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September 2008

 

September 2008

30.09.08

Die Regierung hat schön abgewartet bis die Bayernwahl vorbei war, um dann mit der Katastrophenmeldung um die geplante Finanzunterstützung für die Hypo Real Estate an die Öffentlichkeit zu gehen.
Auch die relativ klaren Pläne zur angeblich nötigen Stützungssumme von 35 Milliarden Euro, davon 27 Milliarden als Bürgschaft vom Steuerzahler, lassen eindeutig den Schluss zu, dass man hier extra bis nach der Wahl warten wollte.

Die Banker und Regierungspolitiker stellen den Schritt natürlich als unbedingt nötig hin, weil dadurch der Schaden begrenzt werden könne. Anderenfalls, genauso hat man es auch zur Rechtfertigung des US-amerikanischen Rettungspakets schon gehört, seien Arbeitsplätze in Gefahr.
Die Bevölkerung steht dem natürlich völlig hilflos gegenüber. Viel zu umfangreich und verworren sind die Zusammenhänge, um überprüfen zu können, ob die Einschätzung der hohen Herren wirklich stimmt, oder ob hier nur abermals die Belange der Besserverdienenden gestützt werden sollen.
Es kann genauso gut sein, dass ein Zusammenbruch, weil der Staat die Hilfe nicht gewähren würde, den Zockern und den Anbiederern an das große Geld und die geldwirtschaftliche Macht, großen Schaden brächte, die breite Masse der Bevölkerung aber mit geringem Schaden davon kommen lassen würde.

Eins steht jedenfalls fest: Die Personen an den wirtschaftlichen und politischen Schalthebeln haben genauso wenig Ahnung davon, was denn jetzt zu tun ist, um wirklich langfristig die beste Lösungsmöglichkeit zu finden.
Noch im März dieses Jahres hat der bestbezahlte deutsche Banker, Josef Ackermann von der Deutschen Bank behauptet, die Krise sei weitgehend bewältigt (siehe Beitrag vom 23.03.08). Die Realität sagte aber genau das Gegenteil, Ackermann, im Prinzip für den angeblichen Durchblick bezahlt, hat also selbst überhaupt keine Ahnung von den Geschehnissen. Oder aber er wird von bloßem Wunschdenken geleitet, was nicht weniger schlimm wäre.

Umso mehr müssten die Deutschen sich jetzt vor allen sonstigen Statements in diese Richtung in Acht nehmen, etwa vor dem Finanzminister Steinbrück, der es immer wieder schafft, den größten Blödsinn mit einer unerschütterlich selbstbewussten Mine und Betonung abzugeben. Hinter seiner Fassade, die Zuversicht und Kompetenz vorspiegeln will, ist Steinbrück auch nur ein jämmerlich ahnungsloses, wenn auch hochbezahltes, Würstchen.
Ja gerade wegen seiner so falschen Art ist er, ebenso wie das Ganze hinter ihm stehende Konsortium aus Regierungspolitikern, eine ernste Gefahr für die Zukunft unseres Landes.

Wir sollten weder die Bankrotteure unterstützen, noch weiter abwarten.
Wir sollten das faul gewordene Körperteil unseres Gesellschaftskörpers sorgfältig amputieren und dabei alle Verbindungen an den richtigen Stellen durchtrennen, so dass der Körper nicht weiter infiziert werden kann.
Wir sollten bei der Finanzmarktkrise klar unterscheiden zwischen Verlusten für die Breite Masse und jenen für einige wenige mittels Geldgeschäften reich gewordene Personen und Unternehmen. Die Interessen Letzterer sollten wir gnadenlos in den Abfall werfen.
So kann der Rest am ehesten gesunden und wird schließlich erkennen, dass das Abgetrennte gar nicht lebensnotwendig war, ja dass es sogar hinderlich für die nachhaltigen Belange der Menschengemeinschaft gewesen ist.

Aber gerade vor dieser Erkenntnis haben die Machthaber wohl am meisten Angst und halten uns in Angst, damit wir uns nicht wehren wollen.

 

29.09.08

Die CSU hat nun auch ihre längst fällige Herabstufung bekommen.
Statt eines Kommentars heute der Hinweis auf einen Text, mit einer sehr ungewöhnlichen Sicht der Bayrischen Verhältnisse, gesehen vom Schriftsteller Maximilian Steinbeis und kürzlich erschienen als Politisches Feuilleton auf Dradio.
Bemerkung des Redakteurs der Sendung damals: "So haben wir das ja noch nie gesehen."

 

27.09. und 28.09 Kurzurlaub der Blogredaktion

 

26.09.08

Jetzt ist auch die größte amerikanische Sparkasse zusammengebrochen. Auch das Institut Washington Mutual, das sich "Freund der Familie" nannte hatte sich in den letzten Jahren dummerweise in den schlüpfrigen Sumpf des Hypothekengeschäfts gewagt.

In den USA können sich die hochkarätigen Zirkel derzeit zu dem sogenannten "Rettungspaket" nicht einigen, weil Wahlkampf ist.
Der republikanische Kandidat McCain will nicht zustimmen, weil er dann die Wahl schon verloren hat. Zu unbeliebt ist die geplante Hilfsleistung auf Kosten der Steuerzahler in Höhe der anvisierten 700 Milliarden Dollar bei den Wählern. In Republikanerkreisen kursiert derzeit ein diffuser Ersatzplan.
Der Demokrat Obama kann sich momentan Zeit lassen beim Streit zwischen den Bush-Männern um Finanzminister Paulson und Notenbankchef Burnanke, die sofort den gigantischen Plan umsetzen wollen und den anderen Republikanern, die ihre Wahlchancen dadurch wie Felle wegschwimmen sehen.
Wenn Obama irgend einen eigenen Vorschlag dazwischen kundtut, einerseits die Belastung der Steuerzahler geißelt, andererseits ein Einschreiten des Staats fordert, hilft ihm dieses aktive Abwarten über den Wahltermin hinweg.

In Deutschland werden die Stimmen, die nach mehr Regulierung rufen, immer lauter. Mittlerweile ist es sogar notwendig dies zu rufen, denn man erspart sich danach die genauere Beschreibung seiner Vorstellung, wie diese Regulierungsmaßnahmen des Finanzmarktes denn aussehen sollen.
(Hierzu hat allein attac in den letzten Tagen etwas nachvollziehbares beigetragen, siehe mein Beitrag vom 17.09.08 zu dem Thema).
Finanzminister Steinbrück tadelt scharf die Laisser-faire-Mentalität auf dem Finanzmarkt und meint, genau wie im Luftverkehr müssten ganz konkrete Verkehrswege zugelassen oder verboten werden.

Mich beschäftigt dabei die Frage, wieso man denn jetzt, wo der finanzwirtschaftliche Teil der gegenwärtig herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft ihre Unverträglichkeit mit den Interessen der Weltgesellschaft so deutlich offenbart, es nicht fertig bringt, den ganzen Apparat zusammen zu betrachten.
Nicht nur bei den Finanzgeschäften werden die Gewinne der einen und die Verluste der anderen mittels völlig unregulierten Durcheinanderfliegens gemacht - um bei Steinbrücks Vergleich zu bleiben -. Die Interessen der Allgemeinheit wurden hier doch in allen Teilbereichen gnadenlos ausgeblendet. Was nützt es, Herr Steinbrück, für einen einzigen Flugzeugtyp die Flugrouten vorschreiben zu wollen, während alle anderen Flieger weiter auf Kollisionskurs bleiben dürfen.

Würde man hier Nägel mit Köpfen machen wollen, müssten auch alle anderen in der Weltwirtschaft üblichen Externalisierungsarten von ökologischen und gesellschaftlichen Schadkosten verboten werden, oder, um es wieder mit Steinbrücks Beispiel zu sagen, man müsste sich über ein generelles Verbot von Flugzeugen als allgemeines Verkehrmittel verständigen, denn ebenso, wie in der Weltwirtschaft die Subventionierung jedes Geschäfts auf Kosten unserer Nachkommen, bringt der Flugverkehr lediglich kurzfristige finanzielle Vorteile für eine potente kleine Bevölkerungsgruppe aber langfristig weitreichende Nachteile für die Menschengesellschaft.

 

25.09.08

Nicht nur die amerikanische Finanzmarktkrise, auf welche eventuell eine neue Weltwirtschaftskrise folgen könnte, bestärkt mich darin, eine gewisse Unabhängigkeit meiner Wohnverhältnisse weiter zu pflegen, auch wenn es einige Arbeit bedeutet.

Diese Woche habe ich mein Brennholz abgefahren, welches noch im Wald aufgestapelt saß. Dort, unter den alten und jungen Bäumen herrscht immer die gleiche Ruhe, egal, von welchen Meldungen aus Politik und Gesellschaft der Tag gerade bestimmt wird.


Man spürt den Herbst, sieht den Tau, welcher sich reichlich in Spinnweben fängt und Wiesen und Sträucher wie voller kleiner Artistentrapeze erscheinen lässt.


Fangnetze sind es mit einer wilden Kaskade von Fäden darüber,


oder Radnetze, allesamt von Myriaden feiner Wassertröpfchen sichtbar gemacht.


Hänger um Hänger gespaltenes Stammholz hole ich aus dem Wald, 2 Raummeter auf einmal, um es Zuhause nahe des Hauses als Vorrat zu wissen.


24.09.08

Die neue Handygeneration wird derzeit gerade von einem neuen Produkt ergänzt, dem G1-GPhone, einem Gerät ähnlich dem iPhone von Apple, aber mit dem von Google neu entwickelten Betriebssystem Android.
T-Mobile stellte dieses Universalding mit dem man schnell ins Internet kommt und allerlei Schnickschnack mehr und nebenbei auch telefonieren kann, in den USA vor.

Die Euphorie ist groß, ebenso groß wie sie blind ist, denn je mehr uns die Elektronik das Selberdenken und -organisieren abnimmt, desto mehr verblöden wir als Mensch.
Wie auch tagesschau.de gestern meldete, verändert Handynutzung unser Gehirn: "Die neue Handygeneration kann einfach alles - vor allem in rasender Geschwindigkeit mit dem Internet verbinden. So werden Handys zu universellen Problemlösern - das Wissen der Welt in der Tasche - egal wann und egal wo. Doch gerade anhand von Problemen entwickelt sich das Gehirn des Menschen."

Vordergründig betrachtet wird für die Nutzer vieles bequemer. Deshalb betrachten 9 von 10 Nutzer in einer Studie das Handy als Bereicherung ihres Lebens: "Mit einem Signalton und einem Aufflackern erinnert das Handy im Supermarkt daran, einen Liter frische Milch zu kaufen. Über ein integriertes GPS-System und die passende Software werden Handys zu mobilen Wegweisern und ersetzen Stadtpläne und Landkarten. Neuerdings sollen Handys über Sensoren sogar Jugendlichen beim Abnehmen helfen, indem sie die Bewegungen und die Essgewohnheiten erfassen."

Doch auch bei der Handynutzung entwickelt sich eine Art von Dekadenz, genauso wie bei der Nutzung anderer "technischer Segnungen" unserer Zeit, welche für ein Verlernen ursprünglicher physischer und psychischer Fähigkeiten des Homo Sapiens sorgen.
Ausgeweitete Handynutzung führt quasi zu einer "Verfettung" der Denkleistung unseres Gehirns. Genauso, wie beim Entzug von körperlicher Bewegung, verliert sich allmählich die Fähigkeit zu gedanklicher Bewegung. Tagesschau.de: "Doch gerade das, so warnen Wissenschaftler, hemmt die Entwicklung des Gehirns. Hirnforscher und Psychologen versuchen seit Jahren Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwiefern das Handy unser Gehirn und dadurch auch unser Verhalten verändert. Der Göttinger Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther erklärt im Gespräch mit tagesschau.de: "Das Gehirn lernt anhand von Problemen. Bequemlichkeit ist Gift für das Gehirn.""

Die Bereicherungen durch die Handynutzung sind weitgehend quantitativer Art. Gleichzeitig aber kommen die qualitativen Fähigkeiten unter die Räder: "So sei es zum Beispiel besser, Passanten nach dem Weg zu fragen, als etwa Google-Maps auf dem Handy einzuschalten. Dadurch sei zum einen die Herausforderung an das Gehirn höher, zum anderen entstehe so Kommunikation mit anderen Menschen. "Das Gehirn ist ein Beziehungsorgan", so Hüther. Es entfalte sich am besten im lebendigen Austausch. Ein Telefonat, eine SMS oder ein Chat ersetze dabei nicht das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Das Handy erhöhe zwar einerseits die Fähigkeit der Kommunikation, und das in rasender Geschwindigkeit. Anderseits vermindere es die Fähigkeit der Interaktion."

Auch wenn der Bremer Lernpsychologe Wolfgang Bermann in seinem Buch über den Einfluss moderner Medien auf Kinder durchaus positive Effekte durch die Handynutzung feststellt, sind auch diese nur oberflächlicher Art: "Die Jugendlichen sind oft schneller, spontaner und flexibler", so Bergmann, denn: "Andererseits werde dabei auch vieles unverbindlicher und die Aufmerksamkeitsspanne nehme ab, weil das Gehirn eigentlich nur eine Sache zur Zeit richtig machen könne".

Da ist es wenig tröstlich, dass "Kindern heute neue Kulturtechniken wie SMS-Tippen oder Chatten" beherrschen, oder dass sich ihre Hirnregion, welche die Daumen steuert, vergrößert. Dieses passiert auch beim Texteintippen, Klavierspielen oder bei den meisten echt handwerklichen Tätigkeiten.
Was nützt es, wenn Jugendliche "im Umgang mit Handys und Computern die Eltern locker in die Tasche" stecken, und sie es aber nicht mehr fertig bringen "fehlerfrei zu schreiben, Gedichte auswendig zu lernen oder sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren", wenn sie, weiter gedacht und nachhaltig betrachtet, ihr Leben infolge der vielen modernen "Errungenschaften der Technik" also nicht mehr auf die Reihe kriegen können?

Mit der Generation, die jetzt heranwächst, wird die Welt, besser die Weltgesellschaft noch einmal ungeahnte Probleme bekommen.

 

23.09.08

Als in den USA bekannt wurde, dass die Regierung ein viele hundert Milliarden Dollar schweres Paket zur "Unterstützung" der verschuldeten Banken und verstrickten Unternehmen auflegen will, sind die Börsenkurse sofort in die Höhe geschossen.
Im Prinzip war dies der Ausdruck von Freude darüber, dass von ganz oben die Gelegenheiten im großen Stil zu zocken, weiter ermöglicht werden sollen.

Gegenüber dieser an Aktiengeschäften profitierenden Bevölkerungsminderheit, ja man muss sagen dieser verschwindend geringen Minderheit, taucht aber am anderen Ende keine Gruppe von Menschen auf, die für die 700 Milliarden Dollar bluten müssen.
Dies bedeutet keineswegs, dass es diese Gruppe nicht gibt. Es bedeutet viel mehr, dass das Geschehen und seine logischen Folgen, also die umfangreiche Belastung der Zukunftsmöglichkeiten nur sehr schwer verstanden und bedacht wird.
Es bedeutet auch, dass die Geschädigten keine Stimme und keine Fürsprecher haben, und es bedeutet, dass die Medien, die sich immer wieder als Regulativ bezeichnen, weil sie Probleme ansprechen, hier gnadenlos blind sind oder auch naiv und opportunistisch.

Heute wurde bekannt, dass die Börsenkurse wieder etwas eingebrochen sind, weil es Streit im US-Kongress gab über die Details des 700 Milliarden-Geschenks an die Zockerfraktion. - Enorm, wie sehr diese kleine aber enorm reiche Gruppe in der Lage ist, Druck auf die US-Regierung zu machen.

Der deutsche "wirtschaftsweise" Ökonom Bofinger, der gerne als links-light gehandelt wird, hat mögliche Hilfen der Bundesregierung an deutsche Banken ins Gespräch gebracht. Er argumentiert ganz unverblümt mit Wettgewerbsvorteilen gegenüber Banken, denen nicht geholfen wird, also Banken im Ausland.
Dieser Vorstoß wird jetzt wohl unumkehrbar einen Sog erzeugen, einen Zwang für alle anderen Regierungen der westlichen Welt, dies auch zu tun.
Es wird also nicht bei dem 700 Milliarden-Dollar-Geschenk in den USA bleiben, es wird wohl eine weltweite gigantisch umfangreiche Subventionierungswelle geben, eine Umverteilung weg von den Steuerzahlern der Welt und hin zu den Zockern der Welt.
Vom anderen Ende her betrachtet, aus der Warte der Stummen, die ungefragt für die Zeche aufkommen müssen, wird eine gigantische Anleihe an die Zukunft gerechtfertigt werden. Im Prinzip einigt sich die Industriegesellschaft auf die gemeinsame Durchführung eines unvorstellbaren Verbrechens.

Jetzt werden alle Dämme eingerissen. Der Dominoeffekt ist nicht mehr aufzuhalten. Statt das ganze System rigoros umzuwandeln und den Banken zu zeigen, dass sie die nachfolgenden Generationen, in welcher Art auch immer, nicht schädigen dürfen, wird ihnen nun im Gegenteil erlaubt dies noch exzessiver zu tun. Und die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler dieser Welt beweisen abermals, wie kurzsichtig sie in Wirklichkeit sind, oder aber wie rücksichtslos sie ihre kurzsichtige Ideologie auf Kosten unserer Nachkommen breittreten.

 

22.09.08

In der Süddeutschen Zeitung wird heute über eine amerikanische Studie berichtet, die mit der Mär vom guten Lernen am Computer, mit den vermeintlichen Vorteilen der Computerisierung der Klassenzimmer aufräumt.

In der Rubrik "aus den Feuilletons der Zeitungen" auf Deutschlandradio Kultur wurde heute Morgen von Adelheid Wedel darüber berichtet.
Ich übernehme ihren Berichtsteil hier wörtlich:

-- Die Nielsen-Norman-Group hat das Leseverhalten von Menschen am Computer untersucht.
Es heißt, dass "Monitorleser hektisch nach dem Kern des Textes suchen", dass sie "nach Schlüsselbegriffen jagen", kurz: "man kann es nicht Lesen nennen", sagte Jakob Nielsen.
"Im Web werden Inhalte konsumiert, aber nicht gelernt", meint auch Mark Bauerlein, Professor an der Emory University in Atlanta.
Im Mai wird er ein Buch veröffentlichen, das sich mit dem Thema auseinandersetzt, sein Titel: "Die dümmste Generation. - Wie das digitale Zeitalter die Jugend Amerikas verdummt und unsere Zukunft aufs Spiel setzt, oder: Trau keinem unter Dreißig."
Bauerleins Bilanz ist gnadenlos: Ungebildete, unbelehrbare Schüler werden von einer irregeleiteten Politik mit völlig verfehlten Mitteln versorgt. Die Schüler reduzieren den Lehrstoff auf bloße Information, die man einsammelt, austeilt und wieder vergisst. Klassen und Seminarräume sollten angesichts der irren Verbreitung und der imperialen Machtansprüche digitaler Technologien wieder zu Oasen des Langsamlesens und Verstehens werden. Soweit die Empfehlung des Wissenschaftlers in der Süddeutschen Zeitung. --

Als ich dies hörte, fiel mir sofort die Bemerkung, -hab ich doch immer gewusst- ein. Klingt zwar besserwisserisch, aber wer mich kennt und meine jahrelang konsequent durchgezogenen Erziehungsgrundsätze gegen den allgemeinen Mainstream, weiß, dass ich dies sagen darf.

Ich stelle hier natürlich, als Sprecher einer Lobby der Zukunft, wiedereinmal einen enorm umfangreichen Block externalisierter Schadkosten fest.
Diese Verdummung einer ganzen Generation wird sich ja auch in Deutschland gravierend auswirken.
Viel zu lange hat man auch hierzuland die modernistisch geleiteten Scheinpädagogiken interessenorientierter Zirkel wie der Bertelsmann-Stiftung und auch dumpfbackiger Politiker mit großem Mundwerk aller Parteien gewähren lassen, die ihr Heil in der unkritischen Anbiederung an eine zwiespältige Informationstechnologie suchten. Viel zu lange hat man Millionen von Eltern in der Illusion belassen, die stupiden Sitzungen ihrer Sprösslinge vor der Kiste hätten ja auch etwas Gutes.

Jetzt ernten wir womöglich ein Millionenheer von Bildungskrüppeln, die unfähig sind aus eigenem Ermessen ihren Alltag und das Zusammenleben in der Gemeinschaft befriedigend zu organisieren. Einen Bezug zu ihren natürlichen Lebensgrundlagen und ein Bewusstsein, für die Erhaltung dieser auch einstehen zu müssen, haben diese Kinder und Jugendlichen ohnehin schon nicht mehr.
Unserem Land wird dies womöglich noch sehr schwer zu schaffen machen, nicht plötzlich und gleich, aber wenn diese Generation einmal Verantwortung tragen soll.

Wie diese Art von gesellschaftlichen Schadkosten berechnet und internalisiert werden könnten, vermag ich nicht zu sagen. Zu komplex ist dieses Problem, es müsste vor allem möglichst bald ins öffentliche Bewusstsein kommen, um dort zu einer Lösung fortentwickelt werden zu können.

Ich suche heute nicht nach einem Link in der Süddeutschen. Heute ist es angebracht, sich das Montagsexemplar zu kaufen und ganz altmodisch aber verinnerlichbar den besagten Artikel über die Kritik Mark Bauerleins zu lesen.

 

21.09.08

In München hat das 175ste Oktoberfest begonnen, dieses international berühmteste deutsche Volksfest, welches die Einen hassen und die Anderen gleichgültig lässt.
Ob es irgendjemand tatsächlich liebt, kann nicht eindeutig festgestellt werden. Auf jeden Fall wird es als alkohol-, politik-, folklore- und B-Promi-triefendes Spektakel in Bayern offensichtlich gebraucht.

Heute zum Lesen ein schöner Kommentar, auf Dradio am 5. September, von Roger Boyes zum Oktoberfest, unter diesem Link.

 

20.09.08

Immer abenteuerlicher werden die Auswüchse des Finanzskandals in den USA. Jetzt will die Regierung mit einem Rettungsprogramm in noch nie da gewesenem Umfang die Verluste der Kasinokapitalisten übernehmen. Derzeit steht die Summe in Höhe von 1000 Milliarden Dollar im Raum, eine Summe, die im Prinzip der Allgemeinheit entzogen wird, um sie den Zockern zu schenken.

Da die US-Regierung das Geld gar nicht hat, muss sie es über Kredite realisieren. Kredite sind aber Anleihen an die Zukunft. In der Zukunft muss irgendjemand dieses Geld, plus dem noch dazu kommenden Zinsvolumen zurückzahlen.
Die nachfolgenden Generationen also sind wie immer in der gegenwärtig herrschenden Kapitalistischen Subventionswirtschaft die Dummen. Sie können sich jetzt nicht dagegen wehren belastet zu werden, weil sie schlicht und ergreifend nicht anwesend sind. Als die Letzten werden sie von den Hunden gebissen.

Das hier geplante Großverbrechen an den nachfolgenden Generationen läuft, um es mit einem Bild zu zeichnen, etwa so:
Ein Zocker kommt, nachdem er alles auf eine Zahl gesetzt und verloren hat, aus dem Kasino und trifft dort seinen Kumpanen, dem er sonst immer einen kleinen Teil seines Gewinns abgegeben hat. Dieser bietet dem Zocker an, doch das Konto der eigenen Kinder zu belasten, um die Roulettschulden zu begleichen, er selbst habe ja den Zugriff darauf. Der Zocker, blind vor Spiel- und Gewinnsucht willigt ein und kann so weiter spielen.
Der Kumpan sichert sich die Möglichkeit, auch in Zukunft weiter seinen Anteil kassieren zu können.
Der Öffentlichkeit gegenüber rechtfertigt er sich mit der Behauptung, einerseits würde er dieser ja einen Teil seines Anteils abgeben, andererseits wäre es für die Allgemeinheit schlimm, wenn die gesamte Zockergemeinde mitsamt ihrem nachgeordneten Anhang das Spielen einstellen müsste.
Er verschweigt, dass dieses elende Spielchen allmählich, je mehr die Zukunftsgenerationen zu betroffenen Generationen heranwachsen, jedes Handeln immer mehr zu Nichte macht, und dass die beste Lösung für die Allgemeinheit wäre, diese Zockergrüppchen ein für allemal auszutrocknen.

Bleibt am Ende noch eine Frage übrig: Wer betreibt eigentlich das Kasino und streicht das dort verlorene Geld als Gewinn ein?
Geld geht nur restlos verloren, wenn Scheine ins Feuer geworfen werden. Ansonsten wird Geld lediglich umgeschichtet und bleibt, ebenso wie Energie in irgendeiner Form der Weltgesellschaft erhalten. Wo sind also die horrenden Beträge, am Ende werden es etliche Billionen sein, schließlich gelandet?
Diese Frage zu erhellen wäre doch eine der Welt wirklich dienliche Aufgabe, und könnte eine bessere Lösung der momentanen Situation einerseits und eine verträglichere Reglementierung für die Zukunft andererseits erbringen.


19.09.08

Dass sich der Milchpulverskandal in China derart ausweiten konnte, hat, so verdichten sich Spekulationen, vor allem mit den dort ausgerichteten Olympischen Spielen zu tun.

Milchprodukten mehrerer Hersteller wurde, offenbar teilweise schon seit letztem Jahr, der als Bindemittel zugelassene Stoff Melamin in hohen Dosen zugesetzt, weil dadurch ein höherer Eiweißgehalt vorgetäuscht werden konnte.
Für kleine Kinder hat dies fatale Folgen. In kürzester Zeit bekommen diese Nierensteine mit allen damit zusammenhängenden Gesundheitsproblemen. Bis jetzt sind, den chinesischen Angaben von vor zwei Tagen zufolge, drei Kinder gestorben, über sechstausend sind erkrankt, 1300 davon sehr schwer.

Allerdings gehen Hilfsorganisationen davon aus, dass es sehr viel mehr Betroffene gibt und dass in den nächsten Wochen erst das ganze Ausmaß sichtbar wird. Erste Warnungen soll es bereits im März dieses Jahres gegeben haben.
Die chinesischen Behörden versuchen permanent herunter zu spielen. Beobachter in Schanghai beispielsweise berichten von langen Warteschlangen vor allen Kinderkrankenhäusern aus Hunderten Eltern mit Kindern auf dem Arm, die auf einen Untersuchungstermin mit dem Ultraschallgerät warten.
Möglich ist jetzt gar eine Ernährungskrise, weil viele Familien sich für ihre Kinder nur diese Milchprodukte aus der Fabrik leisten können und nun keinen Ersatz finden.

Nun erst hat in China die Strafverfolgung eingesetzt. Etliche Produzenten und Händler sind von ihren Posten suspendiert worden und teilweise bereits in Haft. Derzeit ist noch unklar, inwieweit lokale Behörden schon früh von dem Skandal wussten, ihn aber vertuschten, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden.
Sehr viel pikanter ist die Vermutung, der Skandal sei im Zuge der umfangreichen Zensur im Land anlässlich der olympischen Spiele lange verschwiegen worden. Von ganz oben hatten alle chinesischen Medien die Anweisung, Negativmeldungen zu unterlassen, um nicht das positive Bild der Spiele gegenüber der übrigen Welt zu gefährden.
Es wäre dringend nötig gewesen, Eltern vor der möglichen Gefahr frühzeitig zu warnen. So aber haben womöglich Hunderttausende Kleinkinder die giftigen Milchprodukte unnötig gefüttert bekommen, weil die Berichterstattung warten musste, bis die Pekinger Spiele vorüber waren.

Im Prinzip haben wir es hier, abstrakt betrachtet, mit einem besonderen Fall von Schadkostenexternalisierung zur Erreichung eines kurzfristigen Ziels zu tun. Weil China den vollen Umfang aller Lorbeeren aus der beeindruckend und außergewöhnlich aufwändig gestalteten Olympiade einfahren wollte, wurde die Schädigung von womöglich Hunderttausenden kleinster Landsleute in Kauf genommen.

Wahrscheinlich aber wird wohl niemand jemals die beiden Kostenblöcke hier nebeneinander stellen und die Endbilanz eröffnen:
Hat es der chinesischen Volkswirtschaft nun wirklich mehr genutzt, durch Verschleppung der Gefahrenhinweise alle finanziellen und sonstigen Profite aus den Spielen voll einfahren zu können, oder wäre es besser gewesen, hier schon vor Monaten öffentlich zu warnen und eventuell eine Schmälerung des Prestiges in Kauf zu nehmen?
In China, wo Menschenleben im jetzigen System fast nichts wert sind, persönliches Leid im großen Stil ignoriert wird und ein Ausgleich mittels finanzieller Instrumente eines entsprechenden Sozialsystems gar nicht vorgesehen ist, lässt sich die Frage leider einfach beantworten.

 

18.09.08

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, hat am Montag noch 300 Millionen Euro an die amerikanische Lehman-Bank überwiesen. Der Zusammenbruch war damals schon abzusehen. Das Geld wird sie wohl nie wieder sehen.

Jetzt herrscht Kopfschütteln, Augenrollen, hämisches Lachen bei den Unbeteiligten, empörtes Getue bei den Verantwortlichen und Zuständigen über diesen grandiosen Akt von "Geld zum Fenster hinaus werfen". Unfassbar, jetzt will es wieder keiner gewesen sein. Die Dilettanten bleiben am Ruder, und die nächste "technische Panne" auf Kosten der Allgemeinheit ist schon vorprogrammiert.

Heute wurde berichtet, dass gerade Lehman etliche soziale Projekte und Organisationen unterstützt hat wie beispielsweise "Ärzte ohne Grenzen". Für diese wird der Zusammenbruch der Bank nun zur großen Krise ihrer eigenen Existenz.
Wie sagte der Kommentator im Radio heute morgen so schön: die KfW hätte die 300 Millionen doch besser gleich an die Organisationen überweisen sollen. - Wie wahr.

 

17.09.08

Die amerikanische Bankenkrise liefert fast täglich abenteuerliche Zahlen.
Wenn ich höre, dass jetzt abermals der US-Steuerzahler, diesmal zur Stützung des weltgrößten Versicherungskonzerns AIG, einspringen muss, um das Schlimmste zu verhindern, frage ich mich, woher nehmen die denn das ganze Geld her? Die USA sind doch schon seit langem hoch verschuldet, führen einen Krieg auf Kosten der Allgemeinheit, wofür ebenfalls die Finanzen der Zukunft angezapft wurden.
Jetzt werden wieder 85 Milliarden Dollar locker gemacht, also 85.000 Millionen, unvorstellbar, und nur für eine Firma, die alles Mögliche versichert und sich nebenbei an der Hypothekenkrise schwer die Finger verbrannt hat.

Ich glaube, uns wird nur vorgegaukelt, die amerikanische Regierung und die Notenbank könnten die Lage stabilisieren. Irgendwann ist auch hier Schluss, erfahren wird die Öffentlichkeit dies wohl erst, wenn der Tag X schon gekommen ist.
Auch die deutsche Bundesregierung muss beschwichtigen. Psychologie ist an diesem Punkt alles.
Endlose Gespräche werden mit sogenannten "Fachleuten" geführt, und man hat am Ende fast immer das Gefühl, es war nur wichtigtuerisches Geschwätz. Ein paar Tage später schon revidieren diese Personen aus Bankwesen, Industrie und Politik ihre Annahmen wieder, weil die Wirklichkeit sie dazu nötigt.
Gerade jetzt, um kurz vor 8 Uhr, redet Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbands der Industrie und heute Unternehmensberater, in Dradio-Interview sich wichtig und um den heißen Brei herum und nutzt die Gelegenheit, um den Sozialdemokraten in der Regierung noch eins auszuwischen.

Ein echt gutes Interview dazu gab es gestern, ebenfalls auf Dradio. Die Moderatorin sprach mit dem Finanzmarktexperten im Koordinierungskreis von Attac, Stephan Schilling.
Man muss das Interview dort lesen oder besser noch nachhören.
Schilling ist äußerst kompetent, sagt klipp und klar, was falsch gelaufen ist und wie attac sich entsprechende Änderungen im Finanzrecht und Sicherheitsmaßnahmen von Seiten der Regierungen konkret vorstellt.
Er spricht eine verständliche Sprache, völlig frei von jeder Eitelkeit, und man wünscht sich ihn dorthin, wo die Regeln zur Finanzmarktaufsicht gemacht und durchgesetzt werden.

Spannend wird`s, wenn sich die heutigen Statements der Politik in Deutschland so langsam in Makulatur auflösen, von der realen Entwicklung also überwachsen werden wie Petersilie von Brennnesseln.
Steinbrück´s derzeitiges lautes Singen im dunklen Wald aber gehört ja leider zum Standartprogramm solcher Katastrophenverwalter oder genauer gesagt zum Ablenkungsrepertoire aus Mangel an Kompetenz, und das Wahlvolk erwartet wohl schon gar nichts mehr anderes, als dass den Warnungen vor einer schlechten Stimmung unmittelbar auch die realen Fakten für diese Stimmung folgen.

 

16.09.08

Heute wird gemeldet, dass der Wirbelsturm "Ike" in den USA mindestens 30 Menschenleben gefordert hat, dass es wieder mal enorme Sachschäden gegeben hat, keinen Strom, keine Mobilität, usw.
Es fällt dabei auf, wie wichtig der allgemeinen Berichterstattung die Sturmfolgen auf US-amerikanischem Boden sind. Dagegen werden andere Länder, die wirklich sehr viel schlimmer betroffen sind, eher am Rande erwähnt.

Am ärgsten hat es diesmal mit "Ike" den Staat Kuba getroffen.
Die Zahl der Todesopfer ist hier dreistellig. Viel langfristiger wirken die Schäden an Tausenden Gebäuden, Krankenhäusern, Schulen und sonstigen Bauten der elementaren Infrastruktur. Viele Plantagen, etwa Kaffee- und Tabakfelder, sind zerstört, ihr Aufbau dauert Jahre.
Damit hat Kuba nicht nur direkte Schäden, sondern auch fortdauernde Handelseinbußen zu verkraften.
Die US-Außenministerin Rice hat es abgelehnt, das seit Jahrzehnten bestehende Kubaembargo wenigstens vorübergehend zu lockern, damit Hilfe leichter nach Kuba gelangen kann.

Hier sollte man den indirekten Zusammenhang zwischen den ökologischen Folgen der USA-typischen Ökonomie und der Verstärkung von Wirbelsturmaktivitäten im Zuge der Klimaerwärmung betrachten. Unter diesem Aspekt fällt der USA eine erhebliche Schuld an den Schäden durch solche Wetterereignisse zu.
Man stelle sich vor: die USA sind die Hauptverantwortlichen für die Toten und die Schadkosten an der Volkswirtschaft in Kuba, und sie wollen nicht nur keine Entschädigung leisten, sie wollen gar verhindern oder erschweren, dass Dritte diesem Volk Hilfe zukommen lässt.

Und was tut Europa?
Ebenso sind wir hier, weil wir auch eine stark CO2-emittierende Ökonomie betreiben, mit schuld an den Schäden auf den mittelamerikanischen Inseln. Aber gab es hierzu irgend eine Erwähnung unserer Politiker? Gab es Meldungen zu beabsichtigten Hilfeleistungen an das als kommunistisch gebrandmarkte Volk Kubas?
Alle EU-Politiker bleiben brav hinter der Linie der US-Falken stehen und reden lieber über Georgien mit dem zwielichtigen, aber westfreundlichen Gangster an der Spitze. Die USA bringen sofort eine Milliarde Dollar "Aufbauhilfe" zusammen, vordringlich um den Militärapparat und die westdienliche Industrie wieder in Schwung zu bringen.
Und dies alles hauptsächlich nur, um Öl vom Kaspischen Meer an Russland vorbei schleusen zu können, um die für das Weltklima fatale Ökonomie weiter betreiben zu können, und, nun ja, um, man will es ja nicht direkt, nimmt es aber in Kauf, die Wirbelsturmgefahr um den Golf von Mexiko noch dramatischer werden zu lassen.

 

15.09.08

Der Samstag war leider verregnet, aber Sonntags kamen dann um so mehr Besucher auf den Markt in Herrstein.
Mit etlichen Leuten konnte ich gute Gespräche halten, andere nervten mit blöden Kommentaren. Hier kann man dann seine Schlagfertigkeit üben.
Die längste meiner Miggeplätschen war 120 cm lang. Gut an kam der Spruch: Hätte Kurt Beck diese am vorletzten Wochenende in der Sitzung dabei gehabt, hätte er damit schnell einen Vorlauten in der zweiten Reihe abwatschen können und wäre vielleicht noch Parteivorsitzender, - hoho, was ham wir gelacht.

Hier noch ein paar Bilder von Sonntag:


Die Miggeplätsche aus gespaltenem Holz und Lederlappen, stabiler elastischer Stiel von 35 bis 120 cm Länge.


Ich selbst im Leinenhemd und Lederschürze auf der Schnitzbank.

 

13.und 14.09.08

Habe ein völlig politikfreies Wochenende eingeplant. Samstag und Sonntag kann man mich auf dem Mittelaltermarkt in Herrstein im Hunsrück treffen. Dort stehe ich mich meinem kleinen Stand aus alten, teilweise neu gebauten Gerätschaften und Werkzeugen und stelle vom Baumstammstück bis zum fertigen Produkt Fliegenklatschen, bei uns sagt man Miggeplätsch, her.

 

12.09.08

Über den Wandel der Deutschen Sprache durch begieriges Aufnehmen englischer Begriffe gibt es heute auf Deutschlandradio einen köstlich treffenden Kommentar des Politikwissenschaftlers, Historikers und Künstlers Paul-Hermann Gruner --"Wie wir unsere Sprache kaputtmachen - Ein aufhaltbarer Niedergang"--.
Der Text ist unbedingt lesenswert und sollte uns gegenüber der um sich greifenden, alltäglichen Sucht nach Verwässerung unserer grundlegendsten Kulturgrundlage, der "sprachlich-geistige Selbst-Kolonisierung ersten Ranges" etwas wachsamer werden lassen.

 

11.09.08

Heute ist es 7 Jahre her, dass ein Ereignis in den USA den Lauf der Weltgeschichte änderte. Die Zerstörung der beiden Türme des World-Trade-Centers brachte der ganzen Welt neue außenpolitische, militärische und diplomatische und innenpolitische Schwerpunkte.
Diese Schwerpunkte setzte die USA, und mehr oder weniger nahmen die Staaten der Erde diese entweder als neue Aufgabe oder auch als neuen Maßstab der Gegnerschaft zur westlichen Welt an.

Wer für die Anschläge verantwortlich war, dazu gibt es bis heute keine endgültige Klarheit. Die offizielle westliche Version ist derzeit die verbreitetste: islamistische Terroristen hätten das Desaster geplant und ausgeführt.
Daneben gibt es das Szenario von Verschwörungstheoretikern, wonach eine kleine Gruppe von Hardlinern in der amerikanischen Politik die Anschläge erdacht und durchgeführt hätten.

Für die erste Theorie spricht der Vorwurf, der Anschlag sei als Explosion des Hasses auf die USA zu verstehen, die über Jahrzehnte weltweit eine Außenpolitik der Ignoranz und des Egoismus betrieben hat, einen Kultur- und ökonomischen Imperialismus nie dagewesenen Ausmaßes, also die fortwährende offene und subtile Ausbeutung der Welt zum persönlichen quantitativen und machtpolitischen Vorteil.
Für die zweite Version spricht, dass der Machtapparat der USA aus Militär und Wirtschaft ohne eindeutigen Gegner nicht beibehalten werden kann. Weil der Gegensatz zum alten Ostblock aber weggebrochen ist, brauchte Amerika einen neuen Widersacher, um die Infrastruktur dazu weiter rechtfertigen zu können. Da es diesen nicht gab, wurde er kurzerhand erfunden und der Welt mittels eines großen Spektakels mit 4 Passagierflugzeugen vorgeführt.

Für die offizielle westliche Version spricht nicht, dass diese von 95 % der westlichen Medien vertreten werden.
Diese Medien sind, wie die westliche Politik auch, von einem zumindest unbewusstem Opportunismus gegenüber dem sogenannten "freiheitlich-demokratischen System" verbunden, so dass sie alles gegen dieses System sprechende eben nicht war haben wollen. Teilweise würde man damit auch vieles der über Jahre vorangegangenen eigenen Berichterstattung relativieren, also seine individuelle Glaubwürdigkeit im Nachhinein beschädigen. Nirgendwo in diesen Medien sind die gigantischen politischen Schadkosten dieses modernen Imperialismus der USA je thematisiert worden, nirgendwo wurde ein Zusammenhang aus Ursache in der Gegenwart und bitteren Folgen in der Zukunft umfassend beleuchtet.

Immer mehr jedoch kristallisiert sich als mögliche Antwort nach der Schuld am Anschlag eine Mischung aus beiden Szenarien heraus: Al-Kaida war es nicht alleine.
Dia Raschwan, Politologe und Islamismusexperte des Al-Ahram-Zentrums für politische Studien in Kairo fragt etwa (- aus einem Bericht auf Dradio, heute um 7:15 Uhr -):
"Wieso eröffnen die USA keinen Strafprozess, wo es sich doch um mehrfachen Mord handelt". Er bezweifelt die Darstellung der US-Regierung, weil diese nicht den rechtlich angemessen Weg einschlagen und damit auch die Opfer nicht respektieren. Bis heute wird in Militärgerichten unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des amerikanischen Rechts verhandelt. "Die Amerikaner haben aus dem Verbrechen des 11. September ein politisches Ereignis gemacht. Dieses benutzen sie für ihre Zwecke. In Guantanamo sitzen führende Köpfe der Al-Kaida. Warum wurde diesen nicht ein normaler Prozess gemacht?" Die USA haben auf jeden Fall etwas zu verbergen, meint XXXXX.
Er vergleicht die New-Yorker Anschläge mit einem Fußballspiel: "Al-Kaida mag den Ball abgestoßen haben, aber bis er im gegnerischen Tor landete, mussten ihn noch viele weitere Füße berühren."

Al-Kaida hat von der amerikanischen Reaktion auf die Anschläge auf jeden Fall profitiert. Nie zuvor waren so viele junge Muslime bereit, sich dem Kampf gegen die USA anzuschließen. Nichts hat die Fratze des westlichen Imperialismus derart in aller Welt verdeutlicht und verbreitet, wie die Aktionen der USA in Folge der Anschläge.
Mit nichts anderem gelang es der amerikanischen Regierung derart effektiv, sich die Ausweitung der aggressiven Verteidigungspolitik und die massiven Investitionen in die militärische Aufrüstung von der getäuschten Öffentlichkeit genehmigen zu lassen.

Vielleicht wird man ja in einigen Jahrzehnten einmal versuchen, die angerichteten vor allem politischen, aber auch ökologischen und sozialen Schadkosten der Aktionen um den 11. September für die Weltgesellschaft zu beziffern und wird sich irgendwo in dreistelligen Billionenbeträgen verlieren.
Schon heute ist klar, dass die USA mit den rauflustigen Milliardenschefflern an der Regierung und einem durchweg passivem oder naivem Wahlvolk, mit Unterstützung vieler kleinerer Weststaaten aus dummen und kurzsichtigen Jasagern, den geschichtlich einmaligen, endgültigen Bankrott der Weltgesellschaft verursacht haben wird.

 

10.09.08

Zum Thema Georgien und Europa hier ein Hinweis auf einen Kommentar auf Deutschlandradio Kultur.
Die Journalistin Isabella Kolla beleuchtet das Thema von einer weniger populären Warte aus. So fragt sie etwa, wieso Europa sich, im Gegensatz zur derzeit großen Aufregung wegen Georgien, während des lange währenden Tschetschenienkriegs so dezent zurück gehalten hat:
"Was die Russen seit 1991 in Tschetschenien trieben, Massenmord, Entführung, Vergewaltigung, hat den Westen nur auszugsweise bis gar nicht interessiert, war und ist bis heute einer kleinen engagierten Menschenrechtsgemeinde vorbehalten.".
Kolla stellt fest:
"... es geht um das alte "Great Game" - das Große Spiel - so nannten Historiker den Kampf zwischen den Kolonialmächten Russland und Großbritannien im 19. Jahrhundert um den Einfluss in Zentralasien. Damals stritt man um die Beherrschung von Territorien, heute geht es vor allem um die Ausbeutung von Rohstoffen, die Amerikaner ersetzten die Briten. Georgiens geographische Lage weckt Begehrlichkeiten in Washington, Westeuropa und Moskau. Deshalb erfährt das vergleichsweise arme, abgelegene Fünf-Millionen-Land so viel internationale Zuwendung. 1997 deklarierte die damalige US-Außenministerin Albright ganz Transkaukasien zur "geostrategischen Interessenzone der USA". Wer Georgien beherrscht, kontrolliert den südlichen Kaukasus und die Länder Zentralasiens..."

Der Kommentar ist als Ergänzung der Diskussion sehr wichtig.

 

09.09.08

Im Politischen Feuilleton auf Dradio gab es heute ein Kommentar zur Frage, wohin sich Europa entwickeln muss. Der Kommentator Jan Techau (-Europas schwankendes Selbstbild-) beleuchtete die faktische Handlungsunfähigkeit Europas angesichts der Georgienkrise.
Von Russland im Osten sei Europa wegen der Energielieferungen abhängig und von den USA im Westen wegen der militärischen Sicherheit unter dem Dach der Nato.

Die Abhängigkeit von Amerika allerdings liegt heutzutage schwerpunktmäßig eher auf dem wirtschaftlichen Bereich. Einerseits ist Europa vom Export nach den USA abhängig, und andererseits hat sich die europäische ökonomische Struktur derart weit der amerikanischen angepasst, dass auch hier schon Unternehmensverflechtungen in Abhängigkeitsstrukturen übergegangen sind.
Der Aspekt einer Abhängigkeit vom amerikanischen Militärapparat wird eigentlich nur noch künstlich aufrecht erhalten.
Seit die wechselseitige Bedrohung der alten Militärblöcke weggefallen ist, musste eine andere Berechtigung für das sündhaft teure Säbelrasselgehabe her. Dieses hat man im sogenannten Kampf gegen den Terror gefunden.
Im Grunde wurde der neue Feind nach dem aufgelösten Warschauer Pakt, von der westlichen kapitalistischen Ökonomie selbst herangezüchtet. Ja er wird derzeit gar künstlich am Leben gehalten und zwar mit Hilfe entsprechender Interventionen des militärischen Apparats im Irak und Afghanistan, mit verfehlter Diplomatie, wie gegenüber Iran, Pakistan, Nordkorea, Sudan, etc. und blinder und vorteilsorientierter Unterstützung durchaus kritikwürdiger Systeme wie Israel, China, Saudi-Arabien oder Libyen .

Gegen die Abhängigkeit von Energielieferungen einerseits und den Exportmöglichkeiten andererseits, das wurde hier schon ausgeführt, hilft Europa nur der Aufbau eines umgangreich nachhaltig orientierten Wirtschaftssystems.
Die weltpolitische Aufgabe Europas liegt darüber hinaus aber im Bereich der Diplomatie. So wie bei der Wirtschaftspolitik, die nur nachhaltig ist, wenn sie die Entscheidungen zuallererst auf die Wirkungen in der mittel- und langfristigen Zukunft ausrichtet, ist es auch bei der Diplomatie.
Neben der Übernahme des Nachhaltigkeitsaspekts in der Wirtschaftspolitik, könnte Europa mittels Integration dieses Prinzips auch in den Bereich der Diplomatie hier zur weltweit führenden Instanz werden.
Die alten Formen der Vorteilsdiplomatie, des Ausrichten von internationalen Verhandlungen auf bestimmte wirtschaftliche und einflusstechnische Erwartungen, muss überwunden werden. Die Welt klebt heute derart eng zusammen, dass nur eine neue selbstlose Form der Diplomatie, welche kurzfristige Staatsinteressen hintenan und langfristige Perspektiven für die ganze Weltgesellschaft in den Fokus stellt, als zeitgemäß betrachtet werden kann.

Bezüglich der Georgienkrise muss Europa von der zu amerikanischen Bewertung der Dinge abrücken, zu welcher sich die derzeitigen, altbackenen Akteure, wie etwa Kanzlerin Merkel, immer noch verpflichtet sehen.
Was der derzeitige Ratspräsident Sarkozy derzeit tut, ist blinder Aktionismus nach dem Zufallsprinzip: Wenn ich an möglichst vielen Stellen herumrühre, wird sich vielleicht hier und da auch mal was bewegen.
Derzeit jedenfalls macht Europa sich lächerlich. Mit dem neuesten Vorhaben, die Ukraine und Georgien jetzt schneller in die EU aufzunehmen, drückt Europa sich mal wieder vor seiner wichtigsten Aufgabe und verschärft sein Verhältnis zu Russland unnötig.
Nur wenn Europa die US-amerikanische Ideologie, wirtschaftlich wie diplomatisch, hinter sich lässt, kann Russland das Heranrücken an seine Grenze entspannt akzeptieren.

 

08.09.08

Auch wenn es mit dem Hauptthema dieser Website wenig zu tun hat, drängt es mich als Rheinland-Pfälzer doch, die Auswirkungen des jüngsten Tornados innerhalb der SPD zu kommentieren.

Ich muss höllisch aufpassen, dass mir Kurt Beck nicht leid tut.
Der Arme, haben sie ihn doch eiskalt abserviert, er selbst hatte diesem Geschehen mit seiner dünnhäutig naiven Art, seinen Problemen mit dem Argumentieren, seiner Visionslosigkeit und seiner Unerfahrenheit im Umgang mit innerparteilichem Widerspruch nichts entgegen zu setzen. Jetzt blieb ihm nur noch der Rückzug als beleidigte Leberwurst.

Die Öffentlichkeit bekommt wohl nun erst mit, wie sehr sie mit den routinemäßigen Geschlossenheitsbeteuerungen der letzten Zeit getäuscht worden ist. Das Brodeln währte doch schon lange, schon längere Zeit meinte man, bei öffentlichen Äußerungen Becks das genervte Augenrollen prominenter SPDler innerhalb der Parteispitze spüren zu können. Jetzt ist ihnen der Kragen geplatzt und sie haben die in Umfragen am weitesten oben stehenden Kandidaten gekürt.
Frank-Walter Steinmeier, dieser mir sehr opportunistisch, schmierig und enddarmgängig vorkommende Prediger, er versteht es gut auszuweichen, Probleme glatt zu reden und Pfeile abprallen zu lassen. Wenn ich ihn reden höre, schon fast mechanisch, emotionslos und uneindeutig, muss ich mit den Augen rollen. Seine Beliebtheit in der Bevölkerung ist hauptsächlich auf dieses Streitvermeidengehabe zurückzuführen. Ob damit vernünftige Politik zu machen ist, vor allem in diesen Zeiten, die nach einem deutlichen Schnitt schreien, bezweifle ich.
Auch Müntefering, der gut deftige Sprüche gegenüber politischen Gegnern machen kann, ist im Grunde eine Sackgasse. Mit ihm ist zwar mehr Geschlossenheit garantiert, weil Münte sich die Kritiker seiner Partei wohl intern vorzuknöpfen vermag, bevor ihr Unmut in die Medien dringt. Doch für zukunftsfähige Politik ist auch dieser nicht gemacht.

Wir in Rheinland-Pfalz haben den Kurt jetzt wieder, wir haben ihn ganz, und wir haben nun auch noch das Problem, dass er von denen, die noch wählen gehen, aus purem Trotz gegen das übrige Deutschland bevorzugt wird.
Die Streicheleinheiten der Landes-SPD sind ihm sicher, denn dort gibt es ebenfalls keine Genossen mit Weitblick, schon gar nicht irgendwelche Visionäre mit Ideen für eine bessere Politik.

So wird die SPD nun eine Zeit lang wohl zweigleisig fahren. Zum einen sind da die Kurtler in Rheinland-Pfalz unterwegs, denen Becks Landesvaterimage genügt, ihn hierzulande an der Spitze zu halten. Zum anderen laufen die BundesSPDler jetzt erst mal dem neuen Führungsduo hinterher, neugierig darauf schielend, wie sich denn wohl jetzt die Politbarometer ändern werden.

In beiden Fällen entscheidet die Statistik, die Demoskopie über den Weg der SPD und keineswegs das Kriterium, wer eine bessere Politik umsetzen kann. Der nächste Ärger wird wohl aus dem Lager der linken SPDler kommen, die momentan noch tapfer die Zähne zusammenbeißen.
Immerhin haben wir hierzulande den Vorteil, dass Beck auch hier bald nerven wird. Zu deutlich hat der Bundesauftritt den Rheinland-Pfälzern Becks Defizite offenbart. Dieses wird vor allem hier, zeitlich verzögert, auch zu Veränderungen führen.

07.09.08

Wegen Übernächtigung keinen Beitrag

06.09.08

Die Mächtigen in den USA sind, weltpolitisch und nachhaltig betrachtet, im Grunde ein provokanter, raffgieriger, egoistischer, kurzsichtiger und asozialer Haufen. Dafür gibt es mindestens wöchentlich öffentlich gewordene Belege.
Drei davon hier in Kürze:

--- Kalter Krieger Dick Cheney aus den USA, seines Zeichens Vizepräsident neben George W. Bush, war in Georgien und hat der dort stationierten Marionette der westlichen Ökonomie, Saakaschwili, die baldige Aufnahme seines Landes in die Nato zugesagt.
Dies ist kein diplomatisch geschicktes Agieren, was der Bushadministration ohnehin abgeht, sondern nur eine weitere Form von Säbelrasseln gegenüber Russland, ein weitere kleiner Affront, eine neues Stechen mit der Nadel in den Hintern des Bären.
Die USA gießt munter Öl ins Feuer der weltweiten Krisenherde. Wenn die Amerikaner die bitteren Nachwirkungen ihrer Falkenregierung einmal schlucken müssen, genießen diese ihren dick gepolsterten Lebensabend auf der Privatranch hinter dreifachem Stacheldraht.

--- Die nominierte Vizepräsidentin des Republikanerkandidaten McCain Palin, ihres Zeichens rechtsmoralisierende Streiterin unter vielem Anderen gegen Sex unter Teenagern und vor der Ehe, wurde kurz nach ihrer Auswahl von der eigenen 17jährigen Tochter überrascht, weil diese unverheiratet schwanger war.
Die sofort einberufene Krisensitzung republikanischer Wahlkampfstrategen beförderte dann etwas erstaunliches: Bei der Präsentation der Palinfamilie auf der Bühne anlässlich des Nominierungsparteitags, stand auch der Freund der Tochter mit dabei und blickte neben geschult grinsenden Politprofis etwas scheu lächelnd in das Blitzlichtgewitter der Journalisten.
Offenbar hat man in den stillen Zirkeln jedes andere Verhalten in dieser Sache als noch wahrscheinlicher erachtet, nach hinten losgehen zu können. Statt Vertuschen, Verharmlosen und Unterschlagen ging man in die Offensive, ganz nach dem Credo: "...naja, sie ist ja bald 18, sie werden doch demnächst heiraten, es ist bei solchermaßen Wohlhabenden doch etwas anderes, etwas besser Regelbares, als bei der breiten Masse, usw..."
Vergessen sind auf einmal die jahrzehnte langen Gängelungen junger Leute in der Frage sexueller Beziehungen, die vielen Bestrafungen und öffentlichen Zurschaustellungen und Brandmarkungen, die zerstörten Existenzen und bitteren Schicksale und die tausende Suizide von jungen Menschen und Angehörigen, welche Schmach und Drangsalierung durch Leute wie Palin und Konsorten nicht mehr ertragen konnten.
Wenn es einen mächtigen Prominenten trifft, werden jahrzehntelang hochgehaltene Scheinideale einfach unter den Tisch gekehrt.

--- Wenn irgendwo in den USA das Chaos herrscht, werden Menschrechte auch innerstaatlich wie ein lästiges Anhängsel ignoriert.
Wie in einem Artikel im Spiegel zu lesen ist, passierte dies in sehr krasser Form unmittelbar nach dem Wirbelsturm in New Orleans: "Hurrikan "Katrina" hat New Orleans verändert: Die Mississippi-Metropole ist kleiner, reicher geworden - und weißer. Viele arme, schwarze Bewohner sind bis heute nicht zurückgekehrt. Kein Zufall, zeigt eine Studie der Uni Bremen - die Behörden haben nach der Flut die Unterschicht vertrieben."
Offiziell starben bei der Naturkatastrophe 1800 Menschen.
Wie viele davon aber in Wahrheit von Hausbesitzern erschossen wurden, wird nicht mehr zu ermitteln sein. "In den weißen Vierteln stellen die Menschen in ihren Vorgärten Schilder auf: "You loot, we shoot", "Ihr plündert, wir schießen". Menschenrechtler gehen davon aus, dass Hunderte der Selbstjustiz in den Wochen nach dem Sturm zum Opfer fielen. Belegt werden kann das freilich nicht: Obduktionen und polizeiliche Ermittlungen hat es nie gegeben."
Dies konnte vor allem deshalb geschehen, weil die Firma Kenyon, die auch im Irak für die USA tätig war, von den Behörden damit beauftragt wurde, die Leichen zu bergen.

Die USA wird mit Sicherheit als das gößte Hinderniss auf dem Weg zu einer gerechten, freien und nachhaltigen Welt in die Geschichte eingehen, auch wenn uns diese Feststellung angesichts der auf die Menschheit zukommenden und in erster Linie von den USA angerichteten ökologischen, sozialen und gravierenden politischen Schadkosten, nichts mehr nützen wird.

 

05.09.08

Man reibt sich die Augen. Die Datenschutzkonferenz hat stattgefunden und sie hat tatsächlich mit einem akzeptablen Ergebnis geendet.
Das Verfahren beim Datensammeln soll umgedreht werden. Bisher konnten diese verwertet werden, wenn der/die betreffende BürgerIn nicht ausdrücklich widerspricht. Fortan müssen die Betroffenen hierzu ausdrücklich zugestimmt haben.

Wo waren denn die Wirtschaftsverbände mit ihren Lobbyvertretern gestern? Haben sie gedacht, wenn etwas bei Schäuble verhandelt wird, kann´s wohl nicht so abseits ihrer Interessen ausfallen? Haben sie gemeint, fern bleiben zu können, von der obligatorischen Belagerungstruppe im Vorfeld einer jeden solcherart von Entscheidungen.

Schäuble verwundert uns, war er doch eigentlich eher dem Datensammellager zuzuordnen. Warten wir aber mal ab, wie denn letztlich die angekündigten Gesetze aussehen und wie wirkungsvoll sie durchgesetzt werden.

Immerhin ist spannend, wie die Befürchtungen der Wirtschaft sich jetzt praktisch auswirken, welche Firmen jetzt Pleite machen, weil sie Millionen Menschen nicht mehr so einfach mit Werbespam überfluten können. Infolge dessen wird auch der Einbruch beim Absatz überflüssiger Produkte auf die neue Datenverwertungsregelung zurückzuführen sein. Der Industrie wird es nicht schwer fallen, diesen Zusammenhang herzustellen und auch öffentlichkeitswirksam einen Schock für das Wirtschaftswachstum zu erkennen.

Demgegenüber fehlt nun jemand, der, außer dem Gewinn für den Datenschutz, den letztendlichen Gewinn für die natürlichen Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft öffentlich ausdrücklich feststellt.
Wie im gestrigen Beitrag schon gesagt, müssen weniger Energie und Rohstoffe verbraucht, also weniger ökologische Schadkosten verursacht werden, um die bisher mit Hilfe von Datenmissbrauch aufgenötigten Dinge zu produzieren.
Ebenso, wie Schäuble gestern angenehm überrascht hat, hätten etwa die Grünen bei mir ein Stein im Brett, wenn sie jetzt die allgegenwärtige Werbung überhaupt als Nötigung identifizieren würden und eine Diskussion über deren Verbot anstößen.

 

04.09.08

Wirtschaftsminister Glos hat gefordert, den Handel mit Adressen im Internet ganz zu verbieten. Damit will er dem ausufernden Datenmissbrauch entgegentreten.
Hier kann man Glos nur zustimmen, denn wenn ein Handel ausgeschlossen wird, verliert auch das Sammeln von personenbezogenen Daten seinen Hauptreiz für Geschäftemacher.

Allerdings besteht wenig Hoffnung, dass Glos Vorstellung nach Abgleich mit den Ministern für Inneres, Justiz und Verbraucherschutz noch eins zu eins umgesetzt wird.

Außerdem ist die außerparlamentarische Regierungsmehrheit Deutschlands gegen ein Handelsverbot. Die Wirtschaftsverbände haben schon mal vor strengeren Regeln gewarnt. Es hieß, man "warne vor Eingriffen in einen funktionierenden Markt", oder "viele Betriebe wären in ihrer Existenz bedroht". Jetzt fehlt noch das altbekannte Arbeitsplatzargument oder gar eine Inaussichtstellung von Pest und Cholera infolge eines Verbots von Datenhandel.

Man muss sich einmal vorstellen, was hier passiert. Die Wirtschaftsbetriebe brauchen die Daten ausschließlich, um sich finanziellen Profit zu verschaffen.
Keinerlei lebenswichtigen oder gesellschaftsrelevanten Aspekte sind hier betroffen. Die Unternehmen pochen einfach und ungeschönt auf ihr Gewohnheitsrecht, die Bürger auszuspähen, um sie besser mit Werbeangeboten überschwemmen zu können.
Wie die Schmeißfliegen auf die Mettwurst wollen sie weiter mit üblen Methoden die Leute zum Kauf von Dingen überrumpeln, welche diese eigentlich gar nicht brauchen. Jeder normale Mensch würde eine Haube über die Mettwurst stellen, weil: mit welcher Begründung haben die Schmeißfliegen denn ein Recht darauf?

Man sollte den Wirtschaftsverbänden erwidern, wenn einige von ihnen in der Existenz bedroht sind, wenn man es ihnen verwehrt, den Bürgern auf die Pelle zu rücken, dann haben diese innerhalb einer Wirtschaft, die für die Menschen da sein will, auch keine Existenzberechtigung.
Lassen wir diese doch sterben, neue Betriebe ohne die Notwendigkeit zum Datenmissbrauch werden an ihre Stelle rücken. Und: Die Verminderung von Werbemöglichkeiten bedeutet weniger Nachfrage nach überflüssigen Produkten, weniger quantitatives Wirtschaftswachstum, also weniger Erzeugung ökologischer Schadkosten und mehr Geld in den Taschen der Durchschnittsbevölkerung, weniger Notwendigkeit zur finanziellen Subventionierung Einkommensschwacher, usw.
Man sieht: der Gesamteffekt für die Gesellschaft wäre auf jeden Fall ein positiver. Deshalb: nur zu Herr Glos, bleiben Sie hart gegenüber den Geschäftemachern.

 

03.09.08

Große Aufregung besteht derzeit wegen der Schüsse deutscher Soldaten auf Zivilisten in Afghanistan und dem Tod von drei Frauen und Kinder. Einer der Männer soll wegen Totschlags angeklagt werden. Leider bleibt nach der Meldung der Eindruck hängen, getötete Zivilisten wären die Ausnahme.

Gestern, kurz vor 20 Uhr hörte ich bei der Autofahrt im Radio auf SWR 1 ein Interview mit einem Mann, der vor Jahren als Sanitäter in Afghanistan war und jetzt eine sehr erfolgreiche Hilfsorganisation dort aufgebaut hat.
Er äußerte schwere Kritik am gesamten militärischen Vorgehen in diesem Land. Niemals könne mit Waffengewalt dort irgend ein Problem gelöst werden, im Gegenteil. Die Soldaten dort verschlimmerten jede Situation und trieben die Menschen in die Arme der radikalislamischen Taliban.
Permanent bekäme er während seiner Arbeit viel zu viele Ermordungen von Frauen und Kindern mit. Allein in der letzten Woche habe er persönlich die Leichen von mindestens 60 Zivilisten gesehen. Jede Woche kämen landesweit Hunderte um, getötet von ausländischem aber auch afghanischen Militär.

Auf die Frage, was er in Afghanistan denn anders machen würde, antwortete der Mann, statt mit der Regierung müsse man mit Stammesfürsten und Bürgermeistern in der Region verhandeln. Ohne Ausnahme sei er damit immer sehr erfolgreich gefahren. Selbst in gefährlichen Regionen wäre die verständnisvolle Kommunikation mit den unmittelbar Betroffenen der Schlüssel dafür, erfolgreich helfen zu können.

Ein anderer Bericht spiegelte die Kritik einer Filmemacherin wieder, die sich von den direkt betroffenen Menschen die Problematik mit dem Militär schildern ließ. Durch die Bank beklagt man die immensen noch zunehmenden Kolateralschäden unter der Zivilbevölkerung, die die Militärs mit ihrer Strategie in Kauf nähmen. Es würden nicht nur keine Fortschritte gemacht, es würden sogar eben durch diese blinde Gewalt immer mehr Leute dazu gebracht, selbst Terror verüben zu wollen, sich also den Taliban anzuschließen. Die Taliban böten den Leuten wirkliche Hilfe bei alltäglichen Problemen an, anders als die Militäreinheiten.

Für mich ist es unerträglich, dass deutsche Soldaten dieses Terrornetzwerk aus ausländischen Militärstreitkräften und unterworfenen afghanischen Soldaten mit am Leben halten, selbst wenn sie am wahllosen Töten weniger oft teilnehmen als amerikanische Soldaten.
Es wird höchste Zeit, dass der berühmt gewordene Ausspruch von Peter Struck von damals, als er Verteidigungsminister war, "die deutsche Freiheit würde auch am Hindukusch verteidigt" werden, als Fehleinschätzung zurückgenommen wird.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus:
Am Hindikusch zertrampelt Deutschland seine Freiheit unter Soldatenstiefeln. Unser Land stützt einen Staatsterrorismus als kurzsichtige Antwort auf einen islamistischen Terrorismus, und dieser Staatsterrorismus der amerikanischen Allianz ist mittlerweile zur tragenden Instanz für diejenige Bewegung geworden, die er ursprünglich bekämpfen wollte.

Deutsche Berufssoldaten mit Frauen und Kindern sollten den Einsatz verweigern, auch wenn sie daraus Nachteile bekommen. Sie haben sich dann schlicht und ergreifend in der Berufswahl geirrt.
Deutsche Politiker sollten sich nicht vorschreiben lassen, auf welche Weise man den Menschen in Afghanistan wirklich helfen kann und sich nur noch an entsprechenden Hilfsorganisationen orientieren.
Und der Bundeswehrverband, der sich darüber beschwert, anlässlich der Beerdigung eines Bundeswehrsoldaten solle die Formulierung nicht lauten, er sei "in Afghanistan getötet" worden, sondern man müsse betonen, er sei "für die Bundesrepublik Deutschland gefallen", soll seine dumme Fresse halten. - (Man verzeihe mir meine Aufgebrachtheit.)

 

02.09.08

Die EU ist mit sich zufrieden, hat sie doch, wie sie meint, einen gemeinsamen Kompromiss zur Russland-Georgien-Krise gefunden. Dieser sieht zwar ziemlich banal aus, - man will zunächst nicht mit Russland reden -, aber was will ein Konglomerat aus Staaten, die wirtschaftlich von Russland abhängig sind, denn anderes tun, als schmollen.

Kanzlerin Merkel beweist einmal mehr, dass sie das Zeug zur objektiven Diplomatie nicht besitzt. Sie setzt einfach darauf, im EU-Gemeinsamgeplänkel fällt ihr Opportunismus und ihre Nähe zu US-amerikanischen Interessen nicht so sehr auf.
Interessanter sind hier schon die jüngsten Äußerungen von Altkanzler Schröder. In einer Rede verteidigte er Russland, dieses habe zunehmend das Gefühl, eingekreist werden zu sollen. Große Fehler der EU seien hier die Anerkennung des Kosovo als eigener Staat und die Stationierung von amerikanischen Raketen in Polen.

Die Position, welche den Europäischen Staaten als eigene und wirklich objektive Haltung gut zu Gesicht stünde, liegt eigentlich auf der Hand.
Einerseits müssten sie die vielen offenen und verdeckten Einmischungen der USA unterbinden oder sich zumindest öffentlich gegen sie verwahren. Länder wie Georgien werden nicht nur durch russische Militärinterventionen von einer eigenständigen Entwicklung abgehalten, sondern gerade auch durch subtile innenpolitische und wirtschaftliche Beeinflussungen der USA.
Andererseits müsste die EU auch angesichts der russischen Gewalttaten gegen andere Nachbarregionen, - Länder die nicht für den Energiedurchfluss wichtig sind, wie Tschetschenien -, wie auch angesichts innerer Gewalt gegen Oppositionelle, Demokraten und Minderheiten, sehr viel entschiedener Position beziehen.

Die EU wird durch Beibehaltung der gegenwärtigen Scheinaußenpolitik wohl bald die Form eines gebrauchten Stücks Seife annehmen, geformt durch das ständige pflichtbewusste Kriechen einmal in den großen Hintern im Westen und einmal in jenen im Osten.

Das Fazit ist immer wieder dasselbe, und jede dumpfbackige Äußerung von Frau Merkel, von Herrn Sarkotzy, Herrn Barroso und anderen Wichtigtuern Europas nötigt dazu es abermals zu ziehen: Die EU täte, langfristig betrachtet, gut daran, sich sowohl vom Absatz von Produkten in die USA, wie auch vom Import von Energieträgern aus Russland zunehmend unabhängig zu machen.
Sie täte gut daran, endlich eine eigenständige, eine auf die europäischen Eigenarten zugeschnittene nachhaltige und unabhängig machende Wirtschaftsweise zu entwickeln und diese trotz und gerade auch wegen der außereuropäischen Zustände umzusetzen.

 

01.09.08

Zwei Ereignisse kommen zusammen:

Erstens ein Naturereignis:
Offenbar steht den USA ein zweiter Katrina-Sturm bevor. Der Hurrikan "Gustav" wandert auf die nordamerikanische Küste zu.
Zwar ist man besser vorbereitet, - heute morgen waren die meisten Stadtteile von New-Orleans schon menschenleer mit Ausnahme der Sicherheitskräfte -, es werden aber große Schäden befürchtet.

Zweitens ein Vortrag eines amerikanischen Mahners:
Morgen Abend findet in der Vertretung des Landes Bremen in Berlin auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bremer Umweltsenators Reinhard Loske eine Veranstaltung mit dem Präsidenten des Earth Policy Institute in den USA, Lester R. Brown, statt.
Brown hat Probleme wie Armut, Ernährungssicherheit, Klimawandel, Wasserknappheit und Umweltstress untersucht und schlägt Modelle für deren Lösung vor. Er sieht die Welt am Kipp-Punkt, jedoch auch Potenziale für eine bessere Zukunft, wie in allen großen Menschheitskrisen.

Wäre es nicht so weit, von hier nach Berlin, würde ich morgen Abend den 2. September um 19:30 Uhr im Publikum sitzen. Die Veranstaltung mit anschließender Diskussion ist bis 21:30 Uhr anberaumt.
In der Ankündigung heißt es: "Historiker werden vielleicht einmal den Hurrikan "Katrina" zum Anfang vom Ende für die fossile Ökonomie erklären. Seit der Naturkatastrophe im Herbst 2005 kippt die öffentliche Meinung in den USA. Der Klimawandel wird endlich auch dort als Realität akzeptiert. Der vierte Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) konnte im Frühjahr 2007 diese Erkenntnis verdichten und die Dramatik der Lage deutlich machen. Dies erscheint uns Anlass genug, die ökologische Herausforderung als gesellschaftspolitische Frage zu begründen und neu zu diskutieren."

Ist es nicht merkwürdig, dass anlässlich des Vortrags das Phänomen "Katrina" zum zweiten Mal wütet?