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November 2017

Appell aus der Zukunft
- ein Zwischenruf in den politischen Alltag nach "Jamaika"

Die nachfolgenden Generationen haben heute keine Lobby. Was würden sie uns Gegenwartsmenschen, die wir ihre natürlichen Lebensgrundlagen mit unserer Art zu Wirtschaften zerstören, wohl sagen wollen, wenn sie könnten?

Etliche Jahre ist es jetzt schon her, dass ich Herbert Rosendorfers Roman "Briefe in die chinesische Vergangenheit" verschlungen habe. Kao-tai, ein chinesischer Mandarin, der im 10. Jahrhundert mit Hilfe einer Art Zeitmaschine ins München der 1980er Jahre gereist ist, berichtet seinem zuhause gebliebenen Freund Dji-gu in köstlichen Formulierungen und mit unumstößlicher Distanz, mal spöttisch, mal entsetzt, über die Gewohnheiten, Merkwürdigkeiten und Dekadenzien in der fremden Gesellschaft der Zukunft, seiner Zukunft.
Sicherlich, hinter Kao-tai steckte Rosendorfer, der uns mit den drastischen Beschreibungen einen Spiegel vorhalten wollte, damit wir erkennen, damit wir relativieren, damit wir als Betriebsblinde, köchelnd im eigenen Saft, ja vielleicht auch aufwachen und dann, wieder bei Sinnen, ein Stück weit Abstand nehmen können.

Seither beschäftigt mich die Frage nach einer anderen, noch naheliegenderen Anwendung der genialen Idee, Texte aus der Zukunft in die Vergangenheit zu schicken. Immerhin haben mittlerweile Vergangenheit und Zukunft sehr viel miteinander zu tun, nicht wie bei Kao-tai und seiner fernen Heimat, etliche Jahrhunderte vor einer Industrialisierung.
Die auf uns heutige Menschen folgende Zukunft ist in allen wesentlichen Prägungen, in den positiven und sehr viel mehr noch in den negativen, das Resultat der Vergangenheit, also unserer Gegenwart. Demnach wäre es durchaus sinnvoll und schlüssig, wenn die Zukunft mit ihrer Vergangenheit in Kontakt treten wollte, und dies in ähnlich aktiver Weise, wie in der Handlung des Schwarzenegger-Blockbusters "Terminator 2", wo aus der Zukunft heraus ein Beschützer in die Vergangenheit entsandt wird, um den späteren Retter der Menschheit im Kindesalter vor der Ermordung zu bewahren.
Wenn man von den Einwendungen zu diesem Szenario, von der naturwissenschaftlichen Unmöglichkeit, der Unverträglichkeit mit jeder Rationalität einmal absieht, wäre doch auch in unserem realen Falle die Überlegung nicht vollständig absurd, die Geschehnisse unserer Gegenwart aus der Zukunft heraus von einer, für die spätere Zivilisation katastrophalen Entwicklung abbringen zu wollen.

Meldungen über neue Grausamkeiten an den natürlichen Lebensgrundlagen sind doch mittlerweile alltäglich, und sicherlich ist nicht nur mir in den letzten Jahrzehnten wiederholt der Gedanke durch den Kopf gegangen, wie die Leute in der ferneren Zukunft dies, uns Verantwortlichen gegenüber, kommentieren würden.
Welche eindringlichen Appelle würden sie, wenn sie es könnten, an uns richten, an uns, die Handelnden im Jahre 2017, die wir Tag für Tag, als Kollateralschaden und vermeintlich notwendiges Übel unseres industriegesellschaftlichen Wohlstandes, vielleicht mit zunehmender Wehmut und schlechtem Gewissen, ein weiteres Stück jener Umweltbedingungen zerstören, die für ein menschenwürdiges Leben unserer XXXUr-Enkel unverzichtbar sind, egal ob wir nun die Zerstörung aktiv betreiben, sie mittelbar verursachen und in Kauf nehmen, oder sie ohne Widerspruch dulden.

Wen lassen die alltäglichen neuen Horrormeldungen und die nichts Gutes versprechenden Tendenzen denn schon kalt? Unvermindert wird die Beschädigung der Biosphäre betrieben, der Landstriche, wo Menschen leben, der Böden, auf denen sie ihre Nahrung anbauen müssen, und der Meere. Gewohnte Niederschläge bleiben aus oder bekommen sintflutartige Dimensionen, Küstenregionen werden überschwemmt, Böden sind großflächig versalzt, und die Vermüllung des Planeten schreitet unvermindert fort. Wer sorgt sich nicht angesichts der Auflösung gewachsener Kulturen und zivil-gesellschaftlicher Lebensformen, der fundamentalen Verwirrung junger Menschen mittels einer Diktatur aus neoliberalistischen Bildungsprioritäten und Konsum-Moden, der faktischen Abschaffung formulierter Menschenrechte zu Gunsten westlich-ökonomischer Interessen, oder der Verwüstung ärmerer Erdteile durch Wirtschafts- und Bürgerkriege?
Es erzeugt einen Grundteppich aus beklemmender Besorgnis unter den Füßen, wenn man es nicht schafft, das Resultat der durchgespielten emotionalen Hochrechnungen, - "Wehe, wenn ich auf das Ende sehe"-, von sich fern zu halten.

Dazu kommt der eigentlich völlig nutzlose Zorn über das Verhalten so vieler Mitmenschen, die Zusammenhänge nicht sehen können oder wollen, die meinen, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen soll und dabei gleichzeitig ihren Enkeln die Hölle vorbereiten.
Was geht etwa im Kopf des Nachbarn vor, der alle zwei Wochen seinen 19-PS-Aufsitz-Mäher besteigt, um von ihm, mit einer "MickyMaus" der Schutzklasse 3 auf den Ohren, den freien Oberkörper seines 120-Kilo-Leibes zwei Stunden lang über das Gelände chauffieren zu lassen. Danach, wenn das Getöse, ähnlich einem Bundeswehrhubschrauber vor dem Start, verstummt ist, liegt bei windstillem Wetter eine blaugraue Dunstwolke und ein Geruch aus Abgasen, Benzin, zermustem Gras und zermatschten Insekten über dem Tal und sagt mir: "Für die nächste Zeit kannst du drinnen weiter machen." Oder die Gemeinderäte unseres Ortes, welche die paar 100 Meter zum Sitzungssaal regelmäßig mit dem Auto zurücklegen, wobei schon das Herausholen aus der Garage und das Hineinstellen mehr Zeit in Anspruch nimmt, als es der Fußweg täte. Oder der alte Landwirt, der mit einem Raummeter Brennholz auf der Ackerschiene seines Traktors aus dem Wald gekommen ist und während des Abladens sein Radio aufdreht, weil der routinenhaft laufen gelassene Dieselmotor es sonst übertönt.

Es ist ja richtig, dass man bei sich selbst anfangen soll. Wie heißt es bei Mahatma Ghandi: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt!" Nur, was nützt es dem Großen und Ganzen, das eigene Leben seit langem schon in Bescheidenheit, weitgehendem Konsumverzicht, phantasievoller Selbstversorgung, routinierter Eigenarbeit, immer neuen Recyclingkünsten und in statistischer Euro-Armut zu führen, wenn man ständig erkennen muss, wie sich die riesige Mehrheit gedankenloser Zeitgenossen vom allgegenwärtigen Profitapparat mit verlässlicher Perfektion zu maximalem Verbrauch endlicher Ressourcen bewegen und zur politischen Legitimation ebenjener Machtstrukturen überreden lässt, welche die Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung dieses Verbrauchs wie eine Religion predigen. -

Da passierte es:
Als ich vergangene Woche im Gartenschuppen die Sense zum Mähen holen wollte, entdeckte ich im Seitenfach meines Dengelhockers, dort wo sich normalerweise das Schmirgelpapier befindet, mit dem ich die Metallfläche an der Schneidkante des Sensenblattes mattiere, um das Auftreffen der Hammerschläge besser zu sehen, diesen zusammengefalteten Pack von Textblättern aus ungewohnt weichem, aber festem Papier. Sie waren mit der gleichen Druckschrift beschrieben, die ich auch am PC verwende, doch schienen die Buchstaben nicht ganz gleichmäßig zu sein, fast schon wie von ruhiger Hand auf das Blatt gemalt.
Der Verfasser stellte sich mit Namen Viro vor. Er sei über eine seltsame Begebenheit in den Besitz des Zeitreisekompasses von Kao-tai gekommen, welcher die Sendung von Schriftstücken in die Vergangenheit ermögliche. Seinen Text habe er meinen Verständnismöglichkeiten angepasst und schreibe aus dem Jahre 2164.
Die Verhältnisse unserer heutigen Zeit schienen ihm detailliert geläufig zu sein. Er berichtete, in seiner Kultur besäße die historische Geschichtsschreibung einen hohen Stellenwert, vor allem die letzten 250 Jahre, in welchen die ökonomischen Mechanismen wirken konnten, die zur drastischen Entwertung seiner Gegenwart, rund 150 Jahre von uns entfernt, geführt haben.
Ein Absatz aus Viros Text kommt einem leidenschaftlichen Appell anlässlich der politischen Situation gleich, die sich nach der letzten Bundestagswahl ergeben hat. Die wichtigsten Passagen daraus möchte ich hier wiedergegeben:

"Liebe Vorfahren,
die ihr mitten in der Zeit der großen Irrtümer lebt, in der sich kaum ein Mensch Vorstellungen über die wirkliche Zukunft macht und in der ihr aber alle entscheidenden Weichen dafür stellt, welche Möglichkeiten uns, lange nach euch, zur Führung unseres Lebens noch verbleiben werden.

Immer wenn ihr versucht, euch die Zukunft auszumalen, wird daraus lediglich eine Hochrechnung eurer aktuellen technikbestimmten Realität, eures von Geräten, Maschinen und Algorithmen und von überbordendem Energie- und Rohstoffverbrauch geprägten Alltags, ein an Wissenschafts-Fiktionen, ökonomische Wunschvorstellungen und erfundene Romaninhalte angelehntes Bühnenbild, vor dem ihr dann in befremdlich karikaturenhafter Inszenierung uns Menschen der Zukunft auftreten lasst, wie es euch beliebt.

Wenn ihr etwa von selbstfahrenden Autos schwärmt, von Robotik-Einsatz bis in die ureigensten Bereiche menschlicher Geschicke hinein, von Smart-Home und der vollautomatisierten Selbstorganisation eures Tagesablaufs, von der Industrie 4.0 und der totalen Abschaffung menschlicher Arbeitskraft aus der Produktion, von ungeahnten Möglichkeiten das Erbgut von Lebewesen zu verändern und von anderen modernistischen Spekulationen, oder auch wenn ihr euch vor all dem fürchtet und meint, dies käme wie ein Verderben bringender Tsunami, vor dem es kein Entrinnen gibt, beschäftigt ihr euch doch nur mit der Endphase eurer eigenen Gegenwart.

Glaubt mir, die wirkliche Zukunft ist völlig anders, als es sich euer rauschhaftes Zu-Kurz-Denken, euer Hunger nach immer neuen Exzessen des digitalistischen Fortschritts und euer Liebäugeln mit vermeintlich totaler Versorgtheit und Bequemlichkeit ausmalen kann. Täglich füllt dieser kollektive Irrtum Tausende Seiten und Sendestunden eurer Medien und ist Hauptthema der Inhalte des allgemeinen Palavers in eurem weltumspannenden Internet.

Wie können eure Zeitungen und Rundfunkanstalten diese Verfälschung der Zukunft nur so routiniert aufrecht erhalten, wo sie sich doch vehement gegen Falschnachrichten zur Wehr setzen wollen? Die Zukunft wird weitgehend das Resultat eurer Zerstörungen sein, bestehend aus einem traurigen Konvolut aus Resten, aus dem Zwang zur Akzeptanz eines Zustands verlorengegangener Chancen und der schwermütigen Erinnerung an eine ferne helle Zeit davor. - Können dies eure Medien nicht erfassen oder wollen sie nicht? Was hält sie davon ab, in der Zukunft mehr als nur die nächsten drei Jahrzehnte zu sehen?
Wer unter euch fragt sich schon, wie die Gegenwart jener Menschen aussehen wird, die in 100 Jahren auf dem gleichen Planeten leben müssen, oder in 200 Jahren? Wem unter euch ist es aufgefallen, dass wir vielleicht sogar euer "eigen Fleisch und Blut" sind, wie manche von euch es zu sagen belieben, oder dass wir möglicherweise in derselben Straße wohnen könnten, wie ihr?
Man muss in eurem Jahr 2017 doch wirklich kein Hellseher sein, um nach objektiver Betrachtung des düsteren Zustandes der natürlichen Lebensgrundlagen und aus der ebenfalls erkennbaren Wahrheit, dass eure Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft keinerlei wirkliche Kursänderung einschlagen, gewahr zu werden, dass die Katastrophe unmittelbar vor euch oder spätestens vor euren Kindern liegt, ja dass ihr die ersten Stolperschritte hinein schon gegangen seid.

Tatsache ist doch, und dafür könnte ich ungemein deutliche Belege aus meiner Zeit vorlegen: Jede auf Ressourcenverbrauch, auf Vernichtung endlicher Bestände beruhende "Normalität" wird verschwinden. Auch eure Normalität aus materiellem Wohlstand und Konsum steht vor dem Aus, ihr wollt es nur nicht wahrhaben. Stattdessen lasst ihr euch schon fast dankbar vom allgegenwärtigen Apparat betäuben, der alles am Laufen hält, und von seinen Protagonisten und Helfershelfern, die unablässig euren Verstand bearbeiten und eure Hoffnung mit Seifenblasen erfüllen.

Sie haben Hochkonjunktur, eure Beschwichtiger, Relativierer, Bedenkenträger und die "Ja, aber"- Jongleure, die zwar wohlwollend zugestehen, dass die allgemeine Zerstörung im Gange ist, denen aber trotzdem niemals die Forderung über die Lippen käme, alle für die natürlichen Lebensgrundlagen schädlichen Prozesse einfach zu beenden. Stattdessen dürfen sie, als Fachleute geadelt, öffentlich vor den "Gefahren" jedes noch so kleinen Ausstiegs warnen und über Absurditäten wie die angebliche Vereinbarkeit von Bewahrung und Zerstörung sinnieren.

Für uns Menschen der Zukunft hat es in erster Linie etwas gespenstisches, wenn wir eure öffentlichen Diskussionen nachverfolgen, die, mehr oder weniger subtil, nur die Aufrechterhaltung der Spielregeln eurer Gesellschaftsordnung und ihrer Strukturen rechtfertigen sollten. Sie waren geprägt von großen verbalen Begriffs-Gesten wie Marktwirtschaft, Globalisierung, Umweltpolitik, Demokratie, Arbeitsplätze, Gerechtigkeit, Freiheit, Sicherheit und anderen seltsam im Abstrakten verharrenden Idealen eurer Zeit.

Diese schier unantastbaren Formeln bestanden überwiegend aus hellem Schein, den die Repräsentanten eurer Wirtschaftsordnung regelmäßig in Reden aufblitzen ließen, während die Inhalte konserviert blieben und ihre Interpretation bestimmten Leuten vorbehalten war. Dabei kam es auf Schlüssigkeit oder Übereinstimmung mit der Realität gar nicht an. Es genügte allein die schiere Masse der Befürworter und Nachredner, um die groteske Absurdität dieses aufgeführten Schlagwort-Theaters zu verschleiern.
Uns, die wir eure Zerstörungs-Ökonomie und ihre Strategien der gesellschaftlichen Durchsetzung im Nachhinein studiert und analysiert haben, blieb es schließlich überlassen, dieselben Begriffe mit lebendigen Inhalten zu füllen. Deshalb sage ich euch: Die Akteure eures Begriffs-Theaters sind ebenso unglaublich überfordert, wie auf ein Blatt Papier gezeichnete Tierchen, die über die dritte Dimension referieren.

Eure Ökonomen, eure Wirtschaftsverbände und eure Parteien konstatieren unablässig ihr Bekenntnis zur Marktwirtschaft und vermeiden es dabei tunlichst, deren Grundprinzipien zu beachten, geschweige denn diese umzusetzen. Von einer Marktwirtschaft kann doch nur dann die Rede sein, wenn sämtliche Folgen und Begleitumstände einer Produktion oder Dienstleistung, ob nun unmittelbar oder mittelbar, ob direkt erkennbar oder in indirekter, zeitlich oder räumlich verschobener Konsequenz, auch wirklich vollständig und ausnahmslos in die jeweiligen Preise einfließen.
Nur wenn nichts außen vor bleibt, wenn niemand sein Produkt durch die Externalisierung ungünstiger Komponenten beschönigen kann, wenn aus den Preisen die volle Wahrheit spricht, kann der marktwirtschaftlich Prozess objektiv wirken und das gesellschaftliche Optimum hervor bringen.

Nur weil eure Wirtschaft die wirkliche Marktwirtschaft gescheut hat, wie der Teufel das Weihwasser, konnte sie auch die zynische Idealisierung der Globalisierung, wie sie die über alle irdische Grenzen erhobene Übergriffigkeit ökonomischen Frevels nennt, weitgehend kritiklos umsetzen und über die westliche Welt verbreiten. Nur durch die Unterschlagung der allermeisten Kostenkomponenten von Transporten, von prekären globalen Produktionsbedingungen, sozialen Verwerfungen und der Müll- und Giftstoffproblematik in Herkunftsländern und Bestimmungsregionen, konnte der massenhafte Handel mit Waren über weitere Strecken überhaupt zu einer Option und zur schlagenden Realität werden.

Zu keiner Zeit ist euer ökonomisches System eine wirkliche Marktwirtschaft gewesen. Immer bestand das gewohnte Geschäft eurer westlichen Wirtschaft, gewissermaßen die Grund-Disziplin, im Prinzip aus nichts anderem, als fossile Energieträger und Bodenschätze aus dem Boden zu holen und sie in Treibhausgase und Abfälle zu verwandeln.
Die Effekte dazwischen, wie Warenproduktion und Konsum, Unternehmensgewinne, materieller Wohlstand, Staats- und Sozialbereichsfinanzierung, usw., die ja ausschließlich euch als einem winzigen Teil der Menschheit, und dazu noch nur wenigen von euch nutzten, und auf die ihr euch so viel einbildet, sind bei längerfristiger, also über mehrere Generationen angestellter Betrachtung, extrem kurzlebig und unbedeutend. Sie können, in menschheitsgeschichtliche Dimension gestellt, als Strohfeuerereignis vollständig vernachlässigt werden. Als Ergebnis bleibt in der großen Bilanz allein die von euch angerichtete Zerstörung übrig.

Eine weitere Groteske ist eure sogenannte Umweltpolitik. Hierin fasst ihr, parallel zur unvermindert ablaufenden Zerstörung, die Regungen eures schlechten Gewissens zusammen. Wie der Alkoholiker, der sich Wasser in den Schnaps füllt, ihn sich in kleineren Gebinden kauft, der auf biologisch erzeugten Likör wechselt oder nur noch drei, statt acht Flaschen Cognac im Küchenschrank bevorratet, betrügt ihr euch mit Absichtserklärungen und Green-Washing, mit der Einrichtung untergeordneter Schutzräume, mit Subventionierungen als Handlungsbeweis, mit der Beschwörung von Emissionsgrenzen und mit Verlagerungen auf minimal weniger schädliche Techniken. Und selbst das noch wird von jenen eurer Wortführer bedroht, die warnen, zu viel Umweltschutz könnte die Wirtschaft schädigen und würde zu hohe Kosten verschlingen.
Geht euch da nicht ein Licht auf, angesichts der schreienden Unvereinbarkeit? Umweltpolitik soll die Bewahrung vor Zerstörung sein, nur ist die Ausbeutung und damit die umfassende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen die wichtigste Profitquelle eures Systems. Und was die sogenannten "Kosten des Umweltschutzes" angeht: Warum lasst ihr euch nicht auf den banalen Schluss ein, dass schlichtes Aufhören mit der Zerstörung eigentlich gar nichts kostet und lediglich die gewohnten Profite ausfallen? Es gäbe allerdings eine gewisse Zeit der Umstellung und Gesundschrumpfung. - Doch diese als unumgänglich zu akzeptieren, hattet ihr nicht den Schneid.

Wieviele Beispiele für euren fortgesetzten Selbstbetrug braucht ihr denn noch? Nehmen wir nur den unter euch gerade angesagten Modeschadstoff Kohlendioxid, obwohl es neben ihm noch Tausende andere zukunftsschädigende Stoffe zu betrachten gäbe. Eure Umweltpolitik weist ihm über die sogenannten Emissions-Zertifikate ein Schadenspotenzial von nur 6 Euro pro verursachter Tonne zu, wo die tatsächlichen Schäden aber in der Größenordnung von annähernd 2000 Euro/Äquivalenz 2017 liegen.
Auch wenn euch diese Zahl schockiert, die so ganz und gar nicht mit den Angaben eurer Wissenschaftler übereinstimmt, sie ist das Ergebnis unserer Berechnungen und erstellt von Leuten, die im Gegensatz zu euch keinerlei Grund hatten, irgendetwas zu beschönigen oder im vorauseilendem Gehorsam vor Geldgebern und Chefs Erwartungen zu erfüllen. Sie enthält nicht nur die Schäden durch den Klimawandel in Form von Verlusten an Lebensräumen und früherer Möglichkeiten, die allein ihr ja schon viel zu gering und über viel zu kurze Distanzen hinweg schätzt. Nein, sie enthält auch Kalkulationen zu anderen finanziellen Dimensionen, wie Fragen zu Folgen der Folgen von Folgen, zu Wechselwirkungen, die ihr nicht wahrhaben wollt, zu Verlusten, die euch nicht auffallen, und Erkenntnisse aus Vergleichen von "Was-wäre-wenn-Szenarien", die euer beschränkter Horizont euch nicht erlaubt hat.

Insofern könnten wir fast schon bitterlich lachen über die Show-Auftritte eurer Politiker anlässlich sogenannter Klimakonferenzen, über das bitterbrave Wohlwollen der ahnungslosen Medien danach, über das raunende und anbiederische Gefasel von Wissenschaftlern und Umweltorganisationen, hier wäre etwas Wichtiges beschlossen worden, und über die Aufregung und die Selbstgerechtigkeit danach, wenn ein US-Präsident verkündet, klimapolitisch keine Absicht erklären zu wollen.
Überhaupt: Was nützt denn eine Schadstoffbegrenzung, wenn sie nur die zusätzlichen und permanent periodisch verursachten Mengen betrifft? Was hatte es dem Mann genützt, der Ziegelsteine sammelte und sie auf dem Dachboden lagerte? Als ein Freund ihn warnte, die vertretbare Deckenlast sei schon überschritten, beschloss er, nur noch 10 Steine pro Woche nach oben zu schaffen, statt 20. - Seid ihr wirklich unfähig zu erkennen, wie man euch betrügt?

Und dann wünschen sich eure Politiker, Unternehmensführer und Wissenschaftler noch mehr Wachstum des Ganzen, mehr von dem, was ihr Wirtschaft nennt.
Seht ihr nicht, dass inzwischen sämtliches Handeln innerhalb eures wirtschaftlichen Systems in immer weiter steigenden Maße Zerstörung verursacht? Bemerkt ihr nicht, dass ihr mittlerweile mit jeder kleinen Einheit eurer Gewohnheiten, mit jedem Detail eures alltäglichen Tuns Hand an die natürlichen Lebensgrundlagen legt?
Sobald ihr morgens aufsteht, ja sogar schon bevor ihr das tut, wird nur für euch Kohlendioxid freigesetzt, Rohstoffe verbraucht und Abfall hinterlassen. Alle Produktion und jede Dienstleistung eurer Zeit ist von dieser Notwendigkeit durchdrungen, wie die Gliedmaßen der Lebewesen von Adern und Blut. Ohne die kostenfreie Zerstörung, ohne die Möglichkeit der Abwälzung von Schadkosten auf Dritte, - ein Phänomen, das sich über Jahrzehnte hinweg in eurer Ökonomie zum ersten Produktionsfaktor herausgebildet hat -, ist für euch so gut wie nichts mehr umsetzbar. Was ist die Forderung nach Wachstum eurer Form von Wirtschaft denn anderes, als die Forderung nach Ausweitung des großen destruktiven Prozesses?

Als ob dies noch nicht genügt, behaupten eure Mächtigen sogar, dass Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen "Arbeitsplätze" gefährden. So nennt ihr die Stätten, an denen Menschen Geld dafür gezahlt wird, dass sie ihr Geschick und ihre natürliche Erschaffungskraft zum Wohle des Wirtschaftssystems auf meist sehr spezialisierte, einseitige und wenig selbstbestimmte Art und Weise einsetzen. Hier müssen sie den größten Teil ihrer Lebenszeit verbringen, weil sie sonst von gesellschaftlichem Leben weitgehend ausgeschlossen sind.
Jene unter euch, welche es auf ihren Arbeitsplätzen besonders gut verstehen, die Möglichkeit zur Auslagerung von Schäden auf Dritte für Profite zu nutzen, adelt ihr gar noch mit dem Titel "Leistungsträger der Gesellschaft".
Andere Arbeit, die einfache Strukturen nutzt, die vielleicht ebenfalls aus hoher geistiger Qualität entspringt und aus handwerklichem Geschick und die sehr viel weniger Schaden an der Zukunft anrichtet, dem System aber wenig dienlich ist, bezahlt ihr nicht, auch wenn sie den Menschen nützt und ihren Alltag bereichert. So unterstützt auch euer Geldsystem, eure von oben gesteuerte Verteilung finanzieller Möglichkeiten für die Einzelnen, die Zerstörung der irdischen Reichtümer.

Lasst es euch doch einmal auf der Zunge zergehen: Die Zerstörung zukünftiger Lebensmöglichkeiten soll also die erste Voraussetzung für genügend "Arbeitsplätze" sein? Wie anders soll man es noch formulieren, damit ihr den Betrug dahinter erkennt?
Seht es doch mal so:
Es gibt im Grunde nur zwei produzierende Kräfte, die technische und die menschliche Arbeitskraft. Die erste wird von eurer wirtschaftlichen Irrlehre systematisch idealisiert. Nahezu alle Schäden an unseren natürlichen Lebensgrundlagen, die ihr Einsatz in Produktion und Dienstleistung verursacht, hält das System peinlichst aus den Preisen der erzeugten Produkte heraus.
Die andere aber, die menschliche Arbeits- und Geisteskraft, wird dagegen hoch besteuert und mit allerlei sonstigen Abgaben, Vorschriften, Auflagen, Bedingungen und mit dem Zwang zur Alimentierung obskurer Verbände und Wasserköpfe drangsaliert. Arbeit für Menschen kann aber nur dann entstehen, wenn dieser zutiefst ungerechte Wettbewerb korrigiert worden ist.

Auch das, was ihr unter den gewogenen Begriffen Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit versteht, ist weitgehend auf euer enges System bezogen und betrifft allein eure Interessen. Wieviel Freiheit und wieviel Sicherheit, so will ich einwerfen, bleibt uns Menschen der Zukunft in zerstörten natürlichen Lebensgrundlagen denn noch übrig?
Welch ein Hohn ist es, wenn ihr das Wort Gerechtigkeit in den Mund nehmt. Euer edles niedergeschriebenes Grundgesetz, eure Verfassung, in der Theorie so wertvoll, lasst ihr für uns, für die kommenden Generationen, nicht gelten:
Entgegen Artikel 2, Absatz 1 führt die Art der freien Persönlichkeitsentfaltung innerhalb eures Wirtschaftssystems, euer Konsum, eure Mobilität, euer Lebenswandel, zur massiven Verletzung unserer Rechte. Entgegen Artikel 2, Absatz 2 ist unser Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit in einer Welt aus zerstörten Lebensgrundlagen faktisch abgeschafft. Artikel 3, Absatz 3 nennt menschliche Eigenschaften, für die niemand benachteiligt werden darf. Aber ist unser später in der Geschichte stattfindendes Leben, rund 150 Jahre nach euch, nicht ebenfalls eine Eigenschaft, für die wir nichts können und die in diesem Artikel sinngemäß enthalten ist? Entgegen Artikel 14, Absatz 1 gestattet euer Wirtschaftssystem es euch, uns alles zu rauben, dessen ihr habhaft werden könnt, ohne dafür auch nur die geringste Entschädigung zahlen zu müssen. Und Artikel 20a verweist lediglich auf eventuelle Gesetze zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, deren Verabschiedung als Voraussetzung für eine Anwendung euer Gesetzgeber aber tunlichst unterlässt.

Habt ihr den Gerechtigkeitsbegriff jemals als mehr verstanden, als eine pflichtgemäße Überschrift, nach deren vollmundiger Beteuerung sich die Inhalte dann nach Belieben anpassen lassen? Habt ihr mit Blick auf euren verantwortungslosen Lebensstil jemals überlegt: "Wie konnten wir so weit kommen?"
Wollt ihr der Zukunft auch die Aufarbeitung eurer dramatischen Ungerechtigkeiten überlassen? Was hält euch davon ab, die entscheidendste Frage eures Jahrhunderts zu stellen: Wieso beging die Welt-Gesellschaft, während sie sich noch mit der Frage beschäftigte: "Wie konnte Auschwitz geschehen?", gleichzeitig das nächste Menschheitsverbrechen? Wieso blieb die Empörung über den bürokratisch organisierten Mord an 6 Millionen Menschen derart folgenlos, dass man die bürokratisch organisierte fahrlässige Tötung an vielen 100 Millionen begann und Jahrzehnte lang betrieb?
Welches Licht wirft dies letztlich auf eure viel gepriesene Demokratie? Ist es nicht wesentlich schlimmer, wenn eine bürgerliche Bevölkerung in dieser als ach so frei idealisierten Staatsform zu einer opportunistischen Masse williger Vollstrecker des kollektiven Verbrechens wird, als wenn dies in einer Diktatur geschieht? Muss eure Form der Demokratie, die ja eine von Interessen-Gruppen und deren Medieneinfluss gelenkte Demokratie, in Wahrheit also eine Oligarchie ist, damit in der Zeitgeschichte nicht ebenso geächtet werden wie die Diktaturen des 20. Jahrhunderts?

Wie naiv ihr doch seid, wenn es nur um die für euch schon fast greifbare nahe Zukunft geht. Dass all eure so dringend benötigten Bodenschätze früher oder später verbraucht sein werden, wisst ihr doch.
Und genauso gut könnt ihr euch denken, dass vorher eine Zeit der Rohstoffknappheit kommen muss, mit Verteuerungen, mit riskanter werdenden Transporten der Stoffe zu euren Fabriken, mit neuen Möglichkeiten für das organisierte Verbrechen, mit politisch ausgefochtenen Verteilungskämpfen, ja mit gewaltsamen Auseinandersetzungen, mit zunehmenden innenpolitischen Problemen, mit Radikalismus rechter und religiöser Vereinfacherer und mit Auswirkungen massiver Verweigerungshaltung des Volkes.

Mit den Grundlagen eurer Produktion wird der weltweite Massenkonsum von Waren zusammenbrechen und dann möglicherweise auch die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern. Schließlich wird euer ganzes wirtschaftliches System mit sämtlichen darauf aufgebauten gesellschaftlichen Komponenten zerbröckeln.
Wie eine Gemeinschaft dagegen in Einfachheit leben kann, ohne den gewaltigen Nachschub an Energie und Bodenschätzen, habt ihr doch als gründlich überholt betrachtet und vergessen. Alle Brücken zu einer Gesellschaft der Menschenarbeit habt ihr gemeint abreißen zu können. Kaum jemand weiß sich noch zu helfen, wenn eure Geschäfte einmal leer sind und eure akademische Bildung euch nicht satt machen kann. Niemand kennt mehr die früheren Techniken in Handwerk, Landwirtschaft und regionaler Versorgung, die allein mit den vor Ort vorhandenen Mitteln und Materialien auskamen.

Wie werden eure Nachkommen mit der einsetzenden Völkerwanderung umgehen, wenn über 40 Prozent der ursprünglichen Siedlungsfläche auf der Erdoberfläche durch Folgen der Klimaveränderung, Überflutung oder Austrocknung, durch Zerstörung und Erosion des Ackerbodens, durch Vermüllung und Vergiftung des Trinkwassers und durch radioaktive Verseuchung verloren gegangen sein werden? Die heimatlos gewordenen Menschen werden in die noch gemäßigten Zonen streben, was sonst, so frage ich euch, bleibt ihnen auch übrig. Es werden über 100 Millionen sein, die kein Zaun und kein Militär mehr aufhalten kann. Die am wenigsten beschädigten Erdregionen werden die größte Anziehungskraft für Heimatlose ausstrahlen, und damit wird auch die Region des ehemaligen Deutschland mit Problemen konfrontiert, gegenüber denen ihr die Flüchtlingszahlen des Jahres 2015 vernachlässigen könnt.

Ihr werdet sagen, ich übertreibe. Lieber klammert ihr euch an die Beteuerungen eurer politischen und ökonomischen Führer, dass die Technik für alle Probleme Lösungen finden könne, dass Krisen zur Menschheit gehören und dass man sie bewältigen kann. Besonders dann, wenn ihr wie in diesem Jahr 2017 wiedermal aufgerufen seid, eure Herrscher in einer Bundestagswahl zu legitimieren, suggeriert man euch auf sämtlichen Kanälen: "Wir machen das schon".
Dabei wählt ihr doch nur noch mechanisch, ohne Erwartungen, ohne Hoffnungen und vor allem festgeklammert an das, was euch an erworbenem Status und Besitz geblieben ist. Status und Besitz, das ist eure Sorge, ihr wählt jene von denen ihr glaubt, dass sie euch diese Dinge noch möglichst lange erhalten, Dinge, die ihr im Grunde nur durch die Beraubung der Zukunft erwerben konntet. An sie habt ihr euch ebenso gewöhnt, wie an die menschenverachtende Art ihrer Realisierung. Ihr wählt jene, die euch die Voraussetzungen zur Durchführung dieser Beraubungen eingerichtet haben und weiterhin erhalten werden.
Dass es, bei welcher Wahl auch immer, nicht mehr um elementare Zukunftsgestaltung geht, also um ernsthafte Konzepte zur Frage, wie der bevorstehende Kollaps nahezu aller unserer Lebensgrundlagen noch abgemildert werden kann, wisst ihr sehr genau. Ihr erwartet auch keine Zukunftsgestaltung, und so bekommt ihr Regierende, die zu einer Gestaltung, zu angemessenen Antworten auf die Notwendigkeiten entschiedenen Umsteuerns unfähig sind. Ihr wisst, dass euch nur noch bleibt, jene aus eurer Mitte demokratisch zu legitimieren, die in den letzten noch fetten Jahren den Niedergang verwalten und die letztmöglichen Profite aus der Zerstörung des verbliebenen Restes der Welt für ihre Klientel sichern dürfen.

In was unterscheiden sich denn die euch zur Wahl stehenden Parteien? Ist auch nur eine dabei, die für die konsequente Abkehr von der Standard-Ökonomie und die radikale Beendigung, ja Beendigung jeglicher Zerstörung steht? Welche Partei kann dazu eine in sich schlüssige und gesellschaftlich umfangreiche Alternative anbieten? Befürworten sie nicht alle mehr oder weniger die Beraubung der Zukunft zum Vorteil ihrer Wählerschaft?
Ja selbst eure grüne Partei gehört dazu. Seit jene Leute, die dort früher den Umbau des Wirtschafts-Systems und den zugehörigen marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen denken konnten, als Fundis tituliert rausgeekelt wurden, gibt sich der Rest, die Machtbeteiligung fest im Blick, mittlerweile mit den lächerlichsten umweltpolitischen Aufhübschungen zufrieden.
Ihr, die ihr mit den "Grünen" liebäugelt, gibt es euch nicht zu denken, dass eine Partei, die vorgibt, ökologische Politik machen zu wollen, überhaupt Verhandlungen über eine sogenannte Jamaika-Koalition in eurem Land zu führen bereit ist? Was bitteschön, soll denn dabei heraus kommen?
Wie kann eine Partei, die sich einmal den Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen auf die Fahne geschrieben hat, mit Leuten, denen diese Lebensgrundlagen völlig egal sind, in einer Regierung zusammenarbeiten wollen? Diese Partei-Organisationen, CDU, CSU und FDP, sind doch einzig und allein auf die möglichst umfängliche Fortführung der globalen Zerstörung zu Profitzwecken aus.
Wenn die einzige Möglichkeit zur Rettung zukünftiger Möglichkeiten die umfängliche Beendigung eures destruktiven Wirtschaftssystems ist, erscheint es doch nur naiv, dass ein bisschen politische Grün-Schminke am fortgeführten Wirtschaftssystem irgendetwas zum besseren verändern könne. Diese Jamaika-Aufführung erlaubt doch nur zwei Deutungen, die grüne Partei betreffend: Entweder ist deren ökologischer Anspruch völlig leer, und es geht ihnen nur um eine Beteiligung an der Macht, oder sie haben kaum zutreffende Vorstellungen von den Zusammenhängen, welche zur Zerstörung der Zukunft, zur Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen für uns zukünftige Menschen führen.

Bald, in der Zeit des großen Umdenkens nach der Mitte eures Jahrhunderts, werden eure Nachkommen die Parteien eurer Zeit und ihre Unterstützer als Verbrechensorganisationen, als Horte der Niedertracht ansehen, in denen der Frevel an der Zukunft aus einer Hand, sowohl parlamentarisch beschlossen, als auch legitimiert wurde. Eure Nachkommen werden sie anklagen, bestrafen und entsprechend abwickeln. An ihren Taten und den schrecklichen Folgen für uns wird dies zwar nichts ändern, doch in die Geschichte wird für immer eingraviert, dass in einer Demokratie sehr leicht die Herrschaft des Verbrechens gesellschaftsfähig wird.

Insofern, vernehmt meine Worte aus dem Jahre 2164, ihr Schwestern und Brüder des Jahres 2017. Die Zerstörung der Zukunft kann nur aufhören, wenn euer gesamtes ökonomisches System beendet und durch ein völlig anderes, mit zum Teil gegenteiligen Prinzipien ersetzt wird. Ein solches System aber unterdrücken alle politischen Repräsentanten eurer Zeit und deren Profiteure und Helfer wohlweislich und systematisch.
Wenn ihr abermals zur großen Regierungs-Abstimmung aufgefordert werdet, denkt an uns Menschen in der fernerer Zukunft und unsere verzweifelte Lage. Nehmt diesen Appell mit zur nächsten Wahl: Wer noch einen Funken Verantwortungsgefühl und Anstand in sich empfindet, darf diesen Verrätern an der Menschheit und der Menschlichkeit seine Stimme nicht geben!"

Carl Christian Rheinländer sen


September 2017

Über die fehlenden Worte

In drei Wochen ist es wieder soweit. Die Pflichtübung "Bundestagswahl" wird durchgezogen.
Hinterher sind dann abermals Parteien am Ruder, die für die Beibehaltung des derzeitigen Wirtschaftssystems stehen. Welche Schäden diese Ökonomie an den natürlichen und sozialen Lebensgrundlagen der Menschheit anrichtet, habe ich an dieser Stelle schon mehrfach verdeutlicht.
Es war die Rede davon, wie dieses System in Deutschland beispielsweise die ländlicheren Regionen langsam ausblutet und die Ballungszonen aus allen Nähten platzen lässt, - wie es die Verschwendung zum Ideal unseres Alltags gemacht hat und wie es zur stetigen Steigerung des Verbrauchs zwingt, - wie es die Leute allmählich krank macht, körperlich und psychisch, - wie es ihnen systematisch die Zeit stiehlt und Muße diskriminiert, - wie es die früher normale und sichere Erwerbsarbeit langsam kaputt macht, die noch Sinn, Bestätigung, finanzielle Sicherheit und Perspektive geben konnte, usw., - wie es die "Dritte Welt" in Not und Bürgerkriege treibt und unseren Nachkommen nichts mehr übrig lässt.

Unsere Gesellschaft ist zum restlosen Verbrauch ihrer Grundlagen und ihrer nicht-materiellen Werte, gewissermaßen also zum Ausbluten verurteilt. Und weil Wahlen nichts ändern, weil das Volk manipuliert wird, stimmt es wie dumme Kälber, die ihren Schlachter selbst wählen, wieder für die Bewahrerin des Zerfalls, Angela Merkel. Selbst wenn, wie in Frankreich, die Wahlbeteiligung auf 45% fällt, wird diese aalglatte Person, unterstützt vom Koalitionspartner, der Wirtschaft weitere 4 Jahr lang die zerstörerischen Geschäfte decken.

Manchmal überlege ich, wieso dies alles so kommt, wieso die Leute nicht vorher erkennen oder sich sagen lassen, was sie sich einbrocken.
Jüngst fiel mir der Roman "Briefe in die chinesische Vergangenheit" von Herbert Rosendorfer ein, in dem der chinesische Mandarin Kao-tai mit Hilfe einer Art Zeitmaschine aus dem 10. Jahrhundert ins München der 1980er Jahre reiste. Dort sendet er ausführliche Berichte an seinen zuhause gebliebenen Freund und beschreibt, mal spöttisch, mal entsetzt, mit köstlichen Worten und mit unumstößlicher Distanz die seltsamen Gewohnheiten in der fremden Gesellschaft der Zukunft, seiner Zukunft.
Was, so dachte ich, stünde wohl in Briefen, die ein Mensch aus der Zukunft, etwa aus dem Jahr 2164, an uns heutige Menschen im Jahr 2017, also an die Akteure in seiner Vergangenheit, schicken würde? Aus der zeitlichen Distanz heraus und im Wissen um die Folgen fände er sicherlich die richtigen Worte, die uns heute zur Beschreibung des laufenden Verhängnisses fehlen.

Unser Zeitgeschehen wäre für ihn nicht nur bloße Geschichtsschreibung, die ihn kaum betrifft, sondern es wäre die Vorbereitungsphase seines eigenen Desasters, eine Zeit, die unmittelbar zur schweren Beschädigung der Lebensgrundlagen im Jahr 2164 führte.
Dort wird man Analysen anstellen zur Frage "Wie konnte es so weit kommen?" Wieso beging die Welt-Gesellschaft, während sie sich noch mit der Frage beschäftigte: "Wie konnte Auschwitz geschehen?", gleichzeitig das nächste Menschheitsverbrechen? Wieso blieb die Empörung über den bürokratisch organisierten Mord an 6 Millionen Menschen derart folgenlos, dass man die bürokratisch organisierte fahrlässige Tötung an vielen 100 Millionen begann und Jahrzehnte lang betrieb?

Vielleicht wird man einmal Tausende von Geschäftemachern und Politikern selbst posthum noch in Schauprozessen anklagen und enteignen. Die heutige bürgerliche Bevölkerung wird wiedermal als opportunistische Masse williger Vollstrecker in der Zeitgeschichte stehen, angeführt von einem hier beispiellos verantwortungslosen Journalismus der Mainstream-Medien.
Die heutige Demokratie wird als geschickt eingefädelte Diktatur gelten, wo Denkverbote für den Bereich jenseits der Standard-Ökonomie, Medienmobbing für jene, welche die globalen Taten der Schutzmacht dieser Ökonomie thematisieren und die Unterdrückung von mit dem Standard inkompatibler Nachrichten herrschten. Um dennoch bunt zu erscheinen, kompensierte sie den Zustand dann mit einem Dünnschiss irrelevanter, digitaler Meldungen, Moden und Meinungen.

Das staatlich gesteuerte Geldsystem und die Besteuerung menschlicher Arbeits- und Gedankenleistung, so wird man erkannt haben, diente zur wohlfeilen Disziplinierung des Volkes.
Die Wissenschaft durfte an kurzer Leine einige Phasen des Niedergangs analysieren und hatte ansonsten die Schnauze zu halten.

Und es wird wohl bessere Antworten auf die Frage geben: Wie konnte der gesunde Menschenverstand bei jenen Damen und Herren ausgeschaltet werden, deren Gesichter und Namen derzeit wieder inflationär auf den Partei-Plakaten prangen, und die allen Ernstes immer noch nach Wirtschaftswachstum rufen, also nach der zusätzlichen Ausweitung des allgegenwärtigen Frevels?

Juli 2017

Über die vergessene Verantwortung bei der Wahl - ein Zwischenruf

Zur Bundestagswahl im September scheint jetzt schon alles gesagt zu sein. Grundlegende Veränderungen sind nicht in Sicht. Es bieten sich dieselben Parteien mit den gleichen Köpfen und Sprechblasen an wie immer. Um elementare Zukunftsgestaltung geht es schon lange nicht mehr, also um ernsthafte Konzepte zur Frage, wie der bevorstehende Kollaps nahezu aller unserer Lebensgrundlagen noch abgemildert werden kann. Es geht, ebenso wie bei Wahlen in anderen Ländern auch, nur um die Entscheidung, wer den Niedergang verwaltet und den übrigen Teil der Bevölkerung (ob national, international oder generationenübergreifend), solange es noch geht, parlamentarisch abgesegnet bestehlen darf.

Das gewohnte Geschäft der globalen Industriegesellschaft, gewissermaßen die Kern-Disziplin, besteht im Prinzip einzig und allein darin, fossile Energieträger und Bodenschätze aus dem Boden zu holen und sie in Kohlendioxid und Müll zu verwandeln. Die Effekte dazwischen, wie Warenproduktion und Konsum, Unternehmensgewinne, materieller Wohlstand einiger Gruppen, Staatsfinanzierung, usw. sind bei längerfristiger, menschheitsgeschichtlicher Betrachtung extrem kurzlebig und können vernachlässigt werden. Als Ergebnis bleibt in der großen Bilanz allein die Zerstörung übrig. Die Forderung nach Wirtschaftswachstum neoliberalistischen Verständnisses, die ja tagtäglich von Politikern und Kommentatoren jeglicher Couleur bedenkenlos erhoben wird, ist deshalb nichts anderes, als die Forderung nach Ausweitung dieses destruktiven Prozesses.

Zu viele Wähler ignorieren die letztendlichen und bitteren Folgen der Politik "ihrer" Partei für unsere Urenkel. Vergessen wir schnell, was uns der gewohnte Journalismus versucht als Zukunftsszenarien auszumalen, wie etwa selbstfahrende Autos, Robotik, Smart-Home, Industrie 4.0 oder sonstige digitalistisch-technische Exzesse. - Tatsache ist: Jede uns bekannte auf Ressourcenverbrauch, auf Vernichtung endlicher Bestände beruhende "Normalität" wird verschwinden. Das eigentliche Resultat heutiger Politik, also "die Zukunft", wird vielmehr eine lange anhaltende bleierne Düsternis aus verlorengegangenen Möglichkeiten und verheerten Lebensräumen sein.

Und es sind viele Milliarden Menschen, die in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten auf diesem Planeten mit unseren Hinterlassenschaften und Ausplünderungen werden zurechtkommen müssen! Sie werden nicht lachen können über das Theater um den "wahren Klimaschutz" im heutigen Jahre 2017, über den Schaukampf zwischen dem US-Präsidenten und den übrigen Unterzeichnern des Pariser Abkommens. Der eine sagt vorher, dass er nichts tun will und wird getadelt. Die anderen flanieren mit ihren diffusen Absichtserklärungen wie mit Heiligenscheinen wochenlang durch die applaudierenden Medien, - und tun am Ende ebenfalls: NICHTS! So geht das seit über 20 Jahren. Kürzlich ließen sich die Chefs dieser globalen Bande "ehrenwerter" Heuchler beim G20-Gipfel in Hamburg wieder sündhaft teuer feiern. In Sicherheit des nur ihrer Politik zustehenden Polizeischutzes und im Wissen um die neuen propagandistischen Möglichkeiten infolge der Gewaltexzesse schwarz vermummter Unbekannter, führten sie ihren Kritikern wieder einmal deren Machtlosigkeit vor.

Immer finden diese Herrschaften neue Tricks und Ausreden, um ihre Orgie der Zukunfts-Ausschlachtung fortzuführen. So werden sie sich, wenn die an Land verfügbaren Rohstoffe demnächst erschöpft sind, auch das Heben der Methaneis- und Manganknollenbestände in den Weltmeeren gestatten, in mehreren Kilometern Tiefe, ohne vorher irgendwem zu erklären (oder es erklären zu können), welche neuen Jahrtausend-Schäden dabei wieder entstehen. Als einziges Kalkül wird gelten, das Profit-System weitere wenige Jahrzehnte länger betreiben zu können.

Ihre Shows und protzigen Auftritte, ihr professionelles Gerede über Dinge, die sie nicht verstehen und deren Folgen sie nicht abschätzen können/wollen, ihr höhnisches Wegwischen aufgestauter Probleme, zu deren Erfassung sie unfähig sind, ihre Routine in nebelhafter Rhetorik, im Beschwören inhaltsleerer Überschriften und im Unterstreichen aufgeblähter Symbolpolitik, - dies alles ist im Prinzip nichts als Wahlkampf, - denn permanent müssen die Einfältigen im Bürgertum bearbeitet und verkackeiert werden. Immerhin haben wir ja Demokratie, und da brauchen, pro-forma und frei nach Shakespeare, die Verrückten von den Blinden eine Legitimation, um sie führen zu dürfen. Ja, man muss sie bei Laune halten, die Kurzsichtigen, die Teilgebildeten, die fremdelnden Kindgebliebenen, die kalten Ignoranten, die Vergesslichen, und die anderen "zuverlässigen" Zielgruppen im üblichen Wahlvolk, denen meist die Zusammenhänge in der Lindenstraße oder an der Börse näher sind, als die ihrer eigenen Realität.

Der CDU/CSU-Wähler versteht sich als konservativ, begreift aber nicht den gewaltigen Unterschied zwischen wert-konservativ und struktur-konservativ. Die Union verteidigt allenfalls wirtschaftsideologische, spießbürgerliche und autoritär-christliche Ersatz-Werte. Ansonsten schützt sie ausgiebig den Einfluss und den Umsatz der bestehenden Wirtschaftsstrukturen. Existenzielle Werte, wie natürliche Lebensgrundlagen, aber auch Voraussetzungen, um ein zufriedenes Leben selbstbestimmt erwirtschaften zu können, oder konsequente Fairness zwischen allen Völkern als Grundlage stabilen Friedens, tritt sie mit Füßen, denn deren Bewahrung verhindert die fetten Profite.
Aus Sicht der nachfolgenden Generationen wird die CDU/CSU deshalb wohl als die mächtigste der deutschen und europäischen Verbrechensorganisationen gehandelt werden. Hauptsächlich die von dieser Partei verantwortete Politik generiert Brot und Spiele für die Stammwähler und prächtigen Luxus für die "Gestopften" nahezu ausschließlich mittels Beraubung schwächerer Mitbürger, ärmerer Weltregionen und vor allem unserer fernen Nachkommen.
Nur eine Frage wird wohl noch Generationen von Historikern beschäftigen: Wie konnte die "Patin" dieser christlich etikettierten Organisation, bzw. ihr Stamm von Getreuen samt Propaganda-Apparat, ein so lange funktionierendes System der geschönten öffentlichen Wahrnehmung aufbauen, auf dessen Bühne sie permanent als sauber und rein, als Fels in der Brandung, als Lichtgestalt erstrahlt? Tatsächlich betreibt diese Person im Amt des Bundeskanzlers die höchste Form ultimativer Verweigerung gegenüber sämtlichen wirklich wichtigen Fragen der Gegenwart. Und sie verdammt alle gewissenhaften Beobachter dazu, wie gelähmt dastehen und zusehen zu müssen, wie der Welt wertvolle Zeit zum Handeln durch die Finger rinnt.

Der AFD-Wähler befürwortet mit dem Bekenntnis zur gleichen Wirtschaftsideologie die direkte Schaffung von Fluchtursachen und lehnt dann entschieden alle Konsequenzen ab. - Hallo?!

Der FDP-Wähler wäre eigentlich CDU-Sympathisant, möchte allerdings weniger Einmischungen in Privatangelegenheiten. Dass der Freiheitsbegriff der FDP aber zuvorderst die Legalität ungebremsten Profits meint, was nur unter massiver Einschränkung persönlicher Freiheiten von Dritten möglich ist, sieht er nicht.

Der SPD-Wähler glaubt an eine dubiose "sozialdemokratische" Fiktion in der asozialen Ökonomie. Er lässt sich leicht von sozialer Frömmelei aus dem Munde von Schulz, Nahles und anderen Sozikraten den Verstand betören. Dass die SPD vor der Wahl eigentlich immer links blinkt, um dann rechts abzubiegen oder, öfter noch, mit Motorschaden liegen zu bleiben, ist seinem Erinnerungsvermögen schnell entschwunden.

Der LINKEN-Wähler glaubt an altbackene Umverteilungskonzepte, die ökonomisch nicht nachhaltig, ökologisch ziemlich leer und, gegenüber der faktischen Ungleichheit menschlicher Fähigkeiten, auch oftmals ungerecht sind. Keine der linken Parteien weltweit ist bis heute programmatisch über ein bloßes Herumdoktern am bestehenden Wirtschaftssystem hinaus gekommen. Dadurch bleiben sie mit ihm, wie in einer klassischen griechischen Tragödie, fest verbunden.

Der GRÜNEN-Wähler gibt sich mit den paar umweltpolitischen Aufhübschungen zufrieden, welche die zur liberalen Öko-CDU degenerierten "Realos" noch auf die Reihe kriegen. Dass Leute dort früher den menschheitsverträglichen Umbau des Wirtschafts-Systems und den unverzichtbaren marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen dafür denken konnten, dann aber als Fundis aus der Partei geekelt wurden, weiß er nicht mehr.

Und sonst? Sind denn außerparlamentarisch noch Parteien zu finden, die obigen gegenüber eben KEINEN ökonomisch-ideologischen Drall aufweisen und NICHT Klientelpartei sind? - Zwei könnte man hier noch nennen, deren Gang durch die Hölle überregionaler politischer Verantwortung bisher noch nicht erfolgt ist, und wo noch Hoffnung besteht, dass sie den Sturz in die Grube aus äußeren Anfeindungen und innerer Zerfleischung vermeiden können. Ohne damit eine Wahlempfehlung abzugeben, muss man feststellen, dass deren Präsens im deutschen Bundestag mindestens eine Bereicherung wäre.
- Die ÖDP, die einzige wirklich wertkonservative Partei, nimmt grundsätzlich keine Parteispenden an. Statt dass die Staatsmedien diese erste Voraussetzung zur politischen Unabhängigkeit gesondert hervorheben, beteiligen sie sich lieber an den Beweihräucherungs-Zeremonien für den verstorbenen Helmut Kohl, der es vorzog, die Namen von mächtigen Geldgebern mit ins Grab zu nehmen. Zum Wohle der Sponsoren seiner CDU war Kohl stets ein besonders entschiedener Frevler an den natürlichen Lebensgrundlagen.
- Die Partei DIE PARTEI schließlich, bekennt sich zum Verzicht auf ohnehin nicht umsetzbare oder unkalkulierbare Inhalte. Damit ist sie zumindest ehrlich und taugt als Protestpartei.

Die Menschen in der ferneren Zukunft werden wissen, dass ihre natürlichen Lebensgrundlagen, innerhalb einer erdgeschichtlich knappen Spanne von gut 100 Jahren, von neoliberalistischen Eiferern und ihren Steigbügelhaltern, aus den verschiedensten Parteien weltweit, gewissermaßen für ein Profit-Strohfeuer geschändet und geopfert wurden.
Auch wird ihnen die Mitschuld ihrer Vorfahren im Bürgertum bewusst sein, die sich von erbärmlichen Wohlstands-Karikaturen haben locken lassen, und ebenso die Mitschuld der Protagonisten in öffentlich-rechtlichen und Leitmedien, die der verlogenen Politik in rätselhaftem Gehorsam beim Inszenieren von Beschönigungen und Ablenkungsmanövern, wie etwa dem Schüren von Ängsten um eine zweifelhafte "Sicherheit", halfen.
Könnten diese Menschen aus der Zukunft, also auch unsere eigenen fernen Verwandten, im Vorfeld der Bundestagswahl 2017, und mit Blick auf das Angebot etablierter, standard-ökonomisch orientierter Parteien, einen Appell an uns richten, würde der sicherlich lauten: "Wer noch ein Funken Verantwortungsgefühl und Anstand in sich trägt, darf diesen Verrätern an der Menschheit und der Menschlichkeit seine Stimme nicht geben!"


von Carl Christian Rheinländer sen.


Juni 2017

Über Irrwege der Autoindustrie

Es kommt einem so vor, als wäre der "Dieselskandal" nichts weiter als ein Kavaliersdelikt. Da haben die Chefs der Autoindustrie den gesellschaftlichen Wert einer Technologie systematisch und mit aufwändigen, fiesen Tricks über viele Jahre massiv geschönt, aber keiner scheint sich aufzuregen. Bis zum 40-fachen der Werksangaben betrug der Schadstoffausstoß im wirklichen Normalbetrieb. Nicht nur der VW-Konzern hat die Abgaswerte manipuliert, sondern weltweit alle anderen Autobauer ebenfalls.

Genau genommen war die Sache weniger ein Skandal, sondern in mehrfacher Hinsicht ein abgesprochenes Verbrechen:

1. Mit dem Dieselmotor haben die Manager an einem Produkt festgehalten, das eigentlich seit über 30 Jahren aus dem Verkehr gezogen gehört. Welch Unmengen an Energie und Rohstoffen wurden durch den Marsch in diese technologische Sackgasse verschwendet? Mit welch sinnvolleren Entwicklungen hätten die Techniker sich in der Zwischenzeit beschäftigen können? Die Alternativen, - natürlich auch zum Benzinmotor, - wären heute längst marktreif!

2. Den Käufern wurde eben KEIN gutes Produkt verkauft, wie es die Werbung verspricht, sondern sie wurden nach Strich und Faden verarscht. - Gut, manchen ist dies egal, die wollen einfach nur fahren. Doch dieses Fahren ist für die Gesundheit anderer dramatisch, denn:

3. Dieser Gangster-Coups kommt, genau genommen, einem geduldeten Giftgaseinsatz gegen die Bevölkerung gleich. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der "Environmental Health Analytics" (LLC) in Washington, sind in den Ländern der EU, allein im Jahre 2015, über 32.000 Menschen durch Dieselabgase gestorben. 11.400 weniger wären es gewesen, wenn man die Grenzwerte eingehalten hätte. Diese zusätzlichen Opfer gehen aufs Konto der Abgasfälscher und ihrer Mitwisser. - Seltsam genug, dass die Medien in der Berichterstattung hier lediglich von sogenannten "vorzeitigen Todesfällen" sprechen. Sind diese an Asthma, Bronchitis, Herz- Kreislauferkrankungen, Krebs und sonstigen Folgen dahin gerafften Toten weniger schwere Fälle? Wer erschlagen, erschossen, erdolcht, oder in die Luft gesprengt wird, kommt ebenfalls "vorzeitig" zu Tode, wird aber als getötet, ja als ermordet bezeichnet. Wieso dieser verharmlosende Unterschied in der Formulierung? Juristisch gesehen liegen wir hier doch bei bandenmäßiger, fahrlässiger Tötung aus Habgier in 11.400 Fällen PRO JAHR.

4. Die Politik wusste Bescheid, auch wenn sie es abstreitet, zu deutlich bestehen hier gewisse Seilschaften. Unsere Kanzlerdarstellerin meinte vorm Untersuchungsausschuss natürlich, dass eine "Überforderung der deutschen Automobilindustrie" durch Umweltauflagen vermieden werden müsse. Mit anderen Worten: Für mehr Wirtschaftswachstum sind ein paar Tausend Tote jährlich tolerierbar. CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs streitet im Interview im Deutschlandfunk erhöhte Abgaswerte einfach ab und hält die "gefaketen" Werte für real. Er will "die Kirche im Dorf lassen" und meint bezüglich des Abgasausstoßes: "Viel weiter runter geht das nicht." Fuchs bekennt sogar frei heraus, dass man, - also die Wirtschaftsverbände inklusive der Mineralölkonzern-Lobby, - das Elektroauto eigentlich gar nicht wolle! Dessen "Wertschöpfung" läge nur bei 40 Prozent von der eines Autos mit Verbrennungsmotor!

5. Schließlich: Auch Elektroautos mit Lithium-Ionen-Akkus sind eine Sackgasse, in die man gar nicht erst einbiegen sollte. Die Rohstoffe dafür sind jetzt schon bald knapp.
Die Zukunft gehört, neben ganz neuen Mobilitätsformen, vielmehr Autos und LKWs mit Brennstoffzellenantrieb. Die fahren mit Wasserstoff, verbrennen ihn jedoch nicht, sondern wandeln ihn auf elektro-chemischem Wege in Strom um. Aus dem Auspuff tropft lediglich klares Wasser.
Aus vielen regenerativen Energieanlagen in Deutschland könnten dezentrale Tankstellen werden, die unabhängig von Importen neben Strom auch Wasserstoff erzeugen.

Doch, und hier schließt sich der Kreis: Die Weiterentwicklung regenerativer Energietechnik wird von den Verbrennungsmotor-Freunden in der CDUCSUSPDFDP ja ebenfalls blockiert. - Welch anderen Beweis für deren Beschränktheit braucht es denn noch? Können die sich wirklich nicht denken, dass sie am Ende der Sackgasse mit leeren Händen dastehen werden, ohne eine einsetzbare technische Alternative?
- Oder die Erklärung ist sogar folgende: Was aus der Autoindustrie in Zukunft wird, ist den Konzernchefs in Wahrheit völlig egal. Ihre Schäfchen kriegen sie auch mit der alten Motortechnik ins Trockene. In die Forschung und Entwicklung von Alternativen zum Verbrennungsmotor zu investieren hieße doch, dass die Firmen und ihre Aktionäre über etliche Jahre hinweg auf die gewohnten Profitraten und Finanzerträge verzichten müssten.
Angesichts der Nach-uns-die-Sintflut-Mentalität dieses Gesocks gegenüber den natürlichen Lebensgrundlagen wäre diese zunächst unwahrscheinlich klingende Deutung durchaus schlüssig.

Mai 2017

Über die Methode Syrien-Bashing

Es reicht den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und großen Printmedien offenbar nicht aus, in massiver Weise den Krieg gegen unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu unterstützen. Auch in puncto globaler Feindbildpflege geben sie die linientreuen Propagandisten westlicher Wirtschaftsinteressen. So begann Anfang April mit einem der syrischen Armee unterstellten Giftgasangriff das nächste Kapitel der Syrien-Hetze.
- Ohne Assad und seine Verbündeten zu verteidigen, muss man doch feststellen: Die Objektivität in der Berichterstattung zu diesem Stellvertreter-Krieg der Großmächte ist völlig abhanden gekommen. Auf Kritik an ihrer Einäugigkeit reagieren die Medien nur mit noch schärferer Meinungsmache, wie etwa dem neuen "ARD-Faktenfinder" oder "Dradio-@Mediasres" Hier wird der einhellige Schwindel lediglich "seriöser" untermauert.

- Beim Syrien-Bashing ist die Methode deutlich:
1. Der Grundsatz deutscher Rechtsprechung, dass ein vermuteter Täter erst durch Beweise schuldig wird, entfällt einfach. Für die Medien war von Anfang an der "mutmaßliche" auch ein klar erwiesener Giftgasangriff.
2. Der gesunde Menschenverstand zur Indizien-Recherche fehlt komplett. Warum sollte die syrische Armee, die derzeit immer mehr Gelände zurück gewinnt, Giftgas einsetzen, wo doch auch andere Waffen den Zweck erfüllen? Warum sollte sie es sich gegenüber der Weltöffentlichkeit so billig verscherzen? Den Nutzen hatten allein Assads Gegner, die eindeutig Giftgas, Produktionsstätten und Vorprodukte besitzen. Viel mehr deutet auf eine üble Inszenierung hin, um Donald Trump in den Kampf gegen Assad zurück zu zwingen.
3. Sämtliche Meldungen zu Syrien kommen aus zwielichtigen Quellen. Die dubiose "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte", ein Ein-Mann-Büro in London, sammelt lediglich Darstellungen der sogenannten "Rebellen" und gibt sie als vermeintliche Nachrichten weiter. Das ARD-Studio-Kairo veredelt diesen Müll. Die rührenden Videos des westlich bezahlten Al-Nusra-Zivilschutzes, der sich "Weißhelme" nennt, sind mit gestellten Szenen, geschminkten Kindern, Leichen als Verletzten, falschen Ärzten, fatalen OP-Methoden usw. durchsetzt, wie es z.B. die "Schwedischen Ärzte für Menschenrechte" feststellen.
4. "Gemäßigte Rebellen" gibt es gar nicht in Syrien. Die demokratische Opposition schweigt oder sitzt im Ausland, aber nimmt nicht mit Pick-Ups, US-Waffen und schwarzen Fahnen ganze Stadtteile in Geiselhaft.
5. Assad ständig als Diktator zu titulieren, soll die Tatsache verwischen, dass das syrische Volk mehrheitlich für ihn ist, im Gegensatz zu Trump in den USA. Sie wissen genau: Ohne ihren Präsidenten würde Syrien ebenso implodieren wie Libyen, Somalia und andere von der NATO "befreite" Länder, wo Milizenclans herrschen, die sich gegenseitig abschlachten - ein Paradies allenfalls für Waffenhändler.
6. In Berichten zu Kampfhandlungen gilt strikt zweierlei Maß. Es gibt "böse" Fass-Bomben der syrischen Armee etwa auf Ost-Aleppo, und es gibt "gute" Bomben von US-Jets und US-Drohnen auf Mossul, Rakka, usw. Letztere sind weitaus zahlreicher und treffen ebenfalls regelmäßig Zivilisten, Kinder und Krankenhäuser, doch davon hören wir so gut wie nichts.

Aber warum berichten unsere Medien derart tendenziös? - Weil die Politische Korrektheit es fordert! Das Festhalten am Eroberungswillen der NATO im Nahen Osten ist eine Analogie zum Festhalten am zerstörerischen Wirtschaftssystem ihrer Staaten. Beides wird von West-Medien als "alternativlos" angesehen. Beides erwarten Verleger, Intendanten und politische Eliten.

Die Wirtschaftsjournalisten, welche Klimaänderung, Kollaps der Meere und den Rest des Dramas mit Krokodilstränen beklagen und dann weiteres Wachstum fordern, sind ebenso Kriegstreiber, wie die Auslandskorrespondenten, die von Demokratisierung faseln und dann die Taten der neoliberalistischen Kreuzritter rein waschen. In ihrer milchbübischen Naivität, görenzickigen Blindheit und altherrenhaften Ignoranz kriegen sie nicht mit, aus welcher Richtung die größte Gefahr für die Weltgemeinschaft droht.
- Keine Spur mehr von den charakterlichen Eigenschaften eines Peter Scholl-Latour!

Und Leute, die wirklich schlüssige Analysen der Zusammenhänge liefern, wie etwa Prof. Günter Meyer, Orient-Experte an der Uni Mainz, Michael Lüders, Politik- und Islamwissenschaftler, Daniele Ganser, Schweizer Historiker, Prof. Theodore Postol am MIT, USA, Kevork Almassian, syrischer Videoblogger, Tom Dugan, britischer Journalist in Damaskus, der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer und viele andere, werden einfach zu Verschwörungstheoretikern erklärt.
- Auch dafür zahlen wir Rundfunkbeitrag!

April 2017

Über Christen und Politik

500 Jahre ist es nun her, seit Martin Luther seine Kritik an der römisch-katholischen Kirche veröffentlichte. Anders als etliche Reformatoren vor ihm, konnte ihn die mächtige Obrigkeit nicht zum Schweigen bringen. Dies lag vor allem an seinem Beschützer, dem Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen. Friedrich, "der Weise", der eigentliche Ermöglicher des Protestantismus, hatte durchaus andere Motive als sein Schützling. Während es Luther vornehmlich um theologische Inhalte ging, sah der Kurfürst auch eine Gelegenheit, sich vom weltlichen Einfluss des Kirchenapparats ein Stück weit zu befreien. Nahezu alle Länder des damaligen Europa litten unter dem erdrückenden Einfluss Roms, das die politische Führungsschicht im Griff hatte und überall mit abkassierte.
Schon der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth kritisierte 1500 Jahre zuvor die Verflechtung von Glauben und Geschäft auf drastische Weise. Zornig, und mit einer eigens dafür aus Stricken geflochtenen Geißel bewaffnet, trieb er in Jerusalem die Opferviehhändler und Geldwechsler gewaltsam aus dem Tempel. Auch in sozialen Fragen war Jesus wesentlich entschiedener als der obrigkeitshörige Luther, der den Aufstand leibeigener Bauern gegen ihre Unterdrücker mit den Worten kommentierte, man solle sie "totschlagen wie Hunde".

Die katholische Kirche beschloss erst während des 2. Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren offiziell die Trennung von Staat und Kirche, pflegt aber gewisse Beziehungen bis heute. In meiner Jugendzeit wurde im katholischen Gottesdienst am Wahlsonntag von der Kanzel herab unmissverständlich gemahnt, CDU zu wählen. Ob bischöfliche Hirtenbriefe heute noch solche Anweisungen enthalten, ist mir nicht bekannt.
Doch man vermittelt den Gläubigen auch auf andere Weise, welche Partei "göttliches Zertifikat" besitzt. Politiker halten regelmäßig Reden während großer kirchlicher Anlässe wie EKD-Synodentagungen, Deutscher Katholikentage, Ökumenischer Kirchentage, usw. Regional wird dies ergänzt von Veranstaltungen wie etwa den "biblischen Weinproben" der CDU-Vorsitzenden und Theologin Julia Klöckner. - EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strom "warnt" in Sonntagsreden kalkuliert folgenlos vor Rechtsextremismus und Klimaerwärmung. Den ehrlichen Hinweis auf die Ursachen aber, auf das rücksichtslose Wirtschaftssystem und seine Verfechter, bleibt er stets schuldig. Nun ja, auch er ist sich der gegenseitigen Abhängigkeiten bewusst.

Wer weiß schon, dass Bund, Länder und Gemeinden die christlichen Kirchen pro Jahr mit mindestens 17 Milliarden Euro subventionieren. Hierbei handelt es sich um Steuerverluste und -befreiungen, direkte Gehalts- und Pensionszahlungen an Bischöfe, Religionsunterricht in Schulen, theologische Ausbildung an Universitäten, Baulastverpflichtungen gegenüber Kirchenimmobilien, Zahlungen für sog. "Reichnisse" (z.B. Brennholz, Erbsen, Linsen), die deutsche Kommunen aufbringen müssen und Anderes. Wohl gemerkt: Hierin ist die Übernahme von oft über 90% der Kosten für kirchlich getragene Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhäuser, Altersheime und Kindergärten durch den Staat NICHT enthalten (Caritas und Diakonie bekommen hierfür allein 50 Milliarden).
All das wird begründet mit der Säkularisierung im Jahre 1803 zur Zeit Napoleons, für die man immer noch entschädigen müsse. Zwar wurde dafür die Kirchensteuer eingeführt, und es gab seitdem 4 bzw. 5 staatliche Neuordnungen, wo man dies hätte beenden (siehe Art.140 GG) und Staat und Kirche endgültig trennen können. Doch weil bestimmte Parteien die großen Kirchen brauchen, wird halt immer weiter gezahlt.

Äußerst pikant dabei ist: Die christlich etikettierte Partei ist die eifrigste Verfechterin des verheerenden Wirtschaftssystems und der verlängerte Arm der Wirtschaft, also der modernen Form jener Jerusalemer Geldwechsler und Opferviehhändler. Und mit solchen Leuten, die für den Profit die natürlichen Lebensgrundlagen verheizen, pflegen die evangelische und die katholische Kirche eine lukrative Win-win-Situation.
Für einen Christen aber sind diese Lebensgrundlagen identisch mit der Schöpfung, die Gott den Menschen als Heimstatt und zur Bewahrung anvertraute. Wo die Kirchen früher Andersgläubige, Homosexuelle und kluge Frauen umbrachten, vergehen sie sich heute in ähnlicher Ignoranz an der Wirklichkeit der Christen von morgen und an der Schöpfung als Ganzem.
- Die Gläubigen sollten sich einmal fragen, ob der Gott der Wirtschaft, der Politik und der Amtskirchen überhaupt jener sein kann, von dem Jesus sprach und ob es nicht höchste Zeit für eine neue "Tempelreinigung" wäre.

März 2017

Über Verbündete

Man sollte die aktuelle Diskussion um die NATO zum Anlass nehmen, um grundsätzliche Fragen zu diesem Bündnis zu stellen. Geht es wirklich, wie immer dargestellt, um die Verteidigung gegen Kommunismus, Drogen und Terrorismus? Was ist die USA für ein Land, das hier die Vorgaben macht und alles bestimmen will?
- Im Jahr 1821 mahnte US-Präsident John Quincy Adams, die USA sollten nicht "auf der Suche nach Ungeheuern" in die Welt ziehen. Dann nämlich wäre nicht mehr die Freiheit, sondern die Gewalt Inhalt amerikanischer Politik, und das Land würde zum "Diktator der Welt" und "seine Seele verlieren".

Um die Wende ins 20. Jahrhundert waren Adams' Worte vergessen. Für die Kontrolle über den Panamakanal bewaffnete man eine kleine Separatistengruppe in Nord-Kolumbien und fuhr am Tag des Aufstandes die US-Flotte drohend vor der Küste auf. Kolumbien war eingeschüchtert, und so entstand 1903 der neue Staat Panama, der die Kanalrechte an die USA abtrat. Bis 1940 wurden in Süd- und Mittelamerika mit geheimen Waffenlieferungen mehrere Regierungen gestürzt. Im Iran machte der gewählte Präsident Mossadegh im Jahre 1953 den Fehler, das britische Ölmonopol im Land zu verstaatlichen. Daraufhin wurde seine Regierung von britischem und US-Geheimdienst gestürzt und der Schah von Persien als Alleinherrscher eingesetzt. Nach zwei gescheiterten Versuchen, in Chile die demokratische Wahl des linken Präsidenten Allende zu sabotieren, wurde ein Putsch unter General Pinochet organisiert und Allende "geselbstmordet".- (Viele andere Beispiele könnten hier noch aufgeführt werden)

Laut einer Studie der NGO Global-Research in Kanada hat die USA seit Ende des 2. Weltkriegs 37 Länder angegriffen oder durch Geheimdienstarbeit in Bürgerkriege getrieben. 20 bis 30 Millionen Menschen wurden dabei getötet. Die "Liste bekannt gewordener CIA-Operationen" (in Wikipedia) nennt 32 Fälle von Geheimdienstarbeit seit 1948. Dies waren Wahlmanipulationen, Schwächung von Oppositionsgruppen, Staatsstreiche, gezielte Morde, Diktatoren-Hilfe, Aufrüstung nützlicher Verbrecher, Drogenhandel und andere Destabilisierungen. Die Dunkelziffer dürfte, beim Jahresbudget der US-Geheimdienste von weit über 50 Milliarden Dollar, zigmal höher liegen.
- Was haben Angriffe auf schwache Länder mit Verteidigung zu tun? Warum tut die USA das?

William Blum, früher im US-Außenministerium, heute Publizist in Washington, nennt vier Gründe:
1. Um den Weg für US-Unternehmen zu ebnen und zu sichern.
2. Um der US-Waffenindustrie, die Kongressmitgliedern großzügig Geld spendet, Einnahmen zu verschaffen
3. Um jegliches Gesellschaftsmodell zu verhindern, das eine Alternative zum Kapitalismus sein könnte.
4. Um die politische und wirtschaftliche Macht über möglichst viele Gebiete zu erweitern.
- Meist werden Militäraktionen mit Lügen begründet, um das Einverständnis der Öffentlichkeit zu erhalten. So war es bei den Kriegen im Irak, Libyen und Jugoslawien, aber auch in Vietnam, Afghanistan, u.A. Willi Wimmer, ehemals verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU, Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Kohl und früher OSZE-Vizepräsident, ist der Überzeugung, dass der Syrienkrieg systematisch von Geheimdiensten der USA, Britannien und Frankreich angezettelt wurde. Man bewaffnete Al-Kaida-Truppen, nannte sie "gemäßigte Rebellen" und erfand Horrormeldungen über die syrische Armee.
Dies deckt sich mit dem Bericht des ehemaligen Nato-Generals Wesley Clark, dass die Kriege im Nahen Osten von der US-Regierung lange vorher geplant wurden.
Bundeskanzler Kern aus Österreich (kein NATO-Mitglied) sagte beim EU-Gipfel im Februar, Hauptgrund der Massenflucht im Nahen Osten seien die Interventionen der USA. Von dieser Deutlichkeit ist unsere Kanzlerdarstellerin Merkel weit entfernt. Sie streut lieber, wie auch ARD, ZDF und D-Radio, Sand in die Augen der Bürger.

Tatsache ist, dass die USA mit dem Krieg-Führen gar nicht aufhören KÖNNEN, weil die mächtige Militärindustrie ständig Aufträge braucht. Es müssen immer neue Konflikte her, welch Leid es auch kostet. "Verteidigung" ist nur noch die Bekämpfung selbst erschaffener oder künstlich aufgeblähter Gegner. Niemals wird sich die NATO vom Modus "Kalter Krieg" verabschieden.
Das amerikanische Gesellschaftsmodell beruht direkt auf der Ausplünderung schwächerer Staaten und nachfolgender Generationen. Und wenn die NATO Russland noch weiter in die Enge treibt, kann es auch für uns Deutsche, die wir treu ergeben die Kriege des seelenlosen Welt-Diktators dulden, ganz böse ausgehen.

(PS.: - Aufklärend und zum Thema sehr zu empfehlen: Wikipedia-Artikel zum Vietnamkrieg)

Februar 2017

Über Öffentlich-Rechtliche Einfärbungen

Welchen Nachrichten kann man noch glauben? Sind hier die öffentlich-rechtlichen Medien tatsächlich der Fels in der Brandung aus "Fake-News", unparteiischer als die großen Zeitungen und ausgewogener als die sonstigen Nachrichten im Internet?

- Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, so heißt es, besitzt eine "dienende Funktion". Zur Förderung des Gemeinwohls soll er die Bevölkerung, im Geiste von Grundgesetz und Demokratie, mit objektiver Berichterstattung versorgen und umfassend freie Meinungsbildung gewährleisten. Sämtliche Strukturfragen der Sendeanstalten ARD, ZDF und Deutschlandradio regelt ein umfangreiches Werk aus Landes- und Bundesgesetzen, Satzungen, Vereinbarungen, Verträgen, usw. Zur personellen Kontrolle sind jedem Sender Rundfunk- und Aufsichtsräte zugeordnet. In den insgesamt 9 ARD-Rundfunkräten, im ZDF-Fernsehrat und im Dradio-Hörfunkrat, sitzen "als Anwälte der Zuschauer", Vertreter der wichtigsten gesellschaftlichen Institutionen. Sie sollen generell das Programm mitbestimmen, den Intendanten wählen und den Haushaltsplan genehmigen, - so zumindest die schön klingende, offizielle Theorie.

Die wahren Herren dort sind jedoch die großen Parteien und die Ministerpräsidenten. Erst im März 2014 mahnte das Bundesverfassungsgericht, den Anteil der Politiker in den Rundfunkräten auf maximal ein Drittel zu senken: "Die Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss als Ausdruck des Gebots der Vielfaltsicherung dem Gebot der Staatsferne genügen. Danach ist der Einfluss der staatlichen und staatsnahen Mitglieder in den Aufsichtsgremien konsequent zu begrenzen."
Doch so leicht lassen es sich die "staatlichen und staatsnahen" Insider nicht nehmen, den ihnen passenden Intendanten zu bestimmen und bei der Journalistenauswahl und der Programmgestaltung das letzte Wort zu haben. Immerhin schreiben sie auch die betreffenden Rundfunk-Gesetze und Satzungen selbst, wo drinsteht, welche gesellschaftlichen Gruppen wie viele Vertreter in die Rundfunkräte schicken dürfen.

So bleibt auch nach dem Urteil von 2014 alles beim Alten. Im restlichen Zwei-Drittel-Anteil der Rundfunkräte ohne Parteibuch sind noch genügend Getreue vorhanden, die im Sinne der Parteien abstimmen.
Im Jahr 2010 z.B. wählte der Rat des Bayrischen Rundfunks Ulrich Wilhelm, der bis dahin Regierungssprecher Angela Merkels war, mit 40 zu 3 Stimmen zum Intendanten. Seine Wiederwahl 2015 erfolgte mit 33 zu 5 Stimmen. Er und sein CSU-Spezi Siegfried Schneider, Chef der "Bayrischen Landeszentrale für neue Medien", sorgen, wie gewohnt, für die "richtigen" Fakten. Beide erhalten über 300.000 Euro Grundgehalt jährlich.

Nur manchmal erfährt die Öffentlichkeit etwas von den Machtkämpfen in den Sendeanstalten. So wurde z.B. im Jahr 2010 der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender von der CDU (von Roland Koch und Edmund Stoiber) mit Duldung der SPD aus dem Amt geworfen, weil er das "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen", nicht hinnehmen wollte. Einige Journalisten, so Brender, seien "informelle Mitarbeiter" der großen Parteien. Es bestünde ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten".

So haben denn viele Nachrichten in Radio und Fernsehen die gewisse Tendenz. Aufmerksame Beobachter können täglich Beispiele hierzu finden: Die ständigen US-Interventionen weltweit, per Geheimdienst, Militär und Waffenlieferungen, mit Hunderttausenden getöteter Zivilisten, werden stets milde beurteilt. Verschwiegen wird, dass hier der Hauptgrund für den neuen Terrorismus und das Flüchtlingselend liegt. Das derzeitige ökonomische System, basierend auf der absurden neoklassischen Wirtschaftstheorie, wird nicht in Frage gestellt. Politiker dürfen sich auf Überschriften-Politik beschränken und keiner kommentiert es, dass dieses selbstverliebte Schwätzertum die Weltgesellschaft in den Untergang rasseln lässt.

Das Verfassungsgericht hätte die Parteien vollständig aus den Sendeanstalten verweisen müssen. Jeder Einfluss läuft doch nur auf Wahlkampf hinaus.
Was wäre es so schön, wenn Radio und Fernsehen von freien Journalisten geführt würden, ohne den Druck ideologischer Bremsklötze. Es könnten dort visionäre Querdenker arbeiten und der Bevölkerung neue Perspektiven aufzeigen. Dann wüsste sie auch, was für elende Pfuscher sie bisher gewählt hat.
Doch zur obigen Frage: Die ÖR-Medien tanzen zu oft nach Parteipfeifen. Zur objektiven Information muss man noch andere Nachrichtenquellen hinzu nehmen, dann mit dem eigenen Verstand abwägen und öfters mal die berühmte Frage durchspielen: "Wem nützt es?"


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