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Zuloblog für 2010

Zuloblog ist das Weblogbuch von Zukunftslobby.
Während wir im Jahr 2008 hier täglich Kommentare zum politischen Tagesgeschehen veröffentlichten und uns 2009 nur sehr spärlich meldeten, brachten wir 2010 für jeden Monat Beiträge zu den wichtigsten Meldungen.

Weiter aktuell und informativ: Inhaltsverzeichnis aller Blogthemen 2008, alphabetisch und nach Themen geordnet


Blogarchiv 2008

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Zuloblog 2009

Zuloblog 2010

 
 


Dezember 2010:
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Die Klimakonferenz in Cancun ist, wie alle bisherigen Treffen zu diesem Anlass, gescheitert.
Der Grund ist äußerst simpel:
Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen, bzw. mit Prozessen, welche diesen Ausstoß als unvermeidlichen Nebeneffekt beinhalten, lässt sich viel Geld verdienen. Mehr muss man nicht sagen, auch als Kommentar genügt dies. Boliviens Nein zu den Beschlüssen wurde als politisches Spielchen dargestellt. Dabei hat der Vertreter von Präsident Morales mit seiner Kritik am Kapitalismus als einziger die Wahrheit ausgesprochen.
Wir hier bei Zukunftslobby bezeichnen den Kapitalismus als die menschenverachtende Pervertierung der Marktwirtschaft. Weil er den größten Teil aller schädlichen Auswirkungen in wirtschaftlichen Prozessen auf die Allgemeinheit und in die Zuständigkeit der nachfolgenden Generationen externalisiert, kann die Destruktivität des Kapitalismus auch mit noch so tollen Vorsätzen und Absichtserklärungen nicht aufgehalten werden.
Aber auch der Sozialismus, und dies wäre eine begründete Kritik an Boliviens Staatschef, ist keineswegs automatisch klimafreundlich. Herr Morales sollte sich deshalb einmal mit der Kategorischen Marktwirtschaft befassen. Auf der nächsten Konferenz in Durban hätte er dann eine Argumentation, die sich nicht so einfach vom Tisch wischen lässt.

-- Derweil braut sich in Deutschland die nächste Fatahmorgana-Veranstaltung zusammen. Es wurde von 4 Bundestagsparteien (CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die Einsetzung einer Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ beschlossen.
Der Antrag enthält große Worte. Während der Sitzung dazu im Deutschen Bundestag, der 77ten, hörte man
von den Sprechern der Altparteien schon einige Relativierungen gegenüber der zunächst vermuteten Entschlossenheit . Die spärliche Berichterstattung zum Thema in den Medien war geprägt vom Ungefähren.
Im Interview auf Dradio schließlich, wo Georg Nüßlein, CSU-Bundestagsabgeordneter und Obmann der Union in der neuen Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität, zur Lösung der drängenden Zukunftsprobleme allein und konsequent auf den technischen Fortschritt setzen will, kündigt sich das Scheitern auch dieses Versuchs zur Rettung der natürlichen Lebensgrundlagen unübersehbar an. Schade um die verplemperten Ressourcen auch von dieser Kommission.

-- Nüßleins Blindheit gegenüber dem Notwendigen zur Bewahrung einer lebenswerten Zukunft findet sich bei allen Politikern der Altparteien mit Rang und Namen.
Die universelle Analogie dahinter kam kürzlich in einer Sendung auf Dradio gut zum Ausdruck. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag und Präsident der Europaunion Peter Altmaier sowie der Politologe Peter Grottian waren da am Samstag den 11. Dezember von 9 bis 11 Uhr im Gespräch zu hören. Thema waren die Bürgerproteste vor allem in Stuttgart und die Frage, ob es eine neue Protestkultur in Deutschland gibt, bzw. ob wir diese brauchen.
Peter Grottian war wie gewohnt gut verständlich und logisch in seiner Argumentation, während jedoch bei Peter Altmaier die immer gleiche Argumentationsersatzrhetorik strukturkonservativer Hüter der kapitalistischen Ökonomie mehr als deutlich wurde. Altmaiers Demokratieverständnis kommt von oben herab, ist mit seiner und der Unfehlbarkeit seiner Kollegen absolutistisch legitimiert und verweist jeden Zweifel von unten in außergesetzliche Graubereiche. Früher, ja früher habe es Zustände gegeben, welche auch einen radikaleren Protest gegen die herrschende Gewalt gerechtfertigt hätten. Heute aber, wo er und die anderen treuen Diener der bestimmenden ökonomischen Ordnung das Sagen hätten, sei jeder Widerstand gegen das staatliche Gewaltmonopol illegal und nicht begründet.
Aus diesem Interview ließe sich ein längerer Artikel verfassen, im welchem die Argumentationsstereotypen deutlich hervorgezeigt werden könnten. Wer nicht so leicht aggressiv wird, kann sich das Interview auf Dradio noch mal anhören, - wirklich höchst interessant und spannend, auch angesichts der Hörer, die telefonisch verschiedene Fragen und Meinungen durchgaben. ( Auch auf dieser Seite, dort rechte Spalte unter -Audio on Demand- als mp3 zum Herunterladen oder flash zum gleich hören, Teile 1 bis 4.)

-- Ebenfalls derweil kommt der Niedergang Europas immer näher. Die EU, die Einhellig Unfähigen, wehren sich verzweifelt mit immer neuen Notmaßnahmen.
Aus dem Rettungsschirm soll ein Rettungspavillon werden bis man bald die Notwendigkeit eines Rettungsdachs, wahrscheinlich auch einer Bunkerdecke erkennt und einzurichten versucht. Noch ist Deutschland überheblich, weil ihm das Wasser nur bis zum Kinn, statt bis zur Unterlippe steht.
Die Grünen enttäuschen auch in diesem Punkt und unterstützen den Vorschlag Luxemburgs nach Eurobonds, gewissermaßen einer Engrosverschuldung, welche die Zinsen etwas verbilligt.
Wer denkt aber an das Loch im Fass der gesamteuropäischen Ökonomie und dass allem voran zuerst dieses geschlossen werden müsste. Jeder Versuch des Nachgießens, geschweige denn des Vollgießens, muss da vergeblich sein. Dieses Loch im Fass der modernen Industriegesellschaft lässt langsam aber sicher sämtliche finanziellen Mittel aus den öffentlichen Kassen heraus in die Taschen der Banken, Konzerne und Investoren fließen. (Lesenswert: Interview mit dem Wiener Wirtschaftwissenschafter Franz Hörmann im Standard.)
So gesehen sind die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die Finanzkrise, ob Eurobonds, Rettungsdächer oder die Kapitalerhöhung für die Europäische Zentralbank, was im Prinzip das Drucken neuen Geldes bedeutet, eigentlich Maßnahmen, um die Melkkuh Europa für die Finanzmärkte aufrecht und möglichst lange an deren Zapfanlage zu behalten.
Doch selbst wenn das Loch im Fass geflickt werden könnte, das Fass besteht aus Eisen und rostet schon lange vor sich hin. Die Ökonomie Europas ist eine verzehrende Ökonomie, die positive Bilanzen immer schon nur aus der Externalisierung von verursachten Schadkosten bezog. Was hieraus resultiert kommt zum momentanen finanziellen Desaster noch hinzu.
Der einzige Weg, um Europa wirklich zu retten, wäre also, ihm ein zukunftsverträgliches Wirtschaftsystem als neues Behältnis zu entwerfen, um den Inhalt des maroden Fasses endlich umzufüllen. Und dieses, wie sollen meine Kommentare hier auf Zukunftslobby auch anders enden, kann nur die Kategorische Marktwirtschaft sein.

PS:
Ab 2013 sollen nun die Rundfunkgebühren als Haushaltspauschale erhoben werden. Dies haben sich die Lobbyisten der öffentlich-rechtlichen Meinungsmache ausgedacht, um den Gebührenschwund zu stoppen. Fast eine Million Haushalte in Deutschland haben keinen Fernseher, die meisten davon mit vollem Bewusstsein, weil sie auf den überflüssigen Unsinn in allen Kanälen verzichten wollen.
Wer behauptet, Fernsehen diene der Information, belügt die Öffentlichkeit oder er stammt aus dem Lager derer, die Fernsehprogramme machen. Er besitzt ein stark eingeschränktes Verständnis von objektiver Information, gewissermaßen ein Bewusstsein ähnlich dem von Peter Altmaier oben.
Im Gegenteil: Zur objektiven Information sind Bilder auf jeden Fall nicht notwendig, ja sie verfälschen die Informationen im Sinne des sie verbreitenden Informationsmachers. Das herrschende destruktive Wirtschaftssystem mit all seinen Hoffnungslosigkeiten hat sich nicht TROTZ der öffentlich-rechtlichen Institutionen so etabliert, sondern WEGEN ihnen.

Bezahlt eure Radiogebühren, aber wehrt euch gegen die Pflicht zur Bezahlung von Fernsehgebühren für alle. Schlimm genug, dass das Fernsehen die Mehrheit der Bevölkerung verdummt. Jetzt sollen diejenigen, die dies nicht gutheißen, es auch noch mitfinanzieren!
Wenn die Herren Intendanten für ihre Programme Geld brauchen, dann bitte aus Steuermitteln, denn wer gut verdient und viel Steuern zahlt, profitiert auch am meisten vom Ergebnis der Verdummung durch Fernsehen.
Widerstand gegen die neuen Rundfunkgebühren ist ab sofort notwendig!

November 2010: -- Ein "Wunder von Stuttgart" ist wie erwartet ausgeblieben. Ob die kleinen Fortschritte der Schlichtung unter Heiner Geißler, wie etwa das Versprechen, mit der im Stuttgarter Zentrum frei werdenden Fläche nicht zu spekulieren, Bestand haben, wird sich erst mal zeigen müssen.
Mittlerweile, die Grünen erleben gerade durch das Stuttgarter Öffentlichkeitsspektakel ein neues Umfragehoch, haben die Unionspolitiker ihren neuen Feind ausgemacht. Wie abgesprochen schlagen sie, angeführt von Angela Merkel mit ihrer Rede auf dem Unionsparteitag, auf die Grünen ein. So sprach etwa David McAllister in Niedersachsen ihnen die Glaubwürdigkeit beim Windkraftausbau ab. Überhaupt agierten sie in der Sache diffus und bei den Themen populistisch. Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz wettert in einem Interview zu einem anderen Thema ungefragt über die Grünen. Auch aus Hessen und Bayern kommen vergleichbare Töne, und die Gleichzeitigkeit, die ähnlichen halbwahren Inhalte und die Rundumschlagsdimension der vorgebrachten Vorwürfe ist unübersehbar.
Wenn dies für die Beobachter im Wahlvolk auch zu durchsichtig ist und den Grünen die gegenwärtige Zustimmung nicht merklich schmälern kann, es gibt durchaus auch begründete Kritik an den Grünen. Gerade wer sich wie die Initiative Zukunftslobby e.V. gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Nachkommen einsetzen will, muss besonders diejenige Partei beäugen, die vorgibt, eine Ökopartei zu sein.
Leider lässt sich feststellen: Unter den grünen Politikern gibt es einfach zu viele, die meinen mit den alten grünen Schlagworten und unvernetzten Einzelplänen könne man den globalen Niedergang stoppen. Die Forderungen nach Elektroautos, Fotovoltaikanlagen oder Beibehaltung und Ausweitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, um nur drei Kernforderungen zu nennen, sind aus verschiedenen Gründen heraus nur kosmetische Phrasen, denen eine schlüssige gesamtökonomische Rechtfertigung bislang fehlt.
Elektroautos sind völlig ungeeignet, um unsere gegenwärtigen Mobilitätsansprüche eins zu eins zu erfüllen. Die Technologie ist in der benötigten Größenordnung und bei Betrachtung wirklich aller Folgen und Aspekt fast ebenso schädlich für den Globus, wie die gegenwärtige Verbrennungsmotorentechnik. Die Rohstoffe zur Energiespeicherung, etwa seltene Metalle, wären gar nicht vorhanden, oder man muss sie von den Chinesen kaufen, die sich still, heimlich und skrupellos fast sämtliche Vorkommen auf der Erde, vor allem in Afrika, gesichert haben. Ebenso ist es bei Rohstoffen für Fotovoltaikanlagen, beispielsweise Lanthan. Auch hier hält China fast alle Rohstoffzugänge und ist bald Alleinhersteller der Anlagen, deren Absatz durch das EEG in Deutschland und ähnlich fragwürdigen Gesetze in anderen Ländern gesichert ist.
Die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien in Deutschland erfordert viel mehr, als nur ein geändertes Leitungsnetz. Im Prinzip ist nichts geringeres damit verbunden, als eine völlig neue Struktur unserer Ökonomie, geprägt durch Produktion und Vorhandensein von Arbeitsplätzen unmittelbar an jenen Standorten, wo die regenerative Energie erzeugt wird.
Diese potentiellen Standorte können auch nicht von jemandem oder von einigen wenigen, etwa einer Regierung, einer Behörde, einer Partei, etc. bestimmt werden. Insofern ist die Festlegung auf Offshore-Anlagen für Windenergie draußen vor den Küsten auf dem Meer schon an sich eine Fehlentscheidung. Wenn auch dort ein stärkerer Wind weht, als sonst wo auf dem Festland, bedeutet dies noch lange nicht den größtmöglichen Vorteil für die Umwelt und unsere Volkswirtschaft.
Sehr viel besser wäre es, hier objektive marktwirtschaftliche Bedingungen einzuführen, wie es das Konzept von der Kategorischen Marktwirtschaft skizziert und die Sache sich dann von selbst in die optimale Richtung entwickeln zu lassen.

Bezüglich des Ausbaus der Windkraft in Deutschland müssten zwei zusammengehörige Maßnahmen sofort getroffen werden:
Einerseits
müssten die unsinnigen Verhinderungsbestimmungen in den regionalen Raumordnungsplänen deutschlandweit gestrichen werden, jene, mit denen man in den Anfängen der Windkraftförderung die sogenannte Verspargelung der Republik verhindern wollte.
Andererseits
müsste in jedem Landstrich die Bevölkerung darüber abstimmen, ob auf den Flächen ihrer Gemeinde Windkraftanlagen errichtet werden sollen. Vorher muss etwa in Bürgerversammlungen objektiv informiert werden. Simulationen mit Gasballons könnten das Größenverhältnis angedachter Anlagen am Standort vermitteln. Regelmäßige Pachtzahlungen müssten verhandelt und deren Nutzen für den Gemeindehaushalt verdeutlicht werden. Durch eventuelle Zusatzregelungen zwischen Unternehmer und Kommune im Falle deutlich steigender Strompreise auf dem Markt könnte man die Kommunen mittels analog steigenden Pachtbeträgen an den Gewinnen beteiligen.
Windkraft taugt nicht nur zur Vermeidung von Treibhausgasen und anderen umweltschädlichen Effekten. Die regionalen Wirkungen sind ebenso wichtig.
Zuschüsse und Förderungen, wie in den letzten Jahrzehnten, haben immer weniger deutsche Gemeinden zu erwarten. Die früheren Zuschussgeber, wie Kreis. Land und Bund sehen mittlerweile selbst dem Bankrott entgegen. Als letzte und einzige Einnahmequelle, dafür aber als sehr effektive, bietet sich die Verpachtung exponierter Freiflächen an Windkraftanlagenbetreiber an, ja sogar die Eigenfinanzierung der Anlagen durch die Bewohner vor Ort. Dieses könnte der Mehrheit deutscher Kommunen die absehbare finanzielle Ausblutung ersparen und auf viele Jahre hinaus gesicherte Einnahmen bringen, und diese kämen über Investitionen in alle Bereiche der Infrastruktur der ganzen Bevölkerung unmittelbar zugute.

Die Grünen sollten ihr gegenwärtiges Sympathiehoch, also die erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung, ihnen zuzuhören, nicht zur abermaligen Wiederholung abgekauter pseudoökologischer Schlagbegriffe verschleudern, sondern sie sollten unbeirrt und vehement eine Marktwirtschaft unter endlich fairen Bedingungen, also ohne jegliche Möglichkeit zur Kostenexternalisierung bezüglich ökologischer, finanzieller, sozialer und politischer Aspekte fordern.
Wenn die Grünen dies nicht bald als ihre eigentliche Aufgabe erkennen, muss das Ökoparteiprojekt endgültig als gescheitert erklärt werden. Eine Ökopartei ist nur dann eine solche, wenn sie sich vor anderen Parteien auch die erste Wirtschaftskompetenz erarbeitet hat.

Oktober 2010: -- Bestimmendes Thema war in diesem Monat sicherlich der Streit um das Verkehrsprojekt Stuttgart-21, bestimmend in dem Sinne, als dass hier zwei völlig unvereinbar nebeneinanderstehende Vorstellungen unter der Bevölkerung deutlicher werden, bezüglich dem, was für die Zukunft gesellschaftspolitisch wichtig ist. Der Riss geht quer durch alle Gruppen und Schichten. Altgewohnte Zuordnungen etwa als Wähler dieser und jener Partei haben sich aufgelöst.

In der Politik bleibt alles, oberflächlich betrachtet, noch einigermaßen in bekannten Lagern.
Da sind die ökonomisch strukturkonservativ denkenden in Union und FDP, für die allein die Größe eines technischen Projekts ausreicht, um dafür zu sein. Längerfristige Folgen auf zweiten und dritten Ebenen bzw. die Gesamtheit der Auswirkungen und Fehlsteuerungen infolge externalisierter Schäden durch das Projekt auch in die weniger nahe Zukunft hinein, können von den Köpfen dort intellektuell nicht überblickt, deshalb nicht realisiert und letztendlich in der Bewertung auch nicht berücksichtigt werden.
In der SPD ist es ähnlich. Hier herrscht jedoch momentan, weil man in der Opposition ist und der Wind der Wählergunst sich gedreht hat, die Neigung vor, verkehrspolitische Ansichten von gestern lieber über Bord zu schmeißen.
Die Grünen lehnen das Großprojekt natürlich ab, haben jedoch in den Jahren ihrer Regierungsbeteiligung gegen Stuttgart-21 nichts unternommen. Man wird das Gefühl nicht los, als dass die meisten in dieser Partei eher durch den anhaltenden Protest der Bevölkerung als basisdemokratische Erscheinung und durch vordere Ablehnungsgründe motiviert sind, wie Gefahren für Grundwasser und Untergrund oder Verlust wertvoller alter Bäume. Jedoch gibt es in den Reihen der Grünen immerhin auch einzelne, die Stuttgart-21 kategorisch marktwirtschaftlich betrachtet, als fatal einstufen und ihre Ablehnung ein Stück weit auch ökonomisch begründen können.

Die Protestbewegung ist da offenbar schon weiter. Sicherlich sind entscheidende Motive hier ebenfalls die ungewissen, massiven Veränderungen im Boden dieses Stuttgarter Stadtteils oder der Erhalt der für das seelische Wohlbefinden der Anwohner so wichtigen alten Baumpersönlichkeiten.
Darüber hinaus aber macht sich offenbar auch eine fundamentale Ahnung breit, dass all das, was uns aus den Lagern der sogenannten Volksvertreter erzählt wird lediglich bezüglich kurzfristiger Wirkungen durchdacht ist, langfristig gesehen jedoch einer Katastrophe für die Gesamtgesellschaft gleichkommt.

Immer mehr Menschen empfinden die Äußerungen von Parlamentariern als eine Unverschämtheit. Unsere Bundeskanzlerin beispielsweise lässt sich bedenkenlos zu angstschürenden Nötigungsäußerungen hinreißen, ohne Stuttgart-21 wäre Baden-Württemberg dauerhaft vom gesamtökonomischen europäischen Geschehen abgehängt.
Ein Wissenschaftler, der die im Fernsehen übertragenen Gesprächrunden mit Schlichter Geißler betrachtet, äußert im Radio die kindlich naive Begründung für seine Pro-Stuttgart-21 Haltung, er fände es spannend, was man für Möglichkeiten auf der angeblich frei werdenden Neufläche von 100 Hektar bekäme. Drei mal darf er raten. Außer Parklandschaften mit Jungbäumen, die erst in hundert Jahren - wenn nichts dazwischen kommt! -, den Wert der jetzt gefällten Altbäume bekommen, gibt es wieder nur Flächen für Investoren, Großunternehmen und finanzkräftige Wohnungskäufer; - Hallo!
Der Stuttgarter OB Schuster zeigt im Interview sehr deutlich, mit welcher Arroganz die Politiker und Initiatoren mit den Projektgegnern umgehen. Da wird väterliches Verständnis geheuchelt, die Gegner wären lediglich nicht ausreichend informiert, und man müsse dies in einem "kritischen Dialog aufarbeiten". "Einige Gruppen" hätten jede Diskussion gestört beziehungsweise blockiert, eine Art Glaubenskampf inszeniert. Hier wolle man eine neue "Dialogkultur" entwickeln. Kurz: Alle Gegner sind blöd oder böswillig, nur Schusters Gleichgesinnte wissen Bescheid und blicken durch. Parole: Sich von Schusters Glaubenskollegen an der Hand nehmen und sich blind führen lassen führt zum ökonomischen Heil! - Oder?!
Die Umweltministerin von Baden-Württemberg, Gönner, diesmal zum Thema Atomkraft, äußert die gleiche Arroganz, diesmal eher zwischen den Zeilen eines Interviews. Das Thema wäre "natürlich emotional sehr stark besetzt", man nehme aber wahr, "dass die Menschen erwarten, dass Politik auch klar Stellung bezieht und dass wir eben nicht immer zuerst schauen, wie sind Stimmungslagen, sondern die Frage ist, was ist eigentlich notwendig." Es gäbe ja ein Gutachten, und man müsse nur "versuchen es unvoreingenommen zu lesen", um zur richtigen Entscheidung, jener der CDU natürlich, zu kommen. Oder: Gönner ist "der festen Überzeugung, dass die Menschen in Deutschland erwarten, dass eine Regierung Entscheidungen fällt." Man könne nur über die Abschöpfung von Gewinnen aus Laufzeitverlängerung die erneuerbaren Energien voran bringen. Gönner droht in ähnlicher Art wie Merkel zu Stuttgart-21: Als Verbraucher hätte man ja ganz gern, "wenn ich den Lichtschalter betätige, Licht hätte und nicht das Problem habe, dass man mir mitteilt, gerade jetzt ist Stromausfall." Oder anderes beliebtes Schreckgespenst: Wirtschaftlichkeit, "kann sich im Übrigen auch der Hartz-IV-Empfänger dauerhaft die Energiepreise leisten?" - Gut gebrüllt in Manier der kapitalistischen Externalisierungswirtschaft.
Also Fazit Gönner: Notwendig ist nur das, was die Befürworter wollen, die Gegner sind lediglich emotional verwirrt. Wichtiger für die Gesellschaft ist, dass Entscheidungen gefällt werden, statt darauf zu schauen, dass diese auch umfassend richtig sind. Gute Energieformen können nur mit der Weiterbetreibung schädlicher Energien finanziert werden, statt mittels Kategorischer Marktwirtschaft möglichst schnell die ersteren wachsen und die anderen absterben zu lassen.

Vielleicht besitzt die neue Protestkultur in Deutschland wirklich ganz neue Beweggründe.
Die Menschen sind diese abfällige Ignoranz von Politikern, wie sie aus den Beispielen oben deutlich wird, satt. Sie wollen sich nicht mehr mit deren immer gleichen raffinierten Versuchen abfertigen lassen, die eigene Unkenntnis zu überspielen.
Sie erkennen, dass die Politiker trotz allerlei rhetorischer Fähigkeiten, einen dramatisch beschränkten Horizont besitzen, das Gute also gar nicht sehen und es deshalb nicht verwirklichen können.
Ja sie verspüren, dass sie in entscheidenden Punkten schlichtweg belogen und mit Halbwahrheiten in Schach gehalten werden. (Als Beispiel für die Kosten des Stuttgarter Bahnhofsprojekts, ein Zitat des Chefs des Bundesrechnungshofs Dieter Engels: "In einem sehr frühen Stadium haben wir die Kostenberechnungen überprüft. Und wir sind dabei zu dem Ergebnis gekommen dass sie deutlich über jenen Beträgen liegt, die das Bundesverkehrsministerium, aber auch die Bahn vorher vertreten haben. ... das Ziel unserer beratenden, begleitenden Prüfung besteht schlicht darin, dass diejenigen die es zu entscheiden haben wissen, was sie tun. Wenn man die wahre Zahl auf den Tisch legt, glaube ich, ist es viel, viel schwerer, positiv für Stuttgart 21 zu sein, als wenn man, wie geschehen, sehr viel niedrigere Zahlen einsetzt."
Und so, wie die Kostenrechnungen falsch sind, sind auch die anderen angeblich positiven Auswirkungen des neuen Bahnhofs in Stuttgart weit übertrieben oder erfunden. Außer Gewinnen für die beteiligten Baufirmen und Profite für Priviligierte aus Spekulationsgeschäften mit den frei werdenden Flächen, bleibt für die Bevölkerung nur weitere Verschuldung, Schädigung natürlicher Lebensgrundlagen und Zerstörung gewachsener städtischer Strukturen.

Immer mehr Menschen erkennen: Was die Politik samt den wirtschaftslobbyistischen Einflüsterern will, ist eben nicht zum Wohle der Gesellschaft von morgen, sondern zu deren Schaden! Nicht eine technische Moderne, überwiegend quantitativ, teuer und dominierend mit großspurigen Fantasien von zukünftiger Mobilität sind segensreich für die Menschen, sondern das noch zu suchende intelligent Angepasste, das, allumfassend, auch für die nachfolgenden Generationen unschädlichste.
Dieses zu finden und auf den Weg zu bringen trauen immer weniger Menschen den Politikern der Altparteien zu. Mit den Thesen von der Kategorischen Marktwirtschaft bekommen diese Menschen eine ökonomisch fundierte Grundlage und werden von Protestierern auch zu Gestaltern der Zukunft.

PS: Was die Bevölkerung von den Parteien hält, wurde auch bei der Bundestagswahl vor genau einem Jahr deutlich. Das Ergebnis dieser Wahl unter Berücksichtigung des Nichtwähleranteils, verdeutlicht auch mit verschiedenen Grafiken, zeigt: Den Protest im Stillen gibt es schon sehr viel länger.

September 2010: -- Einerseits ist es sehr erfreulich, dass bei der Demo in Berlin, gestern am 18ten, Hunderttausend Leute gekommen waren, um gegen die geplante AKW-Laufzeitverlängerung zu demonstrieren. Andererseits bleibt alles beim Alten, und die Notwendigkeit zur nächsten Demo ist jetzt schon festgelegt.
Es hilft nichts: Der finanzkräftigen Atomkraftlobby und ihrem opportunistischen Anhang in Politik und Wissenschaft muss mit entscheidenden Argumenten endgültig ein Strich durch die äußerst lukrative Rechnung gemacht werden.
Hierzu sind harte ökonomische Argumente wesentlich besser geeignet, als etwa Sicherheitsbedenken in den Vordergrund zu stellen oder auf Empörung in der Bevölkerung wegen des mafiös riechenden Deals zwischen Stromkonzernen und Regierungspolitikern zu hoffen. Hier allerdings hapert es bei Atomgegnern immer noch sehr. Besonderes Augenmerk muss auf die externalisierten Kosten der Atomkraftnutzung gelegt werden, nicht auf wenige vage formulierte Schadkosten, wie sie einigen Teilnehmern in Themendiskussionen etwa in Radio und Fernsehen einfallen und auf welche die Atombefürworter gewöhnlich ausweichend reagieren.
Am effektivsten wäre es, dass sich endlich einmal alle Gruppen, die Atomkraftwerke ablehnen, sich auf einen gemeinsamen umfangreichen Konsens von Fakten einigten, bzw. darauf, noch fehlende oder zu dünne Fakten zu erarbeiten und zu erhärten.

Als Gründe gegen Atomkraft werden hauptsächlich Sicherheitsrisiken genannt, mögliche Gesundheitsgefahren durch den Betrieb der AKWs und solche durch die nicht entsorgbaren nuklearen Abfälle. Auch würde der Ausbau regenerativer Energien behindert und verzögert.
Bis heute schaffen es die Atomlobbyisten, diesen Argumenten mit Beschwichtigungen, Halbwahrheiten und Darstellung unzulässiger Zusammenhänge zu entkommen. Die deutschen Atomkraftwerke wären die sichersten, heißt es; - dies ist kein Argument sondern eine Wunschvorstellung, denn hier verschiebt sich nur die Unfallwahrscheinlichkeit im untersten Prozentbereich. Die Entsorgung wäre geklärt, - eine glatte Lüge bezüglich aller Faktoren. Mit dem Weiterlaufen der AKWs würde "der Umstieg in regenerative Energie finanziert." (FDP-Lindner). Ebenfalls Unsinn, denn der entscheidende Impuls zum Umstieg kommt nur mittels eines marktwirtschaftlichen Prozesses nach Abschaltung der AKWs, d.h., hier ist kein schnöder Eintausch des Bestehenden gegen das Neue möglich, denn es geht um nicht weniger als um den Übergang aus der stumpfsinnig zentralistischen Energieversorgung zur intelligent regionalen Versorgung, in welcher Großkonzerne weniger wichtig sind.

Weitere Fakten müssen dauerhaft auf den Tisch und samt ihrem Schadenspotential in unübersehbaren Zahlen ausgedrückt sein.
-- Die mit Abstand schlimmsten Gegenwartsfolgen der Atomkraftnutzung, nämlich die gigantischen Schäden infolge Uranbergbaus in den Ländern mit Erzvorkommen, werden derzeit kaum thematisiert. Die Zahl der Menschen, die dabei jährlich kontaminiert werden und sterben, ist vierstellig, genaue Zahlen werden konsequent verschwiegen oder nicht erhoben. Gleichzeitig verseucht der Hunger nach Brennstoffen für AKWs riesige Flächen in Afrika, Australien und anderswo mit Radioaktivität und macht sie auf tausende von Jahren hinaus unbetretbar. Vorher werden dort ansässige Menschen, wie derzeit gerade in Falea im Süden von Mali, enteignet und vertrieben. (Ippnw, Oekosmos, forumcivique, taz, Spiegel,)
-- Durch die Klimaerwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit von Wassermangel in großen Flüssen während trockener Sommer. Dadurch kann es immer häufiger zu Kühlwassermangel für Reaktoren kommen und damit zum Zwang zur Abschaltung großer Kraftwerke. Hiermit steigt nicht nur die Bereitschaft zur Aufheizung der Flüsse sondern auch die Risikofreudigkeit der Betreiber und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen. Ebenso kommt das Risiko eines möglichen Anschlags von Terroristen auf Kraftwerke als neue Bedrohung hinzu. Beide Punkte werfen alle GAU-Wahrscheinlichkeitsrechnungen, welche noch auf relativ stabilen Verhältnissen von vor 40 Jahren basierten, über den Haufen. Auch die 2 Euro für die Kilowattstunde Atomstrom, die sich bei Einrechnung einer vollen Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke ergäben (siehe Prognos-Studie auf dieser Website), würden sich erhöhen.
-- Der Einwand Robert Jungs in seinem Buch "Der Atomstaat", dass ein Land mit Atomkraftnutzung aus Gründen vermeintlicher Sicherheit viel restriktiver Freiheitsrechte beschneiden und Polizeistrukturen pflegen muss, sollte öffentlich wieder beachtet werden.
-- Politikern, welche bewusst die Unwahrheit sagen, wie der Unionspolitiker Michael Fuchs, welcher behauptet hat, die Mehrheit der Bevölkerung habe die jetzige Regierung gewählt und damit auch die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken abgesegnet, muss man entschieden und sofort entgegen treten. Nur 34,2 % der deutschen Wahlberechtigten und bzw. etwa 25 % der Bevölkerung haben den Regierungsparteien 2009 die Stimme gegeben. Wenn neuere Umfragen eine stärkere Zustimmung der Bevölkerung zu Laufzeitverlängerungen ergeben, dann spricht dies lediglich für einen Erfolg der Halbwahrheitenkampagnen der Atomlobby, bzw. für eine bestellte Antwort durch falsch gestellte Fragen.
-- Der vielleicht größte gesellschaftliche Schaden durch die Atomkraftnutzung, - zugegeben, auch durch andere zentralistische Formen der Energieerzeugung wie mittels Kohlekraftwerken -. ist die grundsätzlich falsche ökonomische Weichenstellung in den Industriestaaten, welche vor Jahrzehnten eingeleitet wurde.
Die derzeitig übliche Struktur der Wirtschaft ist am Vorhandensein von Großkraftwerken gewachsen und passt nur bedingt zu einer vollständig regenerativen Energieerzeugung. Insofern wird es sehr viel schwieriger werden, sich vom nichtregenerativen Wirtschaften zu verabschieden.
Heute regieren noch die Forderungen nach Grundlastfähigkeit von Kraftwerken und die Bedenken, Strom aus Wind und Sonne beispielsweise, wären zu unsicher, weil manchmal je nach Wetter nicht vorhanden. Eine solche Problemformulierung kann nur aus den Köpfen kurzsichtiger Wirtschaftslobbyisten kommen, die Schadkostenexternalisierung als zulässiges Profitmittel ansehen und keinerlei Mut zu kategorisch marktwirtschaftlicher Fantasie aufbringen können. Hätten wir die Schadkosten einer jeden Art von Energieerzeugung von Anfang an in den Preisen gehabt, hätte sich eine vollständig andere Art zu Wirtschaften entwickelt und wir bräuchten uns heute weder mit Atomkraft, noch mit den hierfür agierenden Betonköpfen herum zu schlagen.

August 2010: -- Seit Anfang des Monats freuen sich Regierungspolitiker über einen kleinen Aufschwung unserer Wirtschaft. Unverhofft und plötzlich sei er gekommen, Wirtschaftsforschungsinstitute korrigieren ihre Prognosen nach oben, ähnlich seriös einem Wetterbericht, welcher Regen ansagt, wenn es schon schüttet. Kommentatoren großer Zeitungen outen sich als strikte Anhänger des herrschenden ökonomischen Systems, indem sie ebenfalls ihre Freude bekunden und entsprechend dem schulökonomischen Lehrbuch aus den vorliegenden Zahlen allerlei Segnungen für die Gesellschaft ableiten.
Wir von Zukunftslobby betrachten lieber die Realität.
Erstens gibt es allein vom jetzigen ökonomischen Verständnis her eine Reihe von Einwänden. So ist das statistische Wachstum der letzten Wochen allein dem Export in unserer industrielastigen Volkswirtschaft zuzuschreiben. Wohlhabende und Produzenten im Ausland ordern mehr deutsche Luxusgüter und Maschinen. Innerwirtschaftlich ist überhaupt nichts besser geworden. Alle Zeitbomben für die zukünftige Entwicklung ticken weiter, ob Schulden, Mangel an unsubventionierten Vollzeitjobs, qualitativer Bildungsnotstand, etc.
Zweitens, und dies ist vielfach entscheidender, bedeutet verstärktes Wirtschaftswachstum, welches nach herkömmlichen quantitativ-ökonomischen Kriterien
ermittelt ist, ein stärkeres Wachstum bei der Zerstörung der Welt. Was kurzsichtige Politiker und Kommentatoren jetzt bejubeln ist mit immensen externalisierten Schädigungen in ökologischen, sozialen, finanziellen und politischen Themenfeldern erkauft. Ausführlich sind diese Zusammenhänge in unseren Texten zur Kategorischen Marktwirtschaft erklärt, aktuell vor allem im Essay "2010 - Wir müssen jetzt handeln!" (siehe linke Spalte)
Realistische Politik müsste jetzt
erkennen, gerade auch nach dem Öldesaster des Multis BP und dem schamlosen Lauterwerden der Atomstromgewinnler, dass unsere gesamte ökonomische Realität weltweit auf einer kurzen Epoche billiger, aus der Zukunft subventionierter Energie fußt und bald zusammenbrechen wird. Realistische Politik hätte keine Zeit zu verlieren, um sich schnellstmöglich einer völlig neuen Energie- und Rohstoffversorgung zuzuwenden. Diese nachhaltig zu organisieren kann nur mittels der Kategorischen Marktwirtschaft gelingen.

Juli 2010: -- Spannende Frage: Kommt in den USA jetzt, nachdem das Loch im Golf von Mexiko angeblich verschlossen wurde, ein Sinneswandel in Gang? Gelangt der Präsident zu der Erkenntnis, dass ein konsequentes Umsteuern auf regenerative Energieträger in Verbindung mit radikalen Energiesparmaßnahmen für sein Land, den weltgrößten Energieverschwender, erste Priorität besitzt?
Die Gefahr ist groß, dass die globale Energiewirtschaftslobby, nicht nur in den USA, wieder einmal mit den altbekannten Schlaftabletten, wie bessere Tiefbohrtechnik, verstärkte Sicherheitsvorkehrungen, höhere internationale Standards, Zurschaustellung vernachlässigbarer Alibiprojekte im Bereich erneuerbare Energie, usw. die Politik erfolgreich beeinflusst und, im Erscheinungsbild etwas auffrisiert, weiter machen kann, wie bisher.
Genauso war es bei der internationalen Finanzwirtschaft nach deren Desaster 2008/09, und ebenso ist es in allen anderen mächtigen Sparten bei ähnlichen Anlässen gelaufen, ob Pharmaindustrie, Chemiewirtschaft, ob mit Nahrungsmittelkonzernen, der Autoindustrie, der Fischereiindustrie, Bergbaukonzernen, Waffenherstellern und etlichen anderen.
Wann denkt die Öffentlichkeit über eine Weltgesellschaft nach, die ganz ohne mächtige wirtschaftliche Lager auskommt und den Konsumbedarf, von allem zukunftsunverträglichen bereinigt, in kleinen Einheiten und regional intelligent und hochflexibel decken kann?
Wir müssen uns endlich die wichtigste aller Fragen stellen, nicht der, wie wir das aktuell als schädlich erkannte eins zu eins durch etwas weniger schädliches ersetzen können, sondern wie wir eine Gesellschaft bauen, die auf alle Gefahren für die natürliche Lebensgrundlagen verzichten und trotzdem einen breiten qualitativen Wohlstand zu pflegen im Stande ist.
Momentan sind die Parlamentarier der Welt, wie auch die Instanzen der etablierten Medien noch immer nicht mit genügend Weitsicht ausgestattet, um sich obiger Frage zu widmen. Immer noch ist alles Getue der Politik, wie auch die meiste journalistische Berichterstattung bloße Niedergangsverwaltung.

Juni 2010: -- Jetzt hat man sich in den USA mittlerweile auf 10 Millionen Liter Rohöl geeinigt, die täglich in den Golf von Mexiko strömen. Obama, weil er inzwischen nicht mehr weiß, was er noch sagen soll, denkt laut über das Ende des Zeitalters fossiler Energieträger nach. In Wahrheit besteht aber kein Grund zur Hoffnung. Entweder meint der US-Präsident eine verstärkte Hinwendung zur Kernkraftnutzung oder er will Zeit schinden und öffentlichkeitswirksam die Konzernmanager erschrecken, um nach Leerlaufen des Öllagers in der Erdrinde unter dem Meer, langsam wieder zur profitablen Normalität vor der Havarie zurückzukehren.
Allerdings
, wenn es noch zwei Jahre weiter sprudelt, vielleicht ist die Welt dann doch eine andere, und man ist eher fähig, über das ökonomische Grundproblem fehlender kategorischer Marktwirtschaft nachzudenken.
--
Es sieht so aus, als solle mal wieder ein Unionsparteipolitiker zum neuen Bundespräsidenten gekürt werden. Mit Vonderleyen, Schäuble oder Lammert bekommt das deutsche Volk eine Personalienauswahl vorgesetzt, die es frei niemals wählen würde.
Die Bundespräsidentenwahl wäre eine gute Chance, endlich mal Demokratie walten zu lassen. Wenn der Präsident schon nicht vom Volk gewählt werden kann, dann bitte aber von soviel Parlamentariern, dass diese mindestens 50 % der deutschen Wahlberechtigten repräsentieren. Weil die schwarzgelbe Regierung nur von gut 34 % gewählt worden ist, müsste mindestens noch die SPD dem neuen Kandidaten zustimmen, dann erst wären knapp über 50 % der Wählerinnen und Wähler vertreten.
Wenn wir die nachfolgenden Generationen noch etwas beteiligen wollen, ist die Kandidatenentscheidung eindeutig: Klaus Töpfer, der geistig und moralisch aus seiner ehemaligen Partei CDU ausgeschert ist und seit Jahren für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen argumentiert, wäre derzeit der beste Mensch für den Posten des Präsidenten Deutschlands.

Mai 2010: -- Entgegen den Darstellungen des BP-Konzerns fließen aus dem verlorenen Bohrloch, so meinen jetzt amerikanische Geologen, mindestens 2 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Obama, der doch als so mächtig bezeichnete US-Präsident, sieht nur noch völlig hilflos und nackt aus.
Die ökonomischen Strukturen, so sieht man es zumindest im Störfall überdeutlich, beherrschen die Staaten und Regierungen, statt umgekehrt.
Ist dies nicht vergleichbar mit Europa, wo in den Haushalten der Staaten ebenfalls Löcher bestehen, die nicht mehr geschlossen werden können? Die internationale Finanzwirtschaft hat gemerkt, dass man hier nur das geeignete Gefäß drunter halten muss mit Schlauchverbindung in die eigene Tasche, Devise: Offenhalten!
Die Störfälle werden zur Regel. Die Löcher in sämtlichen Etats, die Lecks im Bewusstsein verantwortlicher Parlamentarier, die klaffenden Lücken in der Logik ihres Handelns, der fadenscheinige Strukturopportunismus in so vielen Berichten führender deutscher Medien oder welcher Art auch immer, sind längst Normalität.
-- Den deutschen Kommunen geht es so schlecht wie nie. Sind auch diese systemrelevant und verlangen zur Verhinderung eines Bankrotts nach mehrstelligen Milliardenhilfen? Oder sollen deutsche Städte und Gemeinden, wohl die bürgernächsten Garanten elementarster Infrastruktur überhaupt, der Krise geopfert werden?
-- Noch ein Fass ohne Boden:
Auch die europäische Währungsunion ist systemrelevant und muss mit geborgten Hunderten von Milliarden Euro gesichert, letztendlich bestimmt auch finanziert werden. Wann wird uns klar, dass wir dieses System nicht beibehalten können und jeder in dieses miserabel durchdachte Projekt EU investierte Cent nur rausgeschmissenes Geld ist?
-- Mit dem Ergebnis der Wahl in NRW setzt sich das Desaster für die deutschen Parteien fort. Ungeschönt und entgegen der Darstellungen in den deutschen Medien bekamen CDU: 20,20%, SPD: 20,16%, FDP: 3,93%, Grüne: 7,08%, Linke: 3,27%. Nackte Zahlen dazu finden Sie: Hier
-- Die Gewerkschaften trommeln am ersten Mai für bessere Bezahlung der Arbeitenden und mehr Sicherheit der Arbeitsplätze. Es wäre zu wünschen, diese Vertreter der Arbeitskraftgeber kämen bald auf die Idee, alle Fliegen und Sorgen ihrer Klientel mit einer Klappe zu schlagen, also ein Wirtschaftssystem zu fordern, wo endlich ein wirklich fairer Wettbewerb zwischen technischer und menschlicher Arbeitskraft herrscht? (Mehr dazu hier, Kap 1.4.)

April 2010: Jetzt bedroht das Öl aus dem Loch am Grunde des Golfs von Mexiko die Südküste der USA. Obamas Statement dazu ist bezeichnend: Man will nicht auf Öl aus dem Meer vor den Küsten verzichten, denn dieses sei wichtig für die Unabhängigkeit der USA und die Wirtschaft. Man müsse aber besser auf die Sicherheit der Arbeiter und den Schutz der Umwelt achten. - Wunschdenken, leere Worte, Ohnmachtsäußerungen des Obersten der Zauberlehrlinge.
Keine Spur eines Nachdenkens in den USA, dass eine Wirtschaftsweise, die von solchen Spielen mit dem Feuer abhängig ist, eventuell ganz in Frage gestellt und durch eine bessere Ökonomie ersetzt werden könnte oder sollte. Nicht die Spur eines Ansatzes, über solches auch nur einmal öffentlich nachzudenken. (Mehr dazu hier, Kap 4.)
-- Der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island wird hiermit zum besonderen Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt. Mit seiner Tätigkeit leistet er einen gewaltigen Beitrag zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen. In nur wenigen Tagen erspart er der Atmosphäre größere Schadstoffmengen, als alle sogenannten Umweltschutzmaßnahmen der europäischen Staaten im ganzen Jahr.
Von den täglich in Europa stattfindenden 28000 Flügen, sind derzeit etwa 20000 abgesagt, weil die Vulkanasche über dem Kontinent deren Triebwerke beschädigen würde und zum Absturz der Maschinen führen könnte.
Nicht nur die riesigen CO2-Mengen, die seit einigen Tagen nicht mehr verursacht werden können, bleiben erspart. Man muss auch berücksichtigen, dass Abgase, wenn sie in größerer Höhe eingebracht werden, weitaus reaktiver und gefährlicher wirken, als direkt über dem Boden. So entspricht beispielsweise der Schaden, den wir mit einem Flug nach Mallorca verursachen, etwa dem, welcher ein PKW mit durchschnittlicher Fahrleistung in einem ganzen Jahr anrichtet.
Gut, die Flugausfälle verursachen ungeahnte Behinderungen der gewohnten Normalität und einen wirtschaftlichen Schaden im drei- bis vierstelligen Millionenbereich.
Trotzdem haben wir hier bei Zukunftslobby ausschließlich Grund zur Freude, weil dieses aktuelle Beispiel eindrucksvoll belegt, wie sehr das Funktionieren unseres Wirtschaftssystems direkt von der enormen Verursachung verschiedenartiger Schäden und der Abwälzung der Schadkosten in den Zuständigkeitsbereich der nachfolgenden Generationen abhängt und wie richtig wir doch mit unseren ökonomischen Thesen liegen.
Zwei Bereiche unseres sogenannten Wohlstands, stehen diesmal besonders im Rampenlicht: Der wahnsinnig aufgeblähte Mobilitätsbedarf, ob von Geschäftsleuten, Urlaubern oder Trauergästen eines verunglückten polnischen Präsidenten, und der widersinnige Gütertransport verzichtbarer Produkte in Frachträumen von Passagiermaschinen.
-- Apropos Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen Einrichtungen und reformpädagogischen Schulen: Eine andere Art von Misshandlungen, die wir an den Heranwachsenden anrichten, sind die Unterlassungen oder zeitgeistkonformen Verzerrungen in der bürgerlichen Erziehung, hohle Fixierungen auf oder Kapitulationen vor den gerade angesagten ökonomischen Idealen und Moden. Mehr dazu in einem Kommentar auf Dradio von Erziehungswissenschaftlerin Astrid von Friesen, oder auch in unserem letzten Essay unter dem Stichpunkt soziale Schadkosten.

März 2010: Das Worldwatch Institut in Washington hat seinen "State of the World Report 2010" vorgelegt (-auch unter diesem Link) und die Reaktionen darauf sind Befremdlichkeit und Schweigen. Einer der Vorschläge des Instituts, die angeblich helfen könnten unsere Umwelt zu schützen, ist die Einführung der Vier-Tage-Woche. Neben mehr Zeit für Freunde, Familie oder ein Ehrenamt hätten wir dann auch weniger Geld, um dieses für Unnötiges auszugeben. Überflüssiger Konsum ist nach Auffassung der Experten des Instituts der Klimakiller Nummer Eins.
- Hört, hört, ist Worldwatch also von Radikalen unterwandert? Wie sonst sollten die Wissenschaftler "nichts Geringeres als die Umwälzung der herrschenden kulturellen Muster" verlangen? Wie kommt Erik Assadourian, der Institutsleiter zu seiner Aussage: "Noch ist Konsumismus das kulturelle Leitbild, das Menschen Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz in dem suchen lässt, was sie konsumieren. Doch wir sind in der Lage umzudenken."?
Eine Reaktion kam vom Verbraucherzentrale Bundesverband, aber leider nur in relativierender, bürokratisierender Art und Weise. Man ist lieber für mehr Anreize bei nachhaltigen Produkten. Damit allein, so meint Zukunftslobby, lässt sich jedoch die ökologische Katastrophe nicht abwenden.
Worldwatch läge ja richtig, wenn da der wichtigste Einwand nicht wäre, dass nämlich durch radikal gesenkten Konsum die Arbeitslosenzahlen explodieren würden.
Und so möchten wir Worldwatch und dem Bundesverband Verbraucherzentralen unser ökonomisches Konzept empfehlen und unsere letzte Veröffentlichung zum Thema , in welchem die offenen Fragen zu einer nachkonsumistischen Gesellschaft grundsätzlich behandelt werden.

Februar 2010: Das "Völkerdomprojekt" ab sofort mit ausführlicher Beschreibung hier zu finden

Januar 2010: Ende Januar hat Zukunftslobby einen neuen Versuch gestartet, seine wirtschaftspolitischen Grundthesen, die derzeit einzigen zukunftsfreundlichen im Netz, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen.
Mittels 75 E-Mails wurde an NGOs, wissenschaftliche Institute und an überregionale Zeitungen ein ausführliches Essay mit Anschreiben und unserem aktuellen Flyer geschickt, in welchem wir eine Debatte darüber anregen, ob sich gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nicht besser unter einem einzigen gemeinsamen Ziel vorgehen lässt, unter dem Ziel eines neuen menschenverträglichen Wirtschaftssystems. - Mehr Informationen dazu
Hier