganz konkreten Situation. Darum find ich alle zu puristisch ordnungspolitisch geführten Diskussionen zwar richtig, aber es gilt jetzt, das Problembewusstsein für die Komplexität der Krise zu schaffen und entsprechend pragmatisch vorzugehen.)
Ackermann, übersetzt:
(Ähem...) - Entschuldigung, aber wir haben doch alle Dreck am Stecken. Es gibt kaum noch etwas, woran wir uns so richtig dumm verdienen können. Deshalb müssen wir gemeinsam, also alle Banken, auf eine saftige Bezuschussung unserer Institute aus dem Staatssäckel drängen und mit einer unverdächtigen Wortwahl die wahre Absicht verschleiern.



FAZ: Was passiert, wenn die Banken als Folge der Krise zusätzliches Eigenkapital brauchen? Wo sollte das herkommen, wenn eine Finanzierung über die Börse nicht gelingt? Von Staatsfonds, von Regierungen?
(Natürlich kann man sich solche Szenarien unendlich weiter ausmalen. Auch wenn es richtig ist, dass einige Banken neues Eigenkapital aufnehmen mussten, ist es aber bei den meisten anderen Banken kein Thema. Schließlich haben die Banken in den vergangenen Jahren gut verdient und Reserven gebildet.)
Ackermann, übersetzt:
Einige Banken mussten gestützt werden, die meisten haben aber im Vorfeld der Krise die Geldspeicher voll bekommen. Einen gewissen Nutzen muss diese Krise ja gehabt haben.


FAZ: Wie beurteilen Sie die Politik der EZB und der Fed?
(Sie haben zwei unterschiedliche Wege eingeschlagen. Die Fed musste die Zinsen senken, wegen der Sorgen um die Konjunktur und Erwartungen der Märkte. Die EZB sieht demgegenüber wegen des robusten Wachstums gewisse Inflationsgefahren und hält deshalb an einer auf Preisstabilität ausgerichteten Geldpolitik fest.)
Ackermann, übersetzt:
Die einen, die meinen, es gibt zu wenig Geld, tun dies und die anderen, die meinen es gibt zuviel, tun das. Beides ist gut für unser Geschäft.



FAZ: Wie hoch ist das Risiko, dass die Krise auf die Weltwirtschaft überspringt?
(Ich gehe davon aus, dass wir in der zweiten Jahreshälfte eine Normalisierung der Realwirtschaft in Amerika sehen werden. Das würde aber auch heißen, dass die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft in Europa begrenzt sind.)
Ackermann, übersetzt:
Meine Glaskugel sagt, in Amerika wird's nach den Sommerferien wieder besser, also schwappt vielleicht auch nicht so viel nach Europa rüber.


FAZ: Im Herbst haben Sie den Totalverlust für das Finanzsystem auf 400 Milliarden Dollar geschätzt. Wo liegen wir heute? Haben die amerikanischen Banken genügend Eigenkapital, um das aufzufangen?
(Der Internationale Währungsfonds veranschlagt die Zahl heute doppelt so hoch. Man muss aber unterscheiden zwischen Erträgen und Preiskorrekturen im Markt. Vieles, was wir als Übertreibungen nach unten aufgrund der Marktbewertung mitmachen, kann sich natürlich innerhalb kurzer Zeit, wenn das Vertrauen zurückkommt, wieder nach oben korrigieren. Ich habe nicht die geringsten Zweifel an der Stabilität des amerikanischen und internationalen Bankensystems.)
Ackermann, übersetzt:
Naja, ich habe mich eben verschätzt. Man muss zwischen Gewinnen und Verlusten unterscheiden. Sehr schnell aber könnten schlechte Anlagen wieder begehrt sein, wenn genügend Investoren wieder Lust am Mitzocken bekommen.
Die Stabilität begründet sich ja gerade auf der Lust, ja auf der Sucht nach Zockerei mit hohen Beträgen.


FAZ: Die Deutsche Bank hat bislang die Krise gut gemeistert. Wird das so bleiben?
(Hierzu haben wir ausführlich auf unserer Bilanzpressekonferenz vor einem Monat Stellung genommen. Über das erste Quartal informieren wir, wie geplant, am 29. April.)
Ackermann, übersetzt:
Mal sehen, warten sie es ab.



22.03.08

In den Philippinen haben sich vor tausenden Zuschauern junge Männer von anderen Philippinos in Verkleidung römischer Soldaten ans Kreuz nageln lassen. Auf FAZnet ist so ein Video zu sehen. Die Menge johlte und Touristen an Tischen mit Sonnenschirm aßen dabei ihren Mittagssnack. Die Nägel werden durch das Fleisch getrieben, wenn auch an etwas dünneren Stellen der Füße und Hände. Sodann richteten die Helfer die Kreuze auf und jeder konnte die schmerzverzerrten Gesichter dieser Besessenen sehen.
Der zuständige katholische Geistliche verurteilte diese Auswüchse als Tat aus Geltungs- und Gewinnsucht. Offenbar bekommen die jungen Männer Geld für die Aufführung. Auf Anfrage erklären die in schwarzen Umhängen mit roter Jesusaufschrift und Kapuze vermummten Kreuzigungskandidaten, sie würden so Buße tun und Krankheiten von ihrer Familie abwenden.

Welch ein perverser Glauben. Wie bei den Selbstmordattentäter unter der radikalen Form des Islam fragt man sich, wie konnten solche Verirrungen in die Köpfe gelangen. Schon seit langem frage ich mich, wieso es beispielsweise dem Papst nicht auffällt, welche Botschaft von seinem Hirtenstab noch ausgeht, von diesem silbernen Stock mit dem erbärmlich kraft- und leblos herunterhängenden Jesus daran. Bei jedem öffentlichen Auftritt hält er dieses Ding vor sich, wie eine Drohung, ja so wirkt es auf mich. Kleine Kinder dürfen keine Gewaltfilme sehen, aber hier sollen sie eine Folterungsszene als Grundlage ihres Glaubens akzeptieren.

Ob katholische oder evangelische Kirche, wenn ich deren Wirken mit dem Anliegen dieses Jesus von Nazareth vergleiche, wenn ich mir überlege, was ich da akzeptieren soll, Jesus sei Gottes Sohn gewesen und Gott hätte seine Folter geduldet, weil Jesus damit die Sünden der Menschen auf sich genommen hätte, mir dreht sich der Magen bei so einem haarsträubendem Blödsinn.
Gott, wie ich ihn verstehe, würde dies nie tun. Die christliche Kirche aber braucht diese krasse Darstellung, um die Angsterfüllten an sich zu binden.
Besser wäre es für die Kirchen, sie würden ihren Opportunismus gegenüber der herrschenden Ökonomie aufgeben. Was dort heute normal ist, würde Jesus scharf verurteilen.
Seine selbst ernannten Nachfolger, ob Katholen oder Evangelen in den hohen Positionen, sind dafür allerdings zu feige, zu wohlhabend und zu bequem. Von ihnen kommen nur unverbindliche lauwarme und opportunistische Töne, sie streuen, wie der Papst in der Osteransprache, über die Gläubigen nur Beruhigungspillen aus den immer gleichen gebetsmühlenhaften Worten.


21.03.08

Karfreitag:
Heute jährt sich wieder der Hinrichtungstag eines Mannes aus Nazareth. Fast 2000 Jahre ist es her, dass Jesus von der Besatzungsmacht im damaligen Palästina, von den Römern, auf grausame Weise an ein Holzkreuz genagelt wurde. Dieses war sogar im Sinne der meisten Juden, denn dieser ungewöhnliche Prediger griff in seinen Reden vor allem die Art der damaligen Religionsausübung scharf an.
Weil dieser Mann Tacheles redete, wurde er beseitigt. Irgendwie kommt einem das so sehr bekannt vor, wie viel tausend mal ist dies in der Menschheitsgeschichte schon vorgekommen.

Hier allerdings, bei Jesus von Nazareth, reichte es im Nachhinein nicht, ihn nur als wandernden Philosophen zu sehen, als einen einzigartigen Redner, der durch seine bildhafte Sprache, durch Aufgreifen zwischenmenschlicher Alltagsprobleme und durch Kritik an den herrschenden religiösen Klassen die Menschen zum Nachdenken aufwühlte.
Die christliche Religion, angestachelt unter anderem von Psychopathen wie einem gewissen Saulus/Paulus, hat aus diesem Mann den "Sohn Gottes" gemacht und auf diesem Konstrukt einen mächtigen Kirchenapparat errichtet. Dieser Apparat hat seine Blütezeit aber längst hinter sich.
Momentan ist er im rasanten Niedergang begriffen, einmal weil seine Glaubenssätze immer mehr Menschen unglaubwürdig und abenteuerlich erscheinen, aber vor allem, weil neben den anderen noch existierenden Religionen, etwas sehr viel mächtigeres von den Menschenseelen Besitz ergriffen hat, nämlich der Glaube an den Segen des Materiellen.
Und selbst diejenigen, die sich hiervon abkehren, die wieder einen spirituellen Sinn in ihrem Leben spüren wollen, wenden sich meist nicht mehr dieser christlichen Kirche zu, sondern finden eine individuelle und den Gefühlen vertraute Möglichkeit einer Spiritualität für sich.

Bei der christlichen Kirche ist vielen zu vieles unvertraut. Zu viele Behauptungen sind kritiklos anzunehmen, will man sich als katholisch oder evangelisch bezeichnen. Die christlichen Sekten sind hier gar noch extremer. Wie sich Menschen unter die dort noch in schärferer Form geltenden Dogmen unterwerfen können, ist mir völlig unverständlich. Offenbar muss man hierzu autoritätssüchtig sein und einen kindlichen Verstand besitzen.

Dass Jesus gelebt hat, steht eigentlich außer Zweifel. Dass er eine sehr deutliche Philosophie besaß und diese den Menschen predigte wo er nur konnte, ist der Grund, warum er so bekannt wurde. Damals konnte man nur bekannt werden, indem man umher zog und die Menschen ansprach. Es gab noch keine Talkshows im Fernsehen, keine Radiointerviews und keine Zeitungen. Auch nützte es nichts, ein Buch heraus zu bringen. Wer sollte dieses massenhaft durch Abschreiben vervielfältigen?
Dass aber später einige Schreiber das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes aufschrieben, zumindest das aufschrieben, was man sich noch erzählte, dieses ist wahrscheinlich. Hier mag einiges verloren gegangen und anderes dazuerfunden worden sein. Aber wieso dichtete man diesem Jesus an, Gottes Sohn zu sein? Jesus war in meinen Augen genauso viel Gottes Sohn, wie jeder Mensch auf dieser Welt Gottes Kind ist.

Was ihn besonders auszeichnete, war seine Philosophie und seine Art, darüber mit speziellen Worten zu berichten. Was er für die Menschen und ihr Zusammenleben als nötig erachtete, ist Inhalt jedes anderen Gedankengebäudes bekannter Philosophen in der Geschichte. Immanuel Kants Kategorischer Imperativ etwa ist ein Kernelement der Idee dieses Mannes mit Namen Jesus gewesen, nur, er musste dafür tödliche Folter erleiden, während Kant altersschwach im Bett verstarb.

Für mich hat dieser Karfreitag seinen Trauercharakter nicht wegen der überlieferten religiösen Deutungen.
Für mich müsste es nicht sein, dass ich morgens das Radio einschalte, und auf allen anspruchsvollen Kanälen kommt entweder eine Gottesdienstübertragung, eine Predigt, eine Erinnerung an den Holocaust oder klassische Kirchenmusik.
Ich würde mir wünschen, es würden dort gerade an so einem Tag wie heute, die philosophischen Besonderheiten des Jesus herausgestellt, Verbindungen zu Thesen anderer anerkannter Philosophen aufgezeigt und vor allem, über die sonstigen Repressalien berichtet, die vergleichbare revolutionäre Denker wegen ihrer Äußerungen in der Geschichte erleiden mussten.
Vielleicht sollte man auch zu den Tätern, zu den Unterdrückern einer freiheitlichen Philosophie etwas sagen, eventuell Vergleiche ziehen zu den heute üblichen Arten der Repression, auch im als ach so frei bezeichneten Deutschland.

Man könnte im Radio eine Sendung darüber bringen, wie in der heute so üblichen Ökonomie die zwischenmenschlichen Ideale dieses Jesus mit Füßen getreten werden und eine Systematik aufzeigen, mit der selbst Medienleute diesen alltäglichen Frevel an den Menschen und den natürlichen Lebensgrundlagen als wirtschaftliche Notwendigkeit verklären.

Und man könnte den Skandal behandeln, wie zwei Kirchen, die sich in der Nachfolge dieses damals hingerichteten Philosophen sehen, es heute nicht fertig bringen, sich lautstark gegen die Verwischung seiner Ideale durch eine auf Profit bedachte wirtschaftliche und politische Macht zu stemmen. Das was der Vatikan damals in den 1930er Jahren gegen Hitler unterließ, unterlässt die heutige Kirche gegenüber der Dynamik und den Wortführern der destruktiven Kapitalistischen Planwirtschaft. Was würde Jesus über den heutigen Gleichmut der Kirchen sagen?
Heute wird die Menschlichkeit fast zum 2000sten Mal in der Geschichte mit eisernen Nägeln ans Kreuz genagelt, und mit ihr die Hoffnung, die Kirche könnte zur Durchsetzung der Idee Jesus von Nazareths zu einem ernsthaften Konflikt bereit sein.

 

20.03.08

Gestern lief im Kino ein französischer Film mit dem Titel "Pilgern auf Französisch". neun Menschen gehen den Jacobsweg nach Santiago de Compostella gemeinsam, aber aus unterschiedlichen Gründen.
Mit dabei sind 3 Geschwister im Alter zwischen 40 Und 50 Jahren, die sich überhaupt nicht riechen können, eine Frau und zwei Männer. Die Strapaze nehmen sie nur auf sich, weil ihre verstorbene Mutter im Testament dies als Bedingung für den Erhalt des stattlichen Vermögens gemacht hatte. Anderenfalls solle das Geld einer karitativen Einrichtung zufallen.
Der Film zeigt neben dem Schicksal der anderen Pilger und in Beziehung zu diesen, wie die drei Geschwister wieder zueinander finden, sobald ihnen der Alltag mit der subjektiven ach so verkrusteten Sicht der Dinge genommen wird.

Ins normale Leben übertragen heißt für mich die Botschaft: Stecke die Streithähne, weg vom gewohnten Alltagsleben, für einige Wochen in eine Situation, in der Kargheit und Natur vorherrschen. Zwinge sie dazu, zusammen zu bleiben, ja tatsächlich auch aufeinander angewiesen zu sein.
Im Falle der Pilger im Film war auch ein Führer dabei, der den weiten Weg kannte, wie auch Herbergen und notwendige Versorgungsstationen. Also müsste man den Streitenden auch einen Moderator zuordnen, der vermitteln kann, der die Beteiligten immer wieder auf die gemeinsame Aufgabe hinweist und sie zum Durchhalten auffordert.

Man stelle sich vor, die Streithähne der Gegenwart würden von den eigenen Völkern auf eine Wanderung geschickt, wo sie den Gegner ständig vor Augen haben und auch immer wieder wechselseitig auf seine Rücksicht und Hilfe angewiesen sind.
Vergessen wir diese Politikertreffen der hohen Volksvertreter in Luxus und Pomp für zwei Tage, wo jeder seinen Hofstaat mitbringen kann und eventuelle Gespräche nur unter schärfster Abgrenzung zur Person des Gegners stattfinden.
Dort kommt niemals die Notwendigkeit auf, den Anderen besser zu verstehen oder die eigene Haltung zu überdenken und zu relativieren. Hinterher wird meist sowieso der Schwächere vereinnahmt oder gar geschossen und gebombt. Solche Verhandlungstreffen wie sie in der Politik üblich sind, führen fast nie zu einem Durchbruch, auch wenn dies oft mit unverbindlichem und wässrigen Gerede vorgespiegelt wird.

Stellen wir uns doch mal vor, George W. Bush und vielleicht noch Cheney und Rice müssten zusammen mit Osama Binladen und zwei seiner Getreuen für 2 Monate in eine abgeschottete Situation, wo es nur eine karge Versorgung, außer einem Radio keine Medien und keine Verbindung zu außen gibt.
In dem Film war von großer Aussagekraft, wie die meisten der Wanderer irgendwann den Rucksackinhalt teilweise zurück ließen, weil sie ihn nicht weiter mitschleppen wollten. Condolezza Rice würde sich bald von ihren spitzen Schühchen trennen und ihrem Gesichtsmalkasten, genauso wie die anderen Herrn unverzichtbar geglaubtes plötzlich als Ballast empfänden.
Drei aus der chinesischen Partei müssten mit dem Dalai Lama und zwei seiner Getreuen in Klausur. Vom eigenen Volk dazu verdonnert, eine friedliche Lösung zu finden, dürften diese Herrn nicht vorher frei kommen dürfen. Den anderen mit seinen persönlichen Vorstellungen und Empfindungen kennen zu lernen, würde allen helfen, eine menschendienliche und friedliche Lösung tatsächlich zu entwickeln.
Man könnte auch Industrielle zusammen mit Umweltschützern zu gemeinsamen Zwangspilgern machen, etwa den Chef eines Energiekonzerns mit einem Greenpeacefunktionär, oder Leute aus der israelischen und der palästinensischen Regierung, oder auch alle sonstigen Wortführer aller möglicher Konfliktparteien aller Gesellschaften dieses Globus.

Dieses wäre die effektivste Friedenspolitik, die vorstellbar ist. Streithähne solange zusammensperren, bis sie sich geeinigt haben. Die gewohnte For von Diplomatie, die in den seltensten Fällen wirklich unter die Haut geht, um dann das Wesentliche heraus zu kitzeln, können wir als veraltete Form stehen lassen. Sie müsste dringend durch eine psychologisch plausiblere Form der Verhandlung zur Einigung ergänzt werden.

 

19.03.08

Gerade wandern wieder die Kröten. Von ihren Überwinterungsplätzen aus ziehen sie alle Jahre wieder um diese Zeit zum nächsten stehenden Gewässer, um dort ihre Eier abzulegen. Dabei müssen sie oft über Landstraßen, was ihnen massenhaft zum Verhängnis wird.

Vor vielen Jahren hatte ich mal eine Freundin, die hielt plötzlich nachts bei einer Fahrt durch ein Waldstück an, weil sie Kröten auf der Straße sah. Ich musste mich ans Steuer setzen und mit weniger als Schritttempo hinter ihr her zuckeln. Die Scheinwerfer beleuchteten den unwirklichen Tanz einer junge Frau, die sich ständig bückte um sogleich mit etwas in der Hand auf die gegenüberliegende Seite zu laufen. Sie räumte die Straße mit enthusiastischem Gespringe und liebevoller Bewegung in Windeseile von Hunderten von Kröten.
Einmal kam in diesen fast 45 Minuten ein Auto entgegen und fuhr, etwas langsamer, einfach so durch. Der Fahrer schaute völlig verständnis- und teilnahmslos nach dem Geschehen vor unserem Auto. Es machte wirklich ein paar Mal ein quatschendes Geräusch, meine Freundin war entsetzt, riss die Arme hoch und schimpfte fürchterlich hinter dem Auto her.

Die Kröten sind bei uns in den letzten Jahren stark zurück gegangen. Es fehlt ihnen oft ein Laichgewässer und der gefahrlose Weg dorthin.
Solche Laichgewässer massenhaft zu bauen, dezentral und über ganz Deutschland verteilt, wäre, neben den Kröten, aus noch zwei sehr viel wichtigeren Gründen von Vorteil.

Wir bekommen durch den Klimawandel verstärkte Regenperioden wie auch Trockenzeiten. Deshalb müssen wir dringend viele tausend Puffer an die kleinen Bäche im Land einbauen.
Mit einfachem Aufwand und örtlich vorhandenen Material ließen sich an geeigneten Stellen in Wald und Feld Staustufen anlegen, entweder abgedichtet, mit begrenztem Durchfluss oder als Überlaufwehr.
Wenn es dann stark regnet, wird mit den vielen lokalen Dämmen erreicht, dass das Wasser viel langsamer abfließt. Überall auf seinem Weg nach unten müsste es immer wieder kleine und größere Becken füllen, um erst dann weiterlaufen zu können.
So würde die Hochwasserspitze weiter unten entscheidend gekappt. Die manchmal so wüsten Hochwasserschutzmaßnahmen an den großen Flüssen, wären teilweise überflüssig.
Gleichzeitig, und dies ist der zweite Vorteil, würden diese vieltausende von Wasserbecken ihren Inhalt allmählich an das Erdreich herum abgeben. Diese Speicherung hätte wiederum einen Vorteil in Trockenperioden.
Wir hielten das Wasser, das uns an Flüssen unter Umständen die Häuser wegreißen kann, an den Oberläufen einfach fest, um damit die Trockenheit im Sommer zu mildern.

 

18.03.08

In Tibet gehen chinesische Militärs brutal gegen Proteste aus der Bevölkerung vor.
Im Jahr 1959 schon musste der Dalai Lama nach Indien fliehen, in diesem Jahr wurde ich selbst geboren. Die Besetzung ist also bald 50 Jahre her, und bis heute können die Menschen dort sich nicht mit der Annexion abfinden.
Die Besatzer aus China haben in diesen Jahren alles dafür getan, den Tibetern ihre kulturelle und religiöse Eigenständigkeit zu beschneiden. Die chinesische Staatssicherheit ist allgegenwärtig, man versucht, die Menschen zur Denunziation ihrer Mitbürger zu verleiten. In der von China weitgehend neu errichteten Hauptstadt Lhasa hängen überall Überwachungskameras, die jede Bewegung der Menschen aufzeichnen können.

Die Tibeter sind allein. Wer hilft ihnen denn schon? Kein Staatsmann will es sich mit der mächtigen chinesischen Staatsführung verderben. Boykottmaßnahmen gegen China sind unmöglich.
Vor Jahren hatte Helmut Kohl erst medienwirksam den Mönchen die Hand geschüttelt, um sie dann hinterher hängen zu lassen. Die heutige Kanzlerin hat im letzten Jahr zwar den Dalai Lama empfangen und damit schmollende Lefzen chinesischer Politiker riskiert, doch am Ende steht dann doch das Bemühen um gute Beziehungen im Vordergrund, um jeden Preis.
Die Olympiade wird nicht boykottiert.
Mit Grauen erinnern sich die Sportfunktionäre an den Boykott der Spiele in Moskau 1980 und, dass dies außer fehlenden Einnahmen nichts gebracht hat. China kann sich heute an Menschenrechtsverletzungen mehr leisten als die UdSSR damals, weil die Handelsbeziehungen sehr viel intensiver sind.

Aber China schafft es nicht, den Strom von Informationen aus Tibet ganz zu unterbinden. Täglich sickern viele Fotos und Berichte heraus und werden veröffentlicht. Auch mit der Ausweisung aller Journalisten aus dem Ausland und aus Hongkong konnte dies nicht gestoppt werden.

Schließlich sollte man den unterschwelligen Daueranlass beachten, wieso der Westen hier nicht Tacheles mit den Chinesen reden will.
Alle Tibetresolutionen der vergangenen Jahrzehnte sind im Sande verlaufen. Sie dienten vor allem als Feigenblatt zur Verbergung des Hauptinteresses, den Geschäften mit China.

Hätte der Westen eine nachhaltige Ökonomie, in der das strenge Verursacherprinzip gälte, wären die Handelsbeziehungen zu China bei weitem nicht so ausgeweitet, wie gegenwärtig. Allein aus ökologischen Gründen würde der Handel mit Waren aus China zum größten Teil unwirtschaftlich.
Für einen ernstzunehmenden Protest gegen die Unterdrückung ethnischer Minderheiten durch China, gäbe es dann jedenfalls keine wirtschaftspolitisch begründete Einwände. Die Welt könnte den Tibetern sehr viel effektiver zur Seite stehen und Druck gegen China machen.

 

17.03.08

Eine Fundsache aus FAZ-net: Wie viel hat die USA eigentlich schon an Kosten für den Irakkrieg aufbringen müssen? Am kommenden Mittwoch sind es 5 Jahre her, dass amerikanische Soldaten in das ehemals von Saddam Hussein beherrschte Land einmarschiert sind.

Ursprünglich ging die Bush-Regierung von 50 Milliarden Dollar Gesamtkosten aus. Jetzt bezahlen die Amerikaner diese Summe alle drei Monate. Die beiden amerikanischen Ökonomen Joseph Stiglitz und Linda Bilmes, beziffern die Kosten des Krieges auf mittlerweile drei Billionen Dollar, also 3000 Milliarden Dollar, eine Summe in etwa so hoch wie das deutsche Bruttosozialprodukt im vergangenen Jahr.

Mit dem Geld, das Amerika täglich für den Krieg ausgibt, könnte man 160.000 Studenten ihr Studium finanzieren oder 14.000 zusätzliche Polizisten beschäftigen. Jeder Soldat im Irak kostet die USA pro Jahr 400.000 Dollar (zum Vergleich: 50.000 Dollar im Zweiten Weltkrieg. Söldner privater Sicherheitsfirmen, wie Blackwater, sind nur geringfügig billiger. Damit ist dieser Krieg nach dem zweiten Weltkrieg, der teuerste für Amerika.

Joseph Stiglitz und Linda Bilmes haben ihre umfangreichen Berechnungen in einem Buch vorgelegt, welches mit dem Titel "Der-Drei-Billionen-Dollar Krieg" im Mai auch auf Deutsch erscheint. Sie berücksichtigten alle Kosten für Waffen, Sold, Medizin, zuzüglich der Versicherungsleistungen für Veteranen oder Hinterbliebene und einer Vielzahl weiterer Posten und Folgekosten.

Und sie berichten darüber, dass die Bushregierung den Amerikanern die vollen Kosten offenbar ersparen wollte. Statt den Amerikaner, denen sogar noch Steuern erlassen wurden, die ganze Rechnung zu machen, wurden die Kriegskosten mit billigen Zinsen über hohe Schulden finanziert. Sogar das Benzin wurde subventioniert, damit an der Zapfsäule keine kriegsbedingte Verteuerung ankommt.
So schafften es die Amerikaner, die Kosten dieses Krieges auf die nachfolgenden Generationen zu verlagern. Denen überlässt man, die meist ausländischen Gläubiger in Zukunft zu bedienen.

Ebenso tun es die Bürger der USA, vor allen anderen Industriestaaten, schon seit Jahrzehnten mit den eigentlichen Gesamtkosten für ihren materiellen Wohlstand.
Ebenso wie die Irakkriegskosten, werden diese in die Zukunft verschoben und auf nachfolgende Generationen abgewälzt.
Alle berechenbaren externalisierten ökologischen und sozialen Schadkosten der USA pro Jahr
betragen schätzungsweise ebenso viel, wie die hier enthüllte Gesamtkostensumme für diesen überflüssigen und verhängnisvollen Krieg, also ebenfalls mindestens 3000 Milliarden Dollar jährlich.

 

16.03.08

Heute: Fußboden aus heimischer Douglasie

Für Wohnräume ist wohl ein massiver Holzfußboden die beste Lösung. Wenn es auch für stärker beanspruchte Flächen besser sein kann, sie mit Fliesen zu belegen, etwa Eingangsbereich oder Küche, passt der Boden aus Holz gut zum Barfußlaufen und in Schlaf- oder Wohnräume.

Wie so vieles andere im Bau- und Renovierungsbereich machen wir auch unseren Holzfußboden zum größten Teil selbst. Heute möchte ich den Fußboden aus Douglasie vorstellen, einer nordamerikanischen Nadelbaumart, die schon seit über 250 Jahren in Europa eingebürgert ist. Die Baumstämme hatte ich vor 17 Jahren vom Förster gekauft. Es war Windwurfholz, welches durch den Sturm Wiebke 1990 in unserem Gemeindewald umgefallen war. Entsprechend günstig war damals der Preis für die 60 Festmeter.
Nachdem ein Holzfuhrwerker die Stämme zum Sägewerk in der Nähe gebracht hatte, wurden sie dort meinen Angaben entsprechend eingeschnitten. Einerseits kam ich so zu Bauholz für die geplanten Baumaßmahmen der nächsten Jahre, etwa Dachstühle, Dachschalung oder Balkenlagen, andererseits auch zu besseren Qualitäten für Fenster- und Möbelbau.

Auf einem entsprechend hergerichgteten Lagerplatz wurden die Bretter und Bohlen erst einmal für etliche Jahre luftig aufgestapelt.
Das mindestens 5 Jahre im Freien getrocknete Holz für den Fußboden sollte man einige Wochen vor der Verarbeitung grob zuschneiden und es schon mal im Zimmer lagern. Es kann sich dann der dort herrschenden Luftfeuchtigkeit angleichen. Dann kommt es in die Werkstatt, wird 4-seitig gehobelt und mit einer Sägeblattnut versehen.

Die Bretter müssen nicht die Zimmerlänge haben, man kann sie auch auf einem Balken stoßen, sofern sie die gleiche Breite haben. Es empfielt sich auch bei einem alten Haus, den Untergrund durch Aufdoppeln von Kanthölzern so gut es geht waagerecht auszugleichen.

Zur seitlichen Verbindung haben wir lose Brettfedern aus Eichenholz zurechtgesägt. Dieses System spart Holz gegenüber einer Aushobelung zu Nut-und-Feder-Brettern.

Die Bretter werden mit Rundkopfspaxschrauben nach Vorboren am Unterbau befestigt, wobei der Stoß immer versetzt werden sollte. Hier zu sehen die Verlegung ohne Trittschalldämmung.

Die Bretter wurden vor dem Verlegen schon geschliffen, sodass hinterher nur noch wenig Schleifarbeit notwendig ist. Nach Wässern und Trocknen kommt der Feinschliff von Hand und eine Grundierung mit Naturharzfarbe, hier Auro 121.
Dann zwei mal mit Leinölfirnis gestrichen, jedesmal gut abgerieben, danach noch mal kurz mit Schleifpapier geglättet und schließlich mit Biofußbodenwachs endbehandelt.

Der Boden hat zwar einige große Äste im Bild, ist aber von besserer Qualität, als vergleichbares Holz aus dem Handel. Lose Äste kann man vor dem letzten Schliff ausbohren und dort selbst gemachte Rundholzscheiben einfügen.
Der Boden ist auch ökologisch besehen das Beste, was man nehmen kann. Das Holz dafür ist nur einen guten Kilometer von unserem Haus entfernt gewachsen und nicht irgendwo in Skandinavien oder Ostrussland. An Transportaufwand kommt nur noch die zweimalige Fahrt zum Sägewerk dazu, etwa 8 Kilometer.
Der Maschineneinsatz ist minimal, - durch die Naturfarbenbehandlung ergibt er im Entsorgungsfall keinen Restmüll, sondern könnte einfach im Kachelofen verbrannt werden.

 

15.03.08

Auf Dradio gab es am letzten Mittwoch ein Interview mit Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und Mitglied des Beirats der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen.
Moderatorin Kolkmann führte mit den Worten ein: "Stehen bald Millionen von Klimaflüchtlingen vor den Toren Europas? Menschen, die vor Dürre und Hungersnöten in Afrika fliehen, vor Wassermangel im Nahen Osten, vor Kriegen um Rohstoffe und weil die steigenden Meeresspiegel ihren Lebensraum verschluckt haben? Der EU-Außenbeauftragte Solana stellte letzte Woche eine Studie vor, die morgen und übermorgen auf dem EU-Gipfel in Brüssel diskutiert werden soll. Demnach stellen sich durch den Klimawandel ganz neue Herausforderungen an die Politik. Es gehe nicht nur um ein neues internationales Klimaschutzabkommen, sondern auch um eine neue Sicherheitspolitik."

Letztes Jahr im Mai hat Professor Messner diese jetzt beachtete Studie vorgelegt, in der der Klimawandel auch als Sicherheitsrisiko beschrieben wird. Messner: "Wenn wir über den Klimawandel reden, sollten wir nicht nur über die Umweltkrise Klimawandel reden, sondern der Klimawandel kann Gesellschaftskrisen hervorrufen."
Messner hält es deswegen für noch dringender, den Klimawandel noch abzuwenden. Er meint, wenn es uns gelänge, "bis Mitte des Jahrhunderts die Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren", könnten wir den Klimawandel noch vermeiden.
Wir bräuchten dafür "erneuerbare Energien und einen Umbau unserer Wirtschaft." Messner mahnt komplizierte internationale Einigungen an, wie einen Erfolg der nächsten Klimakonferenz in Kopenhagen 2009: "Wenn uns das nicht gelingt...werden wir kein Anschluss-Regime haben und dann ist die Gefahr, dass uns all die Anstrengungen, die Treibhausgase global mit verbindlichen Zielen zu reduzieren, unter den Händen zerfließen"

Sorge von Messner ist ebenfalls: "wir haben global eigentlich keinen Akteur, der diesen Prozess mit Macht zieht oder schiebt und in Richtung einer Lösung drängt". Europa gehe zwar "in die richtige Richtung mit unseren Treibhausgas-Emissionszielen, die definiert worden sind, aber wir sind kein globaler Akteur"
"wenn unsere Klimapolitik misslingt" meint Messner, müssen wir "am Ende dieses Jahrhunderts mit Temperaturen, die vier, fünf, sechs Grat höher liegen als am Anfang dieses Jahrhunderts rechnen ... dann könnte ein Naturraum entstehen, an den sich viele Gesellschaften nur sehr, sehr schwer werden anpassen können".
Messner sieht die Klimadebatte auch als Energiediskussion, das Weltenergiesystem müsse umgebaut werden. Auf erneuerbare Energien bis zum Ende des Jahrhunderts umzustellen würde auch die Abhängigkeit von Energieländern beenden und "eine Reihe von Spannungen in der Welt reduzieren helfen".
Wenn eine kluge und rechtzeitige Klimapolitik ausbleibt, werden viele Millionen Menschen auf der Erde sich nach Europa oder den USA aufmachen, weil ihre Heimatländer Unbewohnbar sein könnten. Messner: "Die Welt muss sich auf so ein Szenario vorbereiten, wenn wir keine kluge Klimapolitik machen."

Messners Aussagen sind total entmutigend, wenn er auch versucht, Hoffnung zu zeigen.
Der einzige Erfolg bisheriger Klimakonferenzen war, das Problem ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Wirksame Lösungsvorschläge von der hohen Politik, sind aber immer noch nicht in Sicht, geschweige denn, dass sie umgesetzt wären. Es wird nur geredet und an Symptomen herumgedoktert.
Nichts spricht für die Abwendung der Szenarien zum Fakt -Klimawandel als Sicherheitsrisiko- den Messner in der Studie beschreibt. Messner hat auch keine Vorstellung davon, wie ein Umbau unserer Wirtschaft aussehen oder wie die erneuerbaren Energien zur Massenenergie werden sollen, ohne die Nahrungsmittelproduktion zu gefährden.
Auch ein globaler Akteur ist nicht in Sicht, der einen Umwandelprozess steuern könnte.
Bildlich gesprochen fehlt der Gruppe Schwerstsüchtiger, den Industriestaaten mit ihrer quantitativen Wachstumsideologie eben, ein neutraler Therapeut, der sie, im als dringend notwendig erachteten Wandel, anleitet und moderiert.

Die Therapie kann im Prinzip nur die Hinwendung zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem sein. Das quantitative Wachstumsdenken muss endlich abgeschüttelt und als Motor der zerstörerischen Dynamik erkannt werden.
Herr Messner sei eingeladen, im Konzept von der Kategorischen Marktwirtschaft die, entsprechend den Erfordernissen, umgebaute Wirtschaft zu erkennen. Würde Deutschland diese Ökonomie als erstes Land annehmen und ernsthaft über eine Umsetzung verhandeln, könnte es der gesuchte Therapeut für die Welt werden und Messners Befürchtungen noch abwenden. Ansonsten ...

 

14.03.08

Kürzlich habe ich Bekanntschaft gemacht mit einem Toyota Aygo, einem wirklichen Kleinwagen. Er hat recht wenig Platz, aber zwei Leute können mit ihm gut verreisen. Man bewegt weniger Masse und verbraucht viel weniger Sprit. Momentan haben wir selbst, neben einem Kombi, auch einen Chinquechento von Fiat, noch etwa sparsamer ausgestattet als der Aygo, doch er verbraucht sogar etwas mehr. Früher in meiner Jugend, fuhren wir 2CV von Citroen oder den R4 von Renault. Die waren bestimmt so sparsam, wie der kleine Toyota.

Viele Leute auf dem Land sind heute auf ein Auto angewiesen. Dort gibt es auch Platz, um 2 PKW abzustellen. Hilfreich für diese Leute wäre die Möglichkeit, zwei Autos auf ein Nummernschild anmelden zu können.
Ein Fahrzeug, wie der kleine Toyota oder ein anderes dieser untersten Klasse, reicht völlig aus, um in der näheren Umgebung einkaufen zu können, oder um die Kinder in der Musikschule oder im Jiu-Jitsu abzuliefern.
Zusätzlich braucht die Familie auch ein größeres Auto, wenn sie gemeinsam, mit 3 Kindern und Gepäck, wegfahren will. Zu unserem Kombi gibt es noch einen Anhänger, mit dem sich Brennholz aus dem Wald oder Baumaterial heranschaffen lässt.

Die Regelung mit dem einen Nummernschild für zwei Fahrzeuge gibt es, so viel ich weiß, in der Schweiz. Die Kosten, Steuer und Versicherung, werden irgendwo zwischen den Einzelkosten der beiden PKW festgelegt. das Nummernschild ist so angebracht, dass es leicht von dem einen Auto ans andere gewechselt werden kann.
Es gibt wohl etliche Fälle, wo die Fahrzeuge einer Familie zugleich benötigt werden, jedoch in unserem Fall ließe sich der Wechsel organisieren, eines der beiden Autos steht meist im Hof.
Eine solche Neuerung bei der PKW-Anmeldung würde weniger zu Ausfällen für den Staat und die Versicherungen führen, sondern zu einem höheren PKW-Bestand. Es wären aber nicht mehr Autos unterwegs, sondern die PKW-Art könnte mehr auf den jeweiligen Zweck der Fahrt zugeschnitten sein. Auf dem Land wäre dies von großem Vorteil, einmal für die Benzinkosten der Fahrzeughalter und zur Einsparung von Abgasen.

Wenn die Fahrzeugindustrie es dann auch noch fertig bringen würde, unter der unteren Fahrzeugklasse noch sparsamere, leichtere und geringer ausgestattete fahrbare Untersätze anzubieten, wäre dies eine echte Offensive in Richtung mehr Klimaschutz.
Diese Kleinstautos sollten höchstens etwa zwischen 2 und 3 Liter auf 100 km verbrauchen und dies nicht mit Hilfe von komplizierter Elektronik und Zusatztechnik, sondern mit Reduzierung von Gewicht, Fahrwiderstand und Motorhubraum. Warum sollten die 600 kg Gewicht und 4 Liter Verbrauch eines Renault R4 von vor 30 Jahren heute nicht möglich sein? Ja es sind mit dem heutigen Kenntnisstand zu Motortechnik, Materialwahl und Luftwiderstand noch weit bessere Werte möglich.
Das Problem ist, dass die Autobauer wenig Interesse an Produkten haben, wo die Gewinnspanne sehr viel geringer wäre, als bei Mittelklasselimousinen.
Der Staat müsste hier Druck machen.
Eventuell wirkt auch die Präsentation des neuen Billigautos aus Indien positiv auf die Produktpalette der europäischen Autohersteller. Als Antwort würde ich mir ähnlich im Preis reduzierte Autos mit zusätzlich weiter reduzierten Verbrauchswerten wünschen.
Diese ließen sich im Gegensatz zu den aufgemotzten Eco-Versionen von VW-Lupo oder Audi A2 in den letzten Jahren auch breit absetzen. Für die Kassen der Autofirmen, wie für die Umwelt hieße es dann: Kleinvieh macht auch Mist. Viele Menschen hätten ein besseres Gefühl beim Fahren, weil sie nur die unbedingt notwendige Automasse mit sich über die Straßen bewegen müssten.

 

13.03.08

Grüne wollen unter bestimmten Bedingungen mit der CDU koalieren. Nicht nur in Hamburg wird verhandelt, auch Koch in Hessen überdenkt diese Möglichkeit.
Am interessantesten dürften die Art der Abstriche sein, die Grüne wohl machen müssen, um als Regierungspartner angenommen zu werden. Sie sind halt geschmeichelt von der Position, die ihnen von den Wählern eingeräumt wurde. Die meisten in der grünen Partei haben schwere Bedenken, aber auch süße Vorstellungen von einer Beteiligung an der Macht.

Die Grünen sind von den etablierten deutschen Parteien, wohl die mit dem in einigen wichtigen Gesellschaftsbereichen weitestgehenden Konzept. Gerade weil sie von sich behaupten, ökologische Kriterien einhalten zu wollen, kann für sie eine Kompromisspolitik schnell zur Torpedierung ihrer fundamentalen Parteiziele ausarten. Sehr spannend ist deshalb nicht das gegenwärtig breitgetretene Theater zwischen SPD und Linkspartei über eine wie immer auch gestaltete Zusammenarbeit. Viel interessanter sind die Ergebnisse von Verhandlungen zu Schwarz-Grün oder zu "Jamaika".

Welche Abstriche wollen die Grünen machen? Welche CDU-Politik wollen sie tolerieren, welche eigene Politik aufgeben? Kompromisse sind zwischen einer ökologisch ausgerichteten und einer auf quantitatives Wachstum konzentrierten Politik eigentlich überhaupt nicht möglich. Beide Strömungen sind entgegengesetzt zueinander.
In der Koalition mit Union oder FDP können Grüne allenfalls Symptombehandlung durchführen und versuchen, dieses dann mit rhetorisch geschickter Begleitung als grüne Politik zu verkaufen. Tatsächlich ökologische Politik müsste für die Regierungszeit genauso in der Schublade bleiben, wie zu Oppositionszeiten.
Es bleibt spannend, aber kleine Wunder sollte man nicht erwarten. Leider sind viel zu viele Selbstdarsteller bei den Grünen, die im Prinzip gar keinen Bezug zu einer ökologischen Lebensart haben und erst recht diese nicht leben. Ihnen ist der große Zusammenhang fremd, der einerseits das gegenwärtig über uns kommende, die alltäglichen ökologischen und sozialen Schadensmeldungen mit den wirtschaftspolitischen Verhältnissen erklärt, und andererseits eine umfassende Lösung aufzeigt. Sie beschäftigen sich vordergründig mit ihrem Spezialgebiet, haben darüber hinaus aber nichts zu bieten und verstecken unter dem Expertenhut ihre Scheuklappen. Bei der grünen Basis ist kaum mehr Überblick vorhanden, sonst würde diese ihre Parteispitze wohl besser besetzen.

Der größte Nutzen für die gesamte Gesellschaft wäre es, wenn die Grünen eine Regierungsbeteiligung zu einer echten Gefahrenanalyse nutzten und daraufhin die Notwendigkeit einer großen und umfassenden ökonomischen Reform propagierten. Sie müssten auf die Einführung einer neuen Ökonomie mit konsequentem Verursacherprinzip drängen, und könnten hier rein marktwirtschaftliche Argumente einsetzen. Wenn damit die Strukturkonservativen, ob schwarz oder gelb, auf ihrem ureigenen Terrain erschüttert würden, hätten die Grünen aus einer solchen Koalition das Maximale für die Gesamtgesellschaft herausgeholt. Sie hätten den wichtigsten Stein des 21 Jahrhunderts ins Rollen gebracht.

 

12.03.08

Zwei Meldungen zum Flugverkehr, ein Problem:

Der amerikanische Flugzeugbauer Boing beschwert sich massiv gegen die Bestellung von Tankflugzeugen durch die US-Regierung beim europäischen Konkurrenten EADS. Dieser hatte, um den Auftrag im Wert von 35 Milliarden Dollar zu bekommen, extra eine Partnerschaft mit einem Unternehmen in den USA geschlossen. Etliche Teile der Transporter sollten in den USA gebaut werden.
Der größte Flughafen in Europa, Heathrow bei London, soll noch größer werden. Man braucht dort angeblich eine neue Abfertigungshalle und eine dritte Startbahn.
Der Bürgermeister von London ist gegen eine Vergrößerung, weil dafür ein ganzer Stadtteil mit mehr als 700 Häusern abgerissen und die Menschen umgesiedelt werden müssten. Umweltschützer beklagen die dadurch entstehenden Belastungen durch zusätzliche Abgase und Lärm für das Stadtgebiet von London. Laut Greenpeace ist der britische Flughafen schon heute für einen Ausstoß von rund 31 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich verantwortlich.
Die britische Regierung will an den Plänen festhalten. Aus dem Innen- und dem Verkehrministerium kommen die üblichen Statements, die wirtschaftliche Lage und die Bedeutung als Finanzstandort Nummer 1 verlangten die Erweiterung.
Sorgfältig hat man auch darauf geachtet, dass die reicheren Londoner Stadtbezirke, etwa dort, wo die Besitztümer der Königinfamilie, des Adels und der Wohlhabenden liegen, von zusätzlichem Lärm verschont bleiben. Auch verweist man gerne auf die Entwicklung sparsamerer und leiserer Flugzeuge, womit die Hauptbelastung irgendwann ja wegfallen könnte.

Das Hauptumweltproblem beim Flugverkehr ist, neben der Unverträglichkeit mit Wohngebieten, wo sich die meisten Flughäfen nun einmal befinden und der massiven Umweltbelastung durch Zubringerverkehr, dass die Abgase der Flugzeuge in größerer Höhe freigesetzt, sehr viel gravierenderen Schaden an der Atmosphäre anrichten, als bei anderen Verkehrsmitteln.
Vor über 10 Jahren schon gab es deutliche Studienergebnisse dazu.
Folgendes ernüchternde Beispiel wurde damals vorgerechnet: Wer einmal mit dem Flugzeug von Deutschland aus nach Mallorca fliegt, mit einer Maschine mittlerer Größe und zusammen mit vielleicht 80 anderen Passagieren, belastet die Atmosphäre genauso stark, als würde er zwei Jahre lang mit einem kleineren Auto auf Straßen fahren und dabei etwa 25.000 km zurücklegen.
Die Abgase von Flugzeugen wirken um ein vielfaches klimaschädlicher und reagieren chemisch sehr viel einschneidender mit anderen Luftbestandteilen, als Abgase, die knapp über dem Boden freigesetzt werden.

Wenn dies berücksichtigt würde, wenn diese Schäden des Flugverkehrs vollständig in die Flugpreise einberechnet werden müssten und die absurden heutigen Subventionierungen wegfielen, würde der heutige Flugverkehr im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln so miserabel abschneiden, dass er auf ein Minimum zusammenschrumpfen täte. Andere Verkehrmittel würden zwar auch wesentlich kostspieliger, aber nicht so stark, wie der Luftverkehr.
Stellen wir doch einfach die Diskussionen um Flughäfen und Flugzeuge auf eine objektive Grundlage. Unterbinden wir die momentan auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen abgewälzten ökologischen Schadkosten durch Einberechnung in die Preise. Die gesamte Problematik würde sich mit Hilfe der Wirkung eine schlichten marktwirtschaftlichen Mechanismus ganz von selbst auf ein verträgliches Maß reduzieren.
In London könnte man wieder ruhig schlafen, Boing und EADS würden beide leer ausgehen und müssten ihre Produktpalette weitgehend ändern, die hohen Etagen in der Wirtschaft müssten die Reisefreudigkeit einschränken und andere Formen des Austauschs, der Präsens oder der sonstigen Mobilität finden.
Wir könnten nicht mehr, eben mal so für 5 Euro von Hahn im Hunsrück nach Barcelona fliegen, die Anwohner von Flughäfen bekämen den Wert ihrer Anwesen wieder zurück ebenso, wie die bessere psychische Gesundheit.
Politiker und Wirtschaftsfunktionäre, die heute noch den Ausbau des Flugverkehrs befürworten, sind entweder völlig ahnungslos und wissen nicht was sie reden, oder sie wollen aus egoistischen Gründen nicht auf den vermeintlichen Vorteil zur Profitsteigerung verzichten.
In beiden Fällen sind solche Zeitgenossen eine Gefahr für die Menschheit, die sich leider immer noch hinter den Bedingungen des herrschenden Wirtschaftssystems verstecken können.

 

11.03.08

von Colsky:

Kurt Beck ist wieder genesen. Er lag 14 Tage ganz banal und ohne Anzug und Krawatte, daheim im Bett, schwitzte, hatte verklebte Haare, trug den nassen alten Schlafanzug um den runden Leib und durfte sich von seiner Frau den Tee ans Bett bringen lassen.
Der Arme musste tatenlos zusehen, wie er in Hessen zuerst falsch verstanden und dann noch falsch gedeutet wurde.
Wie kann man auch annehmen, dass er an eine Minderheitsregierung unter Duldung der Linkspartei denkt, wenn er eine Duldung ins Gespräch bringt? Nunja, jetzt ist er ja wieder da und sagt, man dürfe nicht ein zweites Mal mit demselben Kopf an dieselbe Wand laufen. So ähnlich hat es mein Jüngster mit drei Jahren auch mal ausformuliert. Zwar hatte Beck die betreffende Stelle an der Wand mit einem Kreuz für Ypsilanti markiert. Aber immerhin ist Kurt Beck für solche Erkenntnisse Bundesvorsitzender der SPD.

Seine parteiinternen Gegner schießen immer wieder hinter Hecken heraus auf ihn, besonders, wenn sie allein zu hause sind. Sie treffen sogar mit den winzigen Pfeilen, aber Kurt Beck läuft einfach Elefanten gleich mit den Spitzen in der Haut weiter herum, als wäre nichts gewesen.
So einen braucht die SPD. Klein-Frank-Walter, im Außendienst mit genügend Abstand zum Pfälzer, möchte öfter mal was sagen, doch er kann seinen auch so diplomatischen Stil nicht ändern. Den Blick immer ganz leicht über den Zuhörern, den Kameras und den Journalisten, so wie es Helmut Kohl gut konnte, so, als gäbe es da oben etwas, das nur er sieht, warme, gewählte und emotionsfreie Sätze, gleichförmig und ohne Zacken daher gesagt, wie eine Fahrt auf einer ewig langen Straße durch die Tempo-30-Zone, das kann Frank-Walter Steinmeier gut. Doch um mit einem stacheligen Pfälzer zu reden braucht es mehr.
Auch der nächste Möchtegern-Wadenbeißer Steinbrück, eher mit zackig-preußischer, norddeutscher Rede und treuester Fan von sich selbst, auch er versteht wenig vom pfälzischen Frohsinn und wie man den erschüttert.

Ypsilanti in Hessen bleibt ratlos. Niemand will doch den Chef beschädigen. Dann schon eher das parlamentarische System, indem man die Darmstädter Abweichlerin Dagmar Metzger mit Ausschluss droht, da man ja ihre Stimme bräuchte.
Wenn es auch keine wirklichen Gründe für die Ablehnung der Zusammenarbeit mit der Linkspartei gibt, man muss in der Öffentlichkeit aber den Eindruck wahren. Unvorstellbar, wenn heraus käme, dass beide, SPD und Linke keinerlei zukunftsfähiges Konzept haben und allein hier schon eine gemeinsame Basis finden könnten.
Aber der Kurt entscheidet, ob man und wann man und überhaupt, besonders jetzt, nach der Grippe, Phönix aus der Asche, das, auf Pfälzisch gesagt, Kammbeck des Kurt Beck. Hinweggefegt die Zweifel, dass ein guter Chef vor der Wahl berücksichtigt, was danach an Problemen entstehen könnten und dies schon vorbereitet. Wer konnte auch ahnen, dass die Linkspartei und Roland Koch, dass mit den neuen Gegebenheiten, die einem die Wähler serviert haben, Frechheit von den Wählern aber auch..., Schwamm drüber und vorwärts mit Kurt Beck.

Immerhin will er auch Kanzler werden, wie schon andere peinliche Pfälzer vor ihm. Bis dahin soll er den klapprigen Gaul SPD in die richtige Richtung lenken. Wenn der nicht mal allein vom Lenken zusammenbricht. Momentan sitzt die Partei zwar im Umfrage- und Glaubwürdigkeitskeller, aber da braucht man wenigstens keinen Wetterschutz. Es gibt dort viele massive Wände, woran man sich mit dem Rücken lehnen kann.
Die Hauptstadtjournalisten sind süchtig nach Beck. Seine wetterballongleichen Eruptionen sind immer verwertbar. Fragt sich nur, ob damit die Leserzahlen der Zeitungen gehalten werden können. Eigentlich kann dieses Theater um den Pfälzer kaum einer mehr hören. Aber immer weiter mit Berichten über den Kurt, unterhaltsam scheint er zu sein oder soll es zumindest präsentiert werden.

Wenn es in der deutschen Politik nichts Neues gibt, muss man darüber wenigstens ausführlich berichten.
Intern jedenfalls, hat die SPD um den Kurt einen ernsten Verdacht. An allem Dilemma soll die Virusgrippe schuld sein. Wenn die nicht über den Pfälzer gekommen wäre, könnte es wesentlich besser mit der SPD stehen.
Deshalb arbeitet eine sozialdemokratische Themengruppe in Berlin an einem neuen Gesetz. Weil die Virusgrippe weder sozial noch demokratisch ist, soll sie von April 2013 an verboten werden. Endlich wird wieder gradlinig regiert. Kurt Beck sei Dank!

 

10.03.08

Apropos Gewerkschaft.
Die Bahngewerkschaft GDL hat sich mit der Bahn geeinigt und auch mit den anderen beiden Bahngewerkschaften. Wer in der Öffentlichkeit blickt hier noch durch?
Bahnchef Medorn, der das ihm anvertraute Volksvermögen an der Börse verscherbeln möchte, hatte nachgetreten, DGB-Chef Sommer war sauer auf die GDL, weil die sich nicht in eine gemeinsame Strategie einbinden wollte. Wie hat denn diese gemeinsame Strategie überhaupt ausgesehen?
Oder die Streiks im öffentlichen Dienst. Natürlich brauchen die Menschen genügend Lohn zum Leben. Wenn man aber immer nur mehr Geld und kürzere Arbeitszeit einklagt, wenn die Gewerkschaften immer nur dieses traditionelle Jojospiel weitertreiben, bleiben sie erheblich unter ihren eigentlichen Möglichkeiten.

Preissteigerungen folgen auf höheren Lohnabschlüssen, denen folgen Gewerkschaftsforderungen, Streiks und höhere Lohnabschlüsse, dann gibt es wieder Preissteigerungen, und darauf, - ja, drei mal darf man raten, wie beim Jojo, auf und ab.
Wieso eigentlich fordern die Gewerkschaften nie grundsätzlichere Verbesserungen für die eigene Klientel, ja am besten für die Bevölkerung? Warum wird nicht ein Wirtschaftssystem gefordert, in welchem dieses Jojospiel weitgehend bedeutungslos wäre? Wieso bemerken Gewerkschaften eigentlich nicht den allgemeinen Abwärtstrend bei der Lebensqualität aller Menschen und stellen hierzu Forderungen auf?
Etwas zynisch könnte man antworten, weil dann die Gewerkschaft ihre Existenzberechtigung stark einbüßen würde.
Was aber kann den Anhängern aller Gewerkschaften besseres passieren, als stabile Verhältnisse, als ein Zwang für alle Unternehmen, stärker auf soziale Belange, und die Belange ihrer Beschäftigten Rücksicht nehmen zu müssen.
Allerdings stiegen mit solcherlei Überlegungen auch die Anforderungen an Gewerkschaftsführer, sie müssten mehr leisten, als bloße Mehrgeldforderungen aufzustellen. Sie müssten mehr Arbeitsqualität und mehr Nachhaltigkeit beim wirtschaften einklagen. Ob diese Leute hierüber schon mal nachgedacht haben?

Um noch mal auf den Beitrag vom 7. März zurück zu kommen, zur Feststellung, dass mit der G8-Schulzeitverkürzung den Jugendlichen auf Gymnasien mehr Arbeitszeit aufgehalst wird.
Es gibt zwar Vertretungen, die sich für die Belange von Schülern einsetzen, Elternverbände hauptsächlich, denen auch eingeräumt wird sich an schulischen Entscheidungen zu beteiligen. Doch dies ist ein weitgehend stumpfes Schwert.
Es gibt keine bundesweite Schülervertretung. Das föderale System, also die Zuständigkeit so vieler Kultusbehörden wie es Bundesländer gibt, hat auch den großen Nachteil, dass die Belange der Schülerinnen und Schüler zerteilt werden können. Teile und herrsche, dieses Prinzip gilt auch für den Schulbereich in Deutschland. Deshalb kann eine Reformforderung von unten leicht übergangen werden.

Warum sollte man nicht mal über die Gründung einer bundesweiten Schülergewerkschaft nachdenken, einer großen Interessenvertretung mit allen Vorgehensmöglichkeiten einer normalen Gewerkschaft? Statt für mehr Geld sollte diese Gewerkschaft für mehr Qualität in der Schule streiten, bei größtmöglicher Reduzierung der Arbeitszeit.
Im Prinzip stellt das Schülerdasein das wichtigste Gewerke für die Bevölkerung überhaupt dar. Die Forderungen dieser Gewerkschaft könnten von den, ohnehin schon seit langem mahnenden, Erziehungswissenschaftlern, Soziologen, Pädagogen, Hirnforschern und sonstigen Fachleuten für effektives Lernen und menschliche Entwicklung wissenschaftlich begleitet und begründet werden.
Elternverbände könnten die Forderungen formulieren und Verhandlungen mit den Schulbehörden führen. Bei Uneinsichtigkeit und Blockadeversuchen der Kultusbürokraten sollten echte und großflächige Streiks beschlossen werden können.
Die meisten Eltern würden erst den Mut finden, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn hierzu eine mächtige Organisation aufruft und sie nicht mehr die alleinige Verantwortung tragen müssten. Zur Erzwingung besserer Lernbedingungen wäre auch eine vorübergehende Nichtbeachtung der Schulpflicht legitim. Ein solcher bürgerlicher Ungehorsam muss genauso ein Grundrecht sein, wie das Streikrecht für andere Berufsgruppen, zumal hier nicht nur die finanzielle Situation einzelner Beschäftigter, sondern ein wichtiges Fundament unserer Gesellschaft zur Debatte steht.

 

09.03.08

Enorme Mengen an Giftstoffen werden jedes Jahr verbraucht, um Hölzer gegen Insektenbefall und Fäulnis zu schützen. Hauptsächlich bei der Verwendung im Außenbereich, glaubt man, auf eine Imprägnierung nicht verzichten zu können. Die Imprägnierstoffe, Salze, Teeröle oder abtötende Chemikalien, sind nach einer gewissen Zeit von der Witterung ausgewaschen, und das Holz verfault dann doch. Selbst kesseldruckimprägnierte Hölzer, etwa Zaunpfosten, bei denen die schwarze Brühe bis weit ins Innere gepresst wird, sind nach 15 Jahren abgefault und müssen ersetzt werden.
Die Hölzer selbst sind wegen der noch enthaltenen Problemstoffe, nach Ende ihres Gebrauchs mindestens Restmüll, wenn nicht ein Gefahrstoff. Ebenso bereitet die Herstellung der Imprägniermittel große Umweltprobleme.

Allerdings produziert uns die Natur auch Holzarten, die schon fix und fertig gegen Fäulnis und Insektenbefall geschützt sind. Genau diese wurden auch jahrhunderte lang verwendet, bis die künstliche Imprägnierung mit all ihren Problemen in Mode kam. Relativ dauerhafte Holzarten sind beispielsweise die Kernhölzer (der innere Teil des Stammes) der einheimischen Arten Eiche, Lärche, Kiefer und der eingebürgerten Arten Marone, Thuja, Douglasie und Robinie. Die letztere, die Robinie, manchmal auch als falsche Akazie genannt, liefert das wohl dauerhafteste Holz, das in mitteleuropäischen Breiten wächst.
Die Robinie besitzt eine sehr borkige Rinde, gefiederte Blätter, weiße Blüten (von denen auch der sogenannte Akazienhonig stammt), lange Dornen, besitzt im Sommer eine helle, luftige Krone und bildet schotenförmige Samen aus.

Das Holz der Robinie benutze ich schon lange für extreme Einsatzbereiche, vor allem, wo das Holz mit dem feuchten Erdboden in Berührung kommt, etwa für Zaunpfosten, Schutzpoller, Sandkästen, Hangabstützungen oder auch für Regale in feuchten Kellern. Robinienholz erfüllt dort seine Aufgabe wesentlich länger, als jede imprägnierte Industrieholz und gibt keine unnatürlichen Gifte ab.

Robinienholz ist nur schwer zu bekommen. Ich habe es mir meist lokal selbst besorgt. Meist ist fast der ganze Baum verwertbar. Ein dünner Stamm taugt für Pfosten, auch wenn er nicht ganz gerade ist, aus den Ästen mache ich Werkzeugstiele, weil das Holz auch sehr elastisch und zäh ist, oder Holzpflaster. Dickere Stämme kommen ins Sägewerk im Nachbarort und ergeben Bretter und Bohlen.

Das Pfosten-, Plaster- oder Palisadenmaterial lasse ich über mindestens zwei Jahre kontrolliert vor sich hin rotten. Dabei löst sich die Rinde, und das dünne, nicht brauchbare Splintholz verfault. Abgedeckt mit Grasschnitt, hält sich auch im Sommer die Feuchtigkeit.

Wenn das Holz dann "reif" ist, sieht es für den Laien ziemlich hoffnungslos aus.

Die Rinde lässt sich mit dem Schäleisen leicht abschaben, auch weil das Dünne äußere Splintholz darunter weggefault ist oder von Würmern gefressen wurde.

Unter der entfernten Rinde sieht man die dunkelbraune Faulschicht und darunter das grünlich helle und gesunde Kernholz.

Die Zaunpfostenhölzer lassen sich im Freien jahrzehntelang ohne Schaden lagern und setzen allenfalls etwas Moos an.

Das Material für Palisaden und Plaster braucht auch kein Wetterschutz, bis es verwendet wird.

Der Sandkasten im Garten wurde vor 17 Jahren angelegt ist längst verwildert. Aber seine Pfosten und Einfassungsbohlen aus Robinie sind noch fest und stabil. Sie werden auch die Enkel noch aushalten.

 

08.03.08

Wenn Kinder verwahrlosen, seelisch oder körperlich, hat dies direkt mit den Charaktereigenschaften, Verhaltensmerkmalen und der Bildung ihrer Mütter und Väter zu tun.
Deren Umgangsgewohnheiten mit ihren Kindern wiederum, hängen entscheidend davon ab, was sie selbst in Ihrer Kinder- und Jugendzeit von ihren Eltern und Beziehungspersonen an Zuwendung, an Vorbild oder sozialer Kompetenz erfahren oder vorenthalten bekommen haben. Auch bei der Erziehung gilt, über mehrere Generationen betrachtet, gewissermaßen ein Vererbungsprinzip, welches, wenn es nicht unterbrochen wird, sich über Generationen fortpflanzen kann.

Dies gilt im Wünschenswerten, wie im Negativen. Kinder, die eine reichhaltige und geduldige Erziehung hin zu selbstständigen Mitgliedern der Gesellschaft genießen konnten, werden sehr wahrscheinlich ihre eigenen Kinder ebenso gewissenhaft erziehen, wie am anderen Ende des Spektrums vernachlässigte Kinder ihre Kinder wahrscheinlich ebenso gleichgültig behandeln werden.

Im Prinzip streitet man sich hier nur über die Details und über die beiden Fragen, wie lässt sich eine positive Erfahrungskette in Gang setzen bzw. wie lässt sich eine negative unterbrechen.
In den Tagesmeldungen wird überlegt, was denn beispielsweise schief gelaufen sei, wenn Mütter ihre Kinder verhungern lassen, was denn getan werden kann, wenn Eltern der PC-Sucht oder der wiederholten Straffälligkeit ihres Sohnes nichts entgegenzusetzen haben, oder ob die frühzeitige Abgabe von Kleinstkindern in Betreuungsdienste einen nachhaltigen psychischen Defekt verursachen könnte.

Eltern, die unbedingt arbeiten wollen und modern sich gebende Politiker, bestreiten jede Schädlichkeit einer Krippenbetreuung. Ein Leser im "Spiegel" berichtete, er habe seine gesamten sozialen Befähigungen in den damaligen DDR-Einrichtungen gelernt. Mich würde hier interessieren, wie dieser Mensch wiederum seine eigenen Kinder erzieht, oder ob er diese möglichst schnell auch tagsüber abliefern will.
Eigentlich ist gegen Fremdbetreuung nichts einzuwenden.
Immer schon wurde sie in der langen menschlichen Geschichte praktiziert, sei es, als die Menschen noch in Sippen wohnten, wo die Kinder zusammen betreut wurden, oder sei es in Großfamilien auf dem Land und in den Städten bis ins 20te Jahrhundert hinein, oder sei es, dass sich Großeltern den beschäftigten Eltern als Betreuungsinstanz anboten.

Die Probleme liegen hier in den Details. Mir kann keiner erzählen, dass es sich positiv auf einen zweijährigen auswirkt, wenn in der Krippe, eine Betreuerin für 8 Kinder zuständig ist. Oft werden Kinder so nur geparkt, bis der zuständige Elternteil endlich Zeit für sie findet. Körperliche Wärme zwischen Kind und Erwachsenen etwa, können in Krippen gar nicht statt finden. Hierzu sind allein die Eltern befähigt.
Gravierender als mangelhafte Krippenverwahrung bei Kindern von Erwerbstätigen allerdings, wirkt sich die häusliche Betreuung von meist erwerbslosen, ungebildeten oder suchtkranken Eltern aus. Hier wäre ein Krippenaufenthalt tagsüber zumindest das kleinere Übel. Die Kleinen könnten verinnerlichen, dass die Gleichgültigkeit, die Aggression oder die Alkohol- Fress- oder Fernsehsucht ihrer Eltern nicht die ganze Welt ist. Sie könnten zumindest im Ansatz erfahren, was im Umgang mit anderen zählt, dass es auch eine intellektuell anspruchsvollere Art der Kommunikation gibt, oder dass sie selbst freie Individuen mit eigenen Rechten und Pflichten sind.

Zu diesem Thema gab es am Montag im Politischen Feuilleton auf Dradio einen Beitrag der Erziehungswissenschaftlerin und Therapeutin Astrid von Friesen. Mit dem Titel "Die Vergangenheit wirkt - Wenn Mütter töten".
Frau von Friesen betrachtet verschiedene Aspekte. "Die Bindungsforschung, welche seit über 40 Jahren weltweit gut fundierte Ergebnisse hervorgebracht hat, besagt folgendes: Bei Kindern, die im ersten und im sechsten Lebensjahr als schlecht gebunden auffällig werden, besteht eine Wahrscheinlichkeit von ca. 80 Prozent, dass sie massive Störungen entwickeln. Denn sie konnten kein Urvertrauen aufbauen, sie litten an Müttern, die depressiv, süchtig, psychisch krank oder kalt waren. Oder, so sagen die weltweiten Forschungen, sie wurden zu früh in eine problematische Fremdbetreuung gegeben."
Sie bestätigt die Verhaltensvererbung: "Ein Mehr-Generationen-Muster entsteht, und das vielfach."
Und sie erhebt Einspruch: "So wie die antiautoritäre Erziehung in Westdeutschland Folgen hatte, mal mehr und mal weniger gravierende, so blieb auch die Erziehung zum neuen, sozialistischen Menschen nicht folgenlos. Anderes anzunehmen, wäre mehr als naiv. Aber offensichtlich ist die Versuchung mal wieder groß, dies zu leugnen."

Schließlich bleibt uns wieder die unbeantwortete Frage: Wie wirkt sich die Veränderung gesellschaftlicher Standards durch die herrschende Ökonomie, für eben diese Gesellschaft aus? Wie teuer kommt uns der Abbau familiärer Strukturen, der Ausschluss immer mehr Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben, der Abbau von sinnvollen und achtungsfähigen Erwerbsmöglichkeiten für gering Qualifizierte, oder das Abgleitenlassen ganzer Bevölkerungsschichten in zeitgeistbedingte Suchtstrukturen noch in Zukunft?
Hier liegt ein breites Definitionsfeld, wenn wir über die sozialen Schadkosten der herrschenden Ökonomie an den Einzelnen, nicht nur bei gleichgültigen und gewalttätigen Eltern, nachdenken.
Auch hier müssen von einem nachhaltigen Wirtschaftssystem, neben der anderen Diskussion um die ökologischen Eigenarten, von Grund auf andere Auswirkungen, Begleiterscheinungen und Selbstverständlichkeiten erwartet werden.


07.03.08

Eifrig wird derzeit die Diskussion geführt über die Verkürzung der Schulzeit auf Gymnasien von 9 auf 8 Jahre, auch G8 genannt. Bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern hat dies zu einer erheblichen Ausweitung der Wochenarbeitszeit geführt, weil mit dieser sogenannten Reform ja nicht auch der Unterrichtsstoff reduziert, sondern der Nachmittagsunterricht ausgeweitet wurde.

Die jungen Menschen sind oft gezwungen, psychische und physische Belastungen in Kauf zu nehmen, wenn sie den neuen Anforderungen gerecht werden wollen. Wieder einmal müssen sie ein Stück ihrer dringend notwendigen Freizeit aufgeben, die sie eigentlich als Ausgleich gegenüber dem gewaltigen Druck und zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit benötigen. Oder sie kapitulieren, auch wenn sie an sich leistungsfähig und wissbegierig sind, verweigern sich innerlich und verlassen frühzeitig die Schule.
Immer weniger dieser heranwachsenden Generation ist in der Lage, unter den Bedingungen nach den Vorstellungen der deutschen Kultusminister eine Allgemeinbildung, die diesen Ausdruck verdient, zu entwickeln.
Dabei ist der eigentliche Grund für die Schulzeitreduzierung der Geldmangel in Bund, Ländern und Kommunen, auch wenn uns einige Parteipolitiker mit blödsinnigem Reformgerede etwas anderes weis machen wollen. Mit jahrzehntelangem schuldenfinanzierten Missmanagement bei der Volksvertretung, hat diese Kaste aus überwiegend geschwätzigen Allrounddilettanten auch die Grundlagen eines vernünftigen Schulsystems an die Wand gefahren, finanziell, wie inhaltlich.

Demgegenüber gibt es eine Menge von Erziehungswissenschaftler, Soziologen, Pädagogen, Hirnforscher, Elternvertretungen, usw., die sich immer wieder zu Wort melden und massive Änderungen an den Inhalten und den Konzepten im Schulbereich fordern.
Eigentlich ist längst klar, wie eine effektive Schule organisiert sein müsste, in der Kinder und Jugendliche nicht überlastet werden, in der sie die Inhalte auch nachvollziehen und behalten können, die finanziert werden kann, Eigeninteresse bei den jungen Menschen weckt, auch Kinder aus unteren Schichten zum Besuch einer höheren Schule befähigt und die vielleicht sogar noch Spaß macht.
Im Prinzip scheitert alles an der Feigheit, Ignoranz und Betonköpfigkeit der zuständigen Bürokratie.

Was könnte man denn tun?
Bei der Schulzeitverkürzung ist das Problem nicht die reduzierte Zeit, sondern dass die Lehrpläne nicht entschlackt werden. Kaum ein Erwachsener hat mehr als 40 % dessen behalten, was er in der Schule durchnehmen musste. Spricht dies nicht Bände über die Qualität des Lernstoffs und die Art des Unterrichts?
Erziehungswissenschaftler gehen davon aus, dass mindestens 50 % des Schulstoffs überflüssig ist und abgeschafft werden sollte. Man spricht in Fachkreisen hier auch von Wegwerfwissen, das anschließend von den Schülern entsorgt wird, und von Klofächern, etwa Geschichte, weil für das Klo gelernt wird und meist auch auf dem Klo.
Statt dessen sollten die Schüler mit ihren Lehrern die Lerninhalte weitgehend selbst bestimmen, weil nur so ein Interesse und eine Aufnahmebereitschaft entstehen kann.

Ferner müssten viel mehr lebenspraktische Themen in den Schulalltag einfließen. Welcher Erwachsene kann denn mit seinem Schulwissen die Anforderungen des Alltags bestreiten. Dazu taugt das Behaltene allenfalls zu 10 %.
Umgekehrt betrachtet sind Erwachsene, wenn sie nicht einfach nur völlig passiv und alles schluckend durch die Gegenwart treiben wollen, darauf angewiesen, gerade nach der Schulzeit nach dem wichtigen Wissen zu suchen und es sich anzueignen.
Von daher ist hochaktuell, was ein griechischer Philosoph vor mehr als 2000 Jahren sagte: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Dieser Satz ist genau so überliefert, auch wenn ihn bestimmte Kreise immer wieder abwandeln wollten in den absurden und noch niemals umgesetzten Ausdruck: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
Haha, ein frommer Wunsch ohne die geringsten Taten. Es wäre schön, wenn wir das Schulsystem so ändern könnten, dass die Abwandlung des Originalzitats der Realität nahe käme.

PS: Zum Thema gab es auch ein interessantes Interview gestern auf Dradio mit dem Bildungssoziologen Fritz Reheis.

 

06.03.08

Wer als konsequent umweltbewusster Mensch (- eigentlich mag ich dieses Wort überhaupt nicht, weil es so abgedroschen und beliebig interpretierbar ist -) verreist, dem huschen Szenen und Bilder am Auge vorbei, die zumindest für ihn selbst nach einer Kommentierung rufen. (Ich habe einige Fotos geschossen und will diese in den kommenden Tagen als Tagesanmerkung einstreuen.)
Vieles an befremdlichen Szenen hat mit Menschen zu tun, die sich anders verhalten, als der Beobachter es selbst täte. Dies allein wäre noch lange kein Grund für irgendwelche Kritik an diesen Menschen.
Doch, es gibt eine Grenze bei der Gestaltung des eigenen Handelns, der eigenen Persönlichkeitsentfaltung, nämlich dort, wo die persönliche Freiheit Dritter berührt und beschnitten wird. Bezüglich dieses Gedankens ist ein gravierendes Umdenken erforderlich.

In der Vergangenheit hat man diese besagte Grenze in erster Linie dadurch charakterisiert, als dass das Recht auf persönliche Freiheit nicht zu unmittelbarer Körperverletzung, gesellschaftlicher Isolation, politischer Entmündigung, Diebstahl o. Ä. an unseren Nächsten führen darf.
Im gegenwärtigen Zeitalter der immer einschneidender wirkenden Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, und im Bewusstsein dessen, dass diese Zerstörung ja fast immer über menschliches Verhalten oder Konsum wirkt, muss diese Grenze neu definiert werden.

Den meisten Leuten sind die Auswirkungen ihres Tuns gar nicht bewusst. Kaum einem von ihnen kann man daraus einen wirklichen Vorwurf machen. Die Wirkungsketten allen Handelns im beginnenden 21sten Jahrhundert sind derart kompliziert und undurchschaubar, dass nur für Menschen, die sich ständig selbst informieren und weiter bilden, Zusammenhänge erkennbar werden.
Wer sich umweltbewusst verhalten will, ist heute gezwungen, einen Teil seiner Lebenszeit auch für Informationsbeschaffung als Grundlage umweltbewussten Handelns aufzuwenden. Neben vielen Büchern zu ökologischen Themen und Zeitschriften wie Ökotest oder Schrot-und-Korn, Greenpeace-Magazin oder anderen Zeitschriften von Umweltverbänden, Sonderheften einiger Zeitungsverlage, Wissenschaftsmagazinen und vielen anderen, gibt es im Internet neben vielen Einzelveröffentlichungen auch Initiativen, wie beispielsweise die Website utopia.de, deren Redaktion ich am Dienstag besucht hatte.

Im Grunde ist dies alles, ist unser Alltag doch sehr paradox: Die durchschnittliche, unbekümmerte Lebensführung in der Gesellschaft, geprägt durch die selbstverständliche Annahme dessen, was uns die herrschende Ökonomie anbietet und vorgibt, führt zur Zerstörung der Existenzbedingungen eben dieser Gesellschaft.
Wer sich dagegen an den vielen kleinen und größeren Freveln aus ethisch-moralischen Gründen nicht beteiligen will, der ist gnadenlos dazu verdonnert, erheblich mehr Zeit und sehr viel mehr Geld in seinen Alltag zu investieren.
Entmutigend dabei ist, dass 80 % der Bevölkerung, die sich nicht an besonderen Anstrengungen beteiligen, ja aus finanziellen, intellektuellen oder biographischen Gründen dies gar nicht können, das Bemühen der anderen 20 %, langfristig betrachtet, zu Nichte machen.

Für alle 100 % wäre es mit Abstand am einfachsten, wenn die Umwelt- und Sozialfreundlichkeit eines jeden Produkts und jeder Dienstleistung direkt am Preis ablesbar wäre.
Was würden die Leute essen, wenn die biologisch und regional angebauten Nahrungsmittel auch die billigsten wären, wie würden die Leute wohnen, wenn Häuser ohne Giftstoffe und mit überragender Energiebilanz am günstigsten zu bauen wären, wo würden die Leute arbeiten, wenn für Unternehmen und sonstige Arbeitgeber die Jobs vor Ort und dezentral in den Regionen am gewinnbringendsten wären?

Dieses ist eine Kernthese des Konzepts der Kategorischen Marktwirtschaft. Würden alle erdenklichen ökologischen und sozialen Schadkosten einer jeden Produktion individuell und vollständig auf die Preise der jeweiligen Produkte aufgeschlagen, wäre das gesellschaftsfreundlichste Produkt auch das günstigste.
Vor allem der 80-Prozent-Anteil der Bevölkerung, der sich nicht über das ökologisch beste Verhalten informieren kann oder will, bzw. der dies nicht umsetzen kann oder will, wäre auf einen Schlag mit im Boot der strategisch Konsumierenden.
Die 20 % der gegenwärtig schon umweltfreundlich Konsumierenden hätten es erheblich leichter, zumal auch mit Hilfe eines vorübergehenden garantierten Mindesteinkommens aus dem Internalisierungsausgleich, dies auch besser zu finanzieren wäre.

Utopia.de und Medien ähnlichen Inhalts würden damit auch nicht überflüssig. Ihr Schwerpunkt würde sich nur von der Nachsorge und Schadensbegrenzung hin zur Vorsorge verschieben.

 

05.03.08

Gestern bin ich auf Einladung der Redaktion von utopia.de in München gewesen. Im Zuge ihrer derzeit aktuellen Aktion Müllfreies Büro, hat sich die Redaktion einen Monat verordnet, in dem sie keinen Restmüll erzeugen will und brauchten für eine kleine Anleitung und Beurteilung ihrer Anstrengungen einen "Müllvermeidungsexperten".

Das Gebäude in der Sohnkestraße, in dem sich die Redaktionsräume befinden, ist ein etwas ungewöhnlicher Bau, würfelförmig und als Niedrigenergiehaus konzipiert. Mit seiner silbrig aluminiumfarbenen Fassade in Polsterflächenoptik, vermittelt es den ersten Eindruck, als wäre es gestern erst dort gelandet.
Innen ist das Gebäude hell und freundlich, ebenso wie die Menschen, die ich dort traf. Wir unterhielten uns neben dem Hauptthema Müll, auch über andere Bereiche zu Ökologie, strategischem Konsum und Gefahren für die natürlichen Lebensgrundlagen. Ich empfand es als sehr angenehm, für ein paar Stunden so kompetente GesprächspartnerInnen für einen ausführlichen Gedankenaustausch zu haben. Neben der Ernsthaftigkeit des Themas hatten wir auch viel Spaß miteinander.

Über die Aktion der Utopiaredaktion erfährt man mehr auf deren Website.
Zu meinem Besuch und dem Thema Müll wird demnächst ein kleines Video und ein Interview auf der Site zu finden sein.

 

03.03.08 (morgen gibt es keinen Beitrag, weil ich verreist bin. Weiter gehts am Mittwoch nachmittag)

"Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen schlägt Alarm." So war eine Thema-Sendung auf Dradio am letzten Freitag überschrieben. Moderator Joachim Scholl interviewte den Leiter des Berliner Büros des World Food Program Ralf Südhoff zum Problem der weltweit stark gestiegenen Nahrungsmittelpreise.

Scholl: "Um 40 Prozent sind im letzten Jahr die Lebensmittelpreise weltweit gestiegen nach Angaben der Vereinten Nationen, deren Welternährungsprogramm davon direkt betroffen ist, mithin die Versorgung von 73 Millionen Menschen in 78 Ländern. Heute gibt es dazu eine Dringlichkeitssitzung der UN in Rom."

Ralf Südhoff beschreibt die Problematik: Wenn sich nicht etwas tut, könnte der UN-Organisation bald das Geld ausgehen. Ein armer, fast hungernder Mensch in den Entwicklungsländern, muss zwischen zwei Drittel und 80 % seines Einkommens für Nahrung ausgeben. Eine Verteuerung um 40 % bedeutet für ihn, nicht mehr ausreichend Nahrung kaufen zu können. Für das Ernährungsprogramm bedeutet dies, bei weitem nicht mehr alle Menschen erreichen zu können.

Beispiel Afghanistan: Der Preis von Weizen, dem dort wichtigsten Nahrungsmittel, ist im letzten Jahr um zwei Drittel gestiegen. Von den Menschen in dem von Krisen und Konflikten arg geschüttelten Land, sind plötzlich 2,5 Millionen mehr außer Stande, die Ernährung selbst zu finanzieren und sind auf Hilfe von außen angewiesen. Für das Ernährungsprogramm bedeutet dies, dass urplötzlich 80 Millionen Dollar mehr gebraucht werden, um dringend benötigte Nahrungsmittel zu liefern.

Ein Hauptgrund dieser Entwicklung ist der Biospritboom. Er führt "zur Konkurrenz zwischen Tank und Teller."
Südhoff: "Dadurch dass zum Beispiel allein in den USA mittlerweile rund ein Drittel der Maisernte für Ethanol, für Biosprit verwandt wird, fehlt dieser Mais natürlich auf den Weltagrarmärkten. Das treibt den Mais auch in den Ländern hoch, die gar nicht mit Biosprit arbeiten und dies produzieren. Und Sie haben in vielen anderen Ländern natürlich auch das Problem, für manche auch die Chance, aber das Problem für diejenigen, die dringend auf Nahrung angewiesen sind, dass es für Bauern zum Beispiel immer lukrativer wird, ihre Ernte für Biosprit und an Raffinerien zu verkaufen, statt auf den lokalen Märkten an die Ärmsten der Armen."

Ein anderer Grund ist, dass in Indien und China der Fleischkonsum steigt. "Der steigende Wohlstand in diesen Ländern verändert die Ernährungsgewohnheiten. Fleischkonsum, auch unserer eigener, ist aber wahnsinnig ineffizient, wenn Sie an die Kalorienbilanz denken. Man muss viel, viel mehr Getreide und Kalorien in ein Rind stecken, als man dann in Fleisch herausbekommt. Das führt dazu, dass tatsächlich viel mehr Nahrung gebraucht wird, um weniger Menschen zu ernähren."

Noch ein Grund ist "die steigende Zahl von Naturkatastrophen" weltweit, was zu Ernteausfällen führt und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche dezimiert
Ebenfalls problematisch ist die Erhöhung der allgemeinen Transportkosten für die Hilfsleistungen.

Das Rezept, welches Südhoff gegen diese faktischen Teufelskreise nennt, ist, dass man schlichtweg mehr Geld benötigt. Die Nothilfemaßnahmen, welche 80 % der Hilfe ausmachen, müssten weitergehen etwa bei Katastrophen wie der großen Flut in Afrika, dem Erdbeben in Pakistan oder dem Bürgerkrieg in Darfur im Sudan. Hier ist beispielsweise direkte Soforthilfe nötig, obwohl man lieber Hilfe zur Selbsthilfe leistet. In Mosambik stellt sich wegen der Geldknappheit die Frage, hilft man schwangeren Müttern mit Nahrung für sich und ihre Kinder, oder enttäuscht man diese, weil man das Geld für die neuesten Flut- und Dürreopfer braucht.
Es werden neuerdings sogar Länder bedürftig, "die man früher nicht als vom Hunger bedrohte Regionen bezeichnet hätte, etwa Mexiko und Indonesien." Und es werden auch zunehmend städtische Regionen von Nahrungsmittelknappheit erfasst, wo man sich früher auf die Hilfe zur Selbsthilfe für Kleinbauern und ländliche Gegenden konzentrierte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle genannten Gründe für die Verschärfung der weltweiten Nahrungsmittelknappheit mehr oder weniger unmittelbar von der herrschenden Ökonomie verursacht werden.
Der Biospritboom entstand aus der unsinnigen Vorstellung, man könne ohne Reduzierung des Mobilitätsbedarfs, also ohne drastische Einschränkung des allgemeinen Verkehrs, nur mit einem Austausch der fossilen durch vordergründig regenerative Treibstoffe, dem Klimaproblem begegnen.
Der hohe Fleischkonsum ist eine fatale Unart der westlichen Lebensart, die schon immer arme Gegenden ihrer Agrarprodukte beraubte und Nahrungspflanzen, die als Futter taugen, unnötig verknappte. Wenn diese Ernährungslaune nun auch in die Milliardenvölker einzieht, lässt sich dies auch den reichen Staaten anlasten, die es nicht fertig brachten, selbst einen weltverträglicheren Nahrungsmittelbedarf einzuführen.
Auch die Verdoppelung der Naturkatastrophen auf der Erde ist zu 90 % von den Industriestaaten zu verantworten. Jahrzehntelang haben diese während jeglicher Produktion gigantische ökologische Schadkosten verursacht, Abgase und andere Giftige Stoffe in Boden Wasser und Luft emmittiert. Heute führt dies unmittelbar zu Wetterextremen, Dürren Überschwemmungen und Stürmen und zum Verlust von Agrar- und Siedlungsfläche weltweit.

Gälte eine nachhaltige Ökonomie, wären diese Belastungen nicht so dominant entstanden. Würden wir uns jetzt eine solche verordnen, etwa ein Modell, wie die Kategorische Marktwirtschaft, wäre der wichtigste Schritt getan, um einerseits die weitere Verschärfung zu verhindern und andererseits die Basis für eine langsame Gesundung der natürlichen Lebensgrundlagen von uns Menschen zu schaffen.

Wenn das Welternährungsprogramm als einzige Lösung den Bedarf von mehr Geld für seine Arbeit nennt, bekämpft diese UN-Organisation nur ein Symptom und wird bald an neue Grenzen und auf neue Schwierigkeiten stoßen. Effektiver wäre es, wenn auch die UN ein nachhaltiges Wirtschaftssystem fordern und die herrschende Kapitalistische Subventionswirtschaft als Ganzes öffentlich kritisieren würde.

 

02.03.08

Ein Zaun muss nicht aus Pfosten, Querhölzern und Latten bestehen, auch nicht aus Maschendraht, Eisenstäben oder Kunststoff. Er braucht überhaupt nicht aus totem Material zu sein, welches man entweder verwittern lässt, oder regelmäßig reinigen und neu streichen muss.
Ein Zaun kann auch aus lebendem, saftdurchflossenem Holz bestehen, welches in jedem Frühjahr neu austreibt, Blätter und Blüten zeigt, und Jahr für Jahr kräftiger wird. Auch ein solcher Zaun muss gepflegt werden, indem man ihm im Februar/März die Austriebe vom letzten Jahr zum größten Teil abschneidet.
Nur, - ein solcher Zaun erzeugt keinerlei ökologische Schadkosten, weder bei der Herstellung, noch bei der Pflege, und wird am Ende seiner Lebenszeit, die ein vielfaches von der eines gewöhnlichen Zauns betragen kann, nicht zu Müll.

Heute will ich von einem meiner Experimente aus dem Bereich "Bauökologie und ökorrektes Leben" berichten, von meinem Weißdornzaun.

 

Vor etwa 15 Jahren habe ich ihn angelegt, indem ich kleine Weißdornplanzen im Abstand von knapp 20 cm nebeneinander pflanzte. Nach zwei Jahren Anwachszeit, in der man die Pflänzchen auch gelegentlich gießen muss, habe ich den gesamten oberirdischen Teil bis auf 8 cm abgeschnitten, und zwar an Sonnwende, Ende Juni. Von den danach sprießenden Schössen wurden zwei pro Pflanze erhalten und jeweils schräg nach links und rechts oben geleitet, etwa in einem Neigungswinkel von 60 bis 70 Grad.

Ein Hilfsgerüst aus dünnen Pfosten und zwei Querhölzern dient zum Anbinden und Fixieren der jungen Zaunelemente. Am besten verflechtet man die einzelnen Ruten gleich miteinander, bevor man sie anbindet. Das Hilfsgrüst benötigt nach Hinten außerdem Streben, ebenso müssen dort Strebenpflanzen gepflanzt werden, die schräg wachsen und vorne in die eigentliche Zaunfläche eingeflochten werden müssen. Später haben diese eine stützende Funktion, beispielsweise gegen Winddruck.

Wenn alljährlich der neue Austrieb entfernt ist, sieht man wieder gut die Gitterstruktur des Zaunes. Das Beschneiden ist eine stachelige Angelegenheit. Ich komme mittlerweile ganz ohne Handschuhe aus. Wenn man beim Anfassen der Triebe sehr behutsam und konzentriert vorgeht, piekst man sich kaum, und die Arbeit kommt einer Art Meditation gleich.

Das Zusammenwachsen der einzelnen Äste an den Überkreuzungsstellen wird erreicht, indem eine Spaxschraube durch beide hindurch geschraubt wird. Zum Einen fixiert man die beiden Zweige damit aneinander und zum Anderen regt man durch die Verletzung den Überwallungsprozess an der richtigen Stelle an.

Nach ein paar Jahren wächst die Schraube ein, das Loch schließt sich und die beiden Äste sind zu einem Organismus geworden.

Nach dem Beschneiden im Frühjahr sieht man wieder das Grundgeflecht des Zaunes, bevor dieses nach dem Austreiben des Weißdornholzes ganz hinter grünen Blättern verschwindet. (Bild des Naturzaunes mit Blättern im Sommer wird nachgeliefert)

 

01.03.08

Die empfehlenswerten Beiträge im Politischen Feuilleton auf Dradio waren diese Woche:

Am Montag 25.02.08: Beitrag von Eberhard Straub, bereits besprochen am 26.02.08.

Am Dienstag hörten wir einen Beitrag von der Publizistin und Politikwissenschaftlerin Cora Stephan, mit dem Titel, "Auf der Suche nach dem Messias".
Ausgehend von der Begeisterung, die der charismatische Senator Barrak Obama in den USA auslöst, der seine Konkurrentin Clinton im Kampf um den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten mittlerweile überflügelt hat, stellt sie die Frage, wie sehr man sich auch hierzulande nach einer ähnlichen Lichtgestalt sehnt.
Diese müsste, ganz im Gegensatz zu den sich nur noch strategisch äußernden Politikern, "Ehre und Gewissen zumindest glaubwürdig" darstellen. Statt mit parteitaktischen, austauschbaren und betont ungenauen Äußerungen, müsste diese neue politische Gestalt mit wirklichen Inhalten und Zielen aufwarten.

Stephan denkt hier keineswegs an Charaktere wie Oskar Lafontaine, der zwar auch kein neues Konzept anbietet, dafür aber die Unzufriedenen im Lande zu sammeln versteht. Die russische Variante sei Putin, die "stahlharte Variante des Führerprinzips, anders als der Schmuseboy aus den USA."
Oder vielleicht besser der "Mittelweg zwischen beiden: die Verkörperung von politischer Erfahrung und Pragmatismus". Hierfür hält Stephan eher Hillary Clinton geeignet, die "ihr Geschäft im Zweifelsfall um Klassen besser versteht als der junge Senator Obama". Sie sei im Zweifelsfall glaubwürdiger als dieser, der ja eigentlich "für nichts Besonderes steht, außer für einen Wandel, von dem niemand weiß, wohin er führen soll."
Hierzulande vermisse man die Glaubwürdigkeit immer mehr, und der Wunsch danach bringe nur mehr "Glaubwürdigkeitsdarsteller" hervor, die auch schon mal die größte Lüge glaubwürdig vorzutragen verstehen.
Die Hoffnung, aus dem neuen Stil der Angela Merkel könne "noch rechtzeitig Politik erwachsen, die uns weiter bringt," hält Stephan für aussichtslos. Dies verhindere allein schon die näherrückende Bundestagswahl, "Rattenfänger und Heilsbringer polieren bereits wieder die Flöten und die Heiligenscheine."

Am Freitag sprach der Schriftsteller Rolf Schneider seinen Beitrag "Metaphern sind Glücksache - Anmerkungen über die Sprache der Politik".
Schneider weist auf "die Sprache der aktuellen Politik" hin, die von "einer medial beförderten Geschwätzigkeit bei sich verflüchtigenden Inhalten" lebt. Hieran sei "die gesamte politische Klasse beteiligt, mehr oder weniger, von der Kanzlerin bis zum letzten Hinterbänkler."
Bei der Erfindung von Metaphern haben Politiker alles andere als Glück: "Wer sich keinerlei Gedanken macht, was sie beinhalten oder was mit ihnen ausgedrückt werden will, offenbart die Inhaltslosigkeit seiner Aussage alleine dadurch."
Schneider beleuchtet einige Ausdrücke wie "Politik der kleinen Schritte, Schnittmenge, auf Kante," u.A.
Was man damit meint, weiß meist niemand so recht. "Man schwatzt so dahin und bezeugt damit seine Inhaltslosigkeit."

Was die Menschen im Lande suchen, sind wirklich glaubwürdige und authentische Volksvertreter, mit mehr als einlullendem Charisma. Diese sollen eine klare Sprache pflegen und ein umfangreiches und nachvollziehbares Konzept vorweisen können, auf deren Umsetzung sie sich, auch gegen die Widerstände der elendigen Politikdarsteller aus den Parteien, strikt konzentrieren.
Stimmt das Konzept und wird an ihm festgehalten, kommt das charismatische an den Personen, die es vertreten, von selbst. So herum kann es etwas werden. Stünde nur das Charisma vorne und undifferenzierte Äußerungen vom "Change", ist es wenig wahrscheinlich, damit auch ein gutes Konzept und wahre verbindliche Aussagen zu bekommen.