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April 2008

 

April 2008

30.04.08

Wie gerne unsere Gesellschaft unter der Fahne des "Fortschritts" Sackgassen beschreitet, sieht man demnächst in Nürnberg.
Unter dem Namen RUBIN (Realisierung einer automatisierten U-Bahn in Nürnberg) soll dort ab dem 14. Juni zunächst auf einer Strecke, der U3, die erste führerlose U-Bahn der Welt in Betrieb gehen. Nach 612 Millionen Euro Investitionen und mehreren Jahren Entwicklung neuer Software und Überwachungstechnik, wird dann allein ein Computer die Fahrgäste durch die Tunnelsysteme manövrieren.
Die verantwortlichen Politiker und die Nürnberger VAG sind jetzt sehr stolz und erwartungsvoll auf den kommenden Termin. Man erhofft sich von dem System mehr Pünktlichkeit und mehr Sicherheit. Die Bahnen sollen im 100-Sekundentakt fahren können. Man will "mit den neuen Zügen viel besser auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren" können. Alle bisherigen Fahrer sollen umgeschult und dann noch als Service- und Fahrgastbetreuungspersonal eingesetzt werden. Im nächsten Jahr sollen dann auch alle anderen Linien vollautomatisch fahren.(Spiegel-Artikel dazu)
Aus dem Ausland sind schon etliche Verkehrspolitiker und U-Bahnbetreiber angereist, um sich dieses neue System anzuschauen. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis das menschenfreie Modell weltweit Schule machen.

Ein fragwürdiger Aspekt sind die möglichen Unfälle, die in Zusammenhang mit der fehlenden Aufmerksamkeit eines Menschen wahrscheinlich werden können. Zwar sollen neuartige Erkennungssysteme für Gegenstände auf den Gleisen das System sofort unterbrechen, "Ein Fahrer bräuchte da noch Reaktionszeit. Die fällt beim automatischen Betrieb weg". Aber es bleibt in bestimmten Situationen doch etwas anderes, ob ein Mensch oder eine Maschine die Gleise beobachtet. Angeblich reagieren die Sensoren auf Wasser- und metallhaltige Störstoffe, können also eventuell Selbstmörder oder dem Zug gefährlich werdende Dinge erkennen, doch ein Restrisiko bei der schon als "Geisterbahn" bezeichneten Anlage lässt sich nicht ausschließen. Denkbar ist auch die Möglichkeit von Anschlägen mit Gegenständen, die das Erkennungssystem von vorne herein falsch bewertet. Kann eine Maschine die Aufmerksamkeit eines Menschen vollständig ersetzen?

Immerhin wird hier wieder einmal menschliche Arbeitskraft durch technische Arbeitskraft ersetzt. Die Fahrer, die dann keine Arbeit mehr haben, sollen zwar gnädigerweise weiter beschäftigt werden. Die ganze Berufsgruppe aber wird einfach abgeschafft und kommt langfristig in der Arbeitslosenstatistik an. Auch wenn die Fahrer nicht entlassen, sondern in der Fahrgastbetreuung eingesetzt werden sollen, -"die Fahrgäste fühlen sich dann nicht mehr so alleine"-, sie werden mehr oder weniger bis zur Frühverrentung geparkt. Fahrgastbetreuer sind schließlich, anders als Fahrer, von heute auf morgen entbehrlich und kündbar. Sie werden wohl nur kurzfristig eine Bereicherung der U-Bahn sein.
Bleibt die Feststellung, hier wird mit Millionenaufwand abermals Arbeitslosigkeit produziert. Und die Verantwortlichen hinter dem Fortschrittsbrett vorm Kopf sind noch stolz darauf.
Statt dessen belastet die Technik auf Dauer mit dem Verbrauch von Energie und Ressourcen die Umwelt. Es heißt zwar:"Automatisch gesteuerte Fahrzeuge verbrauchen durch optimierte Beschleunigungs-, Fahr- und Bremsvorgänge weniger Energie. Die Wendezeiten sind deutlich kürzer, und die Fahrzeuge können in Spitzenzeiten flexibler auf die Strecke gebracht werden". In der Praxis, dieses lehrt die Erfahrung mit anderen Bereichen von Automatisierung in großem Stil, sieht dies wohl anders aus.

Dieser Posten wurde jetzt in die Gesamtrechnung nicht objektiv einbezogen. Ebenso wie in der übrigen Wirtschaft bei ähnlichen Projekten auch kann er bei Rentabilitätserwägungen völlig ausgeklammert, können diese nachhaltig stattfindenden Beeinträchtigungen fast vollständig auf die nachfolgenden Generationen abgewälzt werden.

Unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft wären die Entscheidungen in Nürnberg sicherlich anders ausgefallen. Wenn alle, wirklich alle negativen Auswirkungen des führerlosen U-Bahnsystems in die Gesamtrechnung einbezogen würden, hätte sich diese Bevorzugung der Technik als kaum effizient erwiesen und wäre unterblieben.

Immerhin: Der Hersteller Siemens hat nach dem TransrapidGAU einen neuen großen Absatzmarkt entdeckt. Wie in den Anfangszeiten der Magnetbahn lassen sich mit der U-Bahn-Automatisierung die Politiker und Betreiber erneut von einem exotischen technizistischen Luftschloss betören. Bis die Ernüchterung dann kommt, hat man gut verdient.
Bleibt nur noch die Frage, ob hier der schmiergelderprobte Konzern der automatisierfreundlichen Laune der Nürnberger Verkehrsplaner mit guten Argumenten leicht "nachgeholfen" hat.


29.04.08

Einfach, preiswert und unschlagbar umweltfreundlich: Unsere Solardusche im Garten

Gestern habe ich für dieses Jahr unsere Solardusche in Betrieb genommen. Weil diese nur ein Einkreiswassersystem besitzt, muss sie im Winter abgeschaltet werden, um keinen Frostschaden zu bekommen. Im letzten Jahr lief sie Ende April schon gut vier Wochen lang. Je nach Wetter kann die Anlage von März/April bis Oktober/November betrieben werden.

Seit 15 Jahren funktioniert die Solardusche jetzt schon störungsfrei. Damals hatte ich sie als schnelle Lösung zur Nutzung der Sonnenenergie für Brauchwassererwärmung selbst gebaut, da das von uns damals neu erworbene alte bäuerliche Anwesen keinerlei nutzbare Möglichkeiten dafür besaß. Es musste eine einfache Lösung her, denn vor dem Einbau eines Bades mussten zuerst umfangreiche Instandsetzungs- und Renovierungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Heute wird die Anlage immer noch gerne genutzt, und ich will sie hier als leicht umsetzbare Alternative zu aufwändigen Solaranlagen im Hausbereich vorstellen.

In einem Winkel von südlicher Scheunenwand und einem Anbau aus den Sechzigern wurde aus Eiche- und Lärchenholzbalken ein kleines Gebäude errichtet. Hinten sieht man den Duschbereich von etwa 3 qm Grundfläche, davor den Vorraum mit etwa 2 qm, oben mit einer Glasplatte als Dach. Unter den Ziegeln oben ist ein 220-Liter Kunststofftank untergebracht. Davor steht der Kollektor mit etwa 1,8 qm Absorberfläche. Außer den 7 geschwärzten Sammelstreifen und zwei verbindenden Kupferrohrstücken von WagnerSolar, ist er komplett selbst aus Holz, IsoFloc, Installations- und Recyclingmaterialien hergestellt.

Den Tank hatte ich damals von einem Behälterproduzenten in unserer Nähe für 15 DM als zweite Wahlprodukt gekauft. Er steht in einem Kasten aus Weichholzbrettern und ist isoliert mit einer Schicht aus in Jutesäcke gefüllten Hobelspänen. Auf dem Bild ist die obere Abdeckung zum alljährlichen Reinigen entfernt. Auch die Siebenschläfer schätzen die Isolierung als kuscheligen Überwinterungsplatz, wie es an den vielen Kotkörnchen zu sehen ist.

Innen sieht man zwei der vier Tankanschlüsse. Das System ist eine reine Schwerkraftanlage, die völlig ohne Pumpe oder Steuerungstechnik auskommt. Der oberste Anschluss führt über einen 3/4-Zoll-Schlauch direkt zum Duschkopf, der Anschluss darunter führt das erwärmte Wasser vom Kollektor in den Tank.

Hier die die beiden Anschlüsse unten, gesehen vor der alljährlichen Reinigung. Auf dem Boden steht noch Restwasser mit Schwebteilchen vom letzten Jahr. Durch das rote Schlauchstück fließt das kalte Wasser in den Kollektor. Um es oben zu halten und um Blasenbildung zu verhindern, ist es mit einem halben Betonpflasterstein unterstützt. Durch den Anschluss daneben, einem gelochten Stück Kupferrohr, fließt das Frischwasser in den Tank. Der Kollektorkreislauf kommt von selbst in Bewegung, sobald die Sonne draußen auf den Absorber scheint. Weil das erwärmte Wasser im Tank immer oben steht, bewirkt der Kaltwasserzulauf unten, dass oben das warme Wasser einfach überläuft und zum Duschkopf raus kommt.

Im Frühjahr zur Reinigung müssen die Kollektorleitungen, allesamt aus Plastikschlauch, durchgespült werden.

Ein Blick in den Vorraum mit Stuhl und Kleiderhaken, sozusagen der trockene Anziehbereich der Dusche. Der Boden ist mit Natursteinplatten belegt, auf ihnen ein Rost aus Eichenholz.

Der Duschraum mit Holzschindeln an der unteren Wand und großem Spiegel vom Sperrmüll. Man steht auf einem vollflächigen Rost aus Lärchenholzlatten, der wiederum liegt auf einer ablaufgünstig gepflasterten Klinkerfläche.

Die Ablauffläche führt das Wasser durch ein Haarsieb, hier unter der Steinplatte, und durch eine Rohrleitung aus zweckentfremdeten Teppichachsen in ein Schilfklärbeet.

Mit der aufgerüsteten alten Badeofenarmatur lässt sich warmes und kaltes Wasser mischen. Dies ist meist notwendig, weil die Sonne das Wasser schon mal bis über 60 Grad aufheizt. Der Wasserdurchfluss muss stark begrenzt werden, damit oben im Tank die Temperaturschichtung erhalten bleibt.
Positiver Nebeneffekt: Man verbraucht sehr wenig Wasser um sauber zu werden. Bei einer Party in einem heißen Sommer hatten wir mal einen Dauertest gemacht: Wir konnten praktisch einer nach dem anderen, 15 Leute nacheinander, duschen. Die Sonne in Zusammenspiel mit der Durchflusseinstellung, schaffte dies problemlos.

Hier im Bild oben eine selbstgebaute Rückflusssperre aus 5/4-Zoll-Schlauch, Flummi und Messinganschlüssen. Der Kipphahn, hier auf dem Weg des Wassers aus dem Tank in den Kollektor, ermöglicht zusammen mit seinem Gegenstück im Kollektorabgang, dass der Kollektor entleert werden kann, ohne den Tankinhalt zu verlieren. Dies ist sehr hilfreich in den Übergangszeiten, wo noch oder schon Nachtfröste vorkommen können. So wird die Duschsaison um etliche Wochen verlängert.

Wer hier schon mal bei Sonne, umherschwirrenden Bienen und Vogelgezwitscher geduscht hat, weiß, auf was in den sterilen gekachelten Bädern des homo bequemikus verzichtet werden muss. -
Auf zum fröhlichen Freiluftduschen, der Königin unter den nachhaltigen Körperreinigungseinrichtungen.


28.04.08

Ein weiteres Problem auf den Autobahnen Deutschlands, eventuell in ganz Europa, ist die immer mehr zunehmende LKW-Dichte.
Man kennt es ja schon, dass die rechte Spur oftmals gar nicht mehr benutzbar ist, weil sich dort, wie auf einer Perlenschnur aufgezogen, ein Track hinter dem anderen vorwärts bewegt.
Wenn dann einer meint, seinen Vordermann überholen zu müssen, sind beide Fahrspuren für mindestens zwei Minuten gesperrt. Nur Zentimeterweise schiebt sich der unmerklich Schnellere an dem anderen vorbei.

Gravierender ist gar die Rastverstopfung der Parkplätze entlang den Autobahnen. Vorgestern habe ich es wieder erlebt. Ich musste pinkeln, mitten in der nacht nach schon zwei Stunden Fahrt.
Früher konnte man dann einfach auf einen der vielen kleinen Parkplätze abfahren und dies erledigen. Heute aber muss man damit rechnen, dass der Parkplatz unpassierbar ist. Links und rechts der Fahrbahn parken LKWs, weil deren Fahrer die verordnete Schlafpause nehmen. Doch auch in der Mitte stehen sie, manchmal bis in die Einfahrt zum Parkplatz hinaus. Man kommt von der Abbiegespur gar nicht mehr hinein.
Hätte man dies eventuell geschafft, stünde man dort, ohne die geringste legale Chance, wieder auf die Fahrbahn zurück zu kommen. Man müsste praktisch rückwärts wieder auf die Autobahn rausfahren, streng verboten und höchst gefährlich.
Und alles nur, weil diese verrückte Ökonomie allmählich jeden unserer Bereiche des Alltags ungefragt besetzt und entwertet. Ich bin nun keiner, der die "freie Fahrt für freie Bürger" nachplappert, oder darauf pocht. Besser wären behutsamere Mobilitätsmöglichkeiten, als das Benutzen der Autobahnen.
Aber, um wie viel verträglicher könnte ein stark reduzierter Verkehr dort fließen, wenn diese rollenden Warenlager wieder weg wären, die zu 95 % ohnehin nur überflüssige Güter, also potentiellen Müll transportieren, die mittel- und langfristig nur zur Verschwendung von Ressourcen und zur Schädigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen geeignet sind.

Vielleicht ist es banal, dies zu sagen, aber auch die Möglichkeit während der Autofahrt zu pinkeln, wird von der herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft mittlerweile stark eingeschränkt.

 

27.04.08

Heute Morgen kamen wir auf der Rückfahrt aus unserem Kurzurlaub auf der A3 um etwa 2Uhr30 am Anschluss Frankfurt Flughafen vorbei.
Man fährt vorher lange durch die Dunkelheit, um dann auf einmal an dieser Stelle in einen fast taghell erleuchteten Bereich einzutauchen. Zuerst sieht man schon von weitem die dichte Reihe von leuchtenden Straßenlampen auf dem Mittelstreifen. Von hoch oben tauchen sie die Fahrbahn in ein gelbliches Licht. Rechts stemmt sich der Bahnhof am Flughafen mit seinen röhrenförmigen, alufarbenen Stützen, wie überdimensionale Elefantenbeine nach oben. Auf der Linken Seite die Fraportgebäude mit gläsernen Fassaden über viele Stockwerke.

Was hier gerade eine Unmenge von Strom verbraucht wird, dachte ich natürlich. Als Lobbyist für die zukünftigen Generationen, ich will treffender sagen, für die nachfolgenden Generationen, schwillt mir bei so einem Anblick der Kamm.
Pures Imponiergehabe, keine vernünftige Begründung bleibt für diese Art von Energieverschwendung übrig. Das veranstalten die dort in jeder Nacht, das ganze jahr über, zusätzlich zu dem Frevel an unseren natürlichen Lebensgrundlagen durchs Kerngeschäft, dem Fliegen.

Ich stehe dazu, ich empfinde es so, ich will keine Begründung dieser Schinderbande durchgehen lassen, keine faule Rechtfertigung bezüglich ökonomischer Vorteile oder Sachzwänge oder Wachstum oder Moderne.
Hier wird der Raub an den Menschen nach uns, frech und selbstbewusst, mit Glitzer und Pomp, mit Macht und Überlegenheit wie selbstverständlich durchgesetzt.

 

23.04.08

Der Zuloblog macht Kurzurlaub. Nächster Beitrag am kommenden Sonntag. Bis dahin:

Über den Sinn Ökologischen Bauens:

Am Gemeinschaftshaus unseres Dorfes mussten mehrere Schwalbennester beseitigt werden. Der Hausmeister befürchtete, von dem vielen Kot auf seiner Fensterbank und seinem Fensterladen eine Infektion zu bekommen.
Weil die Gemeinde damit zu einer Ausgleichsmaßnahme verpflichtet war, hatte ich meine Scheune zur Anbringung fertiger Mehlschwalbennester aus Kunstharzbeton angeboten. Am Montag schließlich wurden die drei Doppelnester geliefert. Jetzt muss nur noch der Gerüstbauer ein Gestell vor die Bruchsteinwand nach Süden aufeinander stecken und ich werde die Nester oben an der Schwelle anschrauben.

Alles schön und gut, aber eines hat mir dann doch nicht gefallen. Der Bürgermeister kam zusammen mit der Landespflegevertreterin der Verbandsgemeinde zu uns, auch um von der Fachfrau den vorgesehenen neuen Platz für die Nester begutachten zu lassen.
Beim Rückweg aus dem Garten kamen wir an meinem Anbau vorbei, wo gerade das alte Holzgerüst steht und an dem ich auf dem neuen Dach die Lattung für die Ziegel aufnagele. Weil er mich darauf ansprach, erklärte ich dem Bürgermeister, wie ich die Außendämmung anbringen will, worauf mit ironischem Unterton die Bemerkung kam, ob dies dann wohl in zwei Jahren fertig sein könnte.

Hierzu muss ich sagen, dass meine Art zu Bauen bei manchen Leuten belächelt wird, nicht nur weil ich ungewöhnliche Baustoffe und individuelle Konstruktionen verwende, sondern vor allem auch deshalb, weil ich erheblich länger brauche um fertig zu werden.
Die Tüchtigkeit bei einer Bautätigkeit wird in unserem Dorf, und dies ist wohl auch überall so, in erster Linie an der Geschwindigkeit bemessen. Wer also schnell fertig ist, wird bewundert, wer lange braucht, nicht ganz ernst genommen.
Diese Dilettanten, - die letztliche Qualität der Arbeit scheint eine völlig untergeordnete Rolle zu spielen. Gerade beim Bauen ist eine gute Qualität der Ausführung aus verschiedenen Gründen enorm wichtig.
Für mich gibt es in erster Linie zwei Gründe, aus denen heraus ich die Bautätigkeiten an unserem Anwesen selbst ausführe.

Erster Grund:
Die ganz normale Art heutzutage zu Bauen, ist im Grunde völlig unökologisch.
Es werden enorme Mengen an Energie und Rohstoffen verbraucht, ja verschwendet, weil die Gebäude ebenso gut auch behutsamer errichtet werden könnten.
Allerdings ist eine ökologische Bauweise sehr viel arbeitsintensiver, das heißt, ein Verzicht auf industrielle Baustoffe kann nur mit einem verstärkten Einsatz von Menschenenergie, also der Arbeitskraft von Bauhandwerkern und Helfern ausgeglichen werden. Weil dies zu teuer käme und die Bauzeiten verlängern würde, ist bis heute noch keine ernsthafte Wende abzusehen.
Außerdem gilt eine Verwendung alter Baustoffe nicht als fortschrittlich, und jeder will dies ja sein, auf jeden Fall so scheinen. Alternatives Bauen wird immer noch als rückständig belächelt. Im Zuge der Klimadiskussion wird aber auch die gängige Art zu Bauen als sehr klimaschädlich auf den Prüfstand kommen müssen.
Derzeit erleben die sich so modern vorkommenden Baufachleute bis hin zu den Bauherren und Selberbauer ihre letzte Schonfrist. Der ökologische Fußabdruck auch einer Bautätigkeit muss beleuchtet werden. Diesbezüglich stellt meine Art zu Bauen wohl eine der fortschrittlichsten dar. Sie ersetzt beispielsweise die Umweltschäden einer modernen Art durch die schonenden Bauweisen einer arbeitsintensiveren Art. Der Bürgermeister, der in einem schlecht wärmegedämmten Allerweltskalksandsteinbau wohnt, könnte noch sehr nachdenklich werden.

Zweiter Grund:
Der mit Abstand bedeutendste Grund für Schäden an Gebäuden, für Wertverfall und Zwang zu dauernder Hinterherreparatur, ist neben Materialfehlern und Verwitterung das elende Phänomen des Pfuschs am Bau. Jährlich werden so in Deutschland Schäden, bzw. potentielle Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe schlicht und ergreifend in die neuen oder renovierten Gebäude gleich mit eingebaut. Meist merkt dies keiner sofort, dafür wird es später sehr teuer.
Ich persönlich habe zu normalen Handwerkern ein etwas gespanntes Verhältnis, weil die meisten kein Einfühlungsvermögen in viele Details und keinen Ansporn zu 100prozentig guter Ausführung besitzen.
Darüber hinaus sind normale Handwerker auch gar nicht fähig, mit nichtindustriellen Baustoffen oder zweckoptimierten Konstruktionen umzugehen.
Meine Konsequenz daraus ist deshalb, das meiste selbst auszuführen. Auch dies ist natürlich bei weitem nicht in der kurzen Zeit zu schaffen, in der eine Handwerkertruppe ihr Arbeit verrichtet. Dafür ist das Ergebnis besser. Ich weiß dann, dass die bauphysikalischen Anforderungen eingehalten wurden, die gerade bei der Ausführung von als unbedeutend scheinenden Kleinigkeiten oft unterlaufen werden.

Andere Gründe für das Selberbauen sind dann eher finanzieller, politischer oder auch philosophischer Art.
Ich habe schlichtweg nicht das Geld, um ständig Handwerker zu entlohnen. Weil ich so viel selber mache, habe ich auch nicht die Zeit, um das Geld zu verdienen, mit dem ich dann die Handwerker bezahlen könnte.
Völlig blödsinnig finde ich dabei auch die Staatsabgaben, die Handwerker von mir als eventuellem Bauherrn mit verlangen müssen. Diese gebraucht der Staat momentan nur, um eine Entwicklung hin zur ökologischen Katastrophe zu finanzieren, statt umgekehrt. Hierzu ist Selbermachen bezüglich des Vorenthaltens von Steuern und Abgaben für den Staat, sehr viel ungefährlicher als Schwarzarbeit. Selbermachen ist völlig legal.
Aber Bauen ist auch eine intellektuelle Herausforderung, gerade wenn es um ökologische Baustoffe und pfiffige Detaillösungen geht. Es kann ein richtiger Genuss sein, seine gute Arbeit hinterher zu bewundern oder von Dritten eine entsprechende Anerkennung zu bekommen.

Ökologisches Bauen ist stark im Kommen, darauf kann man sich verlassen.
Die ökologischen Auswirkungen nicht nur unserer Mobilität und unserer Energieerzeugung, wie derzeit gerade heiß diskutiert, sind überaus bedeutend für die Zukunftsaussichten, sondern bei Allem, was der Mensch tut.
So ist es auch beim Bauen, auch wenn gewisse Mainstreamkommentatoren, wie unser Bürgermeister, die Ergebnisse derzeit noch aus purem Unwissen belächeln.

 

22.04.08

In Wien findet der Europäische Zeitungskongress statt. Über 500 Chefredakteure treffen sich um über Trends auf dem Zeitungsmarkt, über Zukunftsaussichten zu reden und um die Zeitungen des Jahres auszuzeichnen.
Schwerpunktthema ist auch die Konkurrenz aus dem Internet, die vielen Printmedien in den letzten Jahren arg zu schaffen macht. Weitgehens einig ist man sich, dass das äußere Erscheinungsbild einer Zeitung ansprechender gestaltet werden muss, um für Leser interessant zu bleiben.
Weniger Schrift, mehr Bilder, mehr buntes Beiwerk, Tabellen, Kästchen und Grafiken, dies sollen die Kennzeichen einer modernen Zeitung sein.
Noch lesen mehr als zwei Drittel aller Deutschen regelmäßig eine Tageszeitung, doch die Auflagen haben sich in den letzten 10 Jahren um 6 Millionen auf 24 Millionen reduziert. Die dringend notwendigen Werbeeinnahmen der Zeitungen haben sich 2007 wegen der allgemeinen konjunkturellen Lage nicht weiter verringert, doch die momentane Jubelstimmung in der Wirtschaft kann sich sehr schnell ändern.
Problematisch ist das Wegsterben der alten Leser, denn die jüngeren Generationen haben viel weniger Interesse an einer gedruckten Zeitung. Hier erhofft man sich, eine Art Tagesmagazin an die Leute bringen zu können, ein Blatt in kleinem Format, welches man auch gut in engen öffentlichen Verkehrmitteln lesen kann.
Ein Vorbild dafür kommt aus Griechenland. Weniger Text, weniger Titel und weniger Provinzpolitik, dafür mehr Farbe und große Fotos, so konnte man die Auflagen kräftig steigern. Die alte Leserschaft ist zwar abgefallen, aber dafür konnte man einen neuen Leserstamm, jüngere Leute zwischen 17 und 39 Jahren gewinnen. Dafür wurde sie zur Zeitung des Jahres gekürt.

Der Trend beim Erscheinungsbild unserer Zeitungen, so kann man es zusammen fassen, geht hin zur Optik der BILD-Zeitung.
Manche Chefredakteure haben noch eine große Angst vor der Oberflächlichkeit. Diese wird sich aber einstellen, wenn man auf breiter Basis nach den gegenwärtigen Analysen handelt und Texte durch Bilder ersetzt.
Natürlich gab es immer schon betont mittelmäßige Inhalte bei den Texten verschiedener Zeitungen. Man hatte oft nach dem Lesen das Gefühl, diese paar Minuten hat man jetzt umsonst geopfert.
Tageszeitungen füllen ihre Seiten unter dem Schlagwort Aktualität mit viel überflüssigen Zwischenberichten, wo doch am Ende, nach mehreren Tagen, nur das Ergebnis wichtig ist. Hier habe ich immer eine Wochenzeitung vorgezogen, denn da hatte man dann die Quintessenz eines Themas vor sich, was braucht man mehr.
Bei der Umstellung auf mehr Bilder wird sich in der Folge auch die Frage stellen: Was für Bilder? Auch hier wird die Nachfrage des durchschnittlich gebildeten Durchschnittslesers maßgebend werden. Laut BILD müssen dann mehr barbusige Schönheiten um die 22 zwischen die wenigen Sätze. Ob dann die Chefredakteure immer noch bereit sind, sich dem Trend zu beugen?

Allerdings ist der Rückgang der Zeitungen, nicht nur in Europa, sondern in den Weststaaten weltweit hauptsächlich einem Inhaltlichen Mangel zu schulden.
Die Herausgeber und Chefredakteure haben es bis heute nicht geschafft, sich vom Denken und vom Sichpräsentieren der so wichtigen Darsteller aus Politik und Wirtschaft zu lösen. Sie bringen es nicht fertig zu begreifen, dass die Menschen, eben die klassischen Leser einer Zeitung, das Geschehen mittlerweile, meist unbewusst und intuitiv, ganz anders empfinden, als es ihre Zeitung in den Berichten darstellt.
Die Menschen brauchen keine Texte, die den Politikern Wirtschaftsführern, Parteien, usw., die der ganzen Landschaft öffentlicher Meinungsmacher regelmäßig in den Hintern kriechen. Sie wollen von ihrer Zeitung hier endlich eine deutliche Opposition, eine überparteiliche Gegenposition, also eine Relativierung der gerade aktuellen Aussage eines gerade im Licht stehenden Parteivertreter.
Sie wollen lesen, dass ihre Zeitung sich nicht parteiisch zeigt für eine Partei oder eine von dort kommende ideologische Präsentation. Sie wollen, dass die Zeitung gerade der Selbstdarstellung eines Volksvertreters einen Strich durch die Rechnung macht und diesen nicht auch noch bei seinen Wichtigtuereien durch Berichterstattung darüber zur Seite steht.

So etwas kann doch keiner mehr hören! In den USA etwa glauben weniger als 20 % der Amerikaner noch das, was sie in der Zeitung lesen. Die alternativen Informationsorgane im Internet haben deshalb einen sehr starken Zulauf und beschäftigen immer mehr Mitarbeiter.

Im Internet ist eine Unabhängigkeit und Überparteilichkeit zu finden, wie sie kaum noch eine Zeitung bietet. Hier liest man Positionen, Gegenpositionen zum täglichen politisch-wirtschaftlichen Gequassel, die man annehmen kann, die einem etwas Kraft geben, die einem das Gefühl verleihen, beim großen Zweifel mit der Welt nicht alleine zu sein. Welches Printmedium bietet so etwas an?
Außer bei Blättern, die sich ausschließlich um Themenschwerpunkte kümmern, gibt es dies bei Tages- und Wochenzeitungen nicht. Dort hat man immer das Gefühl, sie sind von Grund auf der herrschenden ökonomischen Ideologie und deren Vertretern verpflichtet.

So etwas brauchen wir nicht, das wollen wir nicht! Es lebe die wirklich unabhängige Berichterstattung, es lebe der politische Journalismus im Internet, ja und wenn sie außer bunten Bildchen keine wirklichen Änderungen hin bekommen, es lebe das Sterben der Printmedien, die uns jahrzehntelang beim Gang in die düstere Zukunft der Gesellschaft lediglich begleitet haben!

 

21.04.08

Auf Dradio gab es letzte Woche einige interessante Beiträge.

Der Journalist Uwe Bork stellte die Frage: Haben wir das richtige Verhältnis zur Natur?
Auf ironische Art und Weise porträtiert Bork das bei manchen etwas naive Verständnis von echter Natur und von den Möglichkeiten, etwas gegen die Zerstörung der Natur tun zu können. "Wir Deutschen lieben unsere Natur, und deshalb setzen wir auch gern zwei oder drei Bäume auf unser Reihenhauseckgrundstück, um endlich auch noch bei Tempo 200 mit gutem Gewissen durch die Landschaft brettern zu können." Wir instrumentalisieren gar die Natur, sehen sie als Nahrungs- und Energielieferant an und nehmen ihr so jedes Geheimnis. Wir brauchen allerlei Technik um uns in die Natur zu wagen, wie Gehstöcke aus Leichtmetall oder Laufschuhe mit Foam-Dämpfung und speziellen Reflektoren. Zur Veränderung der Natur durch den Klimawandel meint Bork: "Allem Anschein nach haben wir sie nur scheinbar domestiziert, und vielleicht ist sie es, die uns bald die Flötentöne beibringt..."

Der Autor und Publizist Florian Felix Weyh beleuchtet in seinem Text "Große Zahlen, kleine Zahlen, wahre Zahlen" die letztendliche Wirkung von Lohnerhöhungen.
Was die Leute danach mehr in der Tasche haben, sei doch letztlich marginal, werde aber von Interessengruppen stark aufgebauscht. Wevh kritisiert die "gängige Argumentation der Kaufkrafttheoretiker." "Deren rhetorische Figur - in etwa: "Die Leute brauchen mehr Geld zum Ausgeben, dann läuft auch die Wirtschaft gut" - ist übrigens keineswegs auf eine bestimmte politische Richtung begrenzt." Die Argumentation mit Lohn- und auch zweifelhaften Rentenerhöhungen flössen "soundsoviele Milliarden in die Tasche des kleinen Mannes und bewirken dort nur Gutes," sehe nur vordergründig überzeugend aus. Letztlich würde nur der Einzelhändler um die Ecke, besser gesagt die dortige große Discounterkette mit ihren geringpreisigen Waren geringfügig profitieren. Weyh plädiert dafür, die "rhetorische Figur vom Gesamtnutzen der Lohnerhöhung auf eine Volkswirtschaft" als pure Phrase und Unsinn zu sehen. Die wahre Begründung für Arbeitskämpfe liege im "unendlichen Wettlauf zwischen Inflation und Lohnerhöhung, der freilich nie gewonnen werden kann, weil das Resultat des einen stets Ursache des anderen ist." Als Lösung schlägt Weyh "assymetrische" Lohnerhöhungen vor.

Der Politikwissenschaftler und Historiker Paul-Hermann Gruner beschäftigt sich in seiem Beitrag mit dem "Zustand der demokratischen Welt"
Das Verständnis dessen, was politisch korrekt sei, werde und mit ihm viele brisante Gesprächsthemen und Ansichten, immer weiter diskriminiert. Politische und öffentliche Sprache werde von einer Art Sprachpolizei beobachtet, die "einfache Wahrheiten verschleiert oder kosmetisch verändern will". Diese Weiterentwicklung eines Opportunitätsprinzips ziehe "immer öfter um attraktive Felder der geistigen Auseinandersetzung ein rotweißrotes Flatterband und erklärt sie im Folgenden zum Tabu."
Gruner: "Die Humanitas ist unteilbar! möchte man zusammen mit Ralph Giordano ausrufen. Als Mahnung. Wenn ein Apfelverkäufer seine besten Früchte so anpreisen würde wie die demokratische Welt ihre Grundverfasstheit, würde die Kundschaft sich wegdrehen und zur Birne greifen."

Burkhard Müller-Ullrich, Philosoph, Soziologe und Autor, nennt seinen Beitrag vom letzten Donnerstag "Fortschrittsironie oder: das Verschwinden der Ruhezonen".
Er macht Anmerkungen zum Telefon in unserem Alltag, also dem Eindrigen vom Öffentlichen ins Private, und zum lauten allgegenwärtigen Quasseln vieler Handynutzer an jedem Ort, also zum Eindringen des Privaten in die Öffentlichkeit.

 

20.04.08

In eigener Sache:
Ungewöhnlich ist es schon, das mit dem unbeständigen Wetter, immer wieder Regen oder starker Wind mit Kälte, man kann nicht weit planen, wenn man im Freien zu tun hat.
Für dieses Jahr steht die Fertigstellung des Anbaus unseres Hauses an. Im letzten Jahr bekam er ein neues Dach, weil das alte zu schwach und auch sehr stark vom Hausbock angefressen war. Wir haben das alte Holz den Winter über thermisch recycelt, wie es heißt, also im Ofen verbrannt.

Da die Kante des kleinen Walms am Südgiebel zu niedrig war, einziger Planungsfehler meines Zimmermanns und mir, nutzte ich die wenigen trockenen Stunden der letzten Tage, um ihn zu ändern.

Fünf Aufschieblinge wurden zugeschnitten und auf die Schalung geschraubt. Links und rechts am Grat entlang war die Schiftung etwas schwierig.

Die Kante kam damit etwa 40 cm höher, sodass jetzt mehr Sonne ins Fenster scheinen kann (wegen der Dämmung im Passivhausstandart, auch wichtig für einstrahlende Sonnenenergie). Die unteren Balkenköpfe auf dem Foto werden noch abgesägt.

Kaum war das Dach hier wieder zu, regnete es weiter. Jetzt steht eigentlich die Lattung für die Ziegeleindeckung mitsamt der Konterlattung an. Doch dafür braucht es trockenes Wetter. Auf einem nassen Gerüst ists nicht ganz ungefährlich.

Immerhin konnte ich gestern noch die Dachlatten aus Douglasie durchsortieren und auf der Baustelle griffbereit verstauen. Ich hatte sie schon im letzten Herbst aus Bohlen selbst geschnitten.
Über Winter lagen sie in unserer Maschinenhalle auf Böcken. In einem Hohlraum hatte ein Nagetier ein schön warm ausgepolstertes Nest gebaut. Drumherum waren die Latten ausladend vollgeschissen und mit einer schwarzen Brühe überzogen. Weil dies so stank, habe ich einige Latten eine Zeit lang im Regen liegen gelassen.

Überhaupt der Regen! Alle meine Trockenbaustellen habe ich fast abgeschlossen, weil es ständig nass war im Freien. Es müsste jetzt dringend einige trockene Tage hintereinander geben, damit ich unser Dach endlich fertig kriege. Außerdem ist Sonne wichtig für mein Gemüt, meine Tatkraft, wem geht das nicht so?

Wenn das mit dem Bauen so richtig los geht, habe ich wahrscheinlich auch weniger Zeit, um den Weblog zu pflegen. Als Beitrag wird hier dann gelegentlich auch einige Sätze aus einer Art Bautagebuch eines weitgehend ökologisch arbeitenden Bauhandwerkers zu lesen sein. Fotos von meiner Arbeit mache ich ohnehin ständig.

 

19.04.08

In Simbabwe und an dem dortigen Herrscher Mugabe zeigt sich dieser Tage eine besonders dunkle Variante von Staatenbeziehungen.
Mugabe, der zum Machterhalt alles tut, der auch vor einem massiven Krieg gegen die eigene Bevölkerung nicht zurückschreckt, erwartet eine große Waffen- und Munitionsladung aus China.
Das chinesische Schiff wollte seine äußerst brisante Ladung zuerst in Südafrika an Land bringen, wo sie über die Straßen dann zum Empfänger gelangen sollte. Angeblich sind über 3 Millionen Schuss Munition für den Kalaschnikowtyp unterwegs zusammen mit mehreren tausend Granaten und anderer Artilleriemunition. Wie viel Gewehre und Geschütze dabei sind, weiß man nicht genau, aber dass Mugabe dieses Material zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung braucht, ist offensichtlich.
Nachdem nun in Südafrika eine einstweilige Verfügung gegen den Transport auf den dortigen Straßen erlassen wurde, hat das Schiff sofort abgelegt und will seine Ladung jetzt wohl in einem anderen Hafen, weiter nördlich, löschen.

Man muss sich bildlich vorstellen was hier passiert: Zwei totalitäre Systeme helfen sich gegenseitig.
Entgegen jeglicher menschenrechtlicher Aspekte und trotz der vorsichtigen Entrüstung der westlichen Staaten, sorgt China dafür, dass der oberste Hüter wertvoller Bodenschätze Rohstoffe wie seltener Metalle und Steinkohle, möglichst lange die Verfügungsgewalt darüber behält. Wenn dies nur mit Waffengewalt möglich ist, ist dies für China in Ordnung.
China braucht die Rohstoffe ebenfalls zum Machterhalt.
Diese Macht ist in den letzten beiden Jahrzehnten hauptsächlich mit einer nie dagewesenen Steigerung der wirtschaftlichen Macht in der Welt errungen worden und soll nun mit immer stärkerer Produktion für den Weltmarkt fortgeführt werden.
Diese wirtschaftliche Macht erübrigt der herrschenden Partei auch einen ausgedehnten Kampf im Innern. Bekommt das Volk Brot und Spiele, rebelliert es nicht. Eine jegliche Opposition hat es sehr viel schwerer gegen einen Staat, der glänzende statistische Bilanzen und abenteuerliches Wirtschaftswachstum vorweisen kann.
Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas als "Werkbank der Welt" festigt das Regime auch nach außen, gegenüber dem Rest der Welt. Kein westliches Land traut sich, ernsthaft die wirtschaftlichen Beziehungen einzustellen, um so gegen die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen dieses Landes zu protestieren. Zu groß wäre die Gefahr, durch Verzicht auf chinesische Billigwaren, beispielsweise im Hardware-, im Textil- oder in anderen Konsumbereichen, das eigene Wirtschaftswachstum und die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu gefährden. Zu groß ist der Standart des materiellen Wohlstand bei uns in Mitteleuropa geworden und zu gering ist der Bildungsstand der westlichen Bevölkerung, um beim Thema Konsum weitsichtig abwägen zu können.

Man weiß nicht, was Mugabe mit China alles abgesprochen hat. Es müssen aber teuflische Absprachen gewesen sein, in denen die Menschen in der Bevölkerung bewusst ausgeklammert, ja sogar ins Visier genommen worden sind.

Was will der Westen jetzt tun? Wenn die chinesischen Waffen in Simbabwe angekommen sind und in Armeedepots eingelagert wurden, ist das Kind in den Brunnen gefallen.
Will man gar nichts tun? Will man darauf hoffen, dass das nächste Zielland des Schiffes ebenfalls die Entladung untersagt? Die Wahrscheinlichkeit für den Kapitän aus China, ein Land zu finden, das die Durchlieferung erlaubt, ist angesichts der Nöte und Zwänge in Afrika recht groß.
Oder will der Westen aktive Blockademaßnahmen gegen dieses Munitionsschiff beschließen, etwa so, wie in der damaligen Kubakrise? Damals allerdings hatte der Westen Angst um den eigenen Hintern, heute sind es ja nur die von einigen Millionen Schwarzafrikanern, die in der Geschichte ja schon so oft geopfert wurden, wenn es politisch eng wurde.

Der eigentlich wichtigste Helfer Chinas und Mugabes, - dieser unterhält bezeichnenderweise nur noch mit Nordkorea und dem Iran nennenswerte Handelsbeziehungen, - ist das weltweit herrschende Wirtschaftssystem. Dieses basiert auf unglaublich menschenfeindlichen Bedingungen der unterschiedlichsten Art.
Wie an dieser Stelle schon viele Male gesagt, wird wirtschaftliches Wachstum in weiter steigendem Maße mit der Abwälzung von ökologischen und sozialen Schadkosten auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen erkauft.
Im Falle von Simbabwe und China wird auch noch eine dritte Form der Schäden, nämlich die politischen Schadkosten greifbar. Diese sind zwar kaum isoliert sichtbar, sind immer mit ökologischen und sozialen Komponenten verwoben, doch im konkreten Falle kann sich der neutrale Beobachter die politischen Folgen dieser Kooperation für die gesamte Welt ausmalen.
Je länger solche Systeme existieren, die zur Erhaltung der Macht Weniger, alle Rücksichten auf natürliche Lebensgrundlagen, auf Menschenrechte und eine langfristig funktionierende Zivilgesellschaft über Bord werfen, wird die ganze Welt mit geschädigt werden.
Auch an diesem Beispiel ist der Westen aufgerufen, als Vorreiter eine neue und tatsächlich nachhaltige Ökonomie zu begründen, diese zunächst für sich selbst anzunehmen und damit allmählich die Vorherrschaft der zerstörerischen Ökonomie zu brechen, auf dessen tiefer Logik auch die jetzige Waffenlieferung Chinas an Mugabe resultiert.

 

18.04.08

Das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute liegt vor. Darin geben die Institute, allesamt Kardinäle der herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft, ihre Prognosen, Empfehlungen, Befürchtungen und ihren Tadel an der Regierungspolitik ab.

Alle Jahre wieder erleben wir die gleiche Prozedur:
Es wird ein Prozentwert genannt für die voraussichtliche Höhe des wirtschaftlichen Wachstums im laufenden Jahr, es wird kritisiert, dass die Bundesregierung nicht genug der sogenannten Reformen umsetzt, es wird vor der Einführung von Mindestlöhnen gewarnt und vor "heimlichen Steuererhöhungen". Die Anreize, eine Beschäftigung aufzunehmen, so behauptet man, würden durch die Verlängerung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld für ältere Arbeitnehmer verringert. Die Renten stärker zu erhöhen als vorgesehen, sei falsch gewesen. Mehr Sparsamkeit bei den Ausgaben wird angemahnt, ebenso wie "mehr Ehrgeiz" beim Abbau von Subventionen. Die Wirtschaftsforscher wollen durch mehr Investitionen und allgemeine Steuersenkungen mehr Wirtschaftswachstum sehen.

Aus der großen Glaskugel gelesen wird vorausgesagt, die schlappe Inlandsnachfrage werde sich wieder erhöhen, im laufenden Jahr um 0,8 % und im Jahr 2009 um 1,2 %. Weil der Preisdruck nachlasse, werde den Verbrauchern mehr Geld bleiben.
Für 2008 werde die Teuerungsrate bei durchschnittlich 2,6 % und im nächsten Jahr nur noch bei 1,8 % liegen. Die im Herbstgutachten gewagte Vorhersage, das BIP (Bruttoinlandsprodukt) betrage für 2008 2,2 % wurde auf 1,8 % herunterkorrigiert. Nächstes Jahr gäbe es noch 1,4 % Wachstum.
Die Zahl der statistisch geführten Arbeitslosen könne trotzdem auf unter 3 Millionen fallen. Auch angesichts der weltweiten Lage, sei eine Rezession in Deutschland unwahrscheinlich, da sich die Unternehmen robuster zeigten, als erwartet.
Experten vom IWF besitzen wohl eine andere Glaskugel. Sie nehmen für 2008 nur ein Wachstum von 1,4 % und für nächstes Jahr von 1,0 % an.
Was die Glaskugel der Bundesregierung sagt, soll in der nächsten Woche bekannt gegeben werden.

Wie in jedem Jahr soll mit der unübersichtlichen Zahlenjonglage die Bevölkerung beeindruckt und die Politik auf neoliberale Richtung gehalten werden. Wie in jedem Jahr sind sich nicht alle Institute einig, so plädieren beispielsweise zwei davon gegen eine generelle Verdammung von Mindestlöhnen.
Wie in jedem Jahr werden einige Kriterien genannt, die alle Prognosen auch wieder über den Haufen werfen könnten, so die internationale Finanzmarktkrise, die steigenden Energiepreise und Nahrungsmittelpreise. Die Gründe für ein eventuelles Danebenliegen mit den Prophezeiungen liefern die Institute vorsorglich gleich mit. Hinterher kann man sich dann besser herausreden.

Hauptkritikpunkte an der Zeremonie, die den deutschen Staat jährlich viele Millionen Euro kostet, ist die faktische Unmöglichkeit, angesichts den weltweiten Verflechtungen tausender ökonomischer Kriterien, überhaupt eine verlässliche Prognose aufstellen zu können.
Die Differenzen zu den späteren tatsächlichen Werten sind so groß, dass es eigentlich keines Forschungsinstituts bedürfte, ein paar ungefähr Zahlen aufzustellen.
Im letzten Jahr lagen die Forscher einmal relativ genau, sie gingen von 2,4 % Wachtum aus und der reale Wert lag bei 2,5 %. Ansonsten aber leistete man sich zum Teil erhebliche Abweichungen von der Realität, und niemals sind besondere Ereignisse im Weltgeschehen vorhergesehen worden.
Diese besonderen Ereignisse werden sich infolge der weiteren Erosion des herrschenden Wirtschaftssystem noch häufen. Die nächsten großen Einschnitte werden wohl von den Einbußen im Exportgeschäft her auf uns zu kommen. Hier wächst die Konkurrenz weltweit immer stärker. Der neue Exportweltmeister China wird wohl in naher Zukunft mit günstigeren Angeboten viele Geschäfte deutscher Firmen verhageln. Hierzu fällt den Wirtschaftsforschern beispielweise wenig ein.
Im Prinzip könnte man auch genauso gut würfeln. Auch hier gibt es manchmal einige genaue Treffer, aber die Sache wäre sehr viel billiger.

Der wichtigste Kritikpunkt allerdings ist die falsche Grundlage der gesamten ökonomischen Idee, zu welcher man die Voraussagen trifft.
Wenn eine Ökonomie ständig enorme ökologische und soziale Schäden verursacht, die einfach auf die Allgemeinheit abgewälzt werden und für die nicht die Verursacher haften müssen, ja wenn diese Ökonomie überhaupt erst existenzfähig ist, wenn sie diese Schadkostenabwälzung permanent praktizieren kann, muss doch ein Wachstum dieser Ökonomie strikt abgelehnt werden.
Mittlerweile steht doch fest, dass die Nachteile des ganzen Wirtschaftens unter der Kapitalistischen Subventionswirtschaft die Vorteile langfristig gesehen bei weitem übertreffen.
Mit keinem Wort gehen die fürstlich entlohnten Institute in ihren Gutachten auf diesen Widerspruch ein. Nirgens taucht eine Überlegung auf, wie die sich entwickelnden Probleme in der Gesellschaft wohl mit der Schadkostenerzeugung der Wirtschaft zusammen hängen könnten.
Dieser Aspekt wird von den, oft auch als "Wirtschaftsweise" bezeichneten Forscher, völlig ausgeblendet und unterschlagen.

Wenn eine Wirtschaft fast gä
nzlich ohne die Verursachung von ökologischen und sozialen Schäden auskommen könnte, wäre auch ihr Wachstum uneingeschränkt zu begrüßen, wie bei der Kategorischen Marktwirtschaft.
So aber ist der Grad des Wirtschaftswachstums eher der Wert für den Niedergang aller gesellschaftlichen Grundlagen.

17.04.08

US-Präsident Bush hat bekräftigt, dass für ihn die Einsparung von Treibhausgasen erst ab dem Jahr 2025 in Frage kommt.
Vorher müssten entsprechende Technologien entwickelt werden. Würde er jetzt schon Obergrenzen für den CO2-Ausstoß festlegen, wäre dies schlecht für die amerikanische Wirtschaft.
Es müsse vor allem mehr Atomkraft erzeugt werden, um Kohlekraftwerke abzulösen. Umweltschutzorganisationen und Kritiker sagten, Bushs Vorhaben sei der Gipfel der Verantwortungslosigkeit.

Im Grunde ist Bushs Veranlassung zur Verschiebung jetzt nötiger Umweltpolitik die gleiche, wie sie auch in Deutschland zu finden ist. Auch deutsche Politiker wollen keine einschneidenden Maßnahmen ergreifen, sondern zum Wohle der Wirtschaft umweltpolitische Notwendigkeiten am liebsten auf morgen verschieben.
Bush ist da aber etwas ehrlicher, wenn es ihm auch zu allem anderen als zu Ehre gereicht. In Deutschland macht man viele Worte, um den Unwillen bezüglich mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu übertünchen.

Es scheint in den Industriestaaten eher ein negativer Wettbewerb zu herrschen: Wer schafft es, erst NACH allen anderen einen kleinen scheinbar ökologischen Umbau zu verordnen?
Wer am längsten die Reduzierung von Treibhausgasen oder auch die Produktion sonstiger umweltbelastender Stoffe vor sich herzuschieben vermag, dessen Industrie kann am längsten noch unter den alten Bedingungen produzieren und Profit machen.

Da Bush, und dies weiß mittlerweile die ganze Welt, ein sehr dummer Mensch ist, und diese Tatsache verschleiert auch sein energisches, großes Mundwerk nicht, bringt es der derzeitige Präsident der US-Bürger nicht fertig, solche Verwirrungstaktiken zu entwerfen, wie sie hierzulande etwa vom Bundesumweltminister Gabriel in die Öffentlichkeit gestreut werden.
Mir soll keiner erzählen, eine solch professionell besetzte Behörde, wie die Gabriels, hätte beim Thema Ethanolbeimischung zum PKW-Treibstoff nichts von der Unverträglichkeit mit den meisten Motoren gewusst. Hier wurde doch vorher kalkuliert, was denn für das Image wohl nachteiliger sei, nichts zu tun, oder ein Ausweichen auf Biosprit zu planen und dann später mit der Aussage zurück zu rudern, die Automobilindustrie hätte hier unrealistische Werte und Einschätzungen abgegeben.
Auch Merkels letztjähriges Getöse um eine Vorreiterschaft Deutschlands beim Klimaschutz war nichts als leeres Geschwätz zu Profilierungszwecken.

Die Wahrheit ist, alle westlichen Politiker wollen ganz einfach nichts tun, um die Wirtschaft ökologisch etwas verträglicher zu machen.
Sie wollen einfach nicht sehen, dass alle Ausweichmanöver, sei es jetzt hin zu mehr Bioenergie oder zu mehr Atomkraft, die ökologische Katastrophe nicht aufhalten können.
Sie wollen ganz einfach nicht erkennen, dass nur ein radikales WENIGER in allen Bereichen umweltpolitisch etwas bringen würde.
Sie wollen einfach ihren Kopf nicht anstrengen um zu überlegen, wie unsere Industriegesellschaft auch ohne die herrschende Ideologie vom Wirtschaftswachstum weiter existieren kann.
Sie wollen nicht erkennen, dass jegliche Fortführung des herrschenden ökonomischen Systems untrennbar auch mit der Fortführung der hiermit verbundenen Belastungen und Schäden einher geht.

Nun gut, eine Einschränkung will ich gelten lassen. Vielleicht sind die Darbietungen in Deutschland ja doch die Ausgeburt purer Dummheit.
Der deutsche Bauernverband jedenfalls hat gestern seine enorme intellektuelle Beschränktheit unter Beweis gestellt als er äußerte, die Nahrungsmittelverteuerungen auf dem Weltmarkt seien doch eine große Chance für die deutschen Bauern.
Würde man diese Absurdität nämlich nicht mit Dummheit erklären, bliebe als Grund nur Berechnung übrig, und diese Berechnung, - im Grunde begrüßt man das Hungern von Millionen Menschen im Süden, weil damit deutsche Bauern kurzfristige Gewinne machen, - wäre faschistisches Gedankengut. Halten wir dem Bauernverband, wie auch den Politikern zu Gute, dass sie NICHT einen warmen Arsch für Deutsche fordern, zum Preis von Hunger und Elend bei anderen Völkern.

Blanke Dummheit ist also das beste Erklärungsmodell, das deutschen Funktionären unterstellt werden kann. Hierbei kommen sie noch am besten bei weg. Dummheit ist auch der Grund für die Ausbeutung der nachfolgenden Generationen, denen ja auch die Nachkommen der heute Bestimmenden zuzurechnen sind.
Oder, sollte hier doch der blanke Egoismus am Werk sein, der auch vor der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, selbst für die eigenen Enkel und Urenkel, nicht zurückschreckt? Ist hier vielleicht doch das im Gange, das viele Leute der amerikanischen Regierung unterstellen, nämlich einen neuen Faschismus des 21ten Jahrhunderts herauszubilden?

 

16.04.08

In Ostdeutschland in der brandenburgischen Uckermark wurde Heuschreckenalarm gegeben.
Etliche Biobauern dort befürchten, dass große Finanzinvestoren von außerhalb im großen Stil immer mehr landwirtschaftliche Flächen von der staatlichen BVVG (Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH, Eigendarstellung: "Die BVVG ist ein Immobiliendienstleister im ländlichen Raum, der im Auftrag des Bundes in den ostdeutschen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ehemals volkseigene Äcker und Wiesen, Wälder, Gebäude und Gewässer privatisiert.")aufkaufen, um sie dann teuer an Landwirte weiter zu vermieten.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz macht es möglich. Investoren wollen auf den Agrarflächen auf konventionelle Art Mais anbauen lassen, um diesen zur Erzeugung von Biogas einzusetzen. Die Förderquoten des Gesetzes machen diese Art der Landnutzung mittlerweile auch in Deutschland gewinnträchtiger, als der Anbau von Nahrungsmitteln. Das Fehlen eines ökologischen Reinheitsgebots zur Erzeugung von Biogas führt zu umweltschädlichen Monokulturen und zum Einsatz gigantischer Mengen von Agrarchemikalien auf den bebauten Flächen.

Nicht nur in den Ländern der dritten Welt führt die Dynamik hin zur Ethanolproduktion zu einer Gefahr für die Nahrungsmittelversorgung. Auch in Deutschland ist diese Perversion des Marktes mittlerweile angekommen.
Die Flächen, so befürchten die Bauern, die diese gepachtet haben und auf biologische Art bewirtschaften, könnten bald so teuer sein, dass ihre eigene Existenz gefährdet ist. Gegen die finanzielle Macht der Heuschrecken, können sie nicht konkurrieren.
15 Betriebe wollen nun versuchen einen Fonds zu gründen, um wenigstens die selbst bewirtschafteten Flächen kaufen zu können. Für den großen Rest sieht man allerdings schwarz. Dort wird sich die Maismonokultur mit reichlich Einsatz chemischer Dünger und Pestizide in der nächsten Zeit noch ausdehnen, etliche neue Biogasanlagen sind bereits im Bau oder in der Planung.
Die Nachteile der Subventionierung regenerativer Energien haben in Deutschland die Vorteile längst überflügelt. Mittlerweile wird angepriesene Segen zu einem Fluch für uns alle und zur Katastrophe für die Zukunft.

Die ARD hat in einem Tagesthemen-Interview den UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler zur weltweiten Explosion der Nahrungsmittelpreise befragt.
Ziegler bezeichnete dies als eine fürchterliche Tragödie für die Betroffenen. Unter anderem gab er der Europäischen Union wegen ihrer Politik der Exportsubventionen eine erhebliche Mitschuld an dem Dilemma. Wenn Nahrungsmittel von außen in vielen afrikanischen Ländern beispielsweise sehr viel billiger seien als im Inland angebaute gleichwertige Produkte, kann sich keine eigene landwirtschaftliche Produktionsstruktur und somit keine stabile Versorgung mit Nahrungsmitteln dort entwickeln.


Den Gipfel der Ignoranz lieferte einmal mehr der deutsche Bauernverband als er gestern äußerte, die weltweite Verteuerung von Agrarprodukten sei doch eine Chance für Millionen deutscher Landwirte.
Ziegler bezeichnet dies als Europäischen Egoismus. Die Exportsubventionen seien "total mörderisch" meinte Ziegler.
Zur Frage, was man jetzt sofort gegen die Nahrungsmittelverknappung tun könnte, nannte Ziegler drei Punkte:
Erstens, das Verbot der Produktion von Agrartreibstoffen, zweitens, die Börsenspekulation auf Agrarprodukte muss erschwert werden, und drittens, die Weltbank und der IWF müssen ihre Strategien radikal ändern, weg von der Unterstützung der Exportlandwirtschaft von beispielsweise Baumwolle, Kaffee oder Zucker und hin zur Sicherung der Voraussetzungen im Inland, Förderung der Subsistenzlandwirtschaft, Konzentration auf die Infrastruktur für die Nahrungsmittelproduktion für die Bevölkerung der Länder des Südens.

 

15.04.08

Die Nahrungsmittelknappheit und ihre Folgen in weiten Teilen der Welt, weitet sich aus. Nach Haiti stehen auch in anderen Ländern offenbar Revolten unmittelbar bevor. Die Weltbank sieht in 33 Ländern die Gefahr von gewaltsamen Unruhen. Zusammen mit dem IWF fordert sie auf der Frühjahrstagung beider Institutionen von den Geberländern 500 Millionen Dollar, um die Uno beim Kauf von Lebensmitteln zu unterstützen.

Es ist schon ein Witz, dass gerade diese beiden mächtigen Finanzinstitutionen, die in den Jahrzehnten ihres Bestehens nichts anderes getan haben, als eine Welt, konzentriert auf wirtschaftliches Wachstum, auf Wettbewerb und die absolute Bevorzugung der Interessen mächtiger Konzerne zu formen, sich jetzt hinstellen, und mit großen Krokodilstränen und argem Jucken im Hintern Geld fordert für ein Problem, das sie mit zu verantworten haben.

IWF-Chef Strauß-Kahn: "Alles, was wir entwicklungspolitisch in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben, steht auf dem Spiel." - Man sollte fragen: Was wurde denn außer der Abhängigkeit von us-amerikanischen Wirtschaftsinteressen sonst noch aufgebaut?
Aber nicht nur IWF und Weltbank tun so, als wäre irgend ein Onkel vom Mars an dem furchtbaren Debakel schuld.
Bundesfinanzminister Steinbrück sagte, ebenfalls auf der Frühjahrstagung angesichts der Explosion bei den Lebensmittelpreisen: "Da betritt ein Ungeheuer plötzlich die politische Bühne. Ich halte es für ein Ungeheuer, was da stattfindet. Denn wenn ich mir angucke, in welchem Ausmaß Weizen- und Reispreise steigen, dann ist mein Eindruck: Dies ist nicht mehr nur ein Übergangsphänomen, sondern das könnte eine sehr grundsätzliche Problematik sein, mit erheblichen Auswirkungen auf Schwellen- und Entwicklungsländer und die Ernährung der Menschen."
Nach den Heuschrecken kommen jetzt die Ungeheuer. Alle kommen sie wohl aus dem Nichts, angeblich völlig überraschend für die politische Kaste der Welt.

Auch die Entwicklungsminister der G8-Länder, die sich in Tokio trafen, geben sich besorgt und erstaunt. Deftige Worte sollen den Eindruck verbreiten, dass man etwas tun wolle. Es werden Zahlen und statistische Werte geäußert, um damit eine Fachkenntnis vorzutäuschen und Lösungskompetenz zu suggerieren.

Alle verlangen sie Maßnahmen, rufen zum Kampf gegen die Preissteigerungen auf, fordern einen "neuen Ansatz in der internationalen Ernährungspolitik" (Weltbankchef Zoellick), Handelsbeschränkungen sollen fallen, freier Handel soll helfen, staatliche Eingriffe in den Entwicklungsländern seien schädlich, usw. fast glaubt man, es handelt sich um die immer gleichen Forderungen an die Welt, sich der westlichen Wirtschaft unterzuordnen, wie wir sie ja schon seit Jahren kennen. Zoellick zum neuen Ansatz: "Er muss auch die Bezüge zu den Themen Energie, Ertrag, Klimawandel, Investitionen, die Marginalisierung von Frauen und anderen Gruppen sowie wirtschaftliche Flexibilität und Wachstum berücksichtigen." Abgesehen von neuen Modeschlagworten kennen wir diese Abfolge doch. Alles leeres Geschwätz und weiterso.

Die weltweite Ernährungskrise mit Verteuerung und Verknappung von Lebensmitteln ist verursacht von der herrschenden wirtschaftlichen Struktur der westlichen Staaten.
Jede eigenständige Entwicklung musste dem internationalen Standart, den international gebräuchlichen Saatgütern, dem faulen Wettbewerb gegen subventionierte Agrargüter, den finanziellen Interessen der Multis usw. unterworfen und letztlich geopfert werden.
Jetzt fehlen die Strukturen vor Ort, die vom internationalen Markt unabhängig machen würden.

Und: Die Armen sollen nun für die seit Jahrzehnten verfehlte Energiepolitik büßen, weil die Industriestaaten nun merken, dass da wohl ein Klimaproblem besteht und deshalb zur Schönung der CO2-Bilanz Biokraftstoffe gebraucht werden.

Alle diese Auswirkungen, Nahrungsmittelverknappungen, Preisexplosionen für Lebensmittel, soziale Unruhen aus Hunger, usw., sind direkte ökologische und soziale Gesellschaftsschäden einer nicht nachhaltigen Wirtschaftsform, die jetzt wirksam werden und zum Ausdruck kommen. Diese Schäden sind in der Vergangenheit bei der Preisgestaltung von Produkten und Dienstleistungen innerhalb der Spielregeln der Ökonomie nicht berücksichtigt worden.
Sie mussten nicht als tatsächlich aufgewendete Produktionsfaktoren in die Preise einfließen.
Anderenfalls hätte sicher eine andere Entwicklung statt gefunden, sowohl bei der globalen Struktur der Nahrungsmittelversorgung, als auch bei der grundsätzlichen Gestaltung des Treibstoffbedarfs.
Jetzt müssen die Schäden bezahlt werden. Biospritboom in den westlichen Staaten und Nahrungsmittelverknappung in der übrigen Welt sind nur zwei sichtbare Symptome einer gründlich wütenden Weltkrankheit, genauso wie zwei Pilze nur die Fruchtkörper eines großen, im Waldboden wachsenden Pilzmyzels sind.

Einerseits kann niemand mehr leugnen, dass wir jetzt die externalisierten Schäden aus der Vergangenheit tragen müssen, andererseits richten wir gerade jetzt weiterhin neue Schäden an, die wiederum der nächsten Menschengeneration schwer zu schaffen machen werden, schwerer noch, als die momentan sich entwickelnden Probleme.
Die Gesellschaft wird sich auf das immer neue Emporschießen von Problemen, ähnlich den Pilzen, einstellen müssen, solange sie das Weiterwachsen des ökonomischen Grundproblems nicht unterbindet.
Mehr denn je:
Die mit Abstand wichtigste Aufgabe für die Menschheit im 21 Jahrhundert ist der vollständige Umstieg auf ein völlig anderes ökonomisches System, in welchem jede wie auch immer geartete Abwälzung von Schadkosten auf Dritte von vorne herein ausgeschlossen ist.

Zwei Beiträge der ARD zum Thema sind als Video anschaubar:
Biosprit verstärkt Hungerproblem u.A. mit Jean Ziegler
und Situation in Mexiko durch die Maisknappheit

 

14.04.08

Aus einer Pressemitteilung des BUND vom 9. April 2008, :
"Der Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen des Flugverkehrs nehmen in Deutschland pro Jahr um etwa dreieinhalb Prozent zu. Der Anteil der Fliegerei an den gesamten Klimabelastungen beträgt derzeit rund acht Prozent. Bei Fortsetzung des gegenwärtigen Wachstums werden die Klimawirkungen des Fliegens bereits in fünf Jahren die des heutigen Pkw-Verkehrs übersteigen." So beginnt die Erklärung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zur neuen Studie zur Entwicklung der Klimabelastung durch Flugverkehr
Die Studie wurde vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie erstellt und war vom BUND und von den Grünen in Bayern in Auftrag gegeben worden. Gefordert wird die Einbeziehung des "Flugverkehr in ein wirksames Emissionshandelssystem" und dass der Flugverkehr insgesamt verringert und verlagert wird.
Der Verfasser der Studie, Luftfahrtsexperte Schallaböck sagte; "dass ein Ausbau der Flughäfen wie an den verschiedenen Standorten geplant die Klimaschutzziele der Bundesregierung komplett unterlaufen wird."


BUND-Vorsitzender Hubert Weiger zum Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung und dem Beschluss zur Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent: "Das Programm enthält zwar Maßnahmen für den Straßenverkehr und zur Stärkung der Bahn, der rasant wachsende Flugverkehr wird aber weitgehend ausgeklammert. Als einzige Maßnahme soll der Luftverkehr ab 2012 in den europäischen Emissionshandel einbezogen werden. Es ist unbedingt erforderlich, dass dabei alle Klimawirkungen des Fliegens, auch jene die über die schädlichen Wirkungen des Kohlendioxids hinausgehen, vollständig berücksichtigt werden. Hier muss Umweltminister Gabriel für Nachbesserungen sorgen. Aber auch die Abschaffung der Steuerbefreiung für Kerosin muss endlich kommen." Die unnötige Subventionierung von Flughäfen müsse gestoppt werden, meinen die Fachleute: "Derzeit gebe es 257 Flughäfen und Flugplätze, davon allein 40 in Bayern. Damit habe Deutschland bereits die höchste Flughafendichte der Welt."
Kurzfassung der Studie als PDF.

Wir meinen: Eine streng marktwirtschaftliche Regelung des Problems bekämen wir, wenn alle schädlichen Auswirkungen des Flugverkehrs berechnet und beziffert und auf die Preise der Flugtickets addiert würden. Dann wäre die Schädlichkeit des Fluges direkt am Preis ablesbar.
Demgegenüber ist die Einbeziehung in den europäischen Emissionshandel ein völlig untaugliches Instrument um die Gesamtumweltbelastung in der Angebots/Nachfragerelation objektiv wirksam werden zu lassen. Nur die vollständige ökologische Kostenwahrheit eines jeden Verkehrmittels erlaubt einen Wettbewerb, der zur Wahl der Reisemöglichkeit mit den geringsten Auswirkungen führt, bzw. zu weiteren Verbesserungen bei den verschiedenen Verkehrmitteln anregt.
Nicht nur die öffentliche finanzielle Förderung des Flugwesens muss eingestellt werden, sondern auch die Subventionierung aus der Zukunft und auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Bestünde die objektive Kostenwahrheit, wären auch sämtliche Ausbau- und Neubaupläne von Flughäfen und sonstiger Infrastruktur ganz eindeutig unwirtschaftlich und würde unterbleiben.

 

13.04.08

Oft findet man beim Spazieren gehen alte Müllplätze unterschiedlichen Ausmaßes und verschiedenster Zusammensatzung.
Am häufigsten sind die kleinen Bauschuttkippen. Früher war es ganz normal, dass entfernte Baumaterialien einfach in die Landschaft verklappt wurden. Solange dieser Bauschutt rein mineralisch war, wie Steine und Mörtel, oder vollständig biologisch abbaubar, wie Holz oder Stroh, war dies keine große Belastung, allenfalls eine optische. Es kam nur in die Natur, was auch von dort stammte.
Irgendwann aber warfen die Leute mit dem Bauschutt auch problematische Stoffe mit in die Flur, etwa Kunstharzfarben, kunststoffhaltige neuere Baumaterialien oder den kompletten Baustellenabfall.
Ab da begann die Vermüllung der Landschaft, und weil manche Leute hier nicht trennen oder unterscheiden wollten, musste die Verbringung von Bauschutt in die Landschaft verboten werden.

Kürzlich fanden wir im Wald beim Holzmachen eine sehr alte Kippe, die vor allem aus altem Kopfsteinpflastermaterial bestand.

Über die Jahrzehnte völlig zugewachsen, verriet sich der Bodeninhalt mit einigen noch heraus schauenden Steinen. Die blaue Plastikschnur in der Mitte des Bildes, war der einzige Müll an dieser Stelle.
Da gehauene Pflastersteine sehr teuer geworden sind, und wir zu Hause noch etliche Flächen zu befestigen haben, entschlossen wir uns, bei Gelegenheit die Steine zu bergen.

Die Stelle war am Hang eines kleinen Grabens, wo in nassen Zeiten auch ein kleiner Bach fließt. Der Boden war leicht aufzupickeln, und zum Vorschein kamen zwischen Erde und anderen Bruchsteinen etliche gut erhaltene und weitgehend würfelförmige Pflastersteine.

Es fand sich überhaupt kein Müll, was darauf schließen lässt, dass die Kippe entweder sehr alt ist, oder dass der Entsorger damals darauf achtete, nur die Steine und den Sand wegzufahren.

Schnell war eine kleine Menge des heute wertvollen Baumaterials ausgebuddelt und in Etappen nach oben auf den Weg geworfen.

Auf dem Anhänger schließlich lagen dann fast 300 Steine, was zum Pflastern von fast 4 qm ausreichen dürfte.
Diese Aktion der Bergung von altem Bauschutt zum Zwecke der Wiederverwendung hat uns Materialkosten etwa in Höhe von 300 Euro erspart. Zwei Leute waren gut 3 Stunden mit Ausgraben, Aufladen und Abladen beschäftigt.
Die Umweltbelastung zur Bereitstellung von 4 qm Kopfsteinpflaster beschränkte sich in diesem Fall auf die Fahrt des PKWs in den Wald und zurück, zusammen etwa 3 km. Darüber hinaus wurde nur noch menschliche Arbeitskraft eingesetzt, die in ihrer reinen Form keine Umweltbelastung verursacht.

In Deutschland gibt es noch viele tausend solcher alter Kippen. Würde man sie einmal aufreißen und durchsortieren, käme viel wiederverwendbares Baumaterial heraus, was die Produktion oder den Neuabbau ersparen würde.
Darüber hinaus könnte man auch alles an Müll, was damals eventuell mit abgekippt wurde herauslesen und einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuführen.
Bis sich die menschliche Arbeitskraft aber auch in dieser Form lohnt, werden noch ein paar Jahre vergehen. Bis dahin sind die Schätze alter Müllkippen den Bauökologen, Individualisten, Umweltschützern und anderen, als Spinner verschrienen Zeitgenossen vorbehalten.

 

12.04.08

In dieser Woche gab es zwei wichtige Kommentare auf DradioKultur.

Am Montag schrieb der Philosoph und Buchautor Ferdinand Fellmann zum Thema Tibet und den Konflikt mit den Chinesen.
Fellman bemerkt, dass es irreführend sei, wenn man beim tibetischen Mönchstum an das christlich geprägte Mönchstum denkt. Der lang anhaltende Kulturkampf zwischen dem Lamaismus, einer tibetischen Sonderform des Buddhismus und den Chinesen, die dem Konfuzianismus zuzuordnen sind, dürfe nicht allein als der Kampf einer rein religiösen Strömung gegen eine Macht von außen angesehen werden. Der Lamaismus, der von der Leibeigenschaft der Hirten und Bauern lebte, hat auch eine sehr stark weltliche Funktion und stellt bis heute ein theokratisches System dar.
Der Konfuzianismus in China hat zwar lange eine moderne Entwicklung behindert, indem er ein Beamtentum bevorzugte und die Frauen zurücksetzte, doch nach seiner Reformierung steht er der Aufklärung sehr viel näher, als der Lamaismus. Fellmann: "Durch die Berührung mit dem Konfuzianismus sind die hierarchischen Strukturen der tibetischen Gesellschaft aufgebrochen worden." Dieser Aspekt finde in der von Gewaltszenen geprägten Debatte von heute kaum Beachtung, was Fellman hauptsächlich auf die "Besonderheiten des deutschen Geistes, sich bei Modernisierungen kompensatorisch in Nostalgien buddhistischer Erlösungskulturen zu flüchten," zurückführt.
Ohne das "brutale Vorgehen der chinesischen Machthaber" rechtfertigen zu wollen, sollte man berücksichtigen, so Fellmann, dass die tibetische Kultur "auch aus den Fesseln einer dunklen Zeit befreit" worden ist.

Am Dienstag gab es einen Beitrag von Wilhelm von Sternburg, ehemaliger Fernsehchefredakteur vom hessischen Rundfunk und Buchautor. Sein Text, "Soziale Gerechtigkeit: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …"
Sternburg beklagt, dass nach Jahrhunderten, wo "in Europa zehn Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit sehr gut, und 90 Prozent durch Arbeit sehr schlecht" lebten, es heute immer noch so ist. Die geschönten Arbeitslosigkeitsstatistiken würden uns verschleiern, wie dramatisch die Situation der Arbeitslosen und Geringverdiener sich verschlechtere.
Die Politik bediene auch mit den Hartz4-Gesetzen lediglich die Reichen und die Unternehmen, rechtfertige dies gar gebetsmühlenhaft mit wirtschaftspolitischer Notwendigkeit und schaffe nebenbei das Sozialsystem ab. "Die Gesellschaft ist unter die Räuber gefallen", konstatiert Sternburg.
Sie wird zum einen missbraucht von mächtigen Konzernen, die Gewinne in die Tasche stecken und Verluste von der Allgemeinheit bezahlen lassen, und zum anderen von einer politischen Kaste der "mit hohen Diäten und segensvoller Altersversorgung ausgestatteten Bundestags- und Landtagsabgeordneten".
Sternburg fragt: "Warum hören wir in den Parlamentsdebatten eigentlich fast nur von den Sorgen der Unternehmen, die wir - angeblich zum Heil der Welt - steuerlich, lohn- und sozialpolitisch bitteschön zu entlasten haben?" Und er bemerkt: "Es mutet altertümlich an, wenn da einer meint, dass Arbeit dem Leben einen Sinn verleiht und für das Selbstwertgefühl des Menschen unverzichtbar ist."

Um Sternburgs Frage zu beantworten:
Weil wir immer noch an einem nicht nachhaltigen und menschenfeindlichen ökonomischen System festhalten. Nur innerhalb dieser absurden Logik können Politiker und Wirtschaftmächtige den Vorrang der Unternehmerschaft und des Quantitativen Wirtschaftswachstums rechtfertigen. Dieses theoretische, ökonomische Gebäude gilt es, als erste Voraussetzung eines Wandels, einzureißen und ein logisch erklärbares, eines an der Wirklichkeit orientierten an seine Stelle zu setzen.
Wir empfehlen auch Wilhelm von Sternburg die Lektüre des Konzepts von der Kategorischen Marktwirtschaft.

 

11.04.08

Heute vor 40 Jahren wurde das Attentat auf Rudi Dutschke verübt.
Der Führer der damaligen Studentenbewegung war ein glänzender und mitreißender Redner und Theoretiker. Er konnte sehr effektiv Demonstrationen organisieren und andere junge Leute für einen großen Aufstand gegen die herrschenden Strukturen begeistern. Er starb über 11 Jahre später, an Weihnachten 1979 an den Spätfolgen seiner schweren Verletzung.

Aus der Studentenbewegung der 68er wurde insgesamt nichts, außer dass einige Aktivisten in den Terrorismus abglitten und sich einbildeten, ein bewaffneter Kampf aus dem Untergrund könne das politisch-ökonomische System erschüttern.
Sie scheiterten vor allem an sich selbst und ihrer im Grunde naiven Vorstellung von Einflussmöglichkeiten mittels Erpressung auf die bestimmenden Verhältnisse.
Andere starteten einen "langen Marsch durch die Institutionen", traten in die SPD oder auch die FDP ein, wurden aber nahezu vollständig aufgesogen und von allen ursprünglichen Ideen abgebracht.

Hätte Dutschke weiter argumentieren können, wer weiß, ob er es nicht vielleicht geschafft hätte, auch die Mehrheit der Bevölkerung zu einem breiten Protest zu mobilisieren.
1967 sagte er zum Selbstverständnis der Studentenbewegung:
" Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben wir uns jahrhundertelang eingeredet. Viele geschichtliche Zeichen deuten darauf hin, dass die Geschichte einfach nicht ein ewiger Kreisel ist und nur immer das Negative triumphieren muss. Warum sollen wir vor dieser geschichtlichen Möglichkeit halt machen und sagen: »Steigen wir aus, wir schaffen es doch nicht, irgendwann geht es mit dieser Welt zu Ende.« Ganz im Gegenteil, wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit, und da aussteigen? Ich bin kein Berufspolitiker, aber wir sind Menschen, die nicht wollen, dass die Welt diesen Weg geht und darum werden wir kämpfen und haben wir angefangen zu kämpfen."

Dieses gilt auch heute noch, ja es könnte ohne Abstriche das Motto von Zukunftslobby sein. Alle Nichteinverstandenen dieses Landes können sich auch heute zu einer großen Bewegung zusammen finden, die nicht nur ständig wiederholt, was es zu kritisieren gibt und was man nicht wollen kann, sondern die den politischen Verhältnissen eine konkrete und bessere Alternative vor Augen hält.
Diese Alternative zum herrschenden Wirtschaftssystem könnte das übergeordnete verbindende Element einer solchen neuen Bewegung sein. Mit der Kategorischen Marktwirtschaft steht ein überparteiliches Modell zur Verfügung, das ganz konkret, und um es mit Dutschke zu sagen, eine Welt gestalten könnte, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.
Die momentane Frage lautet: Wie lässt sich dieses nachhaltige Wirtschaftsmodell mit seinen ungeahnten Möglichkeiten in die Köpfe der Leute bringen?

 

10.04.08

In Zusammenhang mit dem sich zuspitzenden Problem der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise wird auch folgende Frage immer wichtiger:
Wie und unter welchen Voraussetzungen lässt sich regenerativ erzeugte Energie bereit stellen, ohne dadurch die Produktion von Nahrungsmitteln auf Agrarflächen zu gefährden? Wie lässt sich garantieren, dass die Nahrungsmittelproduktion, die ja mit der Bioenergieproduktion direkt konkurriert, einen Wettbewerbsvorteil behält, solange Nahrungsmittel benötigt werden?

Im letzten Jahr, im Februar 2007, wurde eine sehr interessante Studie zum Thema Biogaserzeugung in Deutschland veröffentlicht. In Auftrag gegeben von den Grünen im Bundestag, vom Fachverband Biogas und von den Stadtwerken Aachen erstellte diese Studie das Leipziger Institut für Energetik und Umwelt.
Das schon sensationelle Ergebnis lautete: Das Potential für die Biogasproduktion in Deutschland ist so groß, dass die gesamten Erdgaslieferungen aus Russland überflüssig werden würden.
Auch in der Sendung Frontal 21 im ZDF wurde über die Studie berichtet, Video bei YouTube hier anzusehen.

Die Studie geht auch auf die Möglichkeiten der Gaseinspeisung in vorhandene Leitungsnetze ein. Deshalb sind auch nur Flächen bis zu einer gewissen Entfernung zu diesen Netzen berücksichtigt.
Bis zu 2,5 Millionen Arbeitsplätze könnten neu entstehen.
Probleme bereiten vor allem auch bürokratische Hürden. So gibt es eine Verordnung, nach der nicht nur minderwertiges Gas von der Einspeisung ausgeschlossen ist, sondern überflüssigerweise auch Gas von überdurchschnittlicher Qualität.

Rätselhaft bleibt, wieso diese Studie nicht wie eine Bombe im Land eingeschlagen hat und die Politik zu einem entscheidenden Strategiewechsel in der Klimapolitik bewegt hat. Gerade jetzt, wo doch die Biospritträume von Umweltminister Gabriel so jäh geplatzt sind, böte sich hier ein großes Feld an, eine wichtige Säule einer klimafreundlichen Energieerzeugung aufzubauen.

Wichtig wäre es vor allem, im Vorfeld zwei Aspekte zu klären, damit die Idee auch eine ökologische bleibt.
Einmal muss streng unterschieden werden zwischen der Speisung einer solchen Anlage mit organischen Abfällen und eines Betriebs mit extra angebauten Energiepflanzen, die genauso gut auch als Nahrung taugen.
Zum zweiten muss sichergestellt werden, dass die Pflanzenmasse unter Verzicht auf Agrarchemikalien produziert wird. Mineraldünger und sogenannte Pflanzenschutzmittel müssen ausgeschlossen werden, sonst wäre mit dem zu erwartenden ökologischen Vorteil gleich schon wieder ein gravierender Nachteil verbunden.

Wir brauchen, in Anlehnung an das deutsche Reinheitsgebot beim Bier, gewissermaßen ein ökologisches Reinheitsgebot bei Biogas. Dieses muss vor allem gegen den zu erwartenden Widerstand der Chemischen Industrie durchgesetzt werden.
Der größere Widerstand allerdings, und damit ist wahrscheinlich auch die schleppende Entwicklung zu einer umfangreichen Biogaskultur zu erklären, kommt von den Energiekonzernen.
Weil sie mit einer weitgehend dezentralen Energiewirtschaft durch Biogas ernsthafte Konkurrenz bekämen, tun ihre Lobbyisten in den Regierungsapparaten alles, um eine nachhaltige Energieversorgung durch Biogas zu verschleppen.


09.04.08

Kennen Sie den Eckrentner? Es ist nicht der Rentner an der Ecke oder in der Eckkneipe, oder gar der, den man in die Ecke gestellt hat.
Der Eckrentner ist ein virtueller Rentner, ein Idealbeispielrentner, der genau 65 Jahre alt ist, auf den Tag genau 45 Jahre lang gearbeitet hat und in dieser Zeit ununterbrochen seine Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Während seines Arbeitslebens hat er immer genau den Durchschnittslohn bekommen und erhält jetzt (genaugenommen am 1. Juli 2004) eine monatliche Rente in Höhe von 1.175,85 Euro in West- und 1.033,65 Euro in Ostdeutschland.

Damit dieser Rentner auch brav CDU oder SPD wählt, bekommt er von diesen, da sie ja gerade an der Regierung sind, ab Mitte des Jahres 13,05 Euro mehr pro Monat. Dieses wurde gestern wider alle Vernunft beschlossen.
Eigentlich ist das Geld für die Erhöhung gar nicht da. Es muss entweder über neue Schulden finanziert oder von den Nochnichtrentnern zusätzlich erwirtschaftet werden. Um dieses einzuschränken, um also sicher zu stellen, dass die Rentenerhöhungen die Rentenkasse nicht überstrapazieren, wurde vor Jahren der Riesterfaktor eingeführt. Dieser sollte garantieren, dass die Renten von den Arbeitenden auch bezahlt werden können.
Nach ihm wäre nur eine Erhöhung um 0,46 % verkraftbar. Doch der Riesterfaktor wurde einfach mal ausgesetzt, weil die Rentner sonst, angestachelt von Opposition und den Rentnerlobbys, bei der nächsten Wahl sehr sauer sein könnten.
Die beiden fehlenden, bremsenden Stufen in der Berechnung sollen nun 2012 und 2013 nachgeholt werden. Gnade denen, die dann an der Regierung sind, denn sie bekommen garantiert noch mehr Streit mit den Rentnern.
Dazu kommt, dass der durchschnittliche Rentner drei Jahre weniger in die Rentenkasse eingezahlt hat als der Eckrentner. Dieses verschlechtert die Rechnung abermals.

Noch schwieriger zu finanzieren ist der Pensionär, also ein früherer Beamter. Für ihn gibt es keine Eckdaten, er wird einfach so nach einem üblichen Automatismus befördert und in den Pensionsberechtigungen nach oben geschoben, unabhängig davon, ob er tatsächlich voll gearbeitet hat.
Wie die Gesellschaft in Zukunft einmal die Pension bezahlen soll, die der Pensionär immer noch nach dem Schlüssel aus den fetten Jahren der Republik erwirbt, steht noch mehr in den Sternen, als die Sache mit dem Eckrentner.
Hier sind zur Frage "Wer soll das bezahlen?" aber keine Wahlkampfsorgen ausschlaggebend. Die entscheidenden Politiker sind ja zu fast 40 % selbst Beamte, also später Pensionäre, und in dieser Kaste beschränkt man sich nicht freiwillig selbst.

Wie die jetzige Rentenerhöhung zu bewerten ist, dazu gibt es ein breites, wenn auch einseitiges Spektrum von Ansichten innerhalb der deutschen Parteien und Verbände.
Die Linkspartei beispielsweise, deren Wähler zu einem sehr großen Anteil aus Rentnern bestehen, sieht hier zuallererst ein weiteres Feld, sich als Partei der "sozialen Gerechtigkeit" zu profilieren.
Ihr geht die Rentenerhöhung natürlich nicht weit genug. Um ihre Wählerschaft bedienen zu können, schreckt sie vor einer Verschiebung der Finanzierung in die Zukunft, oder anders ausgedrückt, vor einer weiteren Hypothek für die nachfolgenden Generationen, nicht zurück. Hier harmoniert die Linke fast vollständig mit den deutschen Sozialverbänden. Auch diese haben nur das Wohl ihrer Klientel im Sinn.
Ob VdK-Präsident Hirrlinger, der mit dem Krückstock, oder SoVD-Präsident Adolf Bauer, keinem scheint es mit ihren sturen Forderungen nach Geld für Rentner klar zu sein, dass die Situation, charakterisiert etwa durch Kaufkraftverluste und sonstige Einschränkungen durch Preissteigerungen eben nicht von einem ungerechten Behandeln der Rentner her resultiert, sondern vom allgemeinen Niedergang der Industriegesellschaft und ihrer Grundlagen.

Die wirkliche Lösung liegt jenseits aller momentan kursierender Ansichten.
Dass es dem Eckrentner immer schlechter geht, ist Realität. Viel wichtiger aber ist zu sehen, dass es der ganzen Volkswirtschaft ebenso immer schlechter geht. Unter diesem Aspekt erübrigt sich die Frage, wieso gerade für die Rentner hier eine Ausnahme gemacht werden sollte.
Im Prinzip sollte der sich ausbreitende Mangel endlich auf alle verteilt werden.
Wieso wehren sich die Rentnerorganisationen nicht gegen die ungebremste Selbstbedienung der Beamten am schwindenden Allgemeingut, wieso treten sie nicht für eine längst überfällige Bezahlung und Pensionsansprüche nach Leistung ein?
Wieso bekommt unsere Gesellschaft es nicht endlich hin, die Einkommen der Unternehmensführer, vom Mittelstand an aufwärts, massiv zu beschränken?
Und wieso sind Rentner anscheinend unfähig zu erahnen, welche dramatische Bürde sie den nachfolgenden Generationen hinterlassen, nicht nur mit ihren überzogenen Geldforderungen, sondern auch mit den ökologischen und sozialen Schäden, die sie selbst in ihrer aktiven Zeit im Arbeitsleben mit verursacht, bzw. nicht verhindert haben.

Klar, wer sich für die nachfolgenden Generationen einsetzt, zieht sich auch den Zorn der Rentner zu.
Er wird gar von allen Profiteuren des herrschenden und die Zukunft ausbeutenden Wirtschaftssystems gehasst. Aber er ist insgesamt und langfristig betrachtet wenigstens glaubwürdig, glaubwürdiger als alle üblichen Lobbyisten und deren Anhänger, wovon sich gegenwärtig halt eben mal die Rentner zu echauffieren veranlasst sehen.

Zu wünschen wäre, dass die Rentner sich die Situation ihrer Enkel und Urenkel einmal ernsthaft vorstellen und berücksichtigen, dass sie selbst an dem noch kommendem Debakel nicht unschuldig sind.
Zu wünschen wäre schließlich, dass die Rentnergeneration sich ebenfalls für eine nachhaltige Ökonomie einsetzten, wie für die Kategorische Marktwirtschaft. Sie täten damit das Beste für die Sicherung eines qualitativen Mindeststandards, weniger vielleicht für sich, so doch für die viel größere Zahl der Rentner, die in Zukunft noch versorgt werden wollen.


08.04.08

Vor 4 Wochen (3. März) hatte ich dieses Thema schon einmal: Weltweit steigen die Nahrungsmittelpreise unvermindert stark an, was besonders den ärmeren Menschen auf diesem Planeten dramatisch zu schaffen macht.
In der Süddeutschen Zeitung, bzw. in der Onlineausgabe, ist dazu ein neuer Artikel zu lesen (inklusive mehrerer Links zum Thema).

Demnach gab es vor ein paar Tagen in Ägypten, wo 40% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben (1,25 Dollar täglich), einen Aufstand hungriger Textilarbeiter. Die Preise für Grundnahrungsmittel hatten sich in den letzten Monaten verdoppelt. Die Regierung tat mit den Demonstranten das Übliche, und nahm die meisten fest.
Auf den Philippinen droht eine magere Reisernte. Die Preise für Reis könnten sich bald abermals verdoppeln. Die Regierung bestraft das Horten von Reis sehr scharf und will nun auf dem Weltmarkt Reis einkaufen. Dadurch steigen die globalen Preise weiter.
In Afrika sind 70 bis 80 % der Haushalte auf Lebensmittelimporte angewiesen. Im Senegal ist das traditionelle Nahrungsmittel Fisch für normale Leute mittlerweile unbezahlbar geworden.
In Pakistan müssen Lastwagen mit Weizen und Mehl von zusätzlichen Paramilitärs bewacht werden. Malaysia lässt Lebensmittel nur noch mit Sondergenehmigung aus dem Land.

Auch in den Industrieländern wird die Nahrung teurer. In den USA treibt diese Entwicklung mit die Inflation nach oben. In Italien gab es aus Protest über Preissteigerungen einen Pastaboykott. In Deutschland stiegen die Preise für Getreide, Futtermittel oder Milch seit Juni 2007 um 50 %.

Was angesichts dieses Weltproblems Sorge bereitet, sind nicht nur die negativen Folgen für andere gesellschaftliche Bereiche.
Im Senegal beispielsweise, droht der magere Bildungsstandart zu kippen, weil Kinder von den Schulen genommen werden, um arbeiten zu können. Überall auf der Welt nehmen die Konflikte um Land und Wasser zu. Wo Gesetze herrschten, drohen diese vom Kampf gegen den Hunger an die Wand gedrängt zu werden.

In Deutschland wird das Unvermögen, Probleme im Zusammenhang zu betrachten, besonders bei den momentanen Profiteuren der Entwicklung deutlich.

Die Getreidebauern freuen sich über einen Einkommenszuwachs von 12 %. Die Fleisch erzeugenden Bauern mussten sich mit 5 % Zuwachs begnügen. Die herrschende Scheuklappenmentalität der meisten Bauern zeigt sich im Ausspruch eines 90-Hektar-Bauern: "Nach einer langen Durststrecke können wir heute optimistischer in die Zukunft blicken."
In welche Zukunft will dieser Mann denn blicken? Wenn die wichtigsten Lebensvoraussetzungen langsam aber sicher und weltweit zerfallen, wie kann er sich nur an seinem kurzfristigen finanziellen Vorteil dabei laben?
Auch die deutschen Bauern werden eingeholt werden und abermals verständnislos dreinblicken. So haben sie es ja jahrzehntelang nicht anders fertig gebracht, haben ihrer ebenso kurzsichtigen Lobby geglaubt und den konservativen Parteien, die sich ach so bauernfreundlich, aber streng zukunftsunfähig geben.

Positiv wird gar hingestellt, dass sich auch die Viehbauern auf eine höhere Einkommenssteigerung in den nächsten Jahren freuen könnten. Was soll man da noch sagen? Auf die EG-Subventionen könnten sie aber dennoch nicht verzichten. Der 90-Hektar-Bauer: "Die Zeiten, in denen Schundpreise für unsere Erzeugnisse gezahlt wurden, sind Gott sei Dank aber vorbei."
Nach den Schundpreisen durch eine entregionalisierte und industriealisierte Landwirtschaft kommen unmittelbar die Mangelpreise durch eben diese lebensfeindliche Art der Landwirtschaft. Da kann sich auch nur ein deutscher Konventionalbauer freuen, heute freuen, denn morgen, wenn das für ihn ja so unberechenbare eingetreten ist, wird er wieder schreien! Und abermals wird er seinen Bauernverband wohl nicht als einen der wahren Schuldigen empfinden.

Besonders ernst wird es, wenn wir sehen, dass die vorgeschlagenen Gegenrezepte mittel- und langfristig betrachtet, allesamt kontraproduktiv sind. Die Politiker und Fachleute, die sich gegenwärtig zum Äußern von Alternativen berufen fühlen, sind lediglich fähig, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.
Laut dem Bericht der Süddeutschen sagt Daniel Basse von der amerikanischen Unternehmensberatung AgResource: "Aber wenn sich die Menschen so ernähren, dann brauchen wir zwei oder drei Globen, um sie zu durchzufüttern."
Prima -, was nützt der Welt eine solche Äußerung? Jahrzehntelang haben die Amerikaner geprasst, als hätten wir noch 5 Planeten im Kofferraum (-frei nach Jane Fonda-), jetzt, wo Inder und Chinesen sich auch einen Wohlstandsbauch anfressen wollen, merken sie, dass dies nicht geht.
Und prompt folgt der GAU aus dem Kopf des US-Ideologen Basse: "Wenn die Erträge durch die Gentechnik nicht bald erheblich gesteigert werden können, dauert der Preisanstieg bei Lebensmitteln noch mindestens zehn bis 15 Jahre".
Die Gentechnik solls also richten, obwohl wir doch längst wissen, dass dies nicht funktioniert, dass die grüne Gentechnik in der wilden und unübersichtlichen Praxis keine Ertragssteigerung einbringt, außer in den Bilanzen der Patentinhaber. Hat Basse hier vielleicht ein paar Aktienpakete?

Der Teufelskreis ist mit den üblichen ökonomischen Rezepten nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Ölpreis steigen sowohl die Preise für Dünger und Nahrungstransport, wie auch die Anreize zur Produktion von Bioenergie statt Nahrung.
Die Weltbank setzt nur auf Geldspritzen und Gentechnik. Die Lösung soll mit der Schädigung der Zukunftsmöglichkeiten und mit neuen Schulden bei den ungefragten nachfolgenden Generationen erkauft werden.
Auch dieses Rezept wird nach hinten losgehen.
Die wirkliche Lösung liegt im deutlichen Weniger in Industrieländern: Zurückschrauben des Energieverbrauchs auf 20 %, Stopp der Fleischproduktion, wenn diese nicht mit für Menschen ungenießbarer Biomasse betrieben werden kann, Abkehr von der industrieabhängigen Landwirtschaft, Verzicht auf Weltmarktprodukte um dort die Nachfrage nicht noch mehr zu steigern, intensive Förderung globaler Regionalprojekte gestützt auf lokale Ressourcen, usw., oder zusammenfassend gesagt: Abkehr von der Kapitalistischen Subventionswirtschaft zu Gunsten der Kategorischen Marktwirtschaft.

 

07.04.08

Wieder ein trüber Montag, sogar mit Schnee. Die Politik gibt heute kein Thema, welches zu kommentieren wert wäre.
Die olympische Fackel ist unterwegs, und in London hat es gestern Proteste gegen China gegeben. China ist empört, weil der Geist der olympischen Spiele in den Schmutz gezogen würde. Ohhhch, armes China. Heute sollen die Fackelläufer in Paris laufen. Vielleicht gibt es auch dort Proteste.
China wird sich wohl beim Durchlaufen jeder westlichen Stadt empören müssen. Der arme olympische Geist aber auch, dieses mal soll er der chinesischen Diktatorenclique dazu dienen, brutale Realitäten zu vertuschen.
Auch Gaddafi in Lybien hat jetzt 120 Sicherheitsfachleute mehr. Diese bösen deutschen Ausbilder aber auch, die Regierung hat nichts gewusst, Schröder nicht und natürlich auch Kanzlerkandidat Steinmeier nicht. Da braucht man den olympischen Geist nicht so dringend wie in China, denn schon jetzt ist klar: nichts Genaues wird heraus kommen.
Mugabe in Simbabwe hat keinen olympischen Geist, nur deshalb sieht er nach der Wahl dort so schlecht aus, oder nicht? Lassen wir doch die Fackel auch dort durchlaufen, vielleicht versengt die Flamme dort Mugabes Machtstreben und erleuchtet die Opposition.

Lichtenberg hat einmal gesagt: "Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen."
Auch die Mönche in Tibet kämen dann nicht so gut weg. Zumindest könnte der Schein der Fackel die vergangenen Herrschaftsstrukturen dort oben beleuchten, die Diktatur des Lamaismus damals mit Leibeigenschaft, Hände abhacken und Sippenmord. Gibt es heute nicht mehr, dass es dies einmal gab, kann die Fackel auch beleuchten.
Zu der damaligen tibetischen Kultur und deren Zusammentreffen mit dem chinesischen Konfuzianismus, gibt es heute auf Dradio einen kritischen Beitrag des Philosophen Ferdinand Fellmann. Da sieht auch der Dalai Lama etwas gesengt aus.

 

06.04.08

Gestern wurde hier einige Kritik geäußert an Zeitgenossen, die alljährlich ab dem Frühjahr bis in den Herbst hinein mit ihren Motormähgeräten enorm viel Lärm und Abgase verursachen. Um eine übersteigerte Vorstellung davon zu bedienen, wie kurz eine Grasfläche auf dem Grundstück gehalten werden muss, wiederholt sich das beliebte Ritual alle zwei Wochen.
Wenn es einmal kein Benzin und keinen Strom mehr gäbe, würden diese Leute keinen Grashalm mehr abgeschnitten bekommen.
Doch es gibt auch Alternativen zum umweltbelastenden Mähen. Hier will ich einmal schildern, mit welchen Mitteln bei uns das Gras geschnitten wird.

Für unterschiedliche Bereiche, vom kurzen Gras bis zur hohen Wiese, bieten sich auch unterschiedliche Gerätschaften und Methoden an.
Um kurzes Gras zu schneiden benutzen wir den Handrasenmäher.

Er ist schon viele Jahre alt, und stammt ursprünglich vom Sperrmüll. Das Gestänge musste auch schon mal verstärkt und geschweißt werden, aber dieses Ding kann Rasen mähen.
Allerdings erfordert es bestimmte Bedingungen und ist nicht so universell einsetzbar, wie ein Motorrasenmäher.
Das Gras darf nicht zu lang und sollte nach einem Regen relativ abgetrocknet sein. Die Schneidwirkung ist wie bei einer Schere, das Gras wird also eher abgeklemmt.
Weil dieser Mäher nicht mit der Wucht einer hohen Umdrehungszahl arbeitet, versagt er, wenn zuviel Material zwischen die Scheren kommt. Man muss also öfter mal Mähen, etwa 1 bis 2 mal in 14 Tagen und nicht warten, bis das Kraut zu dicht ist.
Der Untergrund sollte keine Löcher oder grobe Unebenheiten aufweisen, da sonst die Räder hineinrutschen und die Messer in die Erde mähen. Dieses ist beim Motorrasenmäher aber ebenso.
Das Gerät muss auch regelmäßig gewartet werden. Nach jedem Gebrauch sollte man es säubern, also Gras und Erdreste mit Wasser und eventuell Bürste abspülen. Auch sollte es schnell trocknen können um Korrosionserscheinungen minimal zu halten.
Gelegentlich, etwa ein bis zwei mal pro Saison, muss man die Einstellungen des Gegenmessers überprüfen und nachstellen. Mit einer Feile empfiehlt es sich, die Klemmkanten scharf zu halten, weil dann dadurch dichteres Gras mit weniger Kraftaufwand geschnitten werden kann. Ab und zu muss man auch mal die Antriebsmechanik in den Rädern säubern. Diese lassen sich leicht abzumontieren, um dahinter Gras und Erde entfernen zu können.

Hält man bestimmte Regeln ein, lässt sich eine Rasenfläche mit diesem umweltfreundlichen Gerät genauso sauber und kurz halten, wie mit einem Motorrasenmäher.
Sehr wichtig dabei:
Die Bedienung dieses Gerätes erfordert schon einen gewissen körperlichen Einsatz. Anders als beim gemütlichen Vorsichher-Schieben eines Motorgeräts oder gar beim bewegungsarmen Mitfahren auf dem Aufsitzmäher, muss hier immer ein gleichmäßiger Druck ausgeübt werden, ähnlich, als würde man einen mittelleichten Gegenstand auf einer Schubkarre den Berg hochschieben. An Stellen mit etwas dichterem Graswuchs muss auch mit etwas Schwung gearbeitet werden, oder man muss den Mäher öfter vor und zurück über eine Stelle am Boden schieben.
Beachten muss man auch die Richtung, wohin die rotierenden Messerschienen das abgetrennte Gras werfen. Landet es dort, wo noch nicht gemäht wurde, hat man dann mehr Material zwischen den Scheren. Günstig ist, bei leichtem Wind den Effekt zu nutzen, dass das Gras auf der fertig gemähten Seite des Geräts landet.

Manchmal jedoch passiert es, dass wenig Zeit war, zu lange mit dem Mähen gewartet wurde und das Gras so dicht gewachsen ist, dass es der Handrasenmäher nicht mehr abbekommt. Beim Schieben bleibt er ständig stehen, weil die Scherenmesser sich sofort verstopfen.
Dann kommt ein anderes wichtiges Mähgerät zum Einsatz welches sich, abgesehen mal von den letzten Jahrzehnten, seit Jahrhunderten überall auf der Welt bewährt hat: Die Sense.

Mit der Sense kann man auch nasses Gras schneiden. Man kann auch sehr kurz und sauber schneiden, was aber einige Übung erfordert. Die Länge des Bewuchses ist nicht wichtig, weil die Sense kurz über dem Boden abtrennt.

Wenn der Handrasenmäher überfordert ist, nimmt man den größten Teil des Bewuchses einer Rasenfläche zunächst mit der Sense weg, zieht diesen mit einem Rechen zusammen und kann dann mit dem Handrasenmäher eine gleichmäßige grüne Fläche hin bekommen.
Die Sense ist auch sehr gut für andere Einsatzgebiete geeignet. Im Prinzip mäht sie überall dort sehr gut, wo heutzutage nur noch die Motorsensen zum Einsatz kommen. Mit der Sense ist man meist sogar noch schneller als mit dem stinkenden Lärmgerät, vorausgesetzt man ist kein Anfänger.
Auch eine Sense muss gepflegt werden. Nach jedem Einsatz sollten in der Regentonne Gras und Erdreste abgespült werden. Man muss sie stets trocken aufbewahren, damit sie keinen Rost ansetzt, eben wie auch bei Motorsensen.
Zum Schärfen braucht man zweierlei. Zunächst ist natürlich ein guter Wetzstein unentbehrlich, aber hin und wieder muss die Schneide des Sensenblatts gedengelt werden, damit das Wetzen mit dem Stein auch eine länger stehende Schärfe erzeugen kann.
Dengeln eines Sensenblatts ist im Prinzip nichts anderes, als die vorderen 5 Millimeter des Blattes mittels Hammerschlägen kalt zu schmieden.
Zum Dengeln braucht man einen Dengelstock.

Mein Dengelstock besteht aus einem Rundholzklotz, in welchem der Kopf eines 1-Kilo-Hammers fest eingelassen ist. Die Finne oben ist etwa 5 Millimeter breit und ganz schwach gewölbt.

Um das Blatt aus dem Sensenbaum zu bekommen, braucht man einen Vierkantschlüssel, hier ein gekaufter und ein selbst gemachter. Zum Dengeln isr ein normaler 300-Gramm-Hammer gut geeignet.
Das Dengeln selbst ist eine Kunst für sich.
Hier kann ich es unmöglich beschreiben, ich müsste es in Form eines Kurses zeigen. Soviel sei gesagt: Dengeln heißt im Prinzip, eine etwa 4 Millimeter breite Zone an der Vorderkante des Sensenblatts durch gezielte Hammerschläge so dünn zu bekommen, dass hinterher mit wenigen Schwüngen des Wetzsteins eine rasiermesserscharfe Schneide entstehen kann, die zudem auch eine gewisse Zeit stehen bleibt. Das Metall darf dabei nicht wellig werden und keine Risse bekommen.
Das Dengeln gehört untrennbar zum Gebrauch einer Sense dazu. Es kann nicht durch Abschleifen an der Schleifmaschine ersetzt werden, was heute viele Sensenwillige ohne Dengelerfahrung versuchen.

Mit Handmäher und Sense, und mit etwas weniger Ansprüchen an das Mähergebnis, lässt sich überall ein Motorgerät ersetzen.
Würden diese Fertigkeiten wieder in Mode kommen und in Kursen geleert werden, könnte in Deutschland der Ausstoß von enorm vielen Abgasen eingespart und genau soviel Lärm erspart werden.
Und: Wer ohne Motor mäht, hat viel mehr Bewegung, treibt in gewissen Umfang Sport dabei und verbrennt überflüssige Kalorien sehr effektiv. Das absurde Verhalten vieler Rasenbesitzer, die erst mit Aufsitzmäher fast unbeweglich ihre 500 qm rasieren und anschließend eine Stunde joggen gehen, könnte so überflüssig werden.
Schließlich: Auch der Natur bei den Siedlungen käme eine andere Mähweise zu gute. Ganz einfach weil es zu mühsam wäre, eine große Wiese von Hand zu mähen, würden Ecken davon ungemäht stehen bleiben und vielen Tieren als Behausung und Futterplatz dienen.


05.03.08

Von Colsky:

Eine Spezies in Deutschland, die in den letzten Monaten Winterschlaf gehalten hat, beginnt seit gestern zu erwachen.
Schuld ist der Kalender und auch der Wetterbericht gestern: am Nachmittag war es noch freundlich und trocken, ab heute ist wieder Niederschlag angesagt. Also wurde der gestrige Nachmittag reich genutzt, um die ersten Aktivitäten für das beginnende Jahr zu zeigen.

Zu allererst bekommt man diese Spezies zu hören. Nichtsahnend geht man am Mittag durch den Garten und vernimmt aus Norden ein deutliches Röhren.
Sofort weiß man, dieses Exemplar ist mit einem 40 ccm Zweitaktmotor ausgestattet, der offensichtlich über eine hohle Stange eine Plastikfadenrolle unten am Boden antreibt. Wahrscheinlich hat der Auspuff über die Zeit des Winterschlafs etwas gelitten und ein Löchlein bekommen. Die Funktion ist dadurch aber keineswegs eingeschränkt. Der "Freischneider" kann trotzdem benutzt werden.
Geht man dann neugierig zur Straße und schaut nach schräg gegenüber, erkennt man den einen Nachbarn, ausgestattet mit Schutzbrille und Kunststoffschalen über die Ohren, in Fachkreisen auch Micky-Maus genannt, wie er mit seiner Motorsense, den kreischenden Zylinder direkt hinter dem Schädel, versucht, möglichst weit unter der Buschreihe die ersten vorwitzigen Grashalme zu erwischen.

Der Nachbar auf der anderen Seite betreibt am liebsten seinem Aufsitzmäher. Gestern konnte er seiner 2000 qm großen Wiese hinter der Scheune nicht erlauben, mehr als 7 Zentimeter Gras aus dem Boden zu schieben.
Um das Event abzurunden nimmt er seinen vierjährigen Enkel vor sich auf den Schoß und fährt mit ihm zusammen seine enger werdenden Runden. Der Enkel hat sichtlich Spaß dabei und fragt seinen Opa schon mal nach dem Brumbrum.

Der Nachbar straßenaufwärts ist ebenfalls gut ausgestattet. Er besitzt einen 5 PS-Mulchmäher, mit dem sich auch etwas längeres Gras in Facon bringen lässt und fein verteilt liegen bleibt. Produktbeschreibung:" Durch die besondere Gehäuseform wird das Mähgut nicht nur abgetrennt, sondern wiederholt in die kräftigen Messer geführt, bis es fein zerkleinert ist."
Fein zerkleinert werden auch Blindschleichen und anderes Kleingetier. Dieser Nachbar allerdings schafft es nicht so recht, den richtigen Mähzeitpunkt zu erwischen, weshalb der dann zu dichte Filz seiner Wiese der Maschine arg zu schaffen macht.
Akustisch ist dies daran zu erkennen, dass nach einigen Minuten hochtouriger Fahrt plötzlich Stille herrscht. Manchmal, und dies ist überhaupt nicht zu überhören, findet er auch einige der Steine, die auf seinem Grundstück herumliegen.
Ich habe aufgehört, mir die Frage zu stellen, wieso er diesen Schutt unter dem Gras nicht einmal vollständig einsammelt, um nicht in jedem Jahr die einzelnen Brocken beim Mähen wieder zu entdecken.
Der Mulchmäher zeigt die exakte Fundstelle zuverlässig an. Nach einigen Minuten heulenden Mulchgemähes tut es plötzlich einen lauten Schlag durch das Tal und es herrscht Stille. Sodann wird der Motor wieder angeworfen und es geht so weiter. Dass dies die Maschine aushält, bis heute?

Ein weiterer Nachbar benutzt einen Rasenmäher der klassischen Form, nur recht groß und mit grüner Grasfangbox. Alle paar Minuten hört man ein Klackern, wenn er anhält und die Box zur Seite hin leert.
Der erste Nachbar, der mit dem Enkel auf dem Sitz, fährt den Fangboxinhalt seines Aufsitzmähers auf einen großen Haufen. Dieser Haufen wird aber nicht zum Kompostieren aufgesetzt und mit dem Humus dann das Gemüse gedüngt, sondern er wird weggefahren und zum Düngen Mineraldünger im Landhandel gekauft.

Dann gibt es noch östlich einen weiteren Aufsitzmäherfahrer. Dieser scheint am liebsten an windstillen Tagen zu mähen. Öfters schon ist es vorgekommen, dass nach zwei Stunden, nur von Nachtankphasen unterbrochenem gleichförmigen Getöse, das Tal mit einem feinen Schleier weißgrauem Dunstes belegt ist, süßlich streng nach halbverbrannten Kohlenwasserstoffen riechend. Da hält man sich lieber im Haus auf und wartet, bis ein feines Lüftchen kommt und dei Abgase in andere Schichten weht.

Und nicht vergessen darf ich die zehn Parteien meiner Mitbürger, die an der Bach entlang ihre Gärten betreiben. Allmählich kommen dort jetzt, neben Motorsensen auch die berüchtigten Motorhacken zum Einsatz.
Die Zweitaktgeräte sind noch in der Überzahl, sind sie doch leicht an dem typischen gusseisernen Geröhre und an der mächtigen weißen Qualmwolke zu erkennen. Die armen Leute schleppen sich schwer atmend und offenbar unwillig gezogen wie ein störrischer Hund an der Leine, hinter dem wild die Grundschollen zerschlagenden Messerwerk her.
Ob ihnen die halb- oder unverbrannten Benzin- und Öltröpfchen in ihrer Atemluft einen besonderen Kick verschaffen, kann ich nicht sagen.

Interessant fände ich es, einmal auszurechnen, was alleine in unserer 500-Seelen-Gemeinde alljährlich an Treibstoff durch die Motoren gejagt wird, nur um das Gras auf gewünschter Höhe zu halten. Und dann erst hochgerechnet auf die gesamte Republik?
Dabei hat ja jeder so seine eigenen Schnittvorstellungen.
Ja diese Vorstellungen werden im Prinzip erst von den technischen Möglichkeiten geformt. Was die neueste Mähtechnik an Ergebnissen zu bringen in der Lage ist, wird bei vielen Leuten mit übersteigertem Ordnungssinn gegenüber wild wachsender Pflanzen ums Haus, schnell zum Standart. - "Schau mal wie sauber es beim Nachbarn auf der Wiese ist, so wollen wir es auch haben, - auch haben, - auch haben!"-

Keiner dieser Leute scheint sich über die Auswirkungen ihrer pathologischen Gras-Ab-Bemühungen Gedanken zu machen, oder soll ich annehmen, sie fahren auf dem Allradmäher mit schlechtem Gewissen durch die Gegend?
Wie viel fossile Treibstoffe werden hier Jahr für Jahr teilverbrannt in die Atmosphäre gepustet, nur um einen krankhaften Furz, einen umweltschädigenden Ordnungstick zu bedienen?
Alle scheinen zu meinen, weil es alle tun, sei dies schon in Ordnung.
Ob der Ausstoß von Abgasen oder die Erzeugung von Lärm, keiner dieser Strategen im Freizeitanzug scheint auch nur die Spur einer Sorge zu haben, dass er andere regelmäßig erheblich belästigt.

So wird auch in diesem Bereich das Fatale und Ungehörige zur Normalität, eben weil die Technik es erlaubt und der Staat keinerlei Einschränkungen zum Schutz Unbeteiligter vorsieht.
Oder gab es schon mal einen Politiker, der die gigantische Lärmbelästigung für Dritte und die Belastung der nachfolgenden Generationen durch die Abgase von Mähmaschinen zum Thema gemacht hätte?
Nach den Rauchern will man doch nicht einen weiteren großen Wählerstamm, die der Schweigenden und Mähenden, der Braven und ansonsten Stillen nicht verärgern.

Morgen will ich etwas über umweltfreundliches Mähen schreiben.

 

04.03.08

US-Präsident Bush hat sich noch einmal durchgesetzt. Die Radaranlage für ein Raketenabwehrsystem in Europa soll in Tschechien gebaut werden.

Immer noch findet der amerikanische Kriegstreiber weltweit andere Politiker, die so naiv sind, um auf seine Lügenketten zu Gunsten der amerikanische Radar- und Raketenindustrie hereinzufallen. Condoleezza Rice hat erfolgreich ihren tschechischen Kollegen Schwarzenberg bequatscht.
Die tschechischen Staatsbeamten, seit dem Fall des eisernen Vorhangs unfähig, zu einem eigenen Profil zu kommen, scheinen froh zu sein, vom großen Bruder so berücksichtigt zu werden.
Man ist erinnert an den zuneigungssüchtigen Jugendlichen, der nach Verweigerung von Liebe, Verständnis und Anerkennung, sich nun auch mit der Erlaubnis zufrieden gibt, die Stiefel seiner angebetenen Autoritätsperson lecken zu dürfen.
Absolut entwürdigend, was die tschechische Regierung sich da erlaubt, und vor allem, auch die eigene Bevölkerung wird einfach übergangen.

Am Mittwoch war auf Dradio eine kurze Reportage über den Widerstand der tschechischen Gemeinden zu hören, in deren Nähe die Radarstation errichtet werden soll. Alle Bürgermeister der Gegend lehnen die Pläne entschieden ab. Auch die Bevölkerung ist zu 99 % dagegen. Von allen Tschechen sagen immerhin noch zwei Drittel nein zu den Plänen von Bush und seinen tschechischen Kollegen.
In der betroffenen Region verlangt man eine Volksabstimmung zu dem Thema. Verschiedene Gründe gegen die Militärstation werden von der Bevölkerung angeführt.
Viele wollen keine fremden Soldaten mehr in der Gegend haben. Nach Jahrzehnten der sowjetischen Besatzung und als militärischer Sperrbezirk, ist man sehr empfindlich gegenüber fest stationierter Soldaten vor der Haustür. Die Leute fürchten, ein Ziel für Terroristen zu werden.
Es behagt ihnen absolut nicht, dass jetzt eventuell russische Raketen auf Tschechien ausgerichtet werden. Sehr große Angst hat man davor, krank zu werden. Das Internet bietet den Bürgermeistern die Möglichkeit, sich über die mögliche Belastung durch Radarstrahlen zu informieren.
Die Amerikaner schreiben dort selbst in einer Tabelle, dass das Radar noch in einer Entfernung von 36 km schädlich ist. Dieser Wert betrifft eine Basis in Norddakota, während die Basis in Tschechien eine deutlich höhere Leistung haben soll. Die Menschen wissen sehr genau, dass ihr Premierminister sie diesbezüglich glatt belügt.
Die Regierung redet mit den betroffenen Menschen in der Region nicht, sie verspottet sie eher als Dörfler, die in Regierungsentscheidungen nicht reinzureden haben.

Eines haben die Tschechischen Politiker schon begriffen: Will man zu der angeblich demokratischen Weststaatengemeinschaft gehören, darf man es mit der Wahrheit, mit den Grundrechten und der Demokratie nicht so ernst nehmen.

Bleibt schließlich die Frage übrig, wieso im Prinzip alle ehemaligen Ostblockstaaten solche Lügner, ökonomische Dilettanten und militärische Opportunisten in die Staatsämter wählen, bzw. wieso dort nichts besseres, nichts Eigenständiges, unparteiisches oder vorausschauendes an Volksvertretern an die politische Macht gelangen kann.
Die Gründe werden ähnlich wie hierzulande sein, man hat keine Vorstellung von möglichen Alternativen zu militärischer Blockpolitik und kapitalistischer Subventionswirtschaft. Also nimmt man beides an, notgedrungen und mit Bauchweh, und hat tagtäglich viel damit zu tun, den vielfältig ausgelösten Niedergang der Gesellschaft zu verdrängen.
Im Osten ist nur die Sucht nach quantitativem Wohlstand größer, den man jahrzehntelang nur wie hinter der Glasscheibe betrachten konnte und ihn jetzt ergreifen will, und dieses macht blind angesichts der existentiellen Notwendigkeit, nach etwas besserem zu suchen.


03.03.08

Umweltminister Gabriel hat sein Vorhaben, dem Normal- und Superbenzin Biokraftstoffe beizumischen, relativiert. Wenn mehr als 1 Million Fahrzeuge diese Beimischung nicht vertragen würden und das teurere Superplus tanken müssen, will er das Vorhaben abblasen. Damit ist die Erhöhung der Beimischung von 5 % auf 10 % vom Tisch.
Über die zweifelhafte Wirkung einer Beimischung von Bioethanol zum Erdölsprit und die Gefahr für die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln, handelte schon der Blogbeitrag vom 21. Februar 2008.
Die jetzige Entscheidung ist also eigentlich zu begrüßen, aber was soll man von den Erklärungen aus dem Umweltministerium halten?

Von dort bekundet man, wegen sozialer und wirtschaftlicher Folgen wolle man die Verordnung nicht in Kraft treten lassen.
Ja was denn jetzt? Erst verkündet man die Biospritaktion als notwendigen Beitrag zum Klimaschutz, dann aber bläst man alles ab, weil zu viele Autofahrer mehr zahlen müssten. Je mehr Klimaschutz wir jetzt unterlassen, desto teurer kommen uns die Klimafolgen in den nächsten Jahren.
Es geht hier also wieder nur um Wahlkampf und Scheinpolitik. Um die gegenwärtige Wählerschaft nicht allzu sehr zu verärgern, lässt man lieber die nachfolgenden Generationen zahlen. Glaubt man denn, Klimaschutz, bzw. die Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes bekäme man zum Discountpreis?
Oder die andere Frage, wieso weiß das Umweltministerium nicht, wie es mit der Verträglichkeit der Fahrzeuge in Deutschland beim tanken von Ethanol denn aussieht? Wieso kennt man hier keine Details und keine Zahlen und prescht blind in ein Dornengestrüpp? Wenn der ADAC von drei Millionen benachteiligten Fahrzeugen spricht, der Verband der Automobilindustrie aber nur von 375.000, wie will das Umweltministerium denn die realistische Zahl ermitteln?

Wie soll denn nun der schlechte Eindruck wieder entkräftet werden, bei der ganzen Geschichte hätte es sich doch nur wieder um einen vorschnellen Aktionismus der Zuständigen Behörde gehandelt, lediglich dazu gedacht, ein Handeln gegen das Klimaproblem vorzutäuschen?
Viele Autofahrer in Deutschland mitsamt ihren Lobbyorganisationen, werden aufatmen. Sie, deren Verstand mit dem Gaspedal ihres Fahrzeugs fest verwachsen ist, und die schon früher mal, gelegentlich gar mit Aufklebern, betonten, ihr Auto würde auch ohne Wald fahren, denken im Stillen, ihr Auto fährt auch bei abschmelzenden Gletschern, extremem Wetter, Sturm, Starkregen und Trockenheit.

Umweltpolitisch war der Vorschlag von Gabriel immer schon eine Missgeburt. Biokraftstoffe haben nur in sehr engen Grenzen eine Berechtigung. Sie sind keineswegs geeignet, das Klimaproblem zu entschärfen, weil für Produktion und Transport von Ethanol und Biodiesel enorm viel Energie aufgewendet werden muss, vor allem aber, weil man das weltweite Ernährungsproblem dramatisch verschärft.
Einen besseren Vorschlag hat Gabriels Behörde aber nicht zu bieten. Man ist dort lediglich auf einen Austausch des Treibstoffs für den Wohlstands- und Wachstumsmotor unserer Gesellschaft fixiert, nicht aber auf ein deutliches Zurückfahren und auf teilweisen Verzicht auf die Arbeit dieses Motors.

Hier liegt das eigentliche Problem. Nur mit Verzicht ist das Klimaproblem in den Griff zu bekommen und nicht mit einer Verlagerung von fossilen auf Biotreibstoffe.
Immerhin zeigt die Aktion Gabriels, wie sehr das Umweltministerium dilettantisch durchsetzt ist, wie sehr man von echtem Klimaschutz entfernt ist und wie unbeweglich die Repräsentanten des herrschenden Wirtschaftssystems in Sachen -Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen- tatsächlich sind.
Mit einer Umklammerung vorgegebener Sachzwänge, Unterwürfigkeit gegenüber einflussreichen Scheuklappenträger aus den Autoverbänden und strikter Berührungsangst vor Perspektiven nach blankem Verzicht von Emissionen, ist keine Klimapolitik zu machen. Schade um die Bezüge, die Umweltpolitiker für ihre ärmlichen Darbietungen kassieren.


02.04.08

Ein Freund von mir, ebenfalls Mitglied im Verein Zukunftslobby, war letzte Woche in Irland. Irland, die grüne Insel mit teils felsigem, teils sumpfigem Untergrund, vielen Schafen und wilden Mauern, kargem Gehölz und bescheidenen, Guinness trinkenden Einwohnern, so das gängige Klischee.

Mittlerweile aber sieht Irland anders aus, nicht auf den ersten Blick. Man muss seinen Touristenblick etwas ausweiten und die vielen modernen Details aneinander reihen. Hinter Fassaden, in den Häuserzeilen, in den Gräben der Wiesen und Wege oder auf den Straßen zeigt sich ein verändertes Irland.
Irland, das Wirtschaftswunderland, so hieß es bis vor einigen Jahren. Auch wenn keine Ernüchterungsmeldung verbreitet wurde, ist Ernüchterung dabei, dort einzuziehen.

Irland ist immer noch arm. Die Häuser in den Regionen sind entweder schäbig oder modernistisch aufgeblasen. Die neu gemachten Straßen fahren sich wie Feldwege, offenbar wurden die Straßenbauer nur schlecht bezahlt, nur für den schönen Schein, dass sie sich rächen mussten mit schlechter Arbeit.
Die Iren verschulden sich wie nie zuvor. Hauptsache ein neues Auto steht vor der Tür, eines aus Deutschland oder Japan. Strahlend hebt es sich vom brückelnden Putz des Hauses ab, vor dem es geparkt wurde.
Isolierglasfenster scheinen hier unbekannt zu sein, genauso wie andere Methoden der Wärmedämmung. Die Dachüberstände der Gebäude sind sehr viel schmaler, als in unseren Breiten, oftmals beschränkt sich dies auf die Regenrinne. Die Wände werden permanent durchnässt, zumindest auf der Windseite.
Früher hat man auf breite Dachüberstände in windreichen Gebieten verzichtet, heute sollte dieses konstruktiv kein Problem mehr sein. Doch bis zu Irlands neuen Einfamilienhäusern hat sich dieser einfache Schutz der Bausubstanz noch nicht herumgesprochen. So wird eben geheizt was die Öfen hergeben.

Irland wird mehr und mehr vermüllt.
Überall finden sich in Gräben, Senken und im Gestrüpp Mengen von Abfall, meist Verpackungsmüll, leere Getränkebehältnisse und Plastik, aber auch Elektronikgeräte, Autowracks und ganze Boote, die langsam vor der Witterung kapitulieren und ihre giftigen Substanzen an den Boden abgeben.
Kein Dosenpfand, ja nicht mal ein minimaler Standart zur Mülltrennung existiert in Irland. Und weil die Einwohner auch keine Ahnung über die Folgen ihres Tuns zu haben scheinen, wird aus der grünen Insel bald die mit allerlei Wohlstandsresten betupfte Insel werden.
Um ihre Bevölkerung vor dem Alkoholismus zu schützen, hat die Regierung alkoholische Getränke arg verteuert. Für das allerbilligste Bier zahlt man im Geschäft 1,25 Euro für die Halbliterdose. Normal sind zwischen zwei und drei Euro. In den Pubs wird man arm, wenn man nur Bier trinken will.
Gegen die Müllflut dagegen fällt den Iren keine ebenso drastische Maßnahme ein.

In Irland hat man vor etlichen Jahren die Weichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung gestellt, aber eben nur nach dem altbekannten Muster und ohne irgendeine Berücksichtigung langfristiger Folgen.
Mit niedrigen Steuersätzen, Deregulierung und mit Verzicht auf Umweltauflagen wurden ausländische Firmen zur Ansiedlung ermuntert.
Jahrelang wurde die Insel als Vorzeigeobjekt in Sachen Wirtschaftswachstum gehandelt. Wachstumsgedopte Politiker, profitorientierte Unternehmer und neurotische Ökonomen, das allgegenwärtige Dreigestirn der modernen Pest, wurden nicht müde, die einseitigen statistischen Wohltaten als Segen ihrer fatalen Ideologie zu preisen.
Langsam wird es still um Irland. Der Profit ist weitergezogen, die Insel bald abgegrast, neue Länder im Osten, naiv und gutgläubig genug um erfolgreich untergraben zu werden, sind im Visier.
Ich erinnere mich noch an eine Seite einer Tageszeitung im letzten Jahr, wo oben die Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen mit Estland gefeiert wurden, Politiker im feinen Zwirn, grinsend auf einem Foto, und direkt darunter ein anderer Artikel über die dramatischen Folgen für Landschaft und Grundwasser in Estland durch den großflächigen Abbau von Torf zu Exportzwecken.

Soll das immer so weiter gehen? Zum Ausschlachten stehen nach den baltischen Staaten, Rumänien und Bulgarien bereit. Auch dort finden sich Politiker, die mit unsinnigen Versprechen und blödsinnigen Verheißungen die Bevölkerung zum Abnicken bringen, zum Abnicken der Teilnahme an der Strohfeuersaga in Europa.
Eins nach dem anderen werden diese Länder regelrecht abgefackelt und einem kurzzeitigen Profit geopfert. Den Zweiflern und Ungebildeten wird so bis heute das scheinbare Funktionieren einer Wirtschaftsideologie vorgegaukelt, die im Grunde, langfristig betrachtet, zu nichts anderem taugt, als unsere natürlichen Lebensgrundlagen und vor allem die unserer Nachkommen für lange Zeit zu entwerten.

Reden wir nicht von Heuschrecken in Form großer globaler Konzerne und Finanzfonds. Reden wir lieber über das Heuschreckenphänomen in den Köpfen unserer eigenen Politiker und Unternehmensführer. Diese Gefahr ist sehr viel präsenter und verhängnisvoller für unsere Gesellschaft.

 

01.04.08

Viele der heutigen Meldungen in meiner Tageszeitung auf Probeabo könnten auch Aprilscherze sein.
Die öffentlichen Haushalte hätten 2007 erstmals seit 1969 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dank gestiegener Steuereinnahmen und nur gering gestiegener Ausgaben ergebe sich ein Überschuss von 10,9 Milliarden Euro für dass vergangene Jahr. Der Bund ist laut Statistischem Bundesamt dabei in den Miesen geblieben, während Länder und Gemeinden besser abschnitten. 2006 gab es noch ein Minus von 18,7 Milliarden.
Insgesamt hat die öffentliche Hand 301,4 Milliarden neue Schulden aufgenommen und gleichzeitig 292,7 Milliarden getilgt.
Die Gesamtschulden erhöhten sich auf 1,499 Billionen Euro. Gibt es denn ernsthaft einen Grund zu Jubeln? Wohl nur für Leute, die das magische Wort "schwarze Zahlen" nicht in Beziehung zum sonstigen Stand der Zahlen um Einnahmen und Schulden setzen. 2008 wird es wieder ganz anders aussehen. Der Trend geht auch trotz eines mehrwertsteuergesponserten Jahres weiter bergab, und nur dieser Trend ist für die Gesellschaft ausschlaggebend.

Die Bahn versichert, in 2008 die Preise nicht erhöhen zu wollen. Nach großem Wehklagen über die wahrscheinliche Verteuerung durch die Tarifergebnisse für die Lokführer, ist selbst Mehdorn vom Gewinn der Bahn überrascht. Das größte Argument der Bahnprivatisierer, die Bahn bräuchte "frisches Geld von der Börse" ist damit auch entkräftet. Gleichzeitig erhöht sich natürlich auch die Attraktivität für Investoren an einer Beteiligung am Bahngeschäft.

Frankreichs Sarkozy will sich nun auch mit einer neuen Natopolitik profilieren. Er sichert ohne Not gleich mal ein paar Soldaten für Afghanistan zu, die in dem Bush-Krieg verheizt werden können. Was wird dieser Irre noch alles anstellen?

Der Mindestlohn ist nur für 7 Branchen mit weniger als 1,5 Millionen Beschäftigten erstrebenswert. Nur diese haben bis gestern die Aufnahme ins Entsendegesetz beantragt, um verbindliche Lohnuntergrenzen zu bekommen. Arbeitsminister Scholz spricht von einem "gigantischen Erfolg", Pofalla, CDU-Generalsekretär von der "Fatalsten Fehleinschätzung der SPD" in den letzten Jahren.

Alles Klar? - April, April!