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Mai 2008

 

Mai 2008

31.05.08

Auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn sind jetzt gegen Ende die Politiker aufgetreten. Kanzlerin Merkel machte mit eifrigem, aber inhaltsleerem Gerede den Versuch, die totale Ergebnislosigkeit der Konferenz noch abzuwenden. Wie immer wurde etwas Geld für kleine Trostpflaster in Aussicht gestellt.

Umweltminister Gabriel betrachtet die Konferenz als Erfolg. Dieses kann er auch nur deshalb sehen, weil er die Tragweite dessen nicht überblickt, was einen tatsächlich und nachhaltig funktionierenden Schutz der Artenvielfalt erst ermöglichen würde.
Nicht ein nachgelagerter und sehr teurer Schutzkatalog, der zudem an etlichen bürokratischen Knoten und unüberprüfbaren Institutionen scheitern würde, wird hier gebraucht, sondern allein die vorgelagerte Verhinderung jeglicher Schädigung durch Umbau der ökonomischen Voraussetzungen muss auf den Weg gebracht werden. Es dürfen sich überhaupt keine Begehrlichkeiten auf die Naturschätze mehr regen, die Nutzung dieser Schätze darf überhaupt keinen Profit mehr versprechen, - nur dann sind diese Schätze auf Dauer geschützt.

So redet der Umweltminister in den immer gleichen Phrasen, stellt eine perfekte Betroffenheit zur Schau und lässt jede Idee zu einer grundlegenden Lösung vermissen.
Mit einer warnungsvollen Rede eröffnete Gabriel am Mittwoch das "High Level Segment". So wird die Endphase der Bonner Konferenz genannt, in der sich die Politiker zu Wort melden.
Nach ihm kam Kanzlerin Merkel, tat einerseits ebenso aufgeschreckt angesichts des Artenschwunds, und ebenfalls routiniert zuversichtlich angesichts der möglichen Balsamwirkung zugesagter Gelder. Die deutschen Mittel für den internationalen Naturschutz sollen innerhalb der kommenden Jahre um Milliardenbeträge aufgestockt werden. (Presseerklärung dazu)

Am Donnerstag wurden die ersten Ergebnisse einer neuen umfangreichen Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen vorgestellt. Die Studie -Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität- (The Economics of Ecosystems and Biodiversity – TEEB) wurde von dem Ökonomen Pavan Sukhdev von der Deutschen Bank präsentiert. Die Studie war von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und EU-Umweltkommissar Stavros Dimas 2007 nach einer Konferenz in Potsdam in Auftrag gegeben worden. Die vorläufigen Ergebnisse sind Teil eines größeren Projekts, dessen Abschlussbericht 2009 vorliegen soll.
Über die Umstände dieser Studie und wie umfangreich die Untersuchungen waren, werde ich hier noch ausführlicher berichten.
Eine zweite Phase ist schon angelaufen, und bis 2009 sollen noch differenziertere Ergebnisse auf dem Tisch liegen.
Lesenswert ist schon mal eine kurze Hintergrundmeldung für die Presse. Als etwas überzogen kann man die Einschätzung werten, der Verfasser Pavan Sukhdev habe ein „umfassendes und überzeugendes Geschäftsmodell für die Erhaltung der biologischen Vielfalt“ vorgestellt.

Immerhin wird ein grundsätzlicher Zweifel an der kompletten Dynamik der gegenwärtigen bestimmenden Ökonomie geäußert:
Nach Aussage von Pavan Sukhdev, Abteilungsdirektor bei der Deutschen Bank, zeigt der Zwischenbericht, dass „wir derzeit versuchen, mit einem veralteten und fehlerhaften Wirtschaftskompass in unbekannten und stürmischen Gewässern zu navigieren, und dass dies unsere Fähigkeit, eine nachhaltige Wirtschaft im Einklang mit der Natur zu schaffen, beeinträchtigt“.

Prima Herr Sukhdev, die Kategorische Marktwirtschaft böte hier den zuverlässigeren Kompass an. Nur müssten wir den "veralteten und fehlerhaften" Kompass, der uns auch über das Thema Artenschutz hinaus, nur noch in die Irre führt, endlich konsequent über Bord werfen. Mit zwei völlig unterschiedlich geeichten Richtungszeigern ist eine zielgerichtete Navigation aussichtslos.

Bis dahin belustigen wir uns zähneknirschend weiter mit Meldungen wie dieser: "Die Europäische Kommission hat sich dazu verpflichtet, den Verlust der Artenvielfalt in Europa bis 2010 aufzuhalten."

 

30.05.08

Auf Deutschlandradio Kultur lief diese Woche ein Themenschwerpunkt Schule und Ausbildung. Heute sind die berufsbildenden Schulen an der Reihe.
Seit Montag konnte man immer wieder sehr informative Berichte zum Thema und etliche Interviews mit Fachleuten und anderen Betroffenen hören.
Wie man es von Dradio kennt, wird das Feld sehr sorgfältig beackert. Etliche strittige Aspekte zwischen dem Wunsch der Bildungspädagogik und der Realität der Bildungspolitik wurden deutlich.
Positives am deutschen System wurde gut herausgestellt, aber auch Defizite besprochen.

Die vielen Beiträge zum Thema kann man auf dradio.de nachlesen, etwa in der Sparte Interviews, politisches Feuilleton und sonstigen Berichten.

 

29.05.08

Derzeit versuchen die deutschen Milchbauern mit Hilfe eines Lieferboykotts zu erreichen, dass ihnen von den Großmolkereien wieder ein höherer Preis für ihr Produkt gezahlt wird. Etliche tausend Bauern schütten ihr Melkgut in den Ausguss, weil sie meinen, so die Aufkäufer durch Erzeugung eines Mangels an Milch unter Druck setzen zu können.

Durch ein Überangebot auf dem Markt war der Literpreis stark abgesunken, eigentlich ein logischer Vorgang in einer Marktwirtschaft. Dieser Markt ist nicht mehr wie früher auf Regionen begrenzt, sondern ebenfalls im Begriff globalisiert zu werden. Für die Milchaufkäufer hat sich deshalb ein Vorteil entwickelt, der die Aktion der Milchbauern jetzt schon absehbar im Sande verlaufen lässt.
Ist die Solidarität in Frankreich beispielsweise auch groß, es wird nichts nützen, weil andere europäische Milcherzeuger, etwa aus Holland oder Polen die Lücke schnell füllen werden.
Die Großmolkereien brauchen nur die Lieferanten zu ändern. Längst wird auch Milch, obwohl fast überall vor Ort erzeugbar, über tausend Kilometer quer durch den Kontinent transportiert, und wird auch bald aus Übersee kommen. Auch chinesische Milch kann dann in unseren Kühlschränken landen.

Leider haben die Milchbauern nicht begriffen, dass ihr Kampf aussichtslos bleiben muss. Früher mag ein Lieferboykott hilfreich gewesen sein. Wenn eine Molkerei keinen anderen Lieferanten bekommen konnte, musste sie sich mit dem alten Milcherzeuger einigen. Diese Zeiten sind vorbei und werden auch nicht wiederkehren, solange das gegenwärtig herrschende ökonomische System beibehalten wird.

Völlig anders sähe die Sache aus, wenn alle ökologischen Schäden, die bis zur Erzeugung der Milch verursacht wurden und auch alle Schadkosten durch Transport und Verarbeitung bis ins Geschäft, wo wir dann die Milch kaufen, vollständig in den Preis des Liters Milch eingerechnet werden müssten.
Auf den Milchpreis würde sich dann deutlich auswirken, wie stark der Milchbauer in seinem Betrieb Maschinen einsetzt und Agrarchemikalien verwendet.
Zudem wäre die Entfernung von der Molkerei, welche die Milch verarbeitet, ein bedeutender Faktor. Gütertransport heute, auch der von Milch, ist mit erheblichem Ausstoß von CO2 und anderen Abgasen verbunden. Zudem kommen etliche andere Nachteile, die ebenfalls dem Warentransport anzulasten sind, wie Lärm, Vergiftungen durch Reifen- und Bremsenabrieb, Landschaftszerstörung durch Straßen und Schienen, die Produktion der Transportmittel, usw., einfach alles, was auch nur entfernt mit dem Gütertransport, hier dem Transport der Milch in Verbindung steht.

Würden solche Faktoren in der Art zu wirtschaften berücksichtigt, wäre die regional und biologisch erzeugte Milch für die Molkerei auch die günstigste.
Der Transport schlüge derart zu Buche, dass sich sogar eine Regionalisierung der Molkereibetriebe durchsetzen würde. Wie früher gäbe es kleine und mittlere Molkereien in jedem Landkreis, von wo dann auch die Geschäfte ihre Milchprodukte beziehen würden.

Momentan, in der gegenwärtig herrschenden neoliberalistischen Subventionswirtschaft, wird Milch durch Abwälzung erheblicher Schadkosten auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen, künstlich verbilligt. Die mit der Bereitstellung verursachten Schäden, zunächst nicht im Milchpreis enthalten, kommen etwas später in Form von Umweltkosten auf uns zu, und dieses nicht nur wahrscheinlich, sondern mit 100%iger Sicherheit. Nur werden wir diese Kosten dann nicht mehr mit der Milch in Beziehung setzen.
In der Kategorischen Marktwirtschaft, dem nachhaltigen ökonomischen Modell von Zukunftslobby, wäre der Liter Milch etwas teurer als derzeit. Wir könnten damit aber sicher sein, dass uns nicht irgendwelche zuvor externalisierte Kosten noch ein gutes Stück einholen werden.

 

28.05.08

In Leipzig kommen heute Verkehrsminister aus 51 Staaten zum sogenannten Weltverkehrsforum der OECD zusammen. Drei Tage lang will man über das Thema Verkehr und Klimawandel diskutieren.
Nach einer Studie des Bundesverkehrsministeriums sollen bis zum Jahr 2025 doppelt so viele LKWs auf deutschen Straßen unterwegs sein, wie heute. Wie die Steigerung von 500.000 LKW TÄGLICH auf dann 1 Million täglich verkraftet werden soll, steht in den Sternen. Deutschland ist auf Grund seiner zentralen Lage Haupttransitland in Europa.

In einem Interview auf Deutschlandradio hat Bundesverkehrsminister Tiefensee unfreiwillig deutlich gemacht, dass es noch viel schlimmer kommen wird mit der Belastung der Bevölkerung durch das allgemeine Verkehrsaufkommen. Vorab hat er vorgeschlagen, die Mautgebühren in der Nacht zu senken, wie auch die Steuern für Firmen, die verstärkt die Bahn zum Gütertransport nutzen.
Auf die Frage, wieso denn die Annahmen nach einem Zurückgehen des LKW-Verkehrs so daneben liegen konnten und dieser eher drastisch zunimmt, meint Tiefensee, niemand hätte geglaubt, dass die internationale Verflechtung, insbesondere mit Asien, und das Wirtschaftswachstum ein solches Ausmaß annehmen würde. So sei beispielsweise die Prognose für den Anstieg des Containeraufkommens in Hamburg aus 1999 völlig falsch gewesen. Der Wert, den man für 2015 annahm, ist bereits 2005 erreicht worden.
Auf die Frage, was genau Deutschland tun könne, um diesen Verkehr- und Klimakollaps zu stoppen, antwortete er: Verkehrsvermeidung und Verlagerung von Verkehr auf den Schienenweg. Dass hier ja auch in den letzten Jahren nichts passiert sei, wollte Tiefensee nicht gelten lassen.
Man habe die "Verteilung auf die Verkehrsträger halten können". Abermals nehme man sich vor, den Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Derzeit habe man 117 Milliarden Tonnenkilometer auf der Schien, und um dieses erhöhen zu können, brauche man mehr Lärmschutz für die Bürger, man müsse "Güter- und Personenverkehr separieren und Slots verdichten" und man wolle viel Geld investieren "Nicht zuletzt auch aus dem Erlös der Teilprivatisierung der Bahn".
Das Argument von Länderministern und Umweltschützern, diese Ausweitung könne nicht funktionieren, weil das Schienennetz dafür gar nicht ausgelegt sei, wollte Tiefensee nicht annehmen und meinte, man könne "mit modernen Verkehrsleitsystemen und Sicherheitssystemen die Schiene effizienter machen". Das "Schlüsselwort" hier sei "Europien Train Control System" ein internationaler Standart, zweitens müsse man die Schienen weiter ausbauen, genauso wie Autobahnen und Bundesstraßen.
Verkehrvermeidung hieße nicht, dass man den Ausbau stoppen könne, man brauche mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur, man müsse die Waren schnell und kostengünstig auf die Schiene umschlagen, damit nicht mehr so viel auf den Straßen unterwegs ist. So sollte es gelingen, meint der Verkehrsminister, "den enormen Mengen Herr zu werden". Man brauche die europäische Ausrichtung, damit der Verkehr an den Grenzen nicht stockt.
Tiefensee meint, Deutschland sei trotz des misslungenen Klimaschutzpakets Vorreiter im Klimaschutz, und ganz Europa müsse Vorreiter sein, gegen die Bremser aus USA und Kanada. Kritik von dort, zuerst im eigenen Lande etwas gegen die Klimagase zu tun, müsse man nicht gelten lassen. Fortschrittlich findet Tiefensee die CO2-Steuer, die momentan nach Hubraum und Schadstoffklasse berechnet würde, er erinnerte daran, wie die Regierung die erneuerbaren Energieträger im Verkehrsbereich einsetze, "wo weltweit Aufmerksamkeit" sei, usw.
Man sei "ganz gut aufgestellt". Aber man müsse noch nachlegen. Tiefensee: "Wir müssen weiter fortfahren, die Antworten zu finden."

Oh Gott, kann man da sagen.
Olle Kamellen und einfältiges Gerede, einschläfernde Fremdwortakrobatik, Vertröstungen und Selbstbejublung.
Tiefensee bestätigt unmissverständlich die Feststellung von Zukunftslobby, dass gesteigertes wirtschaftliches Wachstum untrennbar zu gesteigerten Schäden an den natürlichen Lebensgrundlagen führt.
Nur, er meint, mit zweifelhaften Maßnahmen dieses Problem beheben zu können, was noch nie funktioniert hat und nur eine weitere Verschleppung der einzig richtigen Lösung bewirkt.
Diese einzig richtige Konsequenz ist, wie wir von Zukunftslobby meinen, eine Vermeidung von Verkehr und zwar tatsächlich im Sinne von Vermeidung.

Jegliche Verlagerung auf die Schiene kann auch mit noch so exotisch gewählten Schlagworten und Technikverbesserungen nicht gelingen. Hier herrscht im Kopf von Tiefensee reinstes Wunschdenken. Offenbar will er die Bahn für eventuelle Investoren interessant halten.
Auch die Verhandlung des Bundesverkehrministers mit 50 anderen Wunschdenkern anderer Staaten, wird nur Spesen verschlingen und Abgase durch die Anreisen erzeugen, sonst nichts.
Wie intensiv diese Herren auch am Problem vorbei reden, was wir brauchen ist ein radikaler Rückgang von Gütertransporten überhaupt.
Dafür brauchen wir einen Rückgang des gesamten Konsums in Verbindung mit einer Regionalisierung möglichst jeglicher Produktion.
Mit anderen Worten, die Bevölkerung muss weniger das kaufen wollen, was einen hohen Transportaufwand nötig macht, und sie muss mehr das kaufen wollen, was wenig Transport benötigt, also direkt vor Ort hergestellt werden kann.

Hierzu allerdings brauchen wir völlig andere marktwirtschaftliche Impulse, Impulse, die die Nachfrage nach solchen Gütern und Dienstleistungen orientieren, die mit weitaus geringeren ökologischen Schadkosten bereit gestellt werden können.
Dazu brauchen wir weit mehr als das, was Leute wie Tiefensee sich vorzustellen bereit sind. Wir brauchen ein insgesamt nachhaltiges Wirtschaftssystem, also auch im Verkehrsbereich: Wir brauchen die Kategorische Marktwirtschaft.

 

27.05.08

Die Hochschulprofessorin Gesine Schwan soll nun doch gegen Horst Köhler antreten. Die SPD ist zuversichtlich, dass mit den Stimmen von Grünen und Linkspartei der amtierende Bundespräsident gegen eine Präsidentin ausgetauscht werden kann. Rein rechnerisch könnte dies funktionieren, hat Schwan doch bei der letzten Wahl auch Stimmen aus dem Unionslager bekommen.
Die Wahl Schwans wäre die erste gemeinsame politische Entscheidung einer nicht bestehenden Koalition, ja einer von der SPD derzeit noch strikt zurückgewiesenen Konstellation. Nunja, die Sozialdemokraten sind so oft schon umgefallen, irgendwann werden sie auch mit der Linken koalieren wollen, spätestens, wenn sie ansonsten in die Opposition müssten.

Jetzt soll schon mal Horst Köhler abgelöst werden, es gibt ja auch nichts wichtigeres. Köhler hat nichts bewegt, aber auch nichts kaputt gemacht.
Er konnte sich einen Flair von "der mischt sich ein, ist den Regierenden gegenüber unbequem, mahnt Defizite für die Menschen im Lande an," usw. aufbauen, und sich damit relativ beliebt machen.
Tatsächlich blieb Köhler aber stets oberflächlich, war nie ernsthafter Kritiker von herrschenden Strukturen, schon gar nicht von ökonomischen Strukturen, die permanent unsere Lebensgrundlagen schädigen. Dies wundert natürlich nicht, Köhler ist eben ein reinrassiger Vertreter der herrschenden kapitalistischen Subventionswirtschaft und blind für die fatalen Folgen der von ihm bevorzugten Ordnung.

Kürzlich pflegte Köhler wieder seinen Ruf als Kritiker, als er in einem Stern-Interview die internationalen Finanzmärkte mit "Monstern" verglich. Jetzt steht er im Kurs bei der Bevölkerung direkt neben Heuschrecken-Münte in einer Reihe.
Er hat allerdings keinerlei Kritik an den Grundbedingungen und Mechanismen in der Monsterriege geäußert, er will es sich ja nicht verderben. Köhler forderte nur ein "klar vernehmbares" Schuldbekenntnis von bestimmten Bankern.
Er ist also der Meinung, die gigantischen Fehlspekulationen auf Kosten der Allgemeinheit seien nur Ausrutscher Weniger, die sich daneben benommen, also vorbei gemanaged haben.

Dieses Wunschdenken disqualifiziert ihn als Sprecher der Bevölkerung. Köhler würde nie zugeben, dass das gesamte Finanzsystem, welches er selbst als IWF-Präsident ja mitgeprägt hat, völlig falsch strukturiert ist, dass es langfristig an keinerlei redlichen Geschäftspraktiken interessiert sein kann. Ja vielleicht ist ihm dieses gar nicht bewusst, zwischen seinen strukturkonservativen Scheuklappen.
Köhler benennt das Monster und lässt es gleichzeitig frei, gibt den kleinen Leuten ein Zuckerbrot und den Großen einen Freibrief.
So geht man mitsamt geschminkter Fassade heutzutage in die Geschichte ein.
Ob Frau Schwan das besser machen würde? Es auszuprobieren wäre immerhin nicht von Nachteil. Allenfalls für die SPD, denn diese hat, ob Schwan es schafft oder nicht, jetzt schon die Arschkarte gezogen.

 

26.05.08

Diese Woche beginnt mal wieder mit Ernüchterungen.

Bei der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein haben die großen Parteien einen herben Dämpfer bekommen.
Die offiziellen Ergebnisse sind ja schon schlimm. Sie lauten:
CDU: 38,6 %, SPD: 26,6 %, Grüne: 10,3 %, FDP: 9,0 %, Linkspartei: 6,9 %.

Da die Wahlbeteiligung von 54,5 % vor 5 Jahren auf 49,5 % abgesackt ist, ergibt sich folgendes tatsächliches Wahlergebnis:
CDU: 19,1 %, SPD: 13,1 %, Grüne: 5,1 %, FDP: 4,4 %, Linkspartei: 3,4 %.
So viel Prozent Stimmen bekamen die Parteien von den Wahlberechtigten insgesamt.
Nur dieses Ergebnis ist objektiv und mit Wahlergebnissen von früher oder aus anderen deutschen Ländern vergleichbar.

Die nächste Ernüchterung kommt von der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn.
Es wird nur geredet, bis heute ist noch keinerlei konkretes Ergebnis erzielt worden. Es wird auch kein wichtiges Ergebnis am Ende stehen, allenfalls wird die Bundesregierung eines konstruieren, einen banalen Furz zu einem Ergebnis aufbauschen, um nicht als Ausrichter eines überflüssigen Gipfels in die Geschichte des verpassten Naturschutzes einzugehen.
Die Gründe für das zwangsläufige Scheitern habe ich schon in den Beiträgen vom 19. und 20. Mai beschrieben.
Übrig wird bleiben: Außer Spesen nichts gewesen.

Etwas Positives will ich auch noch weiter geben:
Unter diesem Link auf der Website des NABU kann man sich live über eine installierte Webcam ansehen, wie ein Turmfalkenpaar im Turm des Pankower Rathauses seine Jungen aufzieht.
Am 22. Mai sind die ersten beiden Küken geschlüpft, und derzeit werden die restlichen Eier von den Eltern noch intensiv bebrütet.
Demnächst wird man dann das Füttern der jungen Turmfalken bestaunen können.

 

25.05.08

Heute: Aus dem Bautagebuch:

Eine ziemliche Verschwendung im Baubereich ist es, bei der Neueindeckung eines Ziegeldachs oder dem Abriss eines alten Gebäudes, die alten Ziegel wegzuschmeißen.
Neue Ziegel, ob aus Ton oder aus Zementmörtel, benötigen einen sehr hohen Energieeinsatz bei der Herstellung. Auch der Transport der sehr schweren Dachhaut erfordert einen relativ hohen Aufwand, wie auch der Abbau der benötigten Rohstoffe.
Der CO2-Ausstoß während des gesamten Bereitstellungsprozesses, bis die Dachdeckung an Ort und Stelle liegt, ist immens hoch, wie auch alle anderen Umweltbelastungen darüber hinaus. Der Endverbraucher hat aber im derzeitigen Wirtschaftssystem, auch im Falle dieses Baustoffes, für die, letztlich von ihm selbst verursachten, ökologischen Schäden fast gar nicht aufzukommen.

Als Bauökologe, der auf Wiederverwendbarkeit von Baustoffen achtet, sammele ich schon seit vielen Jahren Dachziegel.
Meist stammen die von Gebäuden, die abgerissen wurden und wo ich kurz davor mit Freunden die Ziegel retten konnte. Teilweise bekam ich auch Ziegel von Nachbarn, die wussten, dass ich diese annehme und die sich damit einige Schuttentsorgungskosten ersparen konnten.
Schließlich verwende ich natürlich auch Ziegel von eigenen Gebäuden wieder, bei denen ich das Dach erneuern musste.
So erspare ich die Produktion von neuen Ziegeln und der Umwelt enorme Belastungen. Was ich an Geld einspare, wird aber durch den erhöhten Arbeitsaufwand weitgehend kompensiert. - Ein schönes Beispiel, wie menschliche Arbeitsleistung der Schonung und Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu Gute kommt.

Derzeit wird bei uns das neue Dach des Anbaus gedeckt.
Für die Westseite verwende ich die alten Zementziegel wieder, die auch schon auf dem alten Dach lagen, während auf die andere Seite schwarze Ziegel von Nachbars ehemaliger Scheune kommen.

Die Ziegel waren über etliche Jahre gut gelagert, mit Balken auf Steinen unten drunter, in Hochkantreihen mit Brettern dazwischen.

Zunächst müssen diese gereinigt werden.

Bei den Zementziegeln genügt kräftiges Abkehren, während für die Tonziegel allerdings noch Wasser nötig ist. Auch geht es nicht mit der Bürste. Bei einigen hundert Stück Ziegel bräuchte man fürs Säubern zu lange.

Dies ist ein Fall für den Hochdruckreiniger, der bei mir nur für sehr schwierige Reinigungsfälle zum Einsatz kommt. Er verbraucht viel Wasser und Strom. In diesem Falle allerdings wäre die Reinigung ohne ihn nicht zu schaffen.

Unter der Schicht aus Kalk, Algen, Flechten und Moos ist die natürliche Farbe des Tons zum Vorschein gekommen.

Links sieht man die Zementziegel, auf dem Krüppelwalm rechts davon die Tonziegel. Dazwischen die untere Schicht der Gratverkleidung aus Latten. Auf diese werden noch Bretter geschraubt, wo schließlich der Schiefer aufliegt.

Auch der First oben wurde mit Schiefer ausgeführt.

Einige Arbeit erfordert auch das Zuschneiden der Randziegel mit der Flex.

Einige Dreieckstücke erfordern zusätzlich eine Brettaufdopplung, um später in der richtigen Ebene zu liegen.

Manche Randstücke müssen zusätzlich mit Edelstahlschrauben befestigt werden. Später steht hier die Schieferabdeckung drüber.

Fortsetzung aus dem Bautagebuch folgt.

 

24.05.08

Im Forum auf Utopia.de, der "grünen Community" im Internet, läuft derzeit u.A. eine Diskussion darüber, ob man seinen persönlich verursachten CO2-Ausstoß ausgleichen soll. Es gibt dafür schon einige Adressen, Firmen, die gegen eine entsprechende Gebühr irgendwo auf der Welt für den Einzahler Bäume anpflanzen. Die Idee dabei ist, ein durch bestimmtes Verhalten entstandenes Quantum klimaschädlichen Gases, mittels Planzung der selben Menge Biomasse, wieder auszugleichen.
Jemand der aus privaten oder geschäftlichen Gründen etwa eine Flugreise unternimmt, kann sein Gewissen dann beruhigen und zu einem gewissen Betrag die Anpflanzung von einigen Hektar Wald in Südamerika veranlassen.

Die Diskussion dazu ist vielfältig. Mein Beitrag vom Donnerstag war folgender:

Die CO2-Geschichte ist ja nur eines von vielen Themen. Was gibt es Unmengen von schädlichen, genauer gesagt, für die natürlichen Lebensgrundlagen schädlichen Stoffen. Momentan ist eben CO2, weil übers weltweite Wetter spürbar, schwer in Mode. Auch lässt sich hierüber in der Politik und der Wirtschaft vortrefflich folgenlos plaudern.
Das Wort Ablasshandel für den sogenannten CO2-Ausgleich ist mir auch nicht stark genug. Veranschaulichen wir es mal mittels folgenden Bildes: In einer Welt, wo es normal ist, permanent Kinder zu töten, soll nun statt dessen den Kindern "nur" die Arme gebrochen werden, ein prima Fortschritt -!?!?
Ich glaube, auch vielen Lohas und Utopisten ist noch gar nicht klar, um was es eigentlich geht. Bei den CO2-Diskussionen wird ja überhaupt nicht um eine Reduzierung geredet, sondern um eine Verminderung der täglichen Erhöhung.
Wieder ein Bild: Auf eurem Haus liegen eines Winters 95 cm Schnee, und ihr wisst, dass ab einer Last von 100 cm das Gebälk zerbricht. Täglich kommt ein Millimeter Schnee neu dazu. Jetzt kommt einer daher und sagt, man wolle erreichen, dass nur noch 0,9 Millimeter täglich dazu kommen. Würde es euch dann besser gehen? Genau dies ist aber, was die Politiker beschlossen haben und die Großindustrie dazu noch torpediert. Also ich für meinen Teil würde den Schneefall komplett beenden wollen und dazu noch den Schnee ganz vom Dach entfernen.
Nur, und jetzt wieder aus dem bildhaften in der Realität, dafür müssten wir uns als Homo Konsumens endlich die unvermeidliche Entziehungskur verordnen. Wir müssten auf ALLES, was über den Ökologischen Fußabdruck von 1, oder die 1,7 globalhektar hinaus geht, komplett verzichten
Ab hier bin ich für viele Leute der Hardliner und der Spielverderber, aber es hat geschichtliche Tradition, dass die Überbringer der bösen Nachrichten aufgehängt wurden.

Unser Zeitalter wird vielleicht einmal von den armen Menschen in der Zukunft als das Zeitalter des maximalen Selbstbetrugs, kurz vor dem Zeitalter der Katastrophen, bezeichnet werden. Es ist geprägt von Fassadenelementen wie: Handel mit CO2-Zertifikaten, Katalysatoren, Wärmeschutzverordnungen, Mülltrennung, Gesetzen zur Förderung regenerativer Energie, AAAAAA-Kühlschränken, Ökosteuern, Umweltministern, Biosprit, Biolebensmittel und den ganzen Sachen, und, - mein Zeigefinger bleibt auf der Tastatur -, vielen gut gemeinten Ansätzen aus der LOHAS-Bewegung, wie den CO2-Ausgleich.
Allem ist eines gemeinsam: Es sind lediglich Aufsattelungen auf das weiter bestehende zerstörerisch wirkende Wirtschaftssystem, und somit Tropfen auf den heißen Felsbrocken.

Und es sind Ablenkungsmaßnahmen und Verzögerungselemente von der einzigen und alleinig richtigen Frage der wir uns alle stellen müssten, der Frage nach einem wirklich nachhaltigen Wirtschaftssystem. Das gegenwärtige Wirtschaftssystem KANN nur existieren, wenn es die natürlichen Lebensgrundlagen ausbeutet. Es ist abhängig von diesem fatalen Vorgehen, wie der Krebs von den Körperzellen. Deshalb ist auch alle Umweltpolitik wenig besser als ein Witz und jeglicher CO2-Ausgleich eine weitere Lebenslüge.
Was die Lohasbewegung angeht, ist das meiste eher Gewissensberuhigung oder Ökonismus (schönes Wort von strandlaeufer).
Viele Leute in der Bewegung würde ich eher als PANCAS bezeichnen - (Preserving A Naive Comprehension Of Sustainability). (Man beachte nur mal die Berge von Dekadenz auf Ivyworld beispielsweise). Die wahre und damit bittere Dimension von Nachhaltigkeit haben sie genauso wenig verstanden, wie unsere Volksvertreter.
Gesund bleiben können wir nur, wenn die natürlichen Lebensgrundlagen nicht weiter zerstört werden. Genuss darf nicht als Festhalten am Nichtverzichten verstanden werden, bzw. am Wechsel zu Biokonsum plus CO2-Ausgleich. Als Genuss, den Lohas für sich beanspruchen, kann nur mehr immaterieller Genuss im Sinne von Erich Fromms "Haben oder Sein" in Frage kommen, oder im Bereich Konsum und persönliche Lebensführung, Formen von Genuss, die wir erst wieder neu entdecken müssen.

Fortsetzung folgt.

 

23.05.08

Obwohl die Menge der registrierten Straftaten in Deutsch leicht gesunken ist, steigt die Jugendkriminalität weiter an. Besonders auffällig dabei ist, dass Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung weiter zunehmen.

Innenminister Schäuble, selbst schwer traumatisiertes Gewaltopfer, fällt nur wieder Nachsorge ein, nämlich die Jugendlichen härter zu bestrafen. Dass damit keinerlei Probleme gelöst werden weiß man längst, aber wir haben nun mal keinen besseren Minister.

Auf Deutschlandradio-Kultur sprach Moderator Ostermann mit dem Berliner Jugendstrafrichter Dr Günter Räcke. (Interview)
Dieser hätte etliche Vorschläge zu machen, wie eine wirksame Vorsorge teilweise aussehen könnte. Damit reiht er sich nur in eine lange Reihe von praxiserfahrenen Fachleuten ein, die dafür plädieren, schon im Kindesalter und vor der Schule, schon im Elternhaus, die Weichen anders zu stellen.
Räcke bestätigt, dass bei auffälligen Jugendlichen meist das Elternhaus versagt hat. Den Schulen kann man seiner Meinung nach keinen Vorwurf machen, denn sie hätten nicht die Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu sozialisieren. Auch sei es dafür schon zu spät, wenn dies bis zum Schulbesuch noch nicht geschehen sei.
Viele straffällige Jugendliche haben erhebliche Sprachprobleme, weil bei Ihnen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, ja oft, weil die Eltern der deutschen Sprache gar nicht mächtig sind.
Räcke bestätigt, dass Bestrafungen das Problem nicht lösen können. Kinder, die bei der Einschulung kein Deutsch könnten, hätten einen Rückstand, der sich kaum noch aufholen ließe.
Bezüglich der Mechanismen, mit welchen man schon früh arbeiten könne, meint Räcke, müsse man mehr darauf drängen, dass die Eltern in Deutschland wirklich heimisch werden. Insbesondere müssten befriedigende Deutschkenntnisse gefordert und für die Verinnerlichung rechtstaatlicher Prinzipien gearbeitet werden. Intensivere Ausländerpolitik, verpflichtender Kindergartenbesuch, verpflichtender Deutschunterricht auch für Eltern, Einführung entsprechender Forderungen an die Eltern als Bedingung für die Zahlung des Kindergeldes, das sind die Stichworte über die wir reden sollten.
Räcke hat sich gar für die Einführung geschlossener Kinderheime ausgesprochen, für ganz bestimmte Fälle, für extreme familiäre Verhältnisse. Dies sei natürlich ein Armutszeugnis, aber es gäbe viele Kinder, die sich sehr früh schon jeglichem Einfluss entzögen und sich nur noch auf der Straße herum treiben, und diese seien einfach nicht mehr anders zu erreichen.

Ob nun Jugendliche mit Migrationshintergrund oder auch deutsche Kinder deutscher Eltern, bei allen, so meine ich, ist das frühkindliche Erleben charakterprägend. Dieses Erleben hängt aber sehr stark von der kulturellen und wirtschaftlichen Umwelt ab, von der Umwelt, wie sie die ebenfalls dadurch beeinflussten Eltern ihren Kindern anbieten.
Insofern ist letztlich das besondere Gemisch aller auf die Familien wirkenden Voraussetzungen ausschlaggebend, das von der herrschenden ökonomischen Ordnung gezeichnet wird.
Letztlich kann eine andere, eine besser menschendienliche ökonomische Ordnung auch das Entgleiten breiter Schichten von Kinder und Jugendlichen verhindern und deren Verhalten in eine sozialkonformere Richtung lenken.

 

22.05.08

Heute ist bei uns in Rheinland-Pfalz Feiertag. Erstaunlich, aber eben höre ich in den Nachrichten, der Papst habe die Katholiken im Grußwort zum Deutschen Katholikentag zu mehr politischem Engagement aufgerufen.

Katholiken und politisches Engagement, das war schon immer in der Geschichte der Bundesrepublik ein heikles, ein zweischneidiges Thema.
Ich erinnere mich noch an die 1960er und auch 1970er Jahre, wo den Katholiken in der Kirche an Wahlsonntagen direkt oder indirekt die Abgabe ihrer Stimme für die Unionsparteien nahe gelegt wurde. Nur weil diese traditionell kurzsichtige und ignorante Partei das C im Namen trägt.

Den ganzen gegenwärtigen Schlamassel mit massiven Umweltproblemen und Arbeitslosigkeit haben uns die sogenannten Christdemokraten vorrangig eingebrockt.
Jahrzehnte lang haben sie eine kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik betrieben, ausschließlich orientiert auf zweifelhafte Ideale, wie das rein quantitativ ausgerichtete Wachstum der Wirtschaft, und haben damit unsere Gesellschaft in die Sklaverei getrieben. Nicht das möglichst menschliche und qualitativ beste Zusammenleben haben sie angestrebt, sondern die Unionsparteien haben die Leute unter einen mittlerweile fast überall wütenden Zwang zum Wettbewerb gedrückt.
Unser Alltag wird nicht nur durch Unsicherheiten aus weltweiten Krisen oder Angst um die natürlichen Lebensgrundlagen und den Erhalt des Arbeitsplatzes geprägt, er ist auch ansonsten durchweg ungemütlich geworden, Kleinprobleme und Auseinandersetzungen sind die tägliche Regel, Ausnahmen hiervon muss sich jeder mühsam erarbeiten.

Dieses hat Jesus, dieser Philosoph und Wanderprediger, auf den sich letztlich auch der Papst beruft, nicht gewollt.
Jesus, würde er heute mit der gesellschaftlichen Situation und den verantwortlichen Herrschenden konfrontiert, würde scharfe Worte finden, würde erschrocken sein über die Lage der Menschen, in die sie gebracht worden sind.
Und der Papst? Meint sein Aufruf zum politischen Engagement ein Aufbegehren gegen die Ökonomie, die das Notwendige im Tausch gegen das Profitable zerstört, nämlich die Schöpfung, die unverzichtbare Grundlage unseres Daseins ist, ob in den Köpfen der Menschen als mitfühlende Seele oder als das Natürliche der Biosphäre, welches uns umgibt.

Katholiken zu mehr politischem Engagement, - natürlich, selbstverständlich, aber bloß nicht mehr für die C-Parteien, denn deren Konzepte sind antichristlich.

 

21.05.08

Der diesjährige Armutsbericht der Bundesregierung wurde Anfang der Woche veröffentlicht. Wieder einmal ist er ein Armutszeugnis für das wirtschaftliche System in Deutschland. Dieses ist nicht in der Lage, allen Angehörigen der Gesellschaft eine sinnvolle und bezahlte Beschäftigung zu ermöglichen. Es ist viel mehr darauf gestützt, einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung in den Versorgungsbereich des Staates, also der Allgemeinheit, zu entlassen.

Dieser Staat allerdings kann die Versorgung der Menschen ohne ausreichenden Verdienst, auf Dauer nicht leisten. Seit Jahrzehnten schon finanziert er die Gelder zum Ausgleich der Erwerbslosigkeit und sozialer Notlagen mit aufgenommenen Schulden, also mit Geld, das eigentlich unseren Nachkommen gehört.
Diese werden, weil ein neues System, in welchem alle Menschen ein genügendes Einkommen erwirtschaften könnten nicht in Sicht ist, ebenfalls große Teile der Bevölkerung mit Schulden versorgen müssen. Es sei denn, sie machen es besser und entwickeln endlich ein ökonomisches System, welches zuallererst der auskömmlichen Beschäftigung der Gesamtbevölkerung dient.
Da die Lage, der steigende Schuldenstand auf der einen Seite, inklusive zunehmender Handlungsunfähigkeit öffentlicher Organe, und auf der anderen Seite das Ansteigen des Mangels an ausreichend finanzierter Beschäftigung, sich von Jahr zu Jahr verschärft, wird wohl ohnehin irgendwann ein Punkt erreicht sein, wo man gezwungen sein wird, das gegenwärtige ökonomische System durch ein gemeinnütziges zu ersetzen.
Wieso aber führen wir ein besseres System nicht jetzt schon ein. Was hätten wir denn zu verlieren?

Ein großes Hindernis dabei ist natürlich, dass man sich über die Art und Weise, über das grundsätzliche Aussehen eines, alle Bevölkerungsteile versorgenden, Systems alles andere als einig ist.
Es gibt ebenso viele Ideen dazu, wie es politische Richtungen im Parteienspektrum gibt. Allesamt allerdings sind bei genauer Betrachtung lediglich ideologisch abgewandelte Variationen des existierenden Systems und zur nachhaltigen Verbesserung
völlig ungeeignet.
Angefangen von den Vorstellungen der rechten Konservativen, mittels radikaler Deregulierung einen ungebremsten Kapitalismus und damit erhebliches neues Wirtschaftswachstum zu entfesseln, wodurch dann angeblich viele neue Arbeitsplätze entstünden, bis hin zum anderen Flügel der Ideenpalette, dem Rezept der Linkspartei, mittels Umverteilung erheblicher Beträge bei Einkommen und Besitztümern die Lage zu wenden, taugen sie im günstigsten Falle nur zu Problemverschiebungen, bringen aber keinen sich selbst tragenden Wandel.

Dazwischen, etwa bei der SPD, den gemäßigten Christdemokraten und Liberalen, aber auch großteils bei den Grünen, herrscht nur Wischiwaschi, nur unüberlegtes Gerede zur Frage, wie man alle Menschen teilhaben lassen kann, also eigentlich ebenfalls die totale Konzeptlosigkeit.
Versuchen Journalisten einmal, Politiker hierzu zu befragen, dringen nur strikte und altbekannte Lagersprüche heraus oder peinliches Gestammele um den heißen Brei.
Auf Dradio, wo viele Interviews geführt werden, tun mir die Redakteure oftmals leid, weil sie sich permanent mit so unselig unqualifizierten Äußerungen von Interviewpartnern beschäftigen müssen. Das Interview von gestern mit Arbeitsminister Olaf Scholz zum Armutsbericht beispielsweise, könnte man genauso gut auch mit einer Antwortmaschine führen. Das Interview heute mit dem CSU-Fraktionsvorsitzenden im bayrischen Landtag Georg Schmid etwa über den Sinn von Steuererleichterungen, kam ebenso wie vom Tonband, mit mehrmaligen Wiederholungen weniger Schlagbegriffe, wobei der Singsang der Stimme schmitts auch der professionell wohlgesteuerte eines behutsam plappernden Fernsehpfarrers hätte sein können.

Nein, keiner der dafür bezahlten Volksvertreter und keine Oppositionspartei hat ein Konzept gegen Armut.
Statistiken beschönigen, das bringen sie noch fertig. Alle Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können, haben sie aus den Arbeitslosenzahlen getilgt, und behaupten umgekehrt, Leute mit 5 Euro Stundenlohn und 15 Wochenarbeitsstunden hätten dank ihrer Politik einen "Job" bekommen.
Mit Steuersenkungen lässt sich keine Armut abbauen, mit Mindestlöhnen und höheren AlG-Bezügen ebenfalls nicht. Ein garantiertes Mindesteinkommen ist nicht finanzierbar und würde viele auf dem Abstellgleis dort festnageln. Außerdem erzieht es voll arbeitsfähige Leute zur Faulheit.
Es geht kein Weg an der Vollbeschäftigung vorbei.
Nur diese verhindert Armut wirksam und anhaltend. Vollbeschäftigung aber ist uns in den Jahrzehnten der Unterwerfung unter die Kapitalistische Subventionswirtschaft verloren gegangen, auch die kleinste Aussicht darauf.
Zurück bekommen wir sie nur mit der Kategorischen Marktwirtschaft. Diese ist die einzig wahre Antwort auf den Armutsbericht der Bundesregierung.

 

20.05.08

Im gestrigen Beitrag zur Artenschutzkonferenz hatte ich den gravierenden Unterschied von zweierlei möglicher Vorgehensweisen bei Schutzbemühungen angeschnitten. Heute soll dazu noch etwas angemerkt werden.

Die beiden Vorgehensweisen sehen folgendermaßen aus:

Öffentlich diskutiert wird der Artenschutz fast ausschließlich als Aufsattelung auf die gegebenen wirtschaftspolitischen Spielregeln.
Artenvernichtung, ob im Pflanzen- oder Tierreich, ist im Grunde nichts anderes, als eine von vielen negativen Folgen der ökonomischen Ordnung, die sich in den letzten, gut 5 Jahrzehnten allmählich immer stärker auf dem ganzen Globus etabliert hat.
Genauer: Artenvernichtung findet statt durch Naturverbrauch, einem ganz entscheidenden, aber heimlichen Produktionsfaktor innerhalb dieser gegenwärtig herrschenden wirtschaftspolitischen Verhältnisse. Dieser wiederum geschieht in vielfältiger Art und Weise, manchmal direkt erkennbar, aber auch sehr viel subtiler über mehrere Wirkungsketten verteilt, statt.
Dies beginnt beispielsweise etwa bei der Überbauung von unberührten Naturflächen zum Zwecke einer Gewerbeansiedlung, - hier ist der Kausalität der Vernichtung offensichtlich -. Weniger offensichtlich ist der Zusammenhang von wirtschaftlichem Profit und Naturschädigung etwa bei der Abholzung von Wäldern in einer Weise, dass diese sich nicht wieder schnell regenerieren können, bei der Veränderung von natürlichen Fließgewässern zum Verkehrsweg oder Nutzung des vormals sauberen Wassers zu Kühlungszwecken und Ableitung von Schadstoffen, usw.
Zerredet werden die Zusammenhänge, weil großflächiger wirkend, dann etwa bei Themen wie, Überfischung der Meere, Vordringen in ökologisch intakte Gebiete zum Zwecke von Rohstoffabbau oder gar beim Thema Veränderung von Lebensräumen durch Klimaveränderungen, ausgelöst durch den CO2-Ausstoß. Hier sind die Wirkungsketten so kompliziert, dass man ewig darüber Verursachung diskutieren kann und zu keinerlei Ergebnis kommt.

Zukunftslobby ist der Meinung:
Eine Aufsattelung von Maßnahmen auf die weiter unangetastete zerstörerische Dynamik wird zu keinem Erfolg führen. Es ist gewissermaßen so, als ließe man einen 500-Euroschein von einer Brücke fallen und meine, man könne mit eifrigem Pusten von unten verhindern, dass er in die Flussströmung fällt.

Ob nun "ein weltweites Frühwarnsystem für den Artenschutz"(gefordert von Thomas Borsch, Professor für Biologie und Mitorganisator der wissenschaftlichen Vorkonferenz PRECOP zur heutigen UN-Naturschutzkonferenz im Interview auf Dradio), Schutzprogramme für natürliche oder naturnahe Lebensräume, wissenschaftliche Begleitung von Renaturierungsmaßnahmen, Verknüpfung von Klimaschutzzielen mit denen der Biodiversität, Schaffung eines europäischen oder gar weltweiten Schutzgebietnetzes, Steigerung der Aufmerksamkeit in der Gesellschaft, Vorhaben, die Arzneimittelkonzerne zur Gewinnteilung mit Ländern, deren Pflanzen den Ursprung eines neuen Medikaments lieferten, usw., usf. vorgeschlagen werden, alles ist nur, um es mit dem oben erwähnten Bild zu sagen, kurzfristig effektives "Pusten von unten gegen die viel konstantere Schwerkraft", und tatsächlich völlig wirkungslos.
Zudem ist ein Aufsatteln von Gegensteuerungen bürokratisch aufwändig, auf Dauer nicht zu überwachen, permanent anfällig gegen Angriffe, ständig zu erneuern und anzupassen, sehr teuer, und ehrlicherweise gesagt, gar nicht zu bezahlen.

Leider NICHT öffentlich diskutiert wird die ganz andere Möglichkeit des Artenschutzes: Die Weltgemeinschaft muss das gesamte derzeit bestimmende Wirtschaftssystem in eine nachhaltige Ökonomie umbauen, besser gesagt, durch eine solche ersetzen, bei der jeglicher Naturverbrauch mit dem möglichst vollständigen Preis belegt wird.
Alle Schädigungen müssten beziffert werden, auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht hinaus, und diese Kosten müssten den Verursachern, bzw. den verursachenden Prozessen direkt und unmittelbar angerechnet werden.
So hätten wir die Naturzerstörung, die zum Artenschwund führt, in den Preisen der hieraus resultierenden Produkte und Dienstleistungen dokumentiert, und der wunderbare Marktwirtschaftliche Mechanismus würde für uns den Erhalt der Artenvielfalt übernehmen.

Eigentlich ist den Leuten, die über den Umfang und die Folgen des Artenschwunds Bescheid wissen, etwa den Wissenschaftlern, die Aussichtslosigkeit des Kampfes um Artenschutz gegen eine allmächtige wirtschaftliche Dynamik durchaus bewusst.
Immer wieder merkt man den Wissenschaftlern, die zum Thema interviewt werden an, dass sie angesichts der zerstörerischen Dynamik aus wirtschaftlichem Anreiz und dem Zeit schindenden aber sinnlosen Gerede der Politiker, große Mühe haben sich zu beherrschen und sie sich, mit geballter Faust in der Tasche, kurz vorm Verzweifeln befinden.
"Solange die Wirtschaft alleine bestimmt ohne feste Regeln, werden wir diesen Trend auch kaum aufhalten können...Wenn wir hier Palmölplantagen in Indonesien einrichten - letztlich nicht wir, sondern das machen die Indonesier oder die Brasilianer -, dann tun sie das, um zu uns die Dinge zu exportieren, die wir hier als noch klimaschutzrelevant ansehen. Völliger Quatsch ist das, sondern das Gegenteil ist der Fall. Diese Industrienationen - die USA sind da ein negatives Beispiel, aber auch Japan und letztlich auch wir, wenn wir solche Beschlüsse fassen - die müssen sich an die eigene Nase fassen..." (Holger Wesemüller, Vorstandsmitglied von Europarc Deutschland, dem Dachverband der Nationalparks, UNESCO-Biosphärenreservate und Naturparks im Interview auf Dradio)

Die Beschlüsse der gegenwärtigen Konferenz in Bonn werden ähnlich folgenlos bleiben, wie die der
CBD, der Konvention über biologische Diversität, diese internationale UN-Konvention, die 1992 in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.
Sie sind allenfalls schüchterne Aufsattelungsvorhaben wie oben bemerkt, die von der herrschenden Neoliberalen Subventionsökonomie sofort wieder unterlaufen werden.
("Die deutsche Industrie kritisierte, bei uns gäbe es einen viel zu umfangreichen Katalog an Zielen und Maßnahmen. Wir seien überambitioniert und riskieren unsere Wettbewerbsfähigkeit..." Moderator Ostarmann üm Gespräch mit Wesemüller s.o.)
In diesem Sinne ist nachhaltiger Artenschutz nur zu verwirklichen, wenn wir die Kategorische Marktwirtschaft möglichst bald an Stelle der gegenwärtigen Ökonomie etablieren.

 

19.05.08

Die Artenvielfalt auf der Erde ist durch den Einfluss des Menschen innerhalb der letzten 25 Jahre um ein Viertel zurück gegangen. Nachdem Ökologen und Biologen schon seit Jahrzehnten auf die Folgen dieser dramatischen Entwicklung hinweisen, kommt auch die Politik so langsam auf die Idee, dass etwas getan werden muss.

In Deutschland wird jetzt die Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen abgehalten.
5000 Delegierte aus 190 Ländern sollen ab heute in Bonn das Problem beraten und über Schutzmaßnahmen verhandeln.
Forschungsministerin Schavan hat schon mal einen "internationalen Masterplan" zum Erhalt der biologischen Vielfalt gefordert.
Umweltminister Gabriel scheint das Ausmaß der Problematik verstanden zu haben, wenn er es mit Hilfe folgenden Bildes zu beschreiben weiß:
"Es geht nicht um so ein Blümchenschützerthema von so ein paar spinnerten Ökologen. Sie müssen sich die Artenvielfalt vorstellen wie das Handbuch für den Betrieb der Erde und wir reißen jeden Tag eine Seite raus und schmeißen die weg und wenn unsere Kinder da mal reingucken wollen, dann werden sie feststellen: manches von dem was sie brauchen, haben wir inzwischen weggeschmissen."
Gabriel scheint das Thema wirklich eine Herzensangelegenheit zu sein. Kann er daraus aber auch einen Erfolg erwachsen lassen?

Die Vernichtung der Artenvielfalt ist vom Menschen in den letzten Jahre hauptsächlich durch rasante Entwaldung der Kontinente, ungebremste Überfischung der Meere, durch rücksichtslosen CO2-Ausstoß und immer größeren Hunger nach Rohstoffen bewirkt worden. Wissenschaftler sagen, dass bis Ende des Jahrhunderts 40 % der Tiere und Pflanzen ausgestorben sein werden, wenn sich nichts ändert.
Obwohl es bereits seit 16 Jahren die UN-Vereinbarung zum Erhalt der biologischen Vielfalt gibt, hat sich so gut wie nichts getan. Ebenso blieb eine Vereinbarung der Vertragsstaaten von vor 6 Jahren folgenlos, den Artenschwund bis 2010 deutlich zu bremsen.
Deshalb will man in Bonn jetzt ein völkerrechtlich bindendes Vertragswerk auf den Weg bringen und dies obwohl die Interessen der einzelnen Länder sehr unterschiedlich sind und Beschlüsse einstimmig fallen müssen.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer mit einem großen Artenreichtum werden den Artenschutz nur dann voran bringen, wenn die großen Pharmafirmen, die aus den Pflanzen in ihrem Land neue Medikamente entwickeln, ihnen vom Gewinn einen angemessenen Teil angeben, dieses weiß Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul. Ebenfalls fraglich ist ein besserer Schutz der Urwälder der Erde und die Einrichtung eines weltweiten Netzwerkes von Schutzgebieten. So vieles muss unter einen Hut gebracht werden, dass Umweltminister Gabriel auch ein Scheitern der Verhandlungen in Bonn für möglich hält.

Edward Osborne Wilson, der als -Vater der Biodiversität- gilt, sagt dazu: "Der Mensch konnte sich so ausbreiten, indem er Lebensräume zerstört hat. Wir Menschen verändern die Biosphäre in einer Art, die die Evolution, die Entstehung neuer Arten, verhindert, und so wird die Vielfalt nie wieder zurückkehren, wenn wir nicht sofort umkehren, noch in unserer Generation".
Der Mensch ist das Ergebnis der Vielfalt auf der Erde. Der Mensch vernichtet mit der Vielfalt eine große Auswahl von Heilpflanzen, aus denen sich Arzneimittel entwickeln lassen, oder die Vielfalt von Nahrungsmitteln, aus der sich widerstandsfähige Sorten finden lassen. Mit der Zerstörung der Vielfalt zerstört der Mensch die eigene Grundlage des Lebens, so Wilson.
Die Schätze dieser Erde müssen besser genutzt werden, also unbedingt nachhaltig. Was schließlich nachhaltig bedeutet, dazu muss jetzt eine Entscheidung fallen, fordert Wilson, sonst verlieren wir eine Grundlage zur Menschlichkeit, die Möglichkeit, wissenschaftliche Entdeckungen zu machen und uns selbst weiter zu entwickeln. "Die Natur ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und die Quelle unserer Zukunft."

Wenn wir realistisch sind, müssen wir vermuten, dass die ganzen Verhandlungsversuche, wie so viele davor, im Sande verlaufen werden. Am Schluss heißt es: Außer Spesen nichts gewesen, - eventuell ringt man sich noch zu einer unverbindlichen Abschlusserklärung durch, auch dies kennen wir schon.
Der Grund für diese Skepsis ist, dass hier abermals versucht werden soll, die Symptome der weltweiten Krankheit zu kurieren und die Ursachen nicht anzutasten. Die übergeordnete und alleinige Ursache auch des Artenschwunds auf der Erde, ist die hemmungslose Dynamik des herrschenden Wirtschaftssystems.
Auch bei anderen Themen habe ich es schon gesagt: Wenn Zerstörung sich finanziell mehr lohnt, als Bewahrung, wird auch Zerstörung praktiziert werden. Dieser finanzielle Anreiz wird durch alle Abkommen nicht beseitigt, auch wenn man noch so viele Schutzzonen einrichten würde.
Das einzige, was langfristig wirklich Erfolg versprechen würde ist, ein Wirtschaftssystem einzuführen, und zwar weltweit, das sich nicht von der Zerstörung und Ausbeutung der Lebensräume nährt, sondern das sogar noch finanzielle Vorteile aus der Erhaltung ziehen kann. Die Kosten der Zerstörung müssen deshalb in die Preise der dafür verantwortlichen Produkte und Dienstleistungen zu hundert Prozent integriert werden. Dann würde uns der Mechanismus der Marktwirtschaft beim Artenschutz helfen.
Bevor dies nicht umgesetzt wird, bevor nicht die Kategorische Marktwirtschaft übernommen wird, ist jeglicher wirksamer Artenschutz auf breiter Ebene mit enormen Vertragswerken verbunden, stehts wacklig und unsicher, löchrig und unterlaufbar, bürokratisch immens aufwändig, mit riesigen Kosten verbunden, stets exotisch wirkend neben dem eigentlichen konsumorientierten Leben, vom Kapital anfeindbar und steht als mögliches Ziel beäugt, also im Prinzip von Vorne herein völlig aussichtslos.

 

18.05.08

Dengelkurs Anmerkung 1

In meinem am Pfingstwochenende vorgestellten Dengelkurs, hatte ich mit Text und Bildern gezeigt, wie ich meine Sense dengele.
Die Art und Weise, wie ich diese Arbeit verrichte, ist das Resultat aus Gesprächen mit alten Leuten, die früher in der Landwirtschaft gearbeitet haben und das Dengeln der Sense noch als sehr bedeutende Alltagstätigkeit erlebten, aber auch aus meinen eigenen Erfahrungen in der Pflege meiner Sensen aus den letzten 25 Jahren.
Wie viele alte Handwerkstechniken wurde auch das Dengeln regional oft unterschiedlich durchgeführt. Es kann also mehrere Variationen der Details geben, entscheidend ist nur das gute Ergebnis, also ein scharfes Sensenblatt, mit dem leicht und effektiv gemäht werden kann.

Um zu sehen, was ich anders handhabe, als die gestandenen Dengelprofis, habe ich mir jetzt ein Büchlein gekauft, ich glaube es ist das einzige auf dem deutschen Markt zum Thema, in welchem das Dengeln in vielen Einzelheiten erklärt wird. Es heißt "Dengeln - Die Kunst Sense und Sichel zu schärfen", und der Autor ist Bernhard Lehnert. Ein paar Details sind anders beschrieben, als in meiner Darstellung, meine Art zu dengeln lässt sich also durchaus noch verbessern.

Zunächst will ich dieses Büchlein übers Degeln durchlesen und die Empfehlungen in der Praxis ausprobieren. Derzeit habe ich noch ein eigenes Sensenblatt und eines vom Nachbarn zum Dengeln hier liegen.
Es wird demnächst also die Ergänzung zum Dengelkurs hier erscheinen.
Wer vorher schon eine scharfe Sense braucht, kann auch wie beschrieben verfahren. Grundsätzliche Fehler waren in meiner Darstellung nicht enthalten. Allerdings lässt sich das Dengeln etwas vereinfachen und der Dangel, also der gedengelte Bereich der Schneide, stabiler ausformen.
Mehr dazu also demnächst in diesem Blog.

 

17.05.08

Nachtrag zum gestrigen Thema.
Das vollständige Interview mit dem Exvorsitzenden der CDU-Mittelstandsvereinigung Peter Rauen ist jetzt auf Dradio zu lesen.
Zur Person dieses Mannes wären noch einige Dinge anzumerken. Stellvertretend für etliche Volksvertreter in Berlin symbolisiert er den typischen Strukturkonservativen, ohne jegliche Fähigkeit zu weitsichtigem Entscheiden.
Darüber hinaus ist Rauen als Rüpel und als sehr arroganter Abgeordneter schon mehrfach aufgefallen. Für seine Karriere schreckt er auch vor innerparteilichem Zank und Zwietracht nicht zurück, was der Streit um den Ministerpräsidentenkandidat für Rheinland-Pfalz im Jahr 2006 zeigt.

Rauen hat schon 4 mal seinen Führerschein wegen zu schnellen Fahrens verloren. Von 2001 bis 2006 wurde er acht mal als Raser erwischt.
Zuletzt verurteilte ihn ein Gericht im Januar 2008 zu einem Monat Führerscheinentzug. Dies kostete ihn fast 2000 Euro Verfahrenskosten, während die Anwaltskosten seine Rechtsschutzversicherung bezahlte. Laut Express vom 9. Januar war er selbst und auch sein Anwalt vor Gericht nicht erschienen und zeigte damit öffentlich, was er von der Rechtssprechung hält.
Rauen, der in Berlin auch "Abgeordneter Bleifuß" genannt wird, war früher Bauunternehmer. 2006 drohte ihm gar die Aufhebung der Immunität, weil er den Staatsanwalt zu belügen versuchte. Er behauptete, sein Sohn hätte 2005 den zu schnellen Wagen gefahren, war aber dann auf dem Blitzerfoto deutlich selbst zu erkennen. Laut Focus erreichte er damals immerhin eine Untersuchung der Funktionsfähigkeit des Blitzers. 21 Punkte hatte er bis 2006 in Flensburg angehäuft, so dass er auch schon an einer Nachschulung teilnehmen musste.
Offenbar sind es seine guten Beziehungen, die ihm eine härtere Bestrafung ersparen. Als Verkehrsünder ist der Mann total uneinsichtig.
Fast kann man vermuten, dass er sich morgens vor dem Spiegel sagt: "Mir kann keiner etwas", oder "Alle können mich mal".

Er beantwortet keine Fragen an ihn auf Abgeordnetenwatch.de. Er ist der Typ von Parlamentarier, der nur sich selbst vertritt und vielleicht noch seine Kumpanen. So einer kann auch nur über die CDU ins höchste deutsche Parlament kommen. Die Wähler der Unionsparteien, wenn man von denen der NPD mal absieht, besitzen wohl am stärksten die nötige Naivität und das fehlende Quantum an Bildung und Weitsicht, um solche politischen Katastrophen wie Rauen zum Abgeordneten zu machen.

Das ungerechtfertigte Prädikat "Volkspartei", das die Union noch immer als wichtigsten Tarnanzug benutzt, bedeckt auch die wahren Absichten Rauens, ebenso wie viele seiner ebenfalls rauen Mitgesellen im Berliner Abgeordnetenhaus.
Als Vorsitzender der CDU Mittelmäßigkeitsvereinigung war er in seinem Element. Auch der deutsche Mittelstand ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit Weitsicht bis heute wahrlich nicht beglückt worden.
M
ittel- und langfristig wird er sich durch seine Klammerung an die durch und durch kurzsichtige ökonomische Effektpolitik der CDU selbst das Grab schaufeln.
Auch der deutsche Mittelstand kann eine gesicherte Zukunft nur unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft bekommen. Er sei hiermit eingeladen, sich damit zu beschäftigen und die Rauens der Republik als die wahren Böcke in ihrem Garten zu erkennen.


16.05.08

Kaum nimmt der Staat einmal etwas mehr Geld ein, kaum rückt die Begleichung eines winzigen Teils der Staatsschulden in den Bereich des Möglichen, melden sich die Räuber im Lande.
Sie werden mit näher kommendem Wahltermin immer begehrlicher.

Ermutigt vom Vorstoß der CSU in Bayern, die angesichts der letzten Umfragen ihre Felle wegschwimmen sieht und mit der Steuergeschenkforderung hofft, beim Wahlvolk punkten zu können, ziehen nun auch andere Gruppen innerhalb der CDU nach. Sie wissen genau, welche Penetranz sie an den Tag legen müssen, um Kanzlerin Merkel zum Umfallen zu bringen. Merkel wird unter dem Druck weich werden und von der Sparkommissarin zur Wahlkämpferin mutieren. Neugierig kann man allenfalls auf die Worte sein, mit welchen sie ihre Kapitulation bemänteln wird.
Welchen Sinn haben danach noch die Ausgabendisziplin einzelner Minister und deren Ressorts?

Die Begründungen für die geforderte Beuteverteilung sind altbekannt, doch deswegen nicht weniger absurd.
Die Bundesrepublik könne die positive Lage mit Steuersenkungen stabilisieren, - welche positive Lage? Positiv ist die Lage allenfalls für verschwindend wenige Branchen, und dies allenfalls kurzfristig.
Auch bei allem Wunschdenken und Pfeifen im dunklen Wald: Bei über 90 % der Bevölkerung ist keinerlei Aufschwung spürbar angekommen. Wenn aber die Aufschwungbeschwörer der letzten Monate diesen selbst erfahren konnten, müssten sie ja finanziell auch etwas gewonnen haben. Wieso rufen sie dann jetzt nach Steuergeschenken? Haben sie sich den Aufschwung vielleicht doch nur eingebildet, oder wollen sie nun zusätzlich noch etwas mehr Sahne oben drauf?
Allen voran der sogenannte Arbeitnehmerflügel und die Mittelstandsvertretung fordern von ihrer Chefin Steuersenkungen. Haben diese vielleicht in den Aufschwungjubel lediglich aus Parteiräson eingestimmt, und wissen diese in Wahrheit nur zu gut, dass von einem Aufschwung überhaupt keine Rede sein kann? Haben diese Gruppen in den letzten Monaten voller Neid die satten Zugewinne der Großindustrie mit ansehen müssen, ohne Mucks, und können sie sich jetzt einfach nicht mehr zurück halten?

Im Grunde sind alle Steuererleichterungen ein Schritt weg vom dringend überfälligen Begleichen der aufgehäuften Schulden unserer Gegenwartsgesellschaft. Jedes Aufschieben einer Rückzahlung geht zu Lasten der nachfolgenden Generationen und ist im Grunde nichts anderes, als ein Raub am Eigentum dieser Generationen der Zukunft.
Es sind in der Geschichte der Bundesrepublik immer schon zuerst die Unionsparteien gewesen, die eine Beibehaltung oder gar Steigerung des quantitativen Wohlstands mit dem Überziehen der eigentlichen und selbst erwirtschafteten finanziellen Möglichkeiten erreichen wollten. Zwar sind die Sozialdemokraten nicht viel besser, was deren Regierungsperioden und besonders die letzten sieben Regierungsjahre der Ära Schröder zeigten, doch momentan halten sie sich, als eigentliche Erfinder und, mit einem Finanzminister aus der eigenen Partei auch Bewahrer der Konsolidierungsidee, sehr mit Rufen nach Geschenken zurück.

Räuber an der Zukunft sind sie beide, CDU und SPD. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis mit näher rückenden Wahlterminen, auch aus der SPD nach Steuergeschenken gerufen wird und damit auch nach weiteren nicht genehmigten Darlehen bei unseren Kindern und Kindeskindern.
Vielleicht werden diese es gar so weiter treiben, vielleicht werden diese die ererbten Lasten ebenfalls mit Darlehen an ihre Nachkommen abzumildern versuchen. Das Ganze hat dann so etwas von einem Kettenbrief, wo die letzten dann schließlich die Dummen sind, bis dahin aber noch niemand weiß, wer die Letzten denn sein werden.

Wer das Geeiere der Räuberfraktion noch genauer erleben will, der kann das Interview mit Exvorsitzenden der CDU Mittelstandsvertretung Peter Rauen von heute morgen auf Dradio nachlesen. Rauen ist ist ein führender Initiator der Steuersenkungsdebatte.

Entmutigend kann es schon sein mit ansehen zu müssen, von welchen Dilettanten unser Land beherrscht und an die Wand gefahren wird.
Wie kleine neidische Jungs vor einem Kuchen, der eigentlich für Morgen bestimmt ist, nehmen sie die Unverschämtheit des ersten, der sich ein kleines Stück jetzt schon einverleibt zum Anlass, sich das gleiche zu erlauben.

Ein Tipp von den Nachfolgenden Generationen aus der Zukunft an die Protagonisten der herrschenden Ökonomie:
Wenn sie meinen, alle müssten gleich stark von dem verstärkten Steueraufkommen profitieren, es aber nicht ertragen, dass andere mehr bekommen haben, sollten sie doch statt Steuersenkungen zu fordern, alternativ den Vorschlag machen, dass für alle, die vom sogenannten Aufschwung schon profitieren konnten und nur für diese, die Steuern erhöht werden.
Prozentual richtig bewerkstelligt, ergäbe sich hiermit der gleiche Effekt. So bleibt die Gerechtigkeit ebenfalls über alle Gruppen der Gesellschaft erhalten, zusätzlich aber auch die Möglichkeit der Begleichung von Staatsschulden.

 

15.05.08

Wenn in Deutschland über das Thema Wirtschaftswissenschaftler und Empfehlungen an die Parlamentarier bezüglich des weiteren wirtschaftspolitischen Kurses geht, denkt die Öffentlichkeit an die sogenannten Wirtschaftsweisen, einen Zirkel ausgewählter Wissenschaftler und deren Institute.
Zweimal im Jahr geben diese ein Gutachten zur wirtschaftlichen Lage ab, samt vermutlicher Prozentzahl zum Wirtschaftswachstum in den nächsten sechs Monaten. Die Steuerzahler kostet dies jährlich viele Millionen Euro, Geld, das im Grunde zum Fenster hinaus geschmissen ist. Die Gutachten werden von Politikern allenfalls in der Zusammenfassung der Kurzfassung gelesen, geschweige denn angewendet.

Es gibt aber auch eine Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die ebenfalls alljährlich ein umfangreiches Gutachten erstellen und dies schon seit 1975. Sie nennt sich Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik und finanziert sich ausschließlich über Spenden und Verkauf ihrer Veröffentlichungen.
Seit Ende April ist die Buchveröffentlichung "Memorandum 2008" auf dem Markt.
Diese Studie ist, wie in jedem Jahr, wieder mal ein echtes Gegengutachten zum elenden Bericht der sogenannten Wirtschaftsweisen, die ja lediglich eine theoretische Speerspitze der internationalen Neoliberalen Kapitalistischen Wirtschaftsideologie darstellen.
Anders als die Pamphlete der bestellten und hofierten unvermeidlichen Springkaspers mit ungerechtfertigten Weisheitszertifikat, behandeln die Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik wirkliche soziale und umweltpolitische Aspekte. Sie sind damit für die Gesamtgesellschaft und das reale Leben sehr viel angemessener.

Die Arbeitsgruppe steht allerdings den Gewerkschaften nahe. Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftler sind an den Veröffentlichungen beteiligt, und hier liegt sehr wahrscheinlich eine Begründung für die eingeschränkte Akzeptanz der Feststellungen. Nicht, dass ein Mitwirken von Gewerkschaften ein Ergebnis automatisch ideologisieren würde, aber den Gegnern der Arbeitsgruppe wird hier doch eine effektive Möglichkeit zur Vorverurteilung und Nichtbeachtung geboten.

Man muss sich sein Bild selbst machen und von der Arbeitsgruppe zumindest die Kurzfassung des Memorandums 2008 lesen, und Tabellen und Presseinfo beachten.
Bei nächster Gelegenheit werde ich versuchen, an dieser Stelle eventuelle Unterschiede zum ökonomischen Konzept des Vereins Zukunftslobby, der Kategorischen Marktwirtschaft, darzustellen.

 

14.05.08

Kanzlerin Merkel ist in Brasilien. Im Zuge ihrer Südamerikareise will sie mit Staatschef Da Silva auch über eine Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien reden.

Eigentlich müsste längst klar sein, dass Deutschland nur unter Inkaufnahme von ökologischen Schäden einerseits und Verschärfung des Ernährungsproblems andererseits erneuerbare Energieträger wie Ethanol aus Brasilien beziehen kann.
Brasilien wandelt massiv immer neue Naturflächen, hauptsächlich Urwaldgebiete, in landwirtschaftliche Nutzflächen für den Anbau von Energiepflanzen um. Sämtliche Beteuerungen, man würde ja nur auf 3 % der Agrarfläche Zuckerrohrplantagen betreiben, dürfen als Propaganda verstanden werden.
Angestachelt von den Plänen der deutschen Bundesregierung und anderen Industriestaaten, statt fossil gebundenes CO2 aus Gas, Kohle und Öl nun verstärkt CO2 aus neuer Pflanzenmasse freizusetzen, hat besonders Brasilien ein neues Kapitel beim Verbrauch natürlicher Ressourcen aufgeschlagen. Für Zuckerrohrfelder werden immer mehr neue Flächen ausgewiesen, die glänzende Aussicht auf saftigen Profit besiegt jeden Nachhaltigkeitsaspekt. Große Mengen Energie verschlingt zudem noch der Transport des Benzinersatzes nach Europa.

Und Schuld ist alleine der riesige Energiehunger der Industriestaaten. Deren Weigerung, entscheidend weniger zu verbrauchen und stattdessen gar an Stelle von herkömmlicher Energieträger nun Nahrungskalorien zu verbrennen, gibt Brasilien den entscheidenden Impuls zur Umwandlung ihrer gesamten Anbau- und Flächennutzungsstruktur.

Was hat da eine deutsche Kanzlerin über Zusammenarbeit zu reden? Der Import von regenerativen Energieträgern aus Brasilien müsste eigentlich ganz eingestellt werden. Nur das Fehlen dieses fatalen Nachfrageimpulses, würde dieses Land von der Entwicklung hin zu einer weiteren, nicht nachhaltigen und die Lebensgrundlagen schädigenden Agrarstruktur abhalten.

Merkel allerdings, ebenfalls Laie in Sachen nachhaltige Agrarstruktur, scheint sich um die Folgen der fatalen deutschen Energiebeschaffung nicht zu kümmern.
Immerhin stehen mächtige Interessen aus der Automobil- und Energieindustrie hinter ihr. Diese lassen nicht zu, dass ein Vorrang von ökologischen und ernährungspolitischen Argumenten ihre Imagekampagne im grünen Mäntelchen, auch Greenwashing genannt, gefährden. Hier ist die kurzsichtige Dame im Kanzlerrang die ideale Partnerin. Sie besitzt offensichtlich keinerlei Anspruch, auch die Interessen der nachfolgenden Generationen zu vertreten.

 

13.05.08

Dengelkurs, Teil 2

Zu Anfang ist die Schneidkante relativ stumpfwinklig. Um sie noch scharf zu bekommen, muss recht viel Material mit dem Wetzstein abgenommen werden, damit vorne eine scharfe Schneide entsteht. Diese ist dann ruckzuck wieder stumpf. Man muss permanent nachwetzen.

Zuerst wird das Sensenblatt vorgedengelt. Das bedeutet, man hämmert einen etwa 8 Millimeter breiten Streifen des Blattes dünner.

Die linke Hand hält das Blatt in Position, so dass die zu hämmernde Fläche fest auf der Ambossseite aufliegt. Hierbei ist hilfreich, dass kleiner Finger und Ringfinger unten den Amboss berühren und die Hand so gefühlsmäßig den richtigen Abstand zum Amboss halten kann.

So wird das Blatt langsam unter den Hammerschlägen von rechts nach links durchgezogen. Sehr hilfreich ist auch, wenn man auf dem Blatt sieht, wo getroffen wurde. Dies geht sehr gut, wenn Hammer und Amboss poliert sind, und das Sensenblatt vor dem Dengeln mit nicht zu groben Schmirgelpapier (240er) gesäubert wurde. Jeder Schlag wird dann auf dem Sensenstahl als glattere Fläche sichtbar.

Zum Vordengeln sollte man das Blatt mehrmals über die gesamte Breite bearbeiten, wobei jeder Durchgang entlang einer parallel zur Schneidkante gedachten Linie erfolgen soll. Macht man etwa drei Dengeldurchgänge, so sollen die jeweiligen Linien minimal versetzt zueinander liegen.
Wie ausgiebig man vordengeln muss, hängt hauptsächlich davon ab, wieviel der bearbeiteten Kante vom letzten Dengeln noch erhalten ist. Bei neuen Sensenblättern vom Gartenmarkt hat man die meiste Arbeit. Oft steht darauf "Mähfertig gedengelt", was man eher als verkaufsfördernden Spruch auffassen sollte. Solche Blätter sind vielmehr hackestumpf.

Das Scharfdengeln schließlich geht bei etwas Übung schon in einem Durchgang.

Hier liegen nur noch die äußersten 1 bis 2 Millimeter der Kante auf dem Amboss auf.

Diese vorderen 1 bis 2 Millimeter der Dengelfläche sind im Idealfall so dünn wie Alufolie. Hier reichen dann später zwei, drei Schwünge mit dem Wetzstein, um die Schneide rasiermesserscharf zu bekommen.
Wenn die geklopfte Kante am Ende nicht ganz gerade, sondern parallel zur Blattfläche einige Wellen hat, wie oben auf dem Foto zu sehen, ist dies überhaupt nicht schlimm. Nach ein paar mal Wetzen ist dies verschwunden.

Wenn die Dengelkante senkrecht zum Blatt wellig wird, oben im Bild in der rechten Hälfte zu sehen, ist dies nicht mehr so günstig. Beschränkt sich die Welligkeit auf den Scharfdengelbereich, wie im Bild, schleift sich dies beim Wetzen der Sense bald ab. Bis dahin allerdings hat die Sense eher eine Schneide ähnlich einem Wellenschliffmesser. Wenn sie scharf genug ist, lässt sich auch damit gut mähen.

Ist aber der gesamte Dengelbereich bis zum dickeren Metall wellig geworden, ist das Blatt nicht mehr zu gebrauchen.
Im Prinzip müsste man diesen Bereich komplett an Schleifmaschine oder Flex wegschleifen und mit dem Dengeln noch mal von vorn beginnen. Manche Fachleute sagen sogar, man könne das Blatt dann wegschmeißen, oder es nur noch zum Üben verwenden.
Anfängern passiert dieses Welligdengeln recht oft. Verhindern kann man dies vielleicht, wenn man systematisch vorgeht, sich zunächst auf das Vordengeln konzentriert und das Scharfdengeln erst ganz zum Schluss durchführt.

Hat man gut vorgedengelt, kann man später etliche Male nur mit abermaligem Scharfdengeln eine gute Schneidleistung erhalten. Dies geht dann sehr viel schneller, als ein kompletter Dengelvorgang.

Auch die Sichel, für kleinere Ecken im Garten, lässt sich mit Dengeln sehr viel besser scharf bekommen.

Nun braucht es zum Mähen mit der Sense nur noch einen frühen Morgen, wo der Tau auf dem Gras liegt und die Planzenzellen prall mit Wasser gefüllt sind. Zwischen halb sechs und halb acht senst es sich am besten.

 

12.05.08

Dengelkurs, Teil 1

Heute will ich zeigen, wie man eine Sense dengelt, bzw. wie ich meine Sense dengele. Es gibt zum Sensedengeln sicher verschiedene Ansichten, letztlich kommt es auf das Ergebnis an.
Dengeln ist ein kaltes Ausschmieden der vorderen Kante eines Sensenblatts mit dem Ziel, einen schmalen dünnen Schneidenbereich zu bekommen, der sich dann mit dem Wetzstein recht schnell sehr scharf schleifen lässt.

Oben schematisch dargestellt: die Schneide vor und nach dem Dengeln.
Außerdem wird der Stahl der Schneide dadurch etwas gehärtet, wodurch er länger stehen bleibt, und es wird Material in die Breite getrieben, was den Ausnutzungsgrad des Sensenblatts verbessert. Weil der Schneidenwinkel nach dem Dengeln sehr viel spitzer ist, bleibt auch die Schärfe länger erhalten.

Das Dengelwerkzeug besteht aus einem schmalen Amboss und einem Hammer. Der Amboss ist der Kopf eines 1-kg Schlosserhammers, der in ein quadratisch ausgestochenes Loch eines Holzklotzes fest eingelassen ist.
Die Flächen an beiden Werkzeugen sind frei von Scharten und mit Feile und Schmirgelpapier glatt und glänzend geschliffen. Wären hier Unebenheiten, fände man diese auch nach jedem Hammerschlag später auf der Sensenschneide.
Der Hammer ist ebenfalls ein normaler Schlosserhammer von 500 Gramm Gewicht. Er kann auch noch etwas schwerer sein.



Eine andere Möglichkeit, rechts im Bild, ist ein Amboss mit ebener Fläche und schmaler Dengelkante am Hammer, also genau umgekehrt, wie auf dem Bild. Auch wird das Blatt hierbei genau andersherum gehalten, wie oben auf der ersten Zeichnung, d. h., die gewölbte Seite nach unten, so wie es auch später beim Mähen auf dem Boden liegt.
Hierzu muss man aber schon einige Übung besitzen, um die zu hämmernde Linie immer genau treffen zu können.

In der Querrichtung ist der Amboss leicht gewölbt, von der Schmalseite gesehen besitzt er etwa einen Radius von vielleicht 8 mm. Hammer und Amboss sollen von gleicher Härte sein und auf jeden Fall härter, als der Sensenstahl. Billighämmer sind oft nicht geeignet.

Die Arbeitsfläche des Dengelstocks, also Holzklotz plus Amboss, sollte ebenso hoch sein, wie die Oberschenkel des Denglers in Sitzposition. Dies garantiert, dass das Blatt im Laufe des Vorbeiziehens am Amboss während des Dengelns, immer an zwei Punkten aufliegt und so leichter gehalten werden kann. Das Holz um den Amboss wässere ich eine halbe Stunde vor dem Dengeln. So quillt es auf und hält den Amboss besser fest.

Die zu dengelnde Kante sollte vorher mit Schmirgelpapier von beiden Seiten entrostet werden.

Die Körperhaltung beim Arbeiten kann so bequem wie möglich sein.
Wer meint, das Hämmern ist zu anstrengend, der sollte es mit einem längeren Hammerstiel oder einem schwereren Hammer von bis zu 800 Gramm versuchen.

(Morgen gibt es den Teil 2)

 

11.05.08

Wegen des schönen Wetters in den letzten acht Tagen konnte ich jede freie Minute an unserem Anbaudach arbeiten. Die Unterkonstruktion für Ziegel und Schiefer ist jetzt fertig, und nächste Woche kann die Regenrinne angebracht und gedeckt werden.

Auch in dieser ersten Sonnenperiode des Jahres sollte man, gerade da oben, den Schutz der Haut gegen die UV-Strahlung nicht vergessen.

Auf der Bitumenpappe liegt die Konterlattung aus Eiche, Nagellöcher vorgebohrt gegen späteres, witterungsbedingtes Aufreißen, darauf sind Dachlatten aus Douglasienkernholz im alten Maß 2,4 mal 4,5 cm aufgenagelt. Die Ortgänge bekommen ein Unterbrett, wie hier an der Gaubenseite.

Der First wird verschiefert, wie auch der Übergang ins Wohnhausdach. Er ist mit entsprechenden Brettern aus Lärchenkernholz über das Maß der obersten Ziegelreihe aufgedoppelt.

Durch die Verwendung dauerhafter Hölzer ist keinerlei zusätzlicher Holzschutz mit Salzen oder Imprägnierungsmitteln notwendig. Die Hölzer stammen alle aus unserer Region und wurden vom Sägewerker im übernächsten Ort aufgeschnitten.

Das Säubern der alten Ziegel wird noch einige Arbeit kosten, wie auch das Nach-oben-bringen aufs Dach.
Die Ziegel, sie waren etwa 50 Jahre auf dem alten Dach, können problemlos wieder verwendet werden. Sie halten bestimmt noch einmal 50 Jahre. Zudem haben sie schon eine gewisse Patina aus Flechten und sind viel passender zum alten Anwesen als Neuziegel.
Zwar müssen sie abgebürstet und durchsortiert werden, man spart sich aber etliche Tausend Euro für neues Material und natürlich alle ökologischen Schäden, die mit einer Neuproduktion und Transport verbunden wären.

Baustoffe wieder zu verwenden, statt sie nur wieder zu verwerten ist auch ein wichtiger Aspekt beim ökologischen Bauen und wird von mir, wo es geht umgesetzt.

 

10.05.08

Zitat:
"Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.
Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen." - John Ruskin, englischer Sozialreformer (1819-1900)

Dieser Einwand ist auch heute noch voll gültig, doch, was die Beschreibung des Grundes für die Verbilligung bestimmter Waren angeht, nicht mehr vollständig.
Im Zeitalter der Globalisierung, der Produktion mit entscheidender Nutzung des heimlichen Produktionsfaktors -Externalisierung von ökologischen und sozialen Schadkosten- , werden Waren vor allem deshalb billiger, weil mit zunehmender Tendenz nicht mehr alle eingesetzten Produktionskosten von den Produzenten zu tragen sind, also in den Preis des Produkts einfließen müssen.

Um es mit Ruskin auszudrücken:

Wenn Sie ein Produkt kaufen, ein ökologisch und sozial weitgehend verträglich hergestelltes Produkt, bei dem der Energie- und Rohstoffeinsatz während des gesamten Herstellungsvorgangs sehr gering gehalten wurde, das etwa im Inland mit deutschen Arbeitskräften, also mit Arbeitskräften, die im inländischen Sozialsystem integriert sind, erzeugt wurde, bei dem der gesamte Transportaufwand bis zum Endkunden sehr gering gehalten werden konnte, das auch während der Benutzung und später als Abfall keine Probleme mehr bereitet, usw., bezahlen Sie nahezu alle gesellschaftlichen und produktspezifischen Kosten sofort.

Wenn Sie dagegen eine Billigvariante kaufen, die qualitativ, über Ruskins Regel hinaus, vielleicht sogar ebenbürtig ist, im Unterscheid zum ersten Produkt aber unter Abwälzung erheblicher produktionsrelevanten Schadkosten auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen bereit gestellt wurde, etwa durch Herstellung in fernen Billiglohnländern und gefährlicher Kontaminierung der Umgebung des Produktionsstandorts, unter großem Einsatz fossiler Energieträger und brachial gewonnener Rohstoffe, unter immensem Transportaufwand um den halben Globus, mit bedenklichen Inhaltsstoffen oder unter Inkaufnahme großer Probleme bei der letztendlichen Entsorgung, haben Sie beim Kauf nur einen Teil der Kosten beglichen.
Sie können sicher sein, dass Ihnen die Einsparung beim Kaufpreis insgesamt nicht zu Gute kommt. Sie sind ja gerade Teil der Allgemeinheit, auf welche die besagten externen Kosten abgewälzt wurden, bzw. sie sind die Generation, welche die Kostenabwälzung der vorangegangenen, ebenso wie Sie kalkulierenden, Generation zu tragen hat. Auch wenn Ihnen der Zusammenhang vielleicht verborgen bleibt, Sie zahlen langfristig gesehen mehr, als bei dem im Geschäft teureren Vergleichsprodukt.

Sie müssen also beim Billigprodukt die noch zu erwartenden Belastungen hinzurechnen. Wenn Sie dieses tun, haben Sie auch das Geld, um gleich ein ökologisch und sozial verträglich hergestelltes, also ein gesamtgesellschaftlich betrachtet besseres Produkt zu kaufen.

In diesem Sinne: Fröhliche und nachdenkliche Pfingsten!

 

09.05.08

Wohl die meisten Menschen in Deutschland verspüren gerade die Vorfreude auf das verlängerte Wochenende.
Die Aussichten darauf, drei Tage lang nicht arbeiten zu müssen, länger schlafen und ausgiebig frühstücken zu können, lassen so manches Herz höher schlagen.

Bei mir stellt sich da die Frage, wieso dies als Ausdruck von Lebensqualität empfundene Nichtunterworfensein unter das Alltagsdiktat in unserer Gesellschaft denn die große Ausnahme bleibt.
Wenn dieses Pfingstgefühl denn Lebensqualität pur ist, wieso gehört es nicht das ganze Jahr über viel öfter zum festen Bestandteil unseres sogenannten Wohlstands?
Die Antwort ist: weil Lebensqualität im Wohlstand, wie er innerhalb der Industriegesellschaft verstanden wird, gar nicht vorgesehen ist. Diese Art von Lebensqualität ist sogar der nicht erklärte Feind vom sogenannten Wohlstand. Die Industriegesellschaft, dieser momentanen kapitalistischen Prägung, ist darauf aus, alle kleinen Bereiche unseres Lebens nach und nach besetzen und beherrschen zu können.
Alles wird unter dem Aspekt des Konsums betrachtet. Jedwede Lebensqualität, die eigentlich ohne Konsum, materiellen Konsum, auskommt, muss umgewandelt werden, um sie im Phänomen Wirtschaftswachstum als finanziellen Gewinn wirksam werden zu lassen.
Parallel dazu ist eine gehörige und unablässige Gehirnwäsche notwendig, die in Form von Werbung, Modediktaten und sonstiger Propaganda zur Unterwerfung unter verschiedenste Arten von Herdenverhalten ausgeübt wird.

Welche Wirtschaftssparte hätte ein Interesse daran, einfach nur das Nichtstun und das feiertägliche Faulsein zu propagieren? Welcher Wachstumspolitiker würde den Konsumverzicht empfehlen und dass die Leute doch einfach mal die Abwesenheit von Alltagsdruck genießen sollten? Welche Partei ist für Verzicht gegenüber dem, was so als Lebensstandart aufs Podest gestellt wurde.
Welche Partei hat ein Konzept dazu, wie ein Leben weg von materiellen Idealen und hin zu qualitativen Lebensinhalten aus der momentan beherrschenden Konsumgesellschaft heraus dauerhaft verwirklicht werden könnte?
Von Links bis Rechts, bei allen ist das oberste Ideal "Mehr Geld". Alle scheinen den wirklichen Inhalt des Begriffs Lebensqualität völlig aus den Augen verloren zu haben. Alle sind bis über die Ohren in die Zwänge der herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft verstrickt.
Alle sind zu willigen Vollstreckern einer Ökonomie degeneriert, die sich nicht nur mit der Anrichtung von ökologischen und sozialen Schäden und deren Abwälzung auf die Allgemeinheit nährt, sondern unter Anderem auch mit dem Raub unserer Lebensqualität, bzw. mit dem Austausch gegen einen billigen Scheinersatz, den sogenannten Wohlstand.

Da lob ich mir mein bescheidenes Dasein im Konsumverzicht als Lebensart. Was ich nicht brauche, muss ich nicht kaufen, und was ich nicht ausgebe, muss ich nicht erwirtschaften und mit wenig Zwang zur Erwerbsarbeit, gewinne ich viel Zeit.

Was läge näher als ein Dasein, das uns oft ermöglicht, das zu tun, was uns Spaß macht, wenig Ressourcen verbraucht, nicht zum Wirtschaftswachstum beiträgt und nicht zur Finanzierung der Abgeordnetendiäten, und das uns dafür die Qualität des Lebens auch über Pfingsten hinaus jede Woche genießen ließe?

 

08.05.08

Immer wahrscheinlicher wird, dass die Zahl der Todesopfer in Birma sechsstellig ausfällt. Im Unterscheid zum Tsunami vor wenigen Jahren, ist hier nicht nur der Küstenstreifen betroffen, sondern auch Siedlungsgebiete bis weit ins Hinterland.
Die Militärjunta, die das Land terrorisiert, beginnt langsam weich zu werden. Anders als bei den Protesten durch Opposition und buddhistische Mönche im vergangenen Jahr, plagt sie das schlechte Gewissen. Wenn die Uniformierten jetzt aus sicherheitspolitischen Gründen, ihrer Bevölkerung die internationalen Hilfsangebote verwehren würden, könnte ihre Machtposition weit heftiger destabilisiert werden.

Neben dem Wunsch auf größtmögliche Hilfe für die überlebenden und von Zyklon geschädigten Menschen in Birma, gibt es eine Spur Hoffnung, dass dies vielleicht der Anfang vom Ende der Diktatorenclique sein könnte.

Heute vor 63 Jahren wurde mit der offiziellen Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, auch das Ende des Terrors einer faschistischen Verbrecherdiktatur besiegelt.

Dass es in der Weltgeschichte immer erst derart großes Leid für sehr viele Menschen bedarf, damit Verbrecherbanden verschwinden?

 

07.05.08

Der Bundesnachrichtendienst, BND, soll von Pullach jetzt auch nach Berlin umziehen. Heute soll die Grundsteinlegung für einen repräsentativen Neubau stattfinden, vor geladenen Gästen und hinter einem 3 Meter hohen Bauzaun, mit, wie es sich für einen Geheimdienst gehört, Bewegungsmeldern, Überwachungskameras und anderem technischen Schnickschnack zur "Sicherheit".
Die üblichen Statements zur überflüssigen und immens teuren Standortverlagerung sind von den meisten Politikern zu hören: Die Zusammenarbeit mit der Regierung würde erleichtert, die Kontrolle durch die Regierung würde verbessert, etc.
Ob eine Nähe zu Berlin in der jungen Vergangenheit verhindert hätte, dass Journalisten vom BND ausspioniert wurden, kann getrost bezweifelt werden. Auch die Zuverlässigkeit des Parlamentarischen Kontrollgremiums, in der letzten Zeit löchrig, wie ein Sieb und alles andere als unabhängig urteilend, wird mit dem Umzug nicht verbessert.
Christian Ströbele von den Grünen ist gegen den Umzug. Er sagt, früher hätte die Entfernung von Pullach nach Bonn auch kein Problem dargestellt, und die Strecke von Pullach nach Berlin sei auch nicht viel größer.

Wieder mal erlauben sich die Parlamentarier der großen Parteien, Geld, das sie eigentlich gar nicht haben, zum Fenster raus zu schmeißen.
Angeblich soll der Neubau 720 Millionen Euro kosten. Ein Vertreter der FDP geht von mindestens 1,5 Milliarden Baukosten aus.
Die erste Zahl, das kennt man ja schon, ist das Beruhigungsmittel, aufgestellt, um zur Abnickung der Baumaßnahme zu ermutigen, die zweite Zahl am Ende schließlich muss dann als bittere Pille hinterher geschluckt werden.
Eigentlich die pure Selbstveräppelung, kann man denn nicht gleich die wirklichen Baukosten veröffentlichen, wo doch auch der Dümmste angesichts solcherart Kosten weiß, dass es am Ende sehr viel teurer wird?
Die Bevölkerung weiß es, die abstimmenden Volksvertreter wissen es und die Kassenwarte wissen es ohnehin. Völlig verrückt, aber dieses Spielchen mit voraussichtlichen und tatsächlichen Kosten wird offenbar gerne aufgeführt, es muss wohl eine beliebte Alltagsbelustigung der Regierungsbankrotteure sein. Vielleicht gibt es ja auch intern schon Wetten in so einem Fall, etwa "ich tippe auf die Bausumme um den Wert XY
und setze 500 Euro, wer setzt dagegen?"

Jede Firma in der Privatwirtschaft wäre längst bankrott, würde sie so wirtschaften, wie die Regierung. Wissen wir ja, wissen wir längst. Aber diese Verschwender stoppt niemand, sie wurden vom naiven Teil der Bevölkerung zur Verschwendung berechtigt.

 

06.05.08

Die Zeit, in welcher unsere Regierung regiert, scheint endgültig vorbei zu sein. Es sind in den täglichen Meldungen eigentlich nur noch Wahlkampfparolen zu hören.

Die SPD und die Unionsparteien haben begonnen und die Oppositionsparteien werden bald mit Vehemenz nachziehen.
Da gibt es aberwitzige Vorschläge zur Steuererleichterung, etwa von CSU-Huber, dessen Motto "mehr Netto vom Brutto" genauso gut ein Werbespruch von Lidl sein könnte. SPD-Beck kontert mit dem Zusatz, seine noch kommenden Vorschläge seien "viel solider finanziert".
Die CDU verharrt noch bei -Alles Quatsch-, bis dann der eigene Quatsch folgt. Jeder will unbedingt größere Werbeballons steigen lassen als die Konkurrenz und produziert dazu eifrig unausgegorene lauwarme Luft.
Dass alles völlig unfinanzierbar bleibt stört keinen. NRW-Rüttgers arbeit emsig an seinem Profil eines sozial eingestellten Christdemokraten. Seine Mischung aus sehr wohl berechtigten Fragen, zur Lage von gering verdienenden Selbstständigen im Rentenalter und den Antworten, welche die Ursachen der Problematik völlig ignorieren, ist zur eigenen Zur-Schau-Stellung ideal, insgesamt und langfristig betrachtet jedoch scheinheilig und wirkungslos. Wieso attackiert er nicht das Rentensystem im Ganzen, wieso fordert nicht eine Teilnahme auch der besseren Schichten am System?
Huber aus Bayern will seine Vorschläge sogar mit Zukunftserwartungen finanzieren. Es seien in den nächsten Jahren diese und diese Staatseinnahmen zu erwarten, davon könne man ja einen Teil hernehmen, um seiner Klientel die Steuern zu senken.
So etwas ist -Wetten auf die Zukunft-, wie es auch an der internationalen Börse praktiziert wird, und es ist eine Bankrotterklärung der eigenen Möglichkeiten, vor allem aber wieder ein Raub an den nachfolgenden Generationen. Diese müssen die Suppe auslöffeln, weil die Vorhersagen von Politikern praktisch niemals in Erfüllung gehen, und es halt anders kommt, als erhofft, -sorry eben!

Nach 2einhalb Jahren Selbstdarstellung ohne vernünftige Politik, gibts jetzt bis zur Bundestagswahl nur noch 1einhalb Jahre Selbstdarstellung und keine-Zeit-für-Politik. Auf diese Weise kommen wir aus keinerlei Dilemma mehr heraus. Nur die Selbstdarsteller, die jetzt einvernehmlich wieder die Diäten erhöhen wollen, behalten den Kopf über Wasser.
Diesen Kopf, ebenfalls wie ihre Werbeballons, mit Gasen gefüllt, fallen ihnen dann so Sachen ein wie Dekolletes bis kurz vor die Brustwarzen, oder Fantasien, Ihren Bart, im Grunde nur ein paar unappetitliche Stoppel, für eine Million (Kurt Beck in der BILD vom Samstag) verkaufen zu wollen.
Es darf, ja es muss gelacht werden, - was denn sonst? Ach ja, und mit noch mehr Nachdruck Vereinsarbeit betreiben!

 

05.05.08

Auch der Beitrag für gestern ist ausgefallen. Nachdem ich am Samstag einem Vortrag in Darmstadt gehalten hatte, hängten wir noch einen Tag Urlaub dran, um Freunde zu besuchen.

Heute morgen in den Nachrichten wieder die üblichen Meldungen. Sehr beunruhigend sind gerade die Pläne für einen "Nationalen Sicherheitsrat" für Deutschland, der die sogenannte Sicherheit im Innern verbessern soll. Vordergründig will man hiermit dem "Terrorismusproblem" begegnen, einem Problem, welches gerade durch die Politik der letzten Jahrzehnte erst herangezüchtet wurde. (Dieses hatte ich schon einmal in einem Artikel am 30.01.08 behandelt).
Für mich gibt es nur zwei Gründe für die Politik, vor allem für die Politik der Unionsparteien, wieso diese so hartnäckig dieses Feld beackern.

Erster Grund: Sie wollen sich mangels Erfolgen bei der Lösung der wirklich wichtigen Gesellschaftsprobleme, an einem künstlich aufgebauschten Thema ein Profil verschaffen. Zu diesem Zwecke wird das Thema mit großer Energie und Beharrlichkeit gargeredet, um auch den letzten Bürgern die Existenz eines eigentlich verschwindend unbedeutenden Problems, nun mit großem Spektakel in die Köpfe zu hämmern. US-Präsident Bush gibt die Richtung vor und die deutschen Konservativen preschen alle ebenfalls dorthin. Die Union betreibt hier pure Wichtigtuerei auf einem sehr gefährlichen Niveau.
Angepeitscht von dem traumatisierten Innenminister Schäuble, der von morgens bis abends überall nur noch Attentäter zu sehen scheint, wird selbst das Thema Grundgesetzänderung und Einsatz der Bundeswehr im Innern ständig am Kochen gehalten.
Gegen wen sollten die Soldaten da denn kämpfen?

Hier wird ein möglicher zweiter Grund für die paranoide Sicherheitsdiskussion denkbar.
Die hohen Herrn Volksvertreter wollen sich frühzeitig auf Aufstände und mögliche bürgerkriegsähnliche Zustände vorbereiten.
Es ist alles andere als sicher, dass der innere Frieden so bleibt wie er ist. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich nehmen zu, und die Lage könnte für etliche Bevölkerungsgruppen bald derart existenziell werden, dass Proteste auch in anderen Formen zum Ausdruck kommen, wie wir sie aus den letzten Jahrzehnten her kennen.
Der Bevölkerung wird nicht für ewig verborgen bleiben, dass die eigene Politik, die an einer zerstörerischen Wirtschaftsform festhält, der eigentliche Verursacher des schleichenden Niedergangs ist. Die Entladung des Zorns großer Gruppen in neuer Dimension, wird immer wahrscheinlicher.
Wollen die Damen und Herren in den sogenannten Regierungsinstanzen hier vielleicht rechtzeitig eine Sicherheitsbarriere zwischen sich und Teilen des Volks etablieren, gewissermaßen einen Wall aus Tausenden willigen Befehlsempfängern in Uniform und mit Gewehren in der Hand?

Es wird zusehends wichtiger, den Terrorismus einerseits als unmittelbare Politikfolge zu beleuchten und ihn andererseits als willkommene Begründung für politischen Aktionismus zu erkennen.
Und es wird immer notwendiger, eine nachhaltige Wirtschaftsform für unsere Gesellschaft zu entwerfen, die keinen Terrorismus und keinen zivilgesellschaftlichen Niedergang bewirkt und diese Wirtschaftsform mit ihren neuen Möglichkeiten in die Köpfe der Leute zu tragen.


02.05.08

(PS:Morgen fällt der Beitrag aus, weiter gehts am Sonntag)
Für heute:

Der Maifeiertag gestern ist verlaufen, wie gewohnt.
Demonstrationen von linken Jugendlichen in Berlin sind eskaliert. Der Polizeipräsident, der sich unauffällig unter seine Beamten gemischt hatte, wurde von Demonstranten erkannt und musste dann in ein Einsatzfahrzeug in Sicherheit gebracht werden, tolle Pressemeldung.
In Hamburg entwickelten sich beim Aufeinandertreffen von linken und rechten Gruppen entsprechende Szenen. Es wurde gar kurzfristig eine neue Hundertschaft Polizisten aus Berlin eingeflogen.
Die Kundgebung gegen rechte Gewalt hatte friedlich begonnen und ist dann wie gewohnt eskaliert, weil linke, als Chaoten und Autonome bezeichnete Ahnungslose oder Provokateure Feuer legten und Autos anzündeten. Bei etlichen Geschäften wurden routinemäßig die Scheiben eingeschmissen. Es heißt, die Glaserbetriebe haben für die nächsten Tage vorübergehend neue Leute eingestellt.
Die Polizeiführung machte das Hamburger OVG mitverantwortlich, weil es Demonstrationen von linken und rechten Gruppen auf der gleichen Strecke erlaubte. Eine Verstrickung von Richtern und Flachglasindustrie besteht nicht. 250 Blindwütige wurden festgenommen, 20 Beamte angeblich leicht verletzt.

Auf den Kundgebungen schmückten ebenfalls die gleichen Funktionäre aus Linkspartei, SPD und Gewerkschaft die Mikrofone. Unten standen die gleichen Anhänger mit Pfeifen und Plakaten, darauf die immer gleichen Parolen. Mindestlohn und Gerechtigkeit, jaja die Gerechtigkeit. Die ebenfalls gleichen CDU-Politiker wetterten gegen den Mindestlohn, eben alles wie immer.

Die Funktionäre der herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft konnten sich, eben wie gewohnt, zurücklehnen, keine Gefahr, die Ausputzer in Uniform machen das schon und der Steuerzahler finanziert alles.
Von den Rednern mit den roten Krawatten geht, natürlich wie gewohnt, keinerlei Gefahr für den Lauf der Dinge aus. Alle bleiben vereint unter dem Banner des goldenen Kalbs Wirtschaftswachstum, was sie nicht davon abhält, öffentlich einige kleinere Auswüchse der vielen Kalbsfladen in unserer Realität, zu kritisieren. Die darauf täglich Ausrutschenden klatschen, wie gewohnt, brav Beifall.
Keine Gefahr, alles bleibt wie es ist. Lasst sie doch, so mögen die Funktionäre im feinen Tuch denken, sich austoben an den Symptomen der ökonomischen Krankheit, lasst doch die Medien berichten, also zementieren, alles wie immer, wie erwartet, wie inszeniert, bis zum Maifeiertag 2009, wie gesagt, wie gewohnt, wie beschissen.

Es wird nichts helfen, aber wir kommen nicht drum herum, das Fundament unseres Wirtschaftens grundlegend zu sanieren. Die Spektakelzeremonien am 1. Mai zeigen nur, dass diese Notwendigkeit im Bewusstsein der Betroffenen noch nicht angekommen ist.

 

01.05.08

Heute wollte ich eigentlich zeigen, wie man eine Sense dengelt, doch ich habe die Fotos noch nicht beisammen. Da heute Feiertag ist, kann ich auch nicht dengeln, um sie aufzunehemen.

Gleich nach dem Aufstehen, gegen 6.30 Uhr, bin ich schon im Wiesgarten gewesen, um den Morgentau im Gras zum Sensen zu nutzen. In aller Früh sind die Pflanzenzellen noch prall mit Wasser gefüllt, und das Schneiden mit dem ältesten, umweltfreundlichsten und meditativsten aller Mähgeräte geht besonders gut.
Von Osten wehte noch ein leichter Hauch Schwehlgeruch vom gestrig abgefackelten Maifeuer herüber, einem alljährlichen Event aus Altholz-, Grünschnittentsorgung und legalisierter Müllverbrennung. Habe es unterlassen, die Mengen von Pressspanteilen, dick mit Farbe gestrichene Gartentürchen, faule Pfosten mit schwarzen Imprägnierungsresten und nassem Gehölzschnitt zu fotografieren. Es hätte nur wieder böse Sprüche eingebracht, wenn mich jemand gesehen hätte.

Die Sonne guckte gerade über den Horizont, als meine frisch gedengelte und rasiermesserscharfe Schneide leise über den Boden rauschte. Für mich ist es ein Genuss zu sehen, wie mit dem richtigen Gerät und der passenden Bewegungstechnik in Nullkommanix, ohne Lärm, Motor, Abgasgestank und der Produktion von Abgasen eine schön ebene Rasenfläche gezaubert werden kann. Bewegung und Training für die Wirbelsäule bekomm ich auch noch dazu.

Heute Nachmittag werde ich die Graswellen noch zusammenrecheln und zum Kompostieren aufsetzen. Bei Bedarf lässt sich die Fläche dann noch mit dem Handrasenmäher verschönern.

Ein anderes Familienmitglied von uns ist auch schon fleißig am Mähen, halt eben auf seine eigene Weise.