Zukunftslobby.de
 

Zuloblog für 2012

Zuloblog ist das Weblogbuch von Zukunftslobby.
Während wir im Jahr 2008 hier täglich Kommentare zum politischen Tagesgeschehen veröffentlichten, haben wir uns in den folgenden Jahren auf nur noch monatliche aktuelle Beiträge beschränkt. Die Zuloblogausgaben rechts geben weitgehend den veröffentlichten Inhalt der Startseiten des jeweiligen Jahres wieder.

Obwohl einige Jahre alt, trotzdem weiter aktuell und informativ: Blogarchiv 2008
Januar --- Februar --- März --- April --- Mai --- Juni ---
Juli --- August ---September --- Oktober
November --- Dezember

Zuloblog 2009 - Zuloblog 2010

Zuloblog 2011 - Zuloblog 2012

 
 

Dezember 2012:

Gebührenerhebung für öffentlich-rechtliches Fernsehen im Jahr 2013:

Im nächsten Jahr werden die Gebühren für öffentlich-rechtliches Fernsehen als Zwangsabgabe oder Kopfsteuer eingetrieben. Auch Leute völlig ohne Fernsehgerät sollen zahlen.
Im Internet formiert sich eine Schar Bürger dagegen. Jetzt wird es darauf ankommen, wie intensiv diese sich zu einer wirksamen Gegenbewegung zusammentun können.
Es wird wohl, hoffentlich, zu Verfassungsklagen kommen, die gut vorbereitet und durchformuliert sein müssen.

Erschwerend für die Ausgangslage ist dabei, dass das Verfassungsgericht sich die Ansicht, öffentlich-rechtliches Fernsehen würde "objektive Informationen" bereit stellen, ja schon in ähnlichem Zusammenhang zueigen gemacht hat.
Dies wird denn auch der entscheidende Punkt sein:
Informationen aus öffentlich-rechtlicher Produktion sind ebenso gefärbt, wie solche aus dem Spiegel, der Welt, der FAZ, usw. Für diese Medien kann man, unserem Verfassungsverständnis zu Folge, auch niemandem ein Zwangsabo aufs Auge drücken.

Für Zukunftslobby ist unbestreitbar: Trotz einer kleinen Anzahl lobenswerter Sendungen im Fernsehen bringt es die allgegenwärtige öffentlich-rechtliche Berieselung nicht fertig, die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen zu stoppen. Deshalb kann sie überhaupt nicht als neutral angesehen werden.
Ja, diese Berieselung zementiert dagegen sogar den herrschenden fatalen Niedergang, weil sie nicht täglich und unablässig die Zusammenhänge mit dem herrschenden Wirtschaftssystem und dessen Protagonisten offen legt.

Solange vor allem normale Fernsehnachrichten als Schlafmittel und Gleichgültigkeitselixier für die Durchschnittsbürger wirken und nicht endlich durchgehend als Kommentare im Sinne überideologischer Zukunftssicherung ausgestrahlt werden, ist Fernsehen ein subjektives, wiederkäuendes, ja oft genug unfreiwillig strukturen-, profit- und machtsicherndes Medium, wenn auch nicht in seinen wenigen Glanzproduktionen, so doch in seiner abschließenden Gesamtwirkung.
Ein Gesetz aber, welches kritische Fernsehabstinenzler zur Mitfinanzierung dieses Mediums zwingt, ist verfassungswidrig.

Wer Plattformen kennt, wo das Thema sachlich diskutiert, bzw. eine Sammelklage entwickelt wird, soll dies bitte an zukunftlobby.de melden

Neue Alternative zu öffentlich-rechtlichem Fernsehen:

Parallel zum "Volksverdummungsfinanzierungsgesetz" der deutschen Ministerpräsidenten der Länder tritt im nächsten Jahr eine Konkurrenz zu öffentlich-rechtlichem und privatem Fernsehen auf die Bühne.
Stoersender.tv will im Internet 20 Mal ein TV-Magazin produzieren, in dem Dieter Hildebrandt regelmäßig auftritt. "Extremisten nimmt der Störsender aufs Korn, Politiker auf den Arm. Gestört wird durch diese Kampagnenplattform jeder, der sich dafür aufdrängt. Und zwar von Allen."

Derzeit sammelt die Crowdfunding-Plattform startnext.de Geld zur Umsetzung dieses Projekts.
Es werden noch Geldgeberinnen und Geldgeber gesucht, die sich je nach Sponsoringsumme als VIP, - Very Intelligent Pressefreiheitskämpfer-, bestimmte Vorteile und Mitarbeitsrechte an den Sendungen einhandeln können.

Bemerkung zum Abschluss der Klimakonferenz:

Was soll man sagen zum Ergebnis der diesjährigen Klimaverhandlungen in Doha. Um in Details einzusteigen lohnt die Zeit nicht.
Der schleswig-holsteinische Klimaforscher Mojib Latif sagte in der Sendung "Pelzig hält sich", wir alle würden von der Politik und den obersten Verhandlungsführern "verkaspert" und war spontan sichtlich froh darüber, als jemand aus dem Publikum sein Wort in "verarscht" übersetzte.

Eines steht fest:
Die Verhandlungen auf jeder der bisher abgehaltenen 15 Klimakonferenzen sind fest in der Hand jener, die mit der Verursachung von Klimaschäden Geld verdienen, - Oder sollte man nicht besser sagen: die Verhandelnden sind fest in solchen Händen?
Was ebenfalls feststeht:
Die Verhandelnden sind fast alle demokratisch gewählt, bzw. von demokratisch gewählten Regierungen legitimiert. Trotzdem entscheiden sie für eine kleine Minderheit und gegen die Interessen der gegenwärtigen und zukünftigen Weltgesellschaft.
Vielleicht ist es notwendig, den Mythos Demokratie endlich einmal auf den Prüfstand zu stellen.
-- Ist er noch verträglich mit der Bewahrung der Umwelt?
-- Oder ist er eher zu einem ungemein nützliches Instrument zur legalen Durchsetzung von Umweltzerstörung verkommen?
-- Brauchen wir in dringendem eigenen Interesse nicht eher etwas anderes, nicht Diktatur, sondern etwas besseres, etwa einen Filter zwischen demokratischer Wahl und deren Auswirkung auf die natürlichen Lebensgrundlagen?
-- Was kann denn deren Unantastbarkeit wirklich garantieren? Doch wohl nur ein auf dieses oberste Ziel zugeschnittenes neues ökonomisches Prinzip, wie das von der Kategorischen Marktwirtschaft.

Nachfolgender, zu obigem passender, Artikel war Anfang Dezember im Hunsrückspiegel erschienen:

Über Energiepreismärchen

Vor genau 200 Jahren erschienen die Märchen der Brüder Grimm zum ersten Mal. Gerade jetzt, in der dunklen, kalten Jahreszeit, kommt uns zu ihrem Werk auch die passende Szenerie in den Sinn: Im warmen, gemütlich beleuchteten Zimmer lauschen kleine Kinder mit großen Augen gespannt den Geschichten um tapfere Helden und böse Betrüger, die der Großvater mit sonorer, geheimnisvoller Stimme zum Besten gibt.
Weniger gemütlich geht's dagegen zu, wenn die altbekannten Märchenonkel aus Politik und Wirtschaft ihrem leichtgläubigen Publikum unablässig den haarsträubendsten Unsinn ins Ohr träufeln.

Bestes aktuelles Beispiel dafür ist das Thema Energie. Die Stromkonzerne und ihre als FDP-und CDU-Parteimitglieder getarnten Strohmänner in der Regierung, verbreiten das Märchen, dass eine Energiewende möglich wäre, ohne die alten Strukturen der Energiewirtschaft aufzugeben. Ihr Propagandabüro mit dem Tarnnamen "Neue Soziale Marktwirtschaft" plakatierte Ende November aggressiv etwa in Bahnhöfen gegen das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Angeblich sei es die Hauptursache von Strompreiserhöhungen. In Wahrheit aber ist es ein effektives Werkzeug, auch um die alten Monopole zu brechen und vor allem zukünftigen Strompreissprüngen den Boden zu entziehen.

Die SPD liebäugelt immer noch gerne mit den Kohlekonzernen. Derzeit halten sich die dort sitzenden Verfechter alter Energiewirtschaft wahlkampfbedingt sehr zurück. Lieber lässt man die FDP ihre Seilschaftsbeziehung und die CDU ihre Konzeptlosigkeit vorführen. Ihr Umweltministers Peter Altmaier sagte kürzlich, einen Masterplan für die Energieentwicklung könne es nicht geben, weil man jetzt nicht wisse, welche Situation in einigen Jahren im Energiebereich herrsche. - Au weia, Herr Altmaier, in einigen Jahren - das ist doch so sicher, wie das Amen in der Kirche -, werden sich Öl, Gas, Kohle und Uran, derart verteuert haben, dass es uns regelmäßig schlecht wird beim Erhalt der Stromrechnung. Dies muss doch jedem normal denkenden Menschen klar sein, wenn er die weltweite Entwicklung beobachtet!!!

Die Frage ist doch: Wo wollen, ja wo müssen wir denn überhaupt hin? Antwort: Wir brauchen eine Energieversorgung, die erstens umweltpolitisch sauber, also unseren eigenen Enkeln gegenüber verantwortbar ist, und wir brauchen eine, die auf Dauer bezahlbar ist.
Der Weg dorthin ist zwar steinig, aber die Aussicht doch auch höchst erfreulich: Erstens würden keine arabischen Ölscheichs, keine russischen Gasfürsten und keine australischen Uranbonzen mehr die Brennstoffpreise diktieren. Zweitens würden keine Stromkonzerne mehr mit abkassieren, und viele Milliarden blieben in den Taschen des Volkes. Und drittens wären die Menschen, die Regionen und erst recht die mittelständische Wirtschaft uneingeschränkter Herr über das, was die moderne Gesellschaft am dringendsten braucht: über die elektrische Energie.

Leider konnten die Erfinder des EEG dieses nicht immun machen gegen umweltpolitische Dilettanten, die nach ihnen das Ressort besetzten. Statt die Sache intelligent und zügig weiter ins Ziel zu geleiten, hat die große und die jetzige Koalition die Idee gegen die Wand gefahren. Immer mehr Großbetriebe werden von der EEG-Umlage befreit und die privaten Verbraucher müssen alles mitbezahlen. Die Politik schmeißt also nicht nur noch zusätzliche Steine auf den Weg in die Unabhängigkeit, ja sie setzt den Bürgern auch noch fette Faulpelze auf die Schultern, welche diese mitschleppen sollen.

Besser noch allerdings als mit dem EEG, kämen wir mit totaler Preisgerechtigkeit, also echter Marktwirtschaft, zu dauerhaft niedrigen Strompreisen. Würden alle in Steuern und sonst wo versteckten Teilkosten, alle Altsubventionen und alle an Klima und Böden verursachten Schäden auf der Stromrechnung aufgelistet, eben so, wie es das Konzept Kategorische Marktwirtschaft vorsieht, wäre deutlich:
Für die Kilowattstunden aus Gas, Öl, Kohle und Kernkraft zahlt das Volk sich dumm und dämlich. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten liegen bei mindestens 1,25 Euro für Gas, 1,50 Euro für Öl, 1,50 bis 2 Euro für Kohle und 2,25 bis 3 Euro für Kernkraft. Auf diese Zahlen lassen sich Ergebnisse früherer Studien zu diesem Thema hochrechnen (Umwelt- und Prognoseinstitut Heidelberg, Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) Karlruhe, Prognos AG, Basel, usw.).
Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen dagegen ist frei von Folgeschäden. Ihnen müsste der Energie- und Rohstoffaufwand für die Anlagen- und Komponentenproduktion aufgeschlagen werden. Je nach Lebensdauer läge die Kilowattstunde dann schätzungsweise bei 20 bis 40 Cent und würde mit steigendem Anteil am deutschen Gesamtenergiemix nur billiger.
Während Sonne und Wind keine Rechnungen schicken, werden uns jene der fossilen und radioaktiven Energieträger noch sehr lange ins Haus flattern. Diesen Forderungen wird die globale Gesellschaft nicht entgehen können. Ja dass sie darunter zusammenbrechen könnte, wird immer wahrscheinlicher.

Deshalb muss Schuss sein mit den Energiepreislügen!! Es wäre doch toll, wir könnten in ein paar Jahren unseren Kindern im warmen, gemütlichen Zimmer nicht irgendwelche Märchen, sondern unsere eigene und wahre Heldengeschichte erzählen. Diese würde davon handeln, wie wir damals die wirkliche, unsere Energiewende geschafft haben, gegen die mächtigen, alten Interessenverbände, und zwar gemeinsam als Volk, das es satt hatte, bevormundet, belogen und ständig abgezockt zu werden.

Carl Christian Rheinländer

November 2012:

Über Experten und Scheinexperten

Was tut man, wenn man sich mit einer Sache nicht auskennt? - Man befragt einen Experten, etwa einen Handwerker, einen Fachhändler, den Hausarzt, usw., denn schließlich sucht jeder von uns die möglichst beste Lösung für sein Problem.
In manchen Fällen aber sind wir über das Ergebnis hinterher nicht so wirklich begeistert, haben schlechte Arbeit, ein unbefriedigendes Produkt oder den falschen Rat bekommen. Eben dumm gelaufen. Ja jeder, der nicht naiv ist, weiß: Es gibt gute und schlechte Experten.

Daneben begegnen uns Experten jeden Tag im Radio, im Fernsehen oder in der Zeitung. Journalisten sind permanent auf der Suche nach ihnen, damit sie zu allen gerade brennenden gesellschaftlichen Themen ihren Expertenkommentar abgeben.
Neben den eher banalen Themen, - Fußballexperten kommentieren das Unvermögen der Nationalmannschaft, Weltraumexperten erklären die Greifarmtechnik des Marsroboters, Autoexperten loben die neue elektronische Einparkautomatik, Schönheitsexperten versichern die Unbedenklichkeit verbesserter Silikonkissen, usw., - gibt es die wirklich zukunftsentscheidenden Fragen, wo uns der falsche Expertenrat in langanhaltende Schwierigkeiten bringt.

Beispiel Energie: In den 1970er Jahren erzählte man dem Volk, Atomkraft sei beherrschbar und die sinnvollste Art der Energieerzeugung. Andere Experten warnten vor gewaltigen Gefahren und empfahlen, stattdessen Energie aus Sonne und Wind zu fördern. Dafür wurden sie belächelt, ignoriert und in linke und unwissenschaftliche Ecken geschoben.

Beispiel Euro: Vor dessen Einführung warnten etliche Wissenschaftler, durch die riesigen Unterschiede in der Produktivität europäischer Staaten könne das Experiment mit gemeinsamer Währung nicht lange gut gehen. Es genüge nicht, eine Gemeinsamkeit der Staaten nur mit wirtschaftlichen Beziehungen knüpfen zu wollen

Beispiel Wirtschaftswachstum: Nichts wächst unaufhörlich, erst recht nicht exponentiell. Zwangsläufig muss ein Punkt kommen, wo sich die Sache ins Negative umkehrt oder gar völlig zerplatzt. Trotzdem beschwören altbekannte Starökonomen Wirtschaftswachstum heute immer noch als Heilmittel. Nach wie vor werden diese Träger kapitalistisch/planwirtschaftlicher Scheuklappen von Medienvertretern ergeben hofiert, werden als Weise bezeichnet und dürfen zweimal im Jahr ihr sündhaft teures Weiterso-Pamphlet der Bundeskanzlerin überreichen.

Nimmt man zum Beispiel Energie die heutigen Diskussionen zur sogenannten Energiewende hinzu, muss einem informierten Zeitgenossen folgendes in den Sinn kommen:
Nicht auszudenken, was wäre, wenn Deutschland, statt vor 40 Jahren auf Experten der Atom- und Kohlewirtschaft zu hören, frühzeitig auf regenerative Energien gesetzt hätte. Keine Chinesen hätten uns damals kopiert. Wir wären seit Jahrzehnten technologischer Weltmarktführer. Unsere Energiepreise wären dauerhaft niedrig, weil unsere Lieferanten, Sonne und Wind, keine Preiserhöhungen kennen.
Unsere Wirtschaft hätte einen kaum einzuholenden Standortvorteil. Wir könnten die Füße hochlegen und Federn in die Luft blasen, wenn, - ja wenn diese elenden Altparteien CDU, SPD und FDP mit der profitgeilen Industrielobby dahinter nicht immer schon parteilinientreu bestimmt hätten, welchen Experten die gesellschaftliche Entwicklung zu folgen hat.

Wenn wir einen Expertenrat schon im Vorfeld als nur problemaufschiebend oder aber als wirklich hilfreich erkennen wollen, sollten wir folgendes fragen:
Erstens: Ist der Experte nur ein Wiederkäuer altbackener Schulweisheiten, reproduziert er selbstgefällig lediglich aufgefrischte Antwortschablonen? Oder nimmt er sein erlerntes Grundwissen als Handwerkszeug, um damit in der aktuellen Problemsituation neue Überlegungen zu entwickeln?
Zweitens: Steht der Experte in irgendeiner Verbindung zur Industrie oder anderen Interessengruppen? Wird sein Institut, sein Lehrstuhl oder anderes aus der Privatwirtschaft gesponsert, wie beispielsweise manche Bienenforscher durch die Insektengiftindustrie oder manche Rentenexperten durch Versicherungskonzerne? Versucht der Experte im Interview irgendwie eine subjektive Position mehr oder weniger unauffällig nach vorne zu bringen?
Zugegeben, dies ist nicht immer leicht zu erkennen, schon gar nicht von Durchschnittsbürgern, die neben der ganz normalen Arbeit kaum Zeit für das Auffinden objektiver Informationen erübrigen können.
Eigentlich wäre dies die Aufgabe der Medien, zumindest jener Journalisten, denen ihre Aufgabe noch etwas bedeutet und die auf keinen Fall als Steigbügelhalter wirtschaftlicher Interessen missbraucht werden wollen.

Die Medien sollten endlich aufhören, Parteiideologen als Experten zu bezeichnen. So führt man fahrlässigerweise etwa jenen als Finanzexperten, der von seiner Partei so vorgestellt wird, weil er BWL studiert hat, täglich laut über Wohlstand, Wachstum und Wettbewerb lamentiert oder mal hinter einem Bankschalter stand. Gerade in diesen Zeiten müssen wir sie nach Hause schicken, die faulen und eitlen, die feigen und opportunistischen, die vorteilsbedachten und die einäugigen Scheinexperten. Meist hat ihre penetrante Art und Weise einzig das Ziel, die jeweilige politische Ideologie abzusegnen.

Was wir brauchen ist bereichsübergreifenden Sachverstand statt Prominenz, Generalisten statt Fachidioten und völlig neue Thesen statt Geklammere an eingeschliffene Vorrechte, hochgestochene Europafantasien und gängige Wirtschaftsstrukturen. Was wir brauchen sind Frauen und Männer mit Weitsicht, die bereit sind, das Ungehörige nach gangbaren neuen Wegen zu durchstöbern, mit Feuer im Herzen, um Zweifler und Gewohnheitsmenschen zu begeistern und mit Härte, um Krisenprofiteure und Blutsauger der Gesellschaft an die Wand argumentieren zu können.

Oktober 2012:

Über Politikersprache und die Folgen

Wer kennt sie nicht, jene Zeitgenossen unter uns, die viele Worte machen, meist um sich selbst, um ihre Position oder für ihren Vorteil.
Wir nennen sie Großmaul, Schlipswichser oder Lackaffe und wenn man mit ihnen nicht direkt zu tun hat, kann kurzes Zuhören sogar recht unterhaltsam sein. Einige von uns sind allerdings nicht so frei, sich schmunzelnd mit dem Gedanken umzudrehen: "Mensch, was für ein dummes Geschwätz." Womöglich haben sie so jemanden als Chef oder besitzen nicht die Antennen, um rechtzeitig zu erkennen, welches Theater ihnen vorgemacht wird. Da kann es dann schon mal deprimierend, peinlich oder teuer werden.

Für uns alle aber äußerst unangenehm wird es, wenn solche Blender in der Politik sitzen. Diese übt eine besonders große Anziehungskraft auf Leute mit übersteigertem Ego aus.
Alle großen Parteien brauchen selbstsicher auftretende Wortführer, die öffentlich die Trommel schlagen, den Medien Interviews geben, Wahlkampfreden aufführen oder im Bundestag die Gegner in Schach halten. Der Blender kann als Parteipolitiker also leidenschaftlich seiner Macke frönen und wird dafür auch noch blendend bezahlt.
Auch bietet ihm die Politik besondere Möglichkeiten zur Verfeinerung seiner Nebelkerzenwerferei, bis diese nur noch von wenigen Leuten gleich erkennbar ist. Hierfür gibt es allerlei Schulungen in Fremdwortkunde, sicherem Auftreten, Erwiderungsstrategien in Wortgefechten, Ausweichtaktiken bei riskanten Fragen oder ganz allgemein das öffentliche Viele-Worte-Machen, ohne genaues zu sagen.
Schließlich findet der Blender in der Politik die beste Tarnung für seinen fehlenden Sachverstand. Im großen Rudel von Kollegen, die auch nur hochtrabend um nicht verstandene Probleme herumreferieren, fällt er am wenigsten auf.

Nicht alle Politiker sind so. Vereinzelt und in sämtlichen Parteien findet man auch gewissenhafte und selbstkritische Leute, die aber äußerst selten hochkommen.
Je einflussreicher die Position, desto eher ist sie mit einem Blender besetzt. Offenbar ist in unserem politischen System die Fähigkeit zur vornehmen Dummschwätzerei erstes Kriterium für eine steile Karriere. Vielleicht mangelt es den behilflichen Parteifreunden an Menschenkenntnis oder auch an Kenntnis des jeweiligen Themas, so dass sie sich schnell einwickeln lassen.
Vielleicht ist in deutschen Parteien das Emporkommen der ärgsten Dummschwätzer auch gewollt, weil sich gewöhnliche Parteimitglieder mit solch einem Vorsitzenden den maximalen Nutzen für sich selbst versprechen.

Vor dem Volk jedenfalls können die Parteien ihre Existenzberechtigung überhaupt nur mittels kraftvoll daher kommenden Blendern aufrecht erhalten. Deren großmäuliges Kauderwelsch soll übertünchen, dass sie unfähig für ihren Job sind. Gegenüber den drängenden Problemen unserer Zeit haben sie keinerlei schlüssige Antworten und nicht den Funken einer neuen Gesamtstrategie zu bieten.
Massiv sind sie täglich in sämtlichen Medien präsent. Sie bauen unterschwellig auf den Irrglauben innerhalb des Volkes, dass derjenige, welcher die brennendsten Fragen stellt, auch befähigt ist die Antworten zu geben . So werden von Politikern mit sich an Ernsthaftigkeit und Sorgenblick überbietenden Minen die Probleme ständig und gebetsmühlenhaft benannt, um dann doch wieder einmal mehr nur ans rettende Ufer der altbekannten Rezeptur aus der jeweiligen Parteiideologie zu flüchten.

Statt ermutigende Antworten kommen nur jene immer gleichen Schablonen, deren Wirkungslosigkeit längst offensichtlich sind. Gegen die Schuldenkrise der Staaten werden entweder Sparprogramme, neue Schulden und Konjunkturinvestitionen oder obskure Mischungen aus beiden proklamiert. Gegen den ökologischen Niedergang werden sogenannte Umwelttechnologien favorisiert. Gegen den sozialen Niedergang werden Steuerentlastungen, Rentensubventionen oder Lebensmittelgeschenke aufgefahren. Gegen die Verfettung und Verblödung unserer Jugend werden ungehörte Aufklärungskampagnen erdacht und Kitas, Gesamtschulen, Bologna-Unis und Exzellenzinitiativen beschwört. Doch kein Politiker ist in Sicht, der die universelle Krake Wirtschaftssystem als gemeinsame Ursache nahezu aller gesellschaftlichen Probleme erkennen kann.

Vollständig wird diese Betrachtung aber erst, wenn wir auch die Adressaten politischen Geschwätzes berücksichtigen. An die Macht kommen Blender ja nur mit Hilfe von vielen Millionen Wählerinnen und Wählern. Zur Bundestagswahl 2009 hat immerhin ein Drittel aller Wahlberechtigten für CDU und FDP gestimmt, und dies reichte zum Regieren. Nimmt man die SPD noch dazu, so kommt man auf einen Anteil von 50 % aller erwachsenen Deutschen, die damals ihre Zukunftsaussichten in die Hände von überwiegend Hochstaplern, Pöstchenjägern, Bullshitspritzen und Lobbymarionetten legten.

Nach dem politischen Elefantismus des Helmut Kohl und dem professionellen Dilettantismus des Gerhard Schröder, hat uns dies den kurzatmigen Aktionismus von Angela Merkel beschert. Die Wirklichkeit dieser drei Regierungssysteme war und ist die Illusion, sei es nun die eigene, weil Selbstüberschätzung mit Befähigung verwechselt wird oder sei es die des Volkes, welches einen Halt sucht, aber nur leere Versprechen findet.

So hat Politikersprache den ersten Zweck, zu verkaufen, was man gar nicht besitzt. Wenn aber Pfuscher, Kurzsichtige und Strohmänner an den Schaltstellen der Gesellschaft sitzen, sind Krisen unvermeidbar. Damit ist die Ursache aller Krisen die falsche Wahl. Doch was wäre die richtige? Hätte eine neue realistische Partei mit effektiven und umfassenden Ansätzen denn überhaupt eine Chance gegen die Macht der inszenierten Worte und Halbwahrheiten ihrer Gegner?

August/September 2012:

Über Volksveräppelung am Beispiel "Energiesparlampen"

Bei welcher politischen Entscheidung in den letzten Jahren hatte man ein rundherum gutes Gefühl? Anders gefragt: Welches neue Gesetz kam NICHT mit dem Geschmack daher, es funktioniere nur kurzfristig, es sei stümperhaft durchdacht oder es sei gar nur zum Vorteil irgendwelcher mächtiger Interessengruppen auf den Weg gebracht worden?
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Abschaffung der guten alten Glühbirne, welche zum 1. September mit dem Verbot auch der 40 und 25 Watt Lampen abgeschlossen ist. Was mussten wir uns nicht alles über angebliche Vorteile des Ersatzprodukts, der KompaktLeuchtstoffLampen (KLL), auch genannt "Energiesparlampen", anhören?
Lug, Trug und Wahrheit im Einzelnen:

Energiebilanz: Glühlampen würden mehr Strom verbrauchen, als KLL.
Richtig ist, dass Glühlampen den größten Teil des Stroms in Wärme statt in Helligkeit umwandeln. Diese Wärme kommt dem ausgeleuchteten Raum direkt zu gute und kann von der Heizungsenergie abgezogen werden. In gängigen Häusern springt die Heizung seltener an. In hochgedämmten Passivhäusern können Glühbirnen rechnerisch sogar komplett die Heizung ersetzen.

Klimabelastung: Durch flächendeckende KLL in Haushalten könnten angeblich enorme Mengen Kohlendioxid eingespart werden.
Richtig ist jedoch, dass global gesehen, dem Klima nicht ein Gramm CO2 erspart bleibt. Sollten deutsche Stromkonzerne wirklich einmal weniger Gas, Öl und Kohle verbrennen, verkaufen sie übrig gebliebene Emissionszertifikate ins Ausland, wo dann entsprechend mehr in die Luft gepustet und verursacht wird.

Sparsamkeit: KLL verbrauchen angeblich pro Helligkeit weniger Strom.
Erstens aber sind die Packungsangaben, etwa dass eine 15Watt-KLL genauso hell mache, wie eine 75Watt-Glühbirne, glatter Betrug. Die realen Helligkeitswerte in Candela, - wenn nicht auf der Verpackung aufgedruckt, dann in offiziellen Händlerlisten verzeichnet -, sind nicht mal halb so gut, wie uns erzählt wird. Zweitens lassen alle KLL im Laufe der Zeit in ihrer Helligkeit deutlich nach.

Haltbarkeit: Angeblich halten KLL acht mal länger als Glühbirnen.
Richtig ist, dass die Haltbarkeit der Glühbirne von nur 1000 Stunden vor dem Krieg vom internationalen Glühlampenkartell festgelegt wurde, um mehr Birnen verkaufen zu können. Merkwürdig: Der Erfinder Dieter Binniger, der im Jahre 1991 seine Birne mit 150.000 Stunden Lebenszeit in Massen produzieren wollte, ist kurz vor Übernahme des alten DDR-Werks Narva mit dem Privatflugzeug abgestürzt. Im Übrigen hielten KLL in durchgeführten Dauertests nur 2000 Stunden.

Lichtwirkung, Gesundheit und Umwelt: Das wirklichkeitsfremde KLL-Kunstlicht mit hohem Blauanteil beeinträchtigt Nervensystem und Hormonhaushalt, erzeugt Zellstress und kann zu Brust- oder Prostatakrebs führen.
Glühbirnenlicht dagegen entspricht in seinem Farbspektrum dem Sonnenlicht und dem des Feuers, also jenem Licht, an welches sich unser Organismus und der grundlegende Teil unserer Psyche über viele Millionen Jahre Menschwerdung angepasst haben. Sein Infrarotanteil, also die natürliche Wärmestrahlung, hat in vielfältiger Art und Weise direkt heilende und vorbeugende Wirkungen.
Bei KLL ist die schädliche Elektrostrahlung zwölfmal so stark wie bei einem Computermonitor. Eingeschaltet dünsten KLL ständig Phenol, Furane und andere teils krebserzeugende Schadstoffe aus.
Beim Zerbrechen ist eine normale Glühbirne völlig ungiftig. Aus einer KLL dagegen steigt sofort Quecksilberdampf auf, ein hochtoxisches Nervengift. Über den Hausmüll entsorgt, vergiften ausgediente KLL Umgebungen von Müllverbrennungsanlagen und Deponien. In die Schadstoffsammlung gegebene KLL werden, statt recycelt, teilweise als Sondermüll endgelagert.
Für die Herstellung von KLL werden z.T. seltene Erden gebraucht. Diese kommen aus China oder aus Bürgerkriegs- und Urwaldregionen. Die Verwendung von KLL in jetzigen, von der EU-Komission verordneten Dimensionen, erzeugt viel Leid für Natur und Bevölkerung in den betroffenen Regionen. Die Gesamtökobilanz für die Produktion einer einzigen KLL ist weit schlechter, als die von 100 Glühbirnen.

Kurzum, wieder mal muss die Umwelt neue Belastungen ertragen, sind dem Gesundheitssystem neue potentielle Klienten zugeteilt und wiederum ist die Bevölkerung veräppelt worden. Nur die Lampenkonzerne machen fetten Profit.
Auswege müssen wir uns mal wieder selber suchen. Zirkus Roncalli etwa hat 1 Million Glühbirnen gebunkert, um noch 10 Jahre angenehme Atmosphäre in der Manege bieten zu können. Nach Aufbrauchen unseres Vorrats könnten wir die neu auf dem Markt erschienenen "Heatballs" kaufen, offiziell ein Heizgerät. Es passt in eine Lampenfassung, sieht aus wie eine Glühbirne und leuchtet auch so. Möglich ist natürlich, dass die Lampenindustrie hier ebenfalls in Parteien und EU-Komission interveniert und erfolgreich ein Verbot auch dieser Heatballs durchsetzt.
Auf jeden Fall könnten wir Bürger es bei der nächsten Wahl mit den verantwortlichen Parteien ebenso machen wie mit dem Licht beim Verlassen eines Raumes: einfach ausschalten. Gegenüber den nachfolgenden Generationen, deren natürlichen Lebensgrundlagen mit dem Glühbirnenverbot ein neuer, völlig unnötiger Schlag versetzt wird, hätten wir dazu die Pflicht.

Juli 2012:

Nachfolgender Artikel wurde auszugsweise Ende Juni 2012 im Saarhunsrückspiegel veröffentlicht:

Übers Bremsen und über Spaßbremsen

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:
Ein vollbesetzter Bus befährt eine Straße, die bald an einem Abgrund endet. Der Fahrer ist nicht beunruhigt, weil sein Navi ihn führt. Die Insassen diskutieren, was denn zu tun sei. Die erste Gruppe, die das Navi stellt, meint, auf das Gerät sei Verlass, also weiter so. Die zweite Gruppe erkennt die Gefahr und widerspricht, man solle schnellstens bremsen und eine andere Route finden. Die dritte Gruppe schließlich, mit Abstand in der Mehrheit, bestimmt, wer fährt. Sie wählt stets einen aus der ersten Gruppe, weil man ihnen verspricht, sie könnten dann bequem sitzen bleiben.
- Ist dies nur eine absurde Geschichte? Oder hat das alles, Bus, Abgrund, Fahrer, unterschiedliche Reisendengruppen mit dem wirklichen Leben zu tun? Ja ist die Szenerie gar das Spiegelbild unserer Realität?

1. Der finanzielle Abgrund:
Gegen die europäische Schuldenkrise haben sämtliche Sparverordnungen und "Rettungsschirme", außer ein wenig Zeitgewinn, nichts gebracht. Einzig und allein die weltweiten Staatsanleihenbesitzer, meist eng und undurchsichtig verwoben mit einem dunklen Block der sogenannten Märkte, wurden bedient. Die Geschwindigkeit, mit welcher öffentliche Gelder in Privatbesitz transferiert werden, nimmt immer mehr zu. Der Zweck einer angeblich unumgänglichen "Rettung" des Euroraums soll das Mittel schleichenden Demokratieabbaus heiligen. Als Sparen verstehen die Politiker das Vorenthalten von Geld für Bürger von der gesellschaftliche Mitte an abwärts. Immer mehr Handlungsspielräume lösen sich in Luft auf.
Das andere Rezept, wirtschaftliches Wachstum herkömmlicher Art anzuregen, kann nur mit neuen Schulden bezahlt werden. Die USA etwa müssen für die Erzeugung von 1 Dollar Wachstum 2,5 Dollar Schulden machen, und in Euroland ist es kaum günstiger. Da hier jedes Mittel recht ist, wird auch der schlimmste ökologische Wahnsinn durchgesetzt, sofern er Profit verspricht. Nebensächlich auch, dass von solch nachfrage- und substanzlosen Strohfeuern kein brauchbarer Vorteil erhalten bleibt.
Die aktuellste EU-Schnappsidee ist nun die "Fiskalunion" (gemeinsames Budget, einheitliche Steuerpolitik und gemeinsame Staatsschuldengarantie). Das ist etwa so, als stünden in einem Tank mit langsam steigendem Wasserspiegel unterschiedlich lange Kerle und die großen würden beschließen, die kleinen auf den Arm zu nehmen. Ersaufen müssen trotzdem alle, weil sie nicht rausklettern wollen. Rausklettern würde bedeuten, ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu entwerfen, trotz der Gefahr, dass die internationalen Finanzmärkte, welche außen um den Tank herum stehen, versuchen würden, die Kerle wieder hinein zu stoßen.

2. Der ökologische Abgrund:
Deutliche Meldungen dazu häuften sich in den letzten Wochen.
- Im April mahnten Wissenschaftler, der Klimakollaps könne durchaus auch ganz plötzlich passieren, statt sich über mehrere Jahrzehnte hinzuziehen.
- Anfang Mai forderte der Club of Rome mit dem "Report 2052" abermals, die Grenzen des Wachstums endlich anzuerkennen.
- Auch im Mai zeichnete der WWF-Bericht "Living-Planet 2012" ein dramatisches Szenario: ´Wir leben dermaßen über unsere Verhältnisse, dass wir ab 2030 schon zwei Planeten bräuchten´.
- Ebenso der jüngste Bericht des Worldwatch-Instituts zur "Lage des Planeten": ´Die Plünderung der natürlichen Ressourcen setzt sich unvermindert fort´.
- Im Vorfeld der Uno-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio haben im "Stockholm-Memorandum" 20 Nobelpreisträger mit anderen hochkarätigen Wissenschaftlern an die Politik appelliert, "schleunigst und weitgehend" zur Bewahrung des Planeten zu handeln.
- Im Juni richteten alle bedeutenden Akademien der Wissenschaft in Europa, Nordamerika und Asien gemeinsam einen Appell an die Politik, endlich etwas gegen den "überbordenden Konsum" der reichen Länder zu unternehmen. ´Die Verschwendung natürlicher Ressourcen gefährde immer stärker die kommenden Generationen´.
- Ähnlich äußerte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon: Das Modell "Wohlstandssicherung durch gesteigerten Konsum" sei tot, sagte er.

- War da was? Irgendwelcher Grund zum Bremsen?

Die Rio-Konferenz ist nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltorganisationen (zweite Gruppe im Bus) komplett gescheitert. Wenn es die Politik (erste Gruppe im Bus) nicht tut, könnten doch die deutschen Zeitungen die längst überfälligen Änderungen bürgerlicher Alltagsgewohnheiten zum Thema machen. Doch offenbar will man für seine Leser nicht als Spaßbremse daher kommen, was die Verkaufszahlen drücken könnte. Außerdem würde dies den Verleger verärgern, welcher in der Regel mit der ersten Busgruppe kooperiert.
Deshalb: "Bleiben Sie ruhig bequem sitzen!" Stattdessen breitet man lieber zur "Eurokrise" jeden Quatsch politischer Wichtigtuer aus und umgeht geschickt, nach der wirklichen Ursache beider Abgründe zu suchen. Die wichtigste Frage lautet mit obigem Busbeispiel doch: Welcher Fahrer baut das Wirtschaftssystem (- als fatales Leitsystem mit dem Navi im Busbeispiel zu vergleichen -) radikal zu einem menschen- und "planetenverträglichen" System um?
Und, ausgehend von der Tatsache, dass die Welt nicht an zu wenig, sondern eher an zu viel Geld in falschen Händen krankt: Wie lässt sich all das spekulierend, destabilisierend und umweltzerstörend um den Globus vagabundierende Überschusskapital wieder für die Volkswirtschaften des Planeten verfügbar machen?

Carl Rheinländer

Juni 2012:

Weil das Thema immens wichtig ist, gerade jetzt, wo die Haftpflichtversicherung für Hebammen zum 1. Juli erneut stark angehoben werden soll, möchte ich den untenstehenden Artikel noch eine Zeit lang stehen lassen und alle Leser dieser Website zum unterschreiben eines Appells von Campact auffordern.
Hier findet man ihn!!!!

Mai 2012:

Artikel vom April 2012 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel:

Über die eigentlich natürlichste Sache der Welt - oder: Plädoyer für die Rettung des Hebammenberufs

von Carl Rheinländer

Ein Merkmal unserer Gegenwart ist es, dass Verhältnisse, die eigentlich zur Natur von uns Menschen gehören, auf einmal nicht mehr gültig sind. Dies gilt mittlerweile auch für die "eigentlich" natürlichste Sache, die Geburt. Für das Zurweltkommen eines Menschen hat die Natur, die Evolution oder die Schöpfung, egal aus welcher Sicht aus betrachtet, einen eindeutigen Weg festgelegt. Zu diesem gehört in fast allen Weltkulturen das soziale Ritual der Geburtshilfe durch Hebammen. Der Beruf Hebamme ist deshalb einer der ältesten und elementarsten überhaupt. Dennoch ist er heute durch einäugige, gesellschaftspolitische Faktoren nahezu vom Aussterben bedroht.

1.) Faktor Sicherheit: Natürlich verläuft eine Geburt nicht bei jedem Menschen ohne Komplikationen. Sind ernstere davon zu erwarten, muss die Geburt ein Gynäkologe leiten, bzw. sollte sie dort stattfinden, wo jener schnell zur Stelle ist. In Deutschland, das zeigen Studien und Statistiken, gibt es im Vergleich unterschiedlicher Geburtsumstände, also bei Hausgeburt, Geburt im Geburtshaus, der im Krankenhaus oder jener mit einem Gynäkologen, keine Unterschiede in der Kindstodrate. In Holland (Hausgeburtenanteil über 25 %, Deutschland nur gut 1,5 %), liegt einzelnen Studien zu Folge die Kindssterblichkeit um einige Hundertstel Prozent höher, als in den meisten westeuropäischen Ländern. Ob man die Zustände aber so einfach vergleichen kann, ist fragwürdig. Holländische Mütter sind durchschnittlich älter als deutsche. Frauen ethnischer Minderheiten mit Gewohnheiten, wie Rauchen während der Schwangerschaft, sind zahlreicher. Ein Kindstod in Deutschland kann sich aus der perinatalen Phase (7 Tage) durch Intensivbehandlung in die neonatale (8 bis 28 Tage) oder spätere Phase verschieben, also in eine andere Statistik, oder findet durch frühe Abtreibung gar nicht statt. Oder wieso beispielsweise ist die Sterblichkeit in Österreich höher, wo Hebammen noch weniger dürfen als in Deutschland, und erst Recht in den USA, wo es praktisch keine Hebammen gibt? Letztendlich führt dieses bürokratisch-statistische Zahlengefecht zur Verunglimpfung der natürlichen Geburt mit Hebammen und zur immer stärkeren Verunsicherung deutscher Frauen.

2.) Faktor Kosten: In den letzten beiden Jahren stieg die Haftpflichtversicherung für Hebammen von 1300 auf 4600 Euro an und soll noch weiter erhöht werden. Heute schon muss eine freie Hebamme als Unternehmerin mit einem Nettostundenlohn um 7,50 Euro auskommen, weniger, als ein ungelernter Müllarbeiter verdient. Angesichts dessen, was sie für die Frauen neben der eigentlichen Geburt noch leistet, - Geburtsvorbereitung, Umgang mit Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, möglichen Angstzuständen und Wehen, Atemtechnik, Wochenbettbetreuung, Stillberatung, Rückbildungsgymnastik, usw., also Zeit, Zuwendung und Zwiesprache, ja die ganze psychosoziale Versorgung auch Feiertags und rund um die Uhr, - ist diese Entlohnung blanker Hohn. Gegenüber dieser gerade stattfindenden Zerstörung eines echten Frauenberufes klingt die moderne Diskussion für mehr Frauen im Berufsleben als pure Heuchelei. Seit etlichen Jahren schon arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einer Studie zur Arbeitssituation von Hebammen. Bald wird sich das Ergebnis erübrigt haben.

Was muss geschehen? Die Haftpflichtversicherung, die ja auch in Kliniken zur Einsparung von Hebammen führt, muss aus Steuermitteln bezahlt werden. Ein Staat, der den Kindersegen als unverzichtbar für die Zukunft der Gesellschaft hält, kann nicht jene zur Kasse bitten, die beim Kinderkriegen umfangreichste Hilfe leisten. Die Krankenkassen müssen gezwungen werden, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und Hebammen "ihrer wirtschaftlichen Situation gemäß angemessen" zu entlohnen. Derzeit noch können sie sich, wie auch beim Thema Altenpflegeentlohnung, hinter unmenschlichen Effizienzfantasien verstecken. Jetzt, wo gerade die enormen Kassenüberschüsse verteilt werden sollen, wäre der ideale Zeitpunkt. Der Kaiserschnitt (Anteil derzeit schon bei 35 %) muss auf besonders schwierige Fälle beschränkt bleiben. Bei gesunden Frauen hat dieser überhaupt keine Vorteile, wohl aber oft Nachteile wie Verwachsungen im Bauch der Mutter oder Atemprobleme beim Kind, und er macht weitere medizinische Eingriffe wahrscheinlicher. Er verhindert den natürlichen Verlauf einer Geburt und behindert das Zustandekommen einer günstigen Mutter-Kind-Beziehung. Außerdem ist er enorm teuer. Geburt ist doch keine Krankheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation ausdrückt und erst recht nicht ein Ernstfall, der in den OP gehört .
Ein vernünftiger Spagat zwischen Vertrauen in natürliche Vorgänge und Gerüstetsein für mögliche Komplikationen, ist in Deutschland bisher misslungen. Wir haben nie da gewesene Geburtskosten, traumatische Klinikerlebnisse für die meisten Frauen, eine steigende Unverzichtbarkeit medizinischer Spezialisten samt Apparaten und Medikamenten und auch immer mehr dauergeschädigte und lebenslang pflegebedürftige Kinder.

Statt Schwangere zu ermutigen, sich mit einer Hebamme als ausgebildeter Spezialistin in Ruhe auf das in Wahrheit freudige Ereignis vorzubereiten, wird die Hebammenversorgung in Deutschland immer alarmierender ausgedünnt. Immer unerreichbarer wird die WHO-Forderung, dass jede Frau so gebären können sollte, "wie und wo sie es will". Und immer ferner rückt der simple, natürliche Wunsch vieler Menschen, wie er stellvertretend von Gesundheitswissenschaftlerin Professorin Beate Schücking von der Uni Leipzig ausgesprochen wurde, dass "möglichst viele Frauen ihre Kinder mit möglichst wenigen Eingriffen bekommen sollen und sie diese Geburt als gute und sie stärkende Erfahrung erleben können". Auch als Mann weiß ich, was dies heißt. Zwei unserer Kinder kamen als Hausgeburt zur Welt, und dabei waren nur Mutter, Vater und eine der wunderbarsten Frauen der Welt: unsere Hebamme.

April 2012:

Artikel vom Januar 2012 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel:

Über den Begriff Wohlstand

Dem Volk Wohlstand zu versprechen, bzw. die Gefährdung des Wohlstands durch andere Parteien lautstark zu befürchten, erhöhte immer schon die Wiederwahlchancen für Politiker. Dabei ist Wohlstand doch ein recht schwammiger, ja sogar ein sehr zwiespältiger Begriff. In seiner grundlegendsten Bedeutung, also als Befriedigung der wichtigsten Lebensbedürfnisse eines jeden, wird Wohlstand von keinem in Frage gestellt. In der frühen Bundesrepublik beispielsweise strebten alle einen selbstverständlichen Mindeststandart an, etwa für jeden Obdach und genug zu essen, eine Verdienstmöglichkeit aus eigener Arbeitskraft, Alltagsstabilität, Rechtssicherheit, verlässliche Perspektiven für die Zukunft oder auch, sich etwas leisten zu können, was das Leben erleichterte und angenehmer machte.
Doch sehr früh schon wurde auch Kritik laut. Ludwig Erhard, Mitbegründer der sozialen Marktwirtschaft, sagte 1957: "Wir werden mit Sicherheit dahin gelangen, dass zu Recht die Frage gestellt wird, ob es noch immer richtig und nützlich ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen, oder ob es nicht sinnvoller ist, unter Verzichtsleistung auf diesen „Fortschritt" mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen."
Und was Erhard befürchtete, ist eingetroffen. Während heute nur noch der Konsum neuer Produkte und Bequemlichkeiten als Wohlstand gilt, ist Zufriedenheit ohne viele Dinge total uncool und verpönt und wird gar der Faulheit und der Erfolglosigkeit verdächtigt.
Vom Trend zu materiellem Wohlstand profitiert kurzfristig die ganze Wirtschaft. Unseren Alltag hat sie weitgehend in eine Dauerwerbeveranstaltung verwandelt. Massiv, und mit Billigung der Politik, zapft sie unser Unterbewusstsein an, um immer mehr Ersatzbefriedigungen für fehlendes Glück unters Volk zu bringen. Die Nachricht von Ende Dezember 2011, der private Konsum in Deutschland sei ungewöhnlich hoch gewesen und
hätte die Konjunktur im Plus gehalten, ist für Geschäftemacher und Anhänger der Wachstumsideologie eine gute Nachricht. Langfristig aber und genauer betrachtet sagt dies nichts anderes aus, als dass wieder einmal mehr Ressourcen verschwendet, mehr Umweltzerstörung verursacht und mehr Müll produziert wurde, und die Leute aus Mangel an Zufriedenheit, Lebensqualität und Zukunftshoffnung zunehmend in den Konsum flüchteten.
Die Parole heißt: „All you can eat!“, statt „Simplify your life!“, also, „Iss soviel du kannst!“, statt „Vereinfache dein Leben!“ Wer viel kaufen will braucht aber mehr Geld, muss also mehr arbeiten, hat weniger Zeit für sich und die Familie, für soziales Engagement und politische Einmischung, hat mehr Stress, mehr Gesundheitsrisiken und sonstige Folgeprobleme.
Reicht es nicht, unsere Wünsche und Bedürfnisse an den ökologischen Grenzen des Planeten zu orientieren? Heißt Freiheit im Wohlstand nicht eher, auf der Arbeit und gegenüber anderen Alltagszwängen öfter mal nein sagen zu können, ohne Nachteile befürchten zu müssen? Heißt Wohlstand nicht beispielsweise auch, dass unser Arzt uns durchaus auch mal eine Stunde zuhören kann und eine Schwester im Krankenhaus nicht 10 sondern nur 3 Patienten betreuen muss? Heißt Sicherheit im Wohlstand nicht auch, in Würde alt werden zu können und nicht
im Pflegenotstand irgendwo vertrocknen zu müssen? Ja ist als Wohlstand nicht auch zu verstehen, dass das Volk den Bundespräsidenten bestimmt, statt dass Regierungsparteien dort stets einen ungefährlichen Getreuen aus den eigenen Reihen installieren?
Momentan sind wir eher in der Rolle des Esels, dem an Stock und Schnur eine Möhre vor der Nase baumelt. So emsig wir auch weiter traben, um die Wohlstandsrübe zu erwischen, wir tragen nur den Reiter zu seinem Ziel. Dabei zertrampeln wir alles, was unter uns von selber wächst und womöglich viel besser schmeckt. Wir sollten überlegen, stehen zu bleiben, den Ballast abzuwerfen und uns nach unten zu den saftigen Kräutern zu bücken.
Die Blase aus –Wohlstand durch Konsum- wird, allem Politikergeschwafel zum Trotz, ohnehin bald platzen, sei es aus ökologischen oder aus finanziellen Gründen. „Blöd, wer“ bis da nur fürs Einkaufen gelebt hat.

Carl Rheinländer

März 2012:

Artikel vom Dezember 2011 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel

Über die Nebenwirkungen des Wirtschaftssystems

Nicht nur wenn die Wirtschaft wächst, sondern unaufhörlich und untrennbar, verursacht sie im Rahmen der momentan geltenden ökonomisch-politischen Regelungen enorme Schäden an der Allgemeinheit und schwere Probleme für die Lebensbedingungen in der Zukunft.
Gegenüber den unmittelbarsten und offensichtlichsten Nebenwirkungen jeder wirtschaftlichen Unternehmung gibt es zwar Gesetze und Regeln, welche die Entstehung möglicher Schäden verhindern sollen. Beispielsweise: Emissionsauflagen für Fabriken, soziale Mindeststandards für Beschäftigte, Wasserrichtlinien, Abfallgesetze, Gesundheits- und Hygienevorschriften, Kartell-, Finanz- und Insolvenzgesetze, Waffenexportverbote, usw.. Diese werden meist angenommen und befolgt, weil es den Unternehmer anderenfalls teuer zu stehen käme. Die Kosten dafür rechnet er jeweils in seine Gesamtbilanz, bzw. in den Warenpreis ein.

Darüber hinaus aber gibt es schädliche Nebenwirkungen, die erst über größere Zeiträume oder Entfernungen spürbar werden, bzw. sich über andere unübersichtliche Umwege auswirken. Hier lassen sich Zusammenhänge abstreiten und angemessene Regulierungen verhindern.
Ganz grob kann man diese in vier Gruppen einteilen, in ökologische, finanzielle, soziale und in politische Schäden. Ökologischen Schäden (1) sind die immer dramatischer werdenden Umweltprobleme, also die Entwertung und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen von uns Menschen. Die finanziellen Schäden (2) sind das reale Ergebnis davon, dass unser Wirtschaftssystem nur mit Schuldenmachen funktioniert und Geld immer zu Geld fließt. Die sozialen Schäden (3) sind alle negativen Alltagsveränderungen für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft. Die politischen Schäden (4), bisher wenig beachtet weil nur sehr indirekt wirkend, sind alle innen- und außenpolitischen Verschärfungen unserer Lebenswirklichkeit.

Ein jegliches Produkt, welches wir konsumieren, ob Ware, ob Dienstleistung, ob im Inland oder im Ausland hergestellt, verursacht zwangsläufig über den gesamten Bereitstellungsweg hinweg mehr oder weniger Schäden dieser vier Kategorien. Die Erklärung für diese, zunächst befremdend wirkende Feststellung, ist ganz einfach: Wenn ein Produzent zur Herstellung eines Produkts durch die Verursachung eines Schadens einen Wettbewerbsvorteil bekommen kann, und er für diesen Schaden NICHT haften muss, dann wird er diesen Schaden auch verursachen. Alle seine Mitkonkurrenten tun das Gleiche. So ist im gegenwärtigen Wirtschaftsystem die Verursachung von Schäden, die auf die Allgemeinheit oder in die Zukunft abgewälzt, also externalisiert werden können, stillschweigend zum bedeutendsten Produktionsfaktor geworden.

Einige Problembeispiele und Stichworte hierzu:
(1): Klimaerwärmung, Meeresverschmutzung, Bodenverseuchung, Trinkwasserverknappung Landschaftsverbrauch, radioaktiver Abfall, Artensterben, usw.
(2): Geldfluss einspurig von arm zu reich, von Region zu Metropole, von Staatseigentum zu Finanzmarktbesitz, von öffentlicher Daseinfürsorge zu Zins- und Gläubigerdienst,
(3): Massenhafter Mangel an guten und vernünftig bezahlten Arbeitsplätzen, Pflegenotstand, Erosion des Gesundheitssystems, Zunahme von Zivilisations- und psychischen Krankheiten, Verarmung und ökonomische Fixierung im Bildungssystem, Degradierung unserer Kinder zu folgsamen Konsumenten überflüssiger Industrieprodukte, Ausgrenzung ökonomisch nicht brauchbarer Mitbürger, usw.
(4): zunehmende Gewalt, Korruption, Zerfall von Moral, Solidarität und Demokratie, Verblödung durch Medien- und Konsumberieselung, Terrorismus, Flüchtlinge, Piraterie, usw.

Momentan sehen wir nur die Schuldenkrise, und wie nach Griechenland, Italien usw. auch Deutschland am Ende fällig ist. Der Bankrott auf den anderen drei Feldern, auf welchen wir uns ebenfalls immer stärker "verschulden", wird aber kein Knall sein, sondern ein allmählicher, bitterer Zerfall jeglicher Normalität. Hier wäre energisches Handeln wesentlich wichtiger. Doch die Politik ist weit davon entfernt, das Wirtschaftssystem so radikal neu zu regeln, dass keine Schäden mehr verursacht und externalisiert werden. Immerhin verdienen ja einige mächtige Leute daran prächtig, und - noch glaubt das Volk die Illusion von Wohlstand.

Carl Rheinländer

Februar 2012:

Angela Merkels Chinareise hat deutlich gezeigt, wo weltpolitisch der Hammer hängt. Eigentlich wollte man dort auch Regimekritiker treffen, doch die Staatsführung im wirtschaftlich bedeutendsten Land der Welt hatte dies eben mal abgewürgt.
So mussten sich Merkels Delegation und die mitgeflogenen Vertreter der deutschen Wirtschaft auf die anderen Gründe für die Reise beschränken, die da waren: Wirtschaftliche Gespräche und Verhandlungen und Beteiligung Chinas am europäischen "Rettungsschirm".
Mit anderen Worten: Gemeinsames Ausloten neuer Profitmöglichkeiten und Anpumpen des chinesischen Staates ("haste mal ne Milliarde?"), weil der im Gegensatz zu Europa noch etwas Patte hat.

China ist sich durchaus bewusst, dass seine Devisenreserven als Geld keinen längeren Bestand haben. Entweder investieren sie in die Schuldenvereinigung Europa auf die Gefahr hin, das Geld im Fass ohne Boden versickern zu sehen, oder sie investieren nicht und das Geld verrottet beim wahrscheinlichen Bankrott des Westens im Geldschrank zu Hause.
China wählt da lieber die dritte Möglichkeit: Man kauft weltweit alles auf, was zu haben ist und sicher bzw. irgendwie mal von Nutzen sein könnte. Ackerland, Wald, Berge, Sägewerke, Landwirtschaftliche Betriebe, Industrieanlagen, Immobilien, Schürfrechte und Liefergarantien, Wasservorkommen, Rebellengruppen und ganze Regierungen.

Chinas Aufschwung stützt sich auf zwei Hauptfaktoren, einmal auf eine schier unerschöpflichen Zahl billigster Arbeitskräfte und zum anderen auf der Abwesenheit "lästiger" Regulierungen demokratischer, sozialer und ökologischer Art. Auf clevere Weise ist dieses kommunistische Land, - mit so einem macht der Westen doch eigentlich gar nicht gerne Geschäfte -, über den Status als Werkbank der Welt zum reichsten Land geworden.
Man verausgabt sich nicht in teuren Kriegen, wie die Profilneurotiker in den USA, sondern man stützt sich auf Vitamin B und wirtschaftliches Sponsoring. Die in Afrika gebauten Straßen und das neue Kongresszentrum für die afrikanische Union beispielsweise heben nicht nur das Ansehen Chinas unter den weniger mächtigen Völker der Welt, sondern spülen über kalkulierbare Umwege dauerhaft Ressourcen und Versorgungsgüter in die chinesische Gesellschaft.

China muss eigentlich nur abwarten, denn Europa und die USA erledigen sich selbst mit ihrer Ignoranz und Blindheit gegenüber längerfristigen Entwicklungen, also mit ihrem Festhalten an der kapitalistischen Planwirtschaft. Wenn China demnächst auch militärisch am stärksten ist, den Weltraum beherrscht wie die Länder der dritten Welt, die wichtigsten Patente und die irdischen Bodenschätze, dann könnte auch Angela Merkel ins Grübeln kommen.
Herausreden wird sie sich mit der Frage: Ja was hätten wir denn machen sollen, die Wirtschaftspolitik und die Rettungsorgien waren doch "alternativlos".

Letztlich aber wird auch China am Boden liegen, denn die ökologischen und sozialen Schadkosten, welche dort jede Sekunde zu Gunsten eines Turbowachstums externalisiert werden, holen das Land in naher Zukunft ein. Ihr Wirtschaftssystem ist das gleiche, wie jenes des Westens, nur noch in jeder Hinsicht eine Spur ätzender. Vielleicht will China ja das sinkende Heimatschiff dann aufgeben und mittels einer neuen Völkerwanderung ungeahnten Ausmaßes fremde Länder zur neuen Bleibe machen wie jetzt gerade im Tibet oder bei den Uiguren.

Wenn schon der Westen kaum von der Notwendigkeit einer allumfassend nachhaltigen Wirtschaftsform wie der Kategorischen Marktwirtschaft überzeugt werden kann, wie kann man da die Chinesen überzeugen, die sämtlichen Erfolg mit verbrauchenden, vergiftenden und zerstörenden Aktivitäten erzielen?

Wir sollten das Konzept von der Kategorischen Marktwirtschaft weniger als ein Mittel zur Weltrettung betrachten, sondern als überideologische und weltfreundliche Alternative wirtschaftlichen Handelns.
Vielleicht wird aus der Theorie ja doch noch eine Praxis, man weiß ja nie, was morgen an ungewöhnlichen Erschütterungen unserer industriezeitalterlichen Bräsigkeit passieren kann.
Halten wir die Sache am Köcheln und würzen sie weiter.

Januar 2012:

Es geht mir ebenso, wie vielen anderen Beobachtern:
Man kann es kaum fassen, wie bleiern die Entwicklung hin zu besseren Zuständen ökologischer, finanzieller, sozialer und globalpolitischer Art vor unseren Füßen auf dem Boden liegt und nicht in die Gänge kommt.
Dabei mangelt es eigentlich nicht an Hinweisen und Statements unabhängiger Köpfe mit wachem Bewusstsein in der Öffentlichkeit.
Wenn diese auch nicht in den Banalmedien zu finden sind, so bringen doch seriöse Zeitungen von FAZ bis TAZ immer wieder außerkonventionelle Beiträge bzw. Berichte über solche Beiträge von besorgten Zeitgenossen mit wesentlich mehr Überblick gegenüber dem politischen Treiben und seinen zukünftigen Auswirkungen.

Um dann, -nun ja, dies bleibt das Drama-, eher links wie eher rechts, wieder in altbekannten strukturkonservativen Rezeptismus und wachstumsideologische Realitätsverbiegung zu verfallen.
Da wird sämtlicher Käse eines jeden Politikers zu allen möglichen Themen wiedergekäut, als bestünde naturwissenschaftliche Gewissheit, und als seien Alternativen undenkbar und nur mit spitzen Fingern in Handschuhen aufgreifbar.
Wie sollen wir denn in ein besseres Management unserer Industriegesellschaft kommen, wenn die alten Kardinalfehler nicht endlich mal in den Medien als solche bezeichnet und politische Dummschwätzer und andere Bullshitter nicht konsequent als solche behandelt werden?

Nachfolgend will ich als Januarbeitrag einen Text von mir zum Thema Wachstum anbieten, den im letzten November der SaarHunsrückSpiegel veröffentlichte.

Über Wirtschaftswachstum

Es vergeht wohl kaum ein Tag, an welchem Politiker nicht alle möglichen politischen Entscheidungen mit der Behauptung begründen, damit könne das Wirtschaftswachstum gesteigert werden. Der dickste Hammer kursiert derzeit bezüglich der Finanzkrise in Europa. Mit Wirtschaftswachstum, so erzählen Politiker unentwegt, könne die Gesellschaft aus diesem Schuldenschlamassel wieder heraus kommen. Und nur mit neuen Schulden bzw. Krediten ließe sich die Wirtschaft wieder ankurbeln. Auch käme mit hartem Sparkurs etwa Griechenlands Wirtschaft wieder auf die Beine, und man könne so dann irgendwann einmal die Hunderte von geliehenen Milliarden zurückzahlen. Um das Wachstum nicht zu gefährden, müssten für die armen Banken, die sich wieder verzockt haben, vor dem ersten Staatsbankrott noch schnell neue Schutzwälle aus Steuermilliarden her.
Ohne wirtschaftliches Wachstum, so erzählt man dem Volk außerdem, seien Wohlstand und Fortschritt in Gefahr, würden Arbeitsplätze verschwinden, wäre Umweltschutz nicht zu finanzieren, verarme die Bildung, hätten Drittweltländer keine Entwicklungschance, usw. Nur durch Wachstum mache die Wirtschaft mehr Gewinne und könne in neue Arbeitsplätze, wettbewerbsfähigere Anlagen und in die Entwicklung neuer Produkte investieren. Nur durch Wachstum könnten die Menschen mehr verdienen und mehr konsumieren, könnten die Staatseinnahmen steigen und gleichzeitig die krisenbedingten Ausgaben sinken, wie Arbeitslosengelder, Rentenzuschüsse und andere soziale Rettungssubventionen. Am Ende soll wohl dann das Paradies kommen aus einer sich selbst ständig befruchtenden Heilsspirale.
So weit die Ideologie, oder sagen wir, die Träumereien sämtlicher Anhänger des geltenden Wirtschaftssystems. In Wahrheit hat das Dogma vom Wirtschaftswachstum mindestens zwei entscheidende Haken:
Erstens werden die spürbaren Wachstumsphasen seit gut drei Jahrzehnten ständig kürzer und die Prozentpunkte mickriger. Die finanziellen Erträge in diesen Phasen sind angesichts der steil wachsenden Probleme auf allen gesellschaftlichen Ebenen winzig, ja wahrhaft Tropfen auf heiße Steine. Beispielsweise kann im Haushaltsjahr 2011 damit nur ein Bruchteil der trotz Aufschwungs notwendigen NEUverschuldung erübrigt werden.
Und zweitens: Alle Prozesse, die zu Wirtschaftswachstum führen, haben gewaltige Nebenwirkungen. Kein Gesetz zwingt die wirtschaftlich Handelnden, diese Nebenwirkungen in eine Gesamtrechnung einzubeziehen. Deshalb können sie ganz legal auf die Allgemeinheit abgewälzt und in die Verantwortung unserer Kinder und Kindeskinder verschoben werden. Fachleute sagen: Die Nebenwirkungen werden externalisiert. Was wir heute an Krisen haben, ist nichts anderes, als die Summe oder die unübersehbar gewordenen Zuspitzungen aller Nebenwirkungen aus der Vergangenheit unseres Wirtschaftssystems. Immer größer wurde der Haufen aus externalisierten Schäden, den wir vor uns her schieben. Nur mit größter Mühe und Kosten kommen wir überhaupt noch vorwärts. Irgendwann geht schließlich gar nichts mehr.
Wenn Politiker, Lobbyisten und Bankmanager, wenn sogenannte Wirtschaftsweise, viele Zeitungskommentatoren, Gewerkschaftssprecher und auch etliche Schlauberger an Stammtischen über die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum reden, sollten wir uns folgende Situation vorstellen: Unsere Volkswirtschaft ist wie ein schwerkranker Patient auf der Intensivstation im Krankenhaus. Er wurde vergiftet durch jahrelange Einnahme eines schädlichen Stoffes namens Wirtschaftswachstum. Als Ärzte stehen die Vertreter der oben genannten Interessengruppen um das Bett herum und empfehlen allen Ernstes, nur durch weitere und verstärkte Einnahme desselben Giftes, könne der Patient wieder gesund werden.
- So sieht es aus, deshalb muss die gegenwärtige Industriegesellschaft zwangsläufig scheitern, sofern wir nicht endlich Abschied nehmen vom Kapitalismus, und ein Wirtschaftssystem entwickeln, bei welchem Qualität, Bewahrung, Regionalität, echte Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit die obersten Rechengrößen sind.

Carl Rheinländer